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  • Alles über Pianistik:
    Grandioser Abend Igor Levis im Musikverein

    Wie um seine Universalität schon am Programmablauf ablesbar werden zu lassen, avisierte Igor Levit für seinen Abend im Großen Wiener Musikvereinsaal eine Art Tour d'horizon durch den Kosmos des Klavierspiels. Von Bachs Vierter Partita über Schuberts „Moments musicaux“ und Beethovens „Sturm“-Sonate reichte der Bogen zu Prokofieffs zweiter „Kriegssonate“ von 1942. Große Brocken also von höchst unterschiedlichem Zuschnitt. Die ganze Palette von Anschlags-, Farb- und Phrasierungskultur lässt sich daran abarbeiten – freilich weiß man auch in Wien schon nach den ersten Begegnungen mit Igor Levit, dass er all das, Prokofieffs rasante Schluss-Toccata inklusive, spielen kann, dass er alle Arten, einen Steinway zu traktieren, souverän beherrscht.
    Unendliche Melodien
    Tatsächlich lässt er schon mit der „Ouvertüre“ der D-Dur-Partita keinen Zweifel aufkommen, dass es ihm keine Sekunde lang darum geht, seine technische Virtuosität unter Beweis zu stellen. Bachs faszinierendes Werk begreift er, scheint's, von dessen zweitem Satz her, der „Allemande“, in der sich der Komponist wohl weiter als in irgend einer anderen seiner Suitensätze vom tänzerischen Grundmuster entfernt und zu neuen Ufern subjektiven musikalischen Ausdrucks aufbricht: Levit nimmt sich Zeit, um den ununterbrochenen, langen, schier endlosen Gesang sanft strömend zu entwickeln – vor Mozart und lang vor Wagner noch und viel „unendlicher“ scheinend als deren legendäre "unendliche Melodien". Bezeichnend, dass Levit zum Ausklang des Abends dann Prokofieffs Sonate Nr. 7 nicht als „Final“-Stück aufzäumt, sondern das „Andante caloroso“, den Mittelsatz, wie eine moderne Wiederauflage von Bachs mutigem Versuch zum Klingen bringt: Die Toccata spielt Levit mit einer Leichtigkeit und rhythmischen Brisanz, die ihn zum primus inter pares unter den heutigen Tastentigern macht; seine Darstellung des langsamen Satzes aber wird von diesem Abend wohl am stärksten in Erinnerung bleiben: Klavierspiel von innigster Gesanglichkeit, wie ein Selbstgespräch und doch von immenser Innenspannung erfüllt, die sogar den hartnäckigsten Katarrh in der 24. Reihe irgendwann zum Verstummen bringt.
    Die Macht der leisen Töne
    So hatten schon Schuberts „Momente“ geklungen, introvertierte, zärtliche Botschaften, in die nur das Allegro vivace (Nr. 5) rüde hereinbricht. Wie mit erstickter Stimme erzählen die Klänge auch Beethovens d-Moll-Sonate (op. 31/2): Von „Klassik“ kann bei solch beredtem, vielschichtigem Spiel keine Rede sein. Das ist Expressionismus pur, eine Musik, bei der auch Hörer, die sie gut zu kennen meinen, plötzlich nicht sicher sein können, wie sie (und ob sie überhaupt) im nächsten Moment „weitergeht“. Man hört Musik ganz neu, wenn ein solcher Pianist am Werk ist, der Interpretationen anzubieten hat, die diesen Namen verdienen, inspiriert, intuitiv an die tiefsten Emotionen rührend.
    Wie ein knappes Resümee die Zugaben: Eine ironisch-spritzige, doch abgründige "Polka" von Schostakowitsch und Busonis Arrangement von Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland" als Studie selbstvergessen beherrschter pianistischer Anschlagkultur - in (das ist nur scheinbar ein Paradoxon!) klangmächtigem Pianissimo.
    Übertragung auf Ö1: 5. Juni, 19.30.
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  • Hörfeuilleton MAX REGER zum 100. Todestag (Ausschnitte aus "Mozartvariationen", Klavierkonzert op. 114, "Symphonische Fantasie op. 57", Streichquartett A-Dur op. 54/2, Ballett-Suite)

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  • Freitag noch einmal: Philippe Jordan dirigiert den „Blaubart“
    Höhepunkt im Beethoven-Bartók Zyklus: die Psycho-Oper mit Violeta Urmana im Musikverein
    Herzog Blaubart beschäftigt unsere Fantasie. Was verbirgt sich hinter den sieben Türen, was bedeuten die Folterwerkzeuge und Waffen, die Blumen und Juwelen, die prachtvollen, sich endlos ausdehnenden Ländereien? Was schließlich der Tränensee, den Judith mit unnachgiebiger Insistenz hinter den verbotenen Pforten in Blaubarts Schloss entdeckt? Wie bringt man sie auf die Bühne?
    Am besten wohl, man überlässt die Enträtselung und Bebilderung jedem einzelnen Hörer. „Herzog Blaubarts Burg“ ist ein Werk, das stets im Konzertsaal am intensivsten wirkt. Da bleiben dem Publikum Peinlichkeiten etwelcher regielicher Verirrungen erspart – und Sänger wie Musiker haben die Chance, die Musik in all ihren Facetten ungestört zur Entfaltung zu bringen.
    Und es sind starke, einprägsame Klangbilder, mit denen Béla Bartók diese tönende Seelenbespiegelung akustisch illustriert, jede Station dieses verrätselten Beziehungs-Kreuzwegs hat ihren von knappen, scharf geschliffenen, sehr pittoresken Motiven geprägten Charakter.
    Philippe Jordan hat mit den Wiener Symphonikern mittlerweile eine Partnerschaft erreicht, die ihm ermöglicht, staunenerregende farbliche und dynamische Differenzierungsarbeit zu leisten. So spannt er einen Bogen über die knapp einstündige Wanderschaft ins Innere, der bei Auskostung sämtlicher illustrativen Details tatsächlich von einer bruchlose Steigerung der Intensität getragen scheint. Den Höhepunkt der musikalischen Erzählung ist, apropos dynamische Abstufung, nicht mit der imposanten C-Dur-Strahlkraft der „fünften Tür“ erreicht, wo Blechbläser aus allen Richtungen des großen Musikvereinsaals von der Macht des Herzogs verkünden. Hier entfesselt das Orchester vielmehr die äußerste, blendende Leuchtkraft. Das Geschehen kulminiert freilich erst in den großen Explosionen der Emotionen vor dem nächtlich-ausweglosen Finale: In Judiths Ausbruch nach dem Anblick des grauenhaft-faszinierenden Tränensees und Blaubarts letztem Aufbäumen gegen das Schicksal: Mit dem Erscheinen der früheren Frauen des Herzogs bricht die letzte Welle des gigantischen musikalischen Crescendos kraftlos in sich zusammen.
    Was der Dirigent so packend inszeniert, illustrieren die Singstimmen vielschichtig. Der Blaubart von Gábor Bretz führt seinen volltönenden Bass im Angesicht seiner vier Ehefrauen von eindringlicher Deklamation zu belkantesker Phrasierungskunst. Violeta Urmana beschreitet den umgekehrten Weg: Ihre Judith umwirbt und umschmeichelt den Herzog zunächst noch nach allen Regeln weiblicher Verführungskunst um zuletzt immer herrischer, unbedingter auf die Offenbarung auch der letzten Geheimnisse zu dringen.
    Das sitzt – und wird hoffentlich in der CD-Edition der Wiener Symphoniker verewigt. Am Freitag, 13. Mai, ist es noch einmal live im Wiener Musikverein zu erleben.
    Voran geht eine fein gedrechselte, weniger klangsinnlich als in Sachen Artikulation und Stimmentrennung sauber gearbeitete Wiedergabe von Beethovens B-Dur-Konzert mit Pierre-Laurent Aimard als Solisten.
    www.musikverein.at
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  • Lorenzo Viotti statt Chung im Konzerthaus
    Der Senkrechtstarter ersetzt den erkrankten Dirigenten der Wiener Symphoniker am 30. und 31. Mai.
    Myung Whun Chung muss nicht nur die "Don Carlo"-Serie an der Wiener Staatsopern sondern auch die Konzerte mit den Wiener Symphonikern am 30. und 31. Mai im Konzerthaus absagen. Es übernimmt der Gewinner des Salzburger "Young Conductors" Wettbewerbs, Lorenzo Viotti. Der Sohn des frühverstorbenen Dirigenten Marcello Viotti gilt als einer der hoffnungsvollsten Dirigenten der jüngsten Generation. Zuletzt feierte er einen großen Erfolg als Einspringer für Franz Welser-Möst am Pult des Concertgebouw Orchesters in Amsterdam. Das Programm der Wiener Konzerte bleibt unverändert: Beethovens Zweite und Mahlers Erste Symphonie sind zu hören.
    www.konzerthaus.at
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  • Lohengrin mit Herbert Lippert
    Burkhard Fritz kann auch die zweite Aufführung der Staatsopern-Serie von Wagners "Lohengrin" nicht singen. Nach Klaus-Florian Vogt springt am 14. Mai Herbert Lippert ein.
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  • Philharmoniker: Eschenbach ersetzt Salonen
    Esa Pekka Salonen musste kurzfristig seine Auftritte in Wien absagen. Christoph Eschenbach übernimmt die Konzerte der Philharmoniker am. 20., 21. und 22. Mai im Musikverein. Auf dem Programm: Beethovens "Egmont"-Ouvertüre, Schumanns Zweite Symphonie und das Brahms-Violinkonzert mit Lisa Batiashvili.
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  • Pereiras neue Saison in Mailand: Netrebkos Comeback als Violetta
    40 Jahre ist es her, dass die RAI Verdis "Otello" unter Carlos Kleibers Leitung im TV übertrug. Zum "Jubiläum" sendet Italiens staatliches Fernsehen 2016 die Eröffnungspremiere der Saison 16/17: Puccinis "Madame Butterfly" in jener Version, die anlässlich ihrer Uraufführung einst jämmerlich durchfiel. Italiens bedeutendstes Opernhaus will unter der Führung seines neuen Chefdirigenten, Riccardo Chailly mit Maria José Siri in der Titelpartie, diese Scharte nun auswetzen; und spielt kommende Saison außerdem, "Bohème", "Turandot" und "La fanciulla del West".
    In der Folge gibt es dreimal Verdi an der Scala: "Don Carlo" unter Myung-Whun Chung mit Krassimira Stoyanova, Francesco Melk und Ferruccio Furlanetto, "La Traviata" in der legendären, wunderschönen Inszenierung Liliana Cavanis mit Anna Netrebko, Francesco Meli und Leo Nucci (März 2017) sowie "Nabucco" mit Nucci und Martina Serafin, die beiden letzteren Stücke werden dirigiert von Altmeister Nello Santi.
    Deutsches Repertoire in Mailand 2016/17: Wagners "Meistersinger" mit Michael Volle als Sachs in einer Inszenierung Harry Kupfers, Humperdincks "Hänsel und Gretel" und Webers "Freischütz" (Regie: Mathias Hartmann). In den Meistersingern gibt Michael Schade den Stolzing - sein Debüt feiert der Tenor in dieser Partie demnächst in Glyndebourne.
    Regie-Klassiker von Zeffirelli und Strehler
    Sonya Yoncheva feiert ihr Scala-Debüt als Mimi in "La Bohème" in Franco Zeffirellis Regie-Klassiker, den 20. Todestag von Giorgio Strehler begeht man mit einem Revival von dessen Mozart-Inszenierung "Die Entführung aus dem Serail" - unter der Leitung jenes Dirigenten, der einst die Salzburger Festspiele-Premiere dieser Produktion leitete: Zubin Mehta. Der indische Maestro betreut in Mailand auch die Wiederaufnahme von Verdis "Falstaff" mit Ambrogio Maestri.
    Domingo singt Händel
    Barock: Placido Domingo in seiner neuen Rolle als Bariton versucht sich an der Seite von Barock-Spezialist Bejun Mehta an Händels "Tamerlano".
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  • Jubel um Beczala und Netrebko nach Dresdner "Lohengrin"
    Die Opernwelt blickte heute abend gespannt nach Dresden. In der Semperoper dirigierte Christian Thielemann den "Lohengrin" mit einer Star-Besetzung, in der zwei aufsehenerregende Wagner-Debüts zu feiern waren: Piotr Beczala sang erstmals die Titelpartie, Anna Netrebko die Elsa. Unser reisender Opern-Fachmann Josef Schmitt wird für die "Presse" berichten. Schon zur ersten Pause meldete er via SMS: "die Netrebko triumphiert in ihrer neuen Rolle, als hätte sie ihr Leben lang Deutsch gesungen; Piotr Beczala hat auch mit den heldischen Passagen keine Mühe", was nicht zuletzt auch auf das hoch differenzierte Dirigat Thielemanns zurückzuführen sei.
    Nach dem zweiten Akt gab es den ersten Höhepunkt zu vermelden: Die Ausseinandersetzung zwischen Elsa/Netrebko und Ortrud (Evelyn Herlitzius) geriet "packend, intensiv, entfesselt". Am Ende gab es lauten Jubel für alle, die beiden prominenten Debütanten, den Maestro, die "ungemein intensive" Evelyn Herlitzius und auch für den kongenialen Telramund von Tomasz Konieczny.
    Ein detaillierter Bericht von Josef Schmitt erscheint in der "Presse" am Samstag
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  • Nicht versäumen:
    Con Carlos, festspielreif

    In der Staatoper gibt man am 25. und 29. Mai sowie am 2. Juni noch Verdis "Don Carlos" in der italienischen Version mit Anja Harteros, Beatrcie Uria-Monzon, Ramon Vargas, René Pape und Ludovic Tézier.
    Die erste Aufführung der Serie wurde dank der Ballung großer Sing-Schauspielerzu einem packenden Musiktheater-Abend. "Ich weiß nicht, wann ich dieses Stück zum letztenmal so grandios gesungen und gespielt erlebt habe," fragte sich eine Dame während des tosenden Schlussapplauses. Ich weiß es auch nicht.
    Jedenfalls beweist diese Aufführung, wie dumm das Gerede unserer notorischen Opernweltverbesserern ist, die an eine Zukunft des Genres nur glauben, wenn Regisseure möglichst "zeitgemäße Deutungen" der Klassiker des Repertoires anbieten.
    Das Gegenteil ist wahr. Man erlebt es hier, wie aufregend, wie heutig ein Werk wie dieses sein kann, wenn in einem möglichst neutralen Ambiente (Angelo Linzalata), die Darsteller in möglichst ihren Rollen adäquaten Kostümen (Carla Teti) auf einem vernünftigen, am Libretto orientierten Regiekonzept aufbauend (Daniele Abbado) ihre ganz subjektiven Charakterstudien präsentieren können. Man spielt "Don Carlos". Das sieht ganz einfach aus - verfehlt jedenfalls vor allem deshalb seine Wirkung nicht, weil keiner auch noch irgendwelche zusätzlichen Regisseurs-Mätzchen mitdenken muss.
    Spontaner, direkter, packender als der Dialog zwischen Pape und Tezier alias König Philipp und Marquis Posa kann kein politisches Theater der Welt sein. Berührender als die Duette zwischen der Harteros und dem bubenhaft von seinen Pflicht- und Neigungs-Emotionen hin und hergerissenen Ramon Vargas lässt sich keine Liebesgeschichte erzählen.
    Die Konfrontationen der liebenden, leidenden, eifernden, intrigierenden Gestalten des von Verdi so kongenial in seismographisch präzise Klänge umgesetzten Schiller-Dramas werden an diesem Abend immer wieder auf die Spitze getrieben - einige Male erlebte man die bewusste atemlose Stille in musikalischen Generalpausen, mehr als einmal brandete spontaner Szenenaplaus auf; nicht nur, aber auch nach intensiv durchlebten Monologen wie jenem des Königs oder dem temperamentvollen "O don fatale" der Prinzesssin Eboli.
    Pape wie Uria-Monzon stellen unmittelbaren, aus der Sprache und der Emotion geborenen Ausdruck deutlich vor die Gebote des schieren Schöngesangs. Anja Harteros und Ludovic Tezier vereinigen die beiden scheinbar unvereinbaren Tugenden. In der großen Arie der Elisabeth von Valois am Beginn des letzten Bildes der Oper entfaltet sich das immense vokale Können der Primadonna auf schönste zwischen weitgespannten, imposant kraftvoll modellierten Phrasen (bei der Betrachtung des unbarmherzigen Schicksals) und selbstvergessen zarten Pianokantilenen (in der Erinnerung an schöne Jugendtage in Frankreich).
    Dem Posa gelingen ähnliche Kunststücke: herrlich strömt der Bariton, wenn sich der Politiker für das Gute, Wahre und Schöne begeistert, prägnant und scharf charakterisierend bis hin zum Sprechgesang widmet er sich der Realpolitik - und schaut zuletzt furchtlos dem Tod in Antlitz. Schier endlose Phrasen erinnern an längst vergangen geglaubte Zeiten erfüllten Operngesangs.
    Das sind Stimmfeste der hintergründigen Art, wie sie das Publikum liebt. Ensemble-Künstler wie Alexandru Moisuc (Inquisitor), Jongmin Park (Karl V) oder Ileana Tonca als Tebaldo agieren durchaus auf Augenhöhe mit den Stars. Chor wie Orchester heizen unter Marco Armiliato die Stimmung immer wieder gehörig an und treiben das Drama erbarmungslos seinem bitteren Ende entgegen.
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  • Oper ist nicht nur spannend, wenn Regisseure ihre Hand im Spiel haben - im Gegenteil
    Die Opernwelt blickte dieser Tage nach Deutschland: Gleich zwei Wagner-Premieren sorgten für Hochspannung, eine in München, eine in Dresden. Und schon so, wie der vorige Satz hier stand, war er inhaltlich nicht ganz korrekt. Denn in Dresden handelte es sich um keine Neuinszenierung, sondern um die Neueinstudierung einer über 30 Jahre alten Produktion.
    Und trotzdem waren sich die Musikfreunde einig: Der Dresdner „Lohengrin“ in der altbewährten Inszenierung von Christine Mielitz war ein Ereignis. Waren doch die Rollendebüts von Anna Netrebko und Piotr Beczała in den heldischen Wagner-Partien zu verzeichnen; und diese wurden unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann zu veritablen Ereignissen. Die Grundlage der Regiearbeit, die die begnadete Personenführerin Mielitz schon in Zeiten geliefert hat, als die Semperoper noch gar nicht wiedereröffnet war, genügt heute noch, um die Spiellust der Sängerdarsteller zu animieren und sie zu Leistungen zu treiben, die mit dem Text und der Musik harmonieren.
    Dergleichen verstand man unter lebendigem Musiktheater – und versteht es, wie die Reaktionen zeigen, noch immer so.
    In München jubelte die versammelte Wagner-Gemeinde nicht minder, denn auch da versuchte sich ein Publikumsliebling im schweren Fach: Jonas Kaufmann debütierte als Stolzing und gewann – wie denn auch anders? – die Herzen.
    Es gelang ihm unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, der das Bayerische Staatsorchester auf eine wahrhaft unerhörte Weise zum Spielen brachte: So differenziert und pointiert hört man die einzige Komödie aus Wagners Reifezeit nur an seltenen Feiertagen.
    Dass bei der Gelegenheit auch gleich eine Neuinszenierung aus der Taufe gehoben wurde, hat bei den vielen Nachberichten, die in der Opernszene rege ausgetauscht wurden, niemanden auch nur am Rande interessiert. Eher empfand man das Spiel in der modischen Kulisse als störend. Am besten hatten es, so der Tenor der Kommentare, die Hörer, die die Aufführung via Bayern 4 mitverfolgten. Sie hatten es jedenfalls gut, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen darf.
    Solche „Opernwahrheiten“ hat vor Jahren schon die große Ileana Cotrubaş in ihrem gleichnamigen Erinnerungsbuch verkündet. Nur die Opernintendanten – vorrangig jene, die in Deutschland tätig sind – glauben noch das Gewäsch der Rezensenten von der Notwendigkeit einer fortwährenden „Erneuerung“ des Musiktheaters durch den Geist der Regie, der ja, wie die Erfahrung lehrt, eher ein Ungeist ist. In Wahrheit ist jede gute musikalische Neueinstudierung einer großen Oper in stimmiger Kulisse eine taugliche „Erneuerung“.
    Wie heutig, wie modern etwa ein Werk wie Verdis „Don Carlos“ wirken kann, wenn sich (in neutraler Kulisse) eine exquisite Riege begnadeter Singschauspieler einfindet, ist derzeit gerade an der Wiener Staatsoper zu studieren. Was sich da an angewandter Psychologie zwischen den einzelnen Charakteren auf der Bühne ereignet, ist „Regietheater“ genug; denn da „inszenieren“ Schiller und Verdi.
    Dergleichen wird nicht alt; auch wenn man es uns immer wieder einzureden versucht. Wer's live nicht erleben kann, versuche sich am Livestream (2. Juni). Spannenderes „Opernkino“ wird kaum geboten . . .
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  • Alban Bergs Ford fährt nach Wien
    Einen "Ford A" mit damals sensationellen 40 PS konnte sich Alban Berg von den Tantiemen seines "Wozzeck" fünf Jahre nach der Uraufführung kaufen. Der Technik-Fanatiker hat sich damit einen Traum erfüllt und war stolz auf sein Gefährt. Als begeisterter Automobilist ist er durch die Lande gefahren; vor allem zwischen Wien und dem Wörthersee war Berg oft unterwegs. Das Waldhaus am See in der Nähe von Velden war auch lange die "Wohnstätte" des Wagens, der bis heute fahrtüchtig ist. Wer das Glück hatte, das Berg'sche Anwesen inspizieren zu können, fand nicht nur den Schreibtisch, an dem mit Seeblick Werke wie "Lulu" und das Violinkonzert entstanden, unverändert wie der Komponist ihn verlassen hatte, sondern im Arbeitszimmer auch die bei Bergs Tod, 1935, gerade "aktuellen" Motorzeitschriften.
    Der Ford allerdings wurde von der Alban Berg Stiftung nun dem Technischen Museum in Wien übergeben, wo er demnächst einen fixen Ausstellungsplatz erhalten soll. Ob die Stiftung, die sich im übrigen nicht gerade durch besonders markante Beiträge zu Pflege von Alban Bergs Andenken auszeichnet, vielleicht einmal das Waldhaus als Pilgerstätte für Verehrer des erfolgreichsten Komponisten der sogenannten Wiener Schule öffnen wird, steht offenbar weiterhin in den Sternen.
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  • Lohengrin im MDR: Ausschnitte aus der Aufführung mit Netrebko und Beczala 
    In der Sendung»MDR Kultur in der Oper« strahlt MDR Kultur am Samstag, 28. Mai von 20.05 bis 21 Uhr Auszüge aus Wagners »Lohengrin« aus, die in der Vorstellung vom 22. Mai unter Christian Thielemann mitgeschnitten wurden.
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  • Philharmonische Klang-Studien mit Semyon Bychkov in Schönbrunn
    So viel Publikum wie noch nie beim 13. Sommernachtskonzert - trotz durchaus rskantem, französisch getöntem Programm

    Was soll man bei eine Freiluftkonzert programmieren? Möglichst Populäres, damit alle Mitschunkeln können? Oder doch eher Raritäten, damit die Leut' was kennenlernen, von dem sie vielleicht angenehm überrascht sind?
    Für ihr 13. Freiluftspektakel im Park von Schloß Schönbrunn haben die Wiener Philharmoniker den riskantesten Weg gewählt: Wirklich Bekanntes stand nur ganz am Anfang (ein Fragment aus Bizets "Arlesienne") und am Ende (Ravels "Bolero") - und schon die Wahl des Letzteren ist bei einem Ereignis bemerkenswert, bei dem die Musiker vorrangig auf die Kunst der Tontechniker vertrauen müssen, die ihre Klänge in die Lüfte blasen: Kommt es doch bei diesem Stück nicht nur darauf an dass die Wiederholungen der beiden Strophen von Variation zu Variation immer lauter werden, sondern dass Ravel hier auch eine Instrumentationsstudie liefert, die zeigt, welche Farbvaleurs man einem großen Symphonieorchester abtrotzen kann. Obwohl im riesigen Freiluft-Konzertsaal letztlich doch nur der dynamische Aspekt zum Tragen kommen kann, baute Semyon Bychkov das gesamte Sommernachtskonzert auf klanglicher Subtilität auf. Als wollte er justament ein Exempel statuieren. Sogar bei Berlioz' zündendem Arrangement des ungarischen Rákoczy-Marschs (aus "Fausts Verdammnis") wählte er ein durchaus breites, gar nicht auf Effekt bedachtes Tempo. Und Ravels - vor dem "Bolero" gegebene - Suite aus dem Ballett "Daphnis und Chloe" machte er wirklich zu einem Fest artikulatorischer Finesse und koloristischer Subtilität. Bemerkenswerteste Wahl des Abends bleibt freilich Francis Poulencs "Doppelkonzert", das die Labeque-Schwestern Katja und Mariel mit dem gewohnten Temperament aus den Tasten der beiden Steinways meißelten. Gewiss, Poulenc ist mit diesem Werk der Beweis gelungen, dass die musikalische Moderne auch unterhaltende Aspekte aufweisen kann, dass man ein kunterbuntes Gemisch aus Strawinsky-Rhythmen und Hollywood-Gefühlsseligkeit im klassischen Gewand eines dreisätzigen Klavierkonzerts kostümieren kann. Doch recht das vermutlich nicht aus, um die Zigtausenden, die dem diesmal (Sommernachtskonzert Nr. 13!) endlich bei herrlichem Frühlingswetter stattfindenden Ereignis beiwohnten, in enragierte Parteigängern der französischen Avantgarde der 30er-Jahre zu verwandeln. Der Applaus geriet freundlich, aber nicht so freundlich, dass die "Zugabe" quasi kommen musste. Sie kam dennoch in Gestalt des Final-Galopps aus Saint-Saens' "Karneval der Tiere" und fand entsprechend enthusiasmierten Widerhall. Was den Zuspruch betrifft, schlug man diesmal, dem Wettergott sei Dank und riskantes "frankophones" Programm hin oder her, alle Rekorde. Die Spitzen der teilerneuerten Bundesregierung wurden zum Zeugen. Enttäuschte Fans standen aber in Hietzing bald vor verschlossenen Gittertoren. Der Park war tatsächlich heillos überfüllt; aber nicht so heillos, dass sich nicht zur üblichen Schluss-Zugabe - auf Offenbachs diesmal übrigens auch gar nicht rasantem "Can Can" folgte, wie zur Sommernacht gewohnt Strauß' "Wiener Blut" - doch noch für manche ein Tänzchen ausging . . .
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  • Yannick Nézet-Séguin folgt auf James Levine an der MET
    An der New Yorker Metropolitan Opera geht eine Ära zu Ende. Seit langem ist Chefdirigent James Levine, der die Geschicke des Hauses jahrzehntelang geprägt hat, krank. Doch ist er für die kommende Spielzeit für mehrere Aufführungsserien avisiert, auch wenn - so Insider - wenig Hoffnung besteht, dass Levine noch einmal ans Pult zurckkehren kann. Gerüchte über bevorstehende Ernennungen künftiger MET-Chefdirigenten hat es über die Jahre des öfteren gegeben. Vor allem Fabio Luisi war eine Zeit lang gut im Rennen, hieß es. Nun wurde doch der im amerikanischen Klassik-Business bestens vernetzte Yannick Nézet-Séguin gekürt, der offiziell zwar erst im Jahr 2020 antreten soll, bis dahin aber "designierter Musik-Chef der MET" heißen wird. Fix ist, dass der Dirigent die Nachfolge Levines antreten wird. Hierzulande ist er durch Auftritte bei den Salzburger Festspielen und sein Staatsopern-Debüt in der vergangenen Spielzeit bestens bekannt. Die Wiener Philharmoniker beschäftigen ihn als Gastdirigenten - unter anderem bei ihrem nächsten Gastspiel im Festspielhaus Baden Baden, dem ein Konzert im Wiener Musikverein vorangeht: Anton von Weberns Passacaglia op. 1 und Bruckners Neunte dirigiert Nézet-Séguin am 14. Juni im großen Saal bereits als designierter MET-Kapellmeister.
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  • Ein Etappensieg im Kampf gegen den Klang-Terror:
    Keine Musikberieselung mehr bei Marks & Spencer

    Der Grund für die Entscheidung ist zwar banal: Man will sich die ständig steigenden Tantiemen-Kosten nicht mehr leisten. Aber die geplagten Mitarbeiter der britischen Handeslkette und viele der Besucher werden dennoch aus ganz anderen Gründen aufatmen: Bei "Marks & Spencer" gibt es künftig in den Kaufhäusern keine Musikberieselung mehr. Immerhin sind das 375 Läden in den besten Innenstadtlagen von ganz Großbritannien. Ob man auf einen Domino-Effekt hoffen darf?
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  • Bregenz 2019: "Rigoletto" auf der Seebühne 
    Philipp Stölzl wird für die Bregenzer Festspiele der Jahre 2019 und 2020 Verdis "Rigoletto" erstmals auf der Seebühne realisieren. Das gab Intendantin Elisabeth Sobotka als Programm-Aviso in ihrer Jahrespressekonferenz am Donnderstag bekannt. Heuer gibt es in Bregenz eine Wiederholung der Vorjahres-Inszenierung von Puccinis "Turandot" - für die bisher 60 Prozent der angebotenen Karten verkauft werden konnten - sowie als Novität Franco Faccios "Hamlet", den der ORF zeitversetzt auch im TV präsentieren wird.
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  • Festspiele im ORF, Sommer 2016
    17. Juni: Sommernachtsgala Grafenegg (Olga Peretyatko, Bryn Terfel, Rudolf Buchbinder) ORF 2 (22.20)
    18. Juni "Hoffmanns Erzählungen" (Bregenz 2015) 3Sat
    10. Juli "Klassik unter Sternen" mit Elina Garanca ORF III
    20. Juli "Hamlet" von Franco Faccio (Bregenz) ORF III (20.15)
    24. Juli "Viktoria und ihr Husar" (Mörbisch) ORF III (20.15)
    30. Juli: Rossinis "Wilhelm Tell" (Kurfassung, Erl) ORF 2 (22.20)
    7. August "Liebestrank" (St. Margarethen) ORF III (20.15)
    12. August "Die Liebe der Danae" (Krassimira Stoyanova/Franz Welser-Möst, Salzburg) ORF 2 (21.20)
    19. August Grafenegg Sommerfestival, Eröffnung (Klaus F. Vogt, René Pape) ORF 2 (21.20)
    27. August "Faust" (Piotr Beczala, Salzburg) 3Sat (20.15)
    11. September "Die gold'ne Meisterin" von Edmund Eysler aus Baden ORF III
    17. September: "Turandot" (Bregenz 2015) 3Sat
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  • Joyce DiDonato sagt Salzburg ab
    ,,Nachdem ich die Rolle intensiv studiert und an ihr gearbeitet hatte, kam ich höchst widerwillig zu dem Schluss, dass sie für meine Stimme einfach nicht geeignet ist, so sehr ich mich auch bemühte, mich auf die Rolle einzustellen", schrieb die Mezzosopranistin Joyce DiDonato der Direktion der Salzburger Festspielen. Die US-Amerikanerin hätte bei den konzertanten Aufführungen von "Il templario" des Philharmoniker-Gründers Otto Nicolai am 27. und 30. August an der Seite von Juan Diego Florez die Rebecca singen sollen. Eine junge Französin springt ein: Clémentine Margaine.
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  • Anne Sophie Mutter erst im November in Wien
    Die Geigerin muss ihr für kommenden Montag (13 Juni) geplantes Konzert im großen Musikvereinssaal verschieben. Ersatztermin ist der 24. November. www.musikverein.at
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  • Rainer Küchl mit dem "Rosenkavalier"-Ensemble

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  • Abschied von Rainer Küchl an der Staatsoper
    Blumen gab es ungewöhnlicherweise diesmal für den Konzertmeister des Staatsopernorchesters nach der jüngsten Vorstellung von Richard Strauss' "Rosenkavalier". Es war die letzte Aufführung, die Rainer Küchl als Konzertmeister des Orchesters gespielt hat, der einst als jüngster Konzertmeister in der Geschichte des Hauses engagiert wurde und seit den frühen Siebzigerjahren als Qualitätsgarant am ersten Pult im Haus am Ring und bei den Konzerten der Wiener Philharmoniker galt. Im Verband der Philharmoniker wird Küchl noch bei den diesjährigen Salzburger Festspielen musizieren. Bruckners Vierte unter Zubin Mehta wird voraussichtlich sein letzter Konzertmeister -"Dienst".
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  • Riccardo Chaillys abgesgter Abschied von Leipzig
    Am 19. Juni hätte sich Riccardo Chailly als Chefdirigent von Leipzig verabschiedet. Dreimal sollte dieser Tage Mahlers Dritte Symphonie gespielt werden: Für die Aufführungen am 16. und 17. Juni wird ein Ersatzdirigent gesucht, das eigentliche "Abschiedskonzert" des Chefdirigenten Riccardo Chailly am 19. wird ersatzlos gestrichen. Der Maestro musste krankheitshalber alle Termine absagen.
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  • Jonathan Nott dirigiert Jonas Kaufmanns Mahler-Marathon
    Daniele Gatti musste krankheitshalber seine Mitwirkung an der Aufführung von Gustav Mahlers "Lied von der Erde" am 21. Juni im Wiener Musikverein absagen. An seiner Stelle dirigiert Jonathan Nott die Philharmoniker an diesem Abend, der insofern eine besondere Stadtion in der Aufführungsgeschichte von Mahlers "Symphonie für eine alt und eine Tenorstimme und großes Orchester" darstellt, als Jonas Kaufmann erstmals sowohl die für Tenor- als auch die für Alt (bzw. Bariton-)Sstimme gedachten Sätze (also geschätzte 65 Minuten mit nur wenigen Unterbrechungen der reinen Orchesterpassagen) singen wird.
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  • Jonathan Meese und Bernhard Lang interpretieren bei den Wiener Festwochen 2017 "Parsifal" neu
    Anlässlich der Art Basel hat der designierte Intendant der Wiener Festwochen, Tomas Zierhofer-Kin, ein Projekt für Juni 2017 vorgestellt: Regisseur Jonathan Meese und Komponist Bernhard Lang "interpretieren" den "Parsifal" von Richard Wagner neu und werden "den Mythos in ein weit entferntes Revolutionsjahr der Zukunft" verlegen. Titel der Performance: „MONDPARSIFAL ALPHA 1-8 (ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ)“. Es soll, so der PR-Text, "eine zeitgenössische Würdigung der letzten Wagner-Oper" werden. Bernhard Lang will "sich eng an das Libretto und die Struktur der Oper Wagners" halten, "um daraus einen vollkommen neuen Klangkosmos zu schaffen." Jonathan Meese meint: „Richard Wagner ist, wie Meese, ein Kunstfanatiker mit dem Tunnelblick K.U.N.S.T. Richard Wagner ist keine Ersatzreligion, Richard Wagner ersetzt alle Religionen. Richard Wagner ist die Machterzergreifung KUNST, Meese's Parsifal ist Kunstherrschaft. Meese dient dem Richard Wagner ohne Falsch.“ Der originale "Parsifal" soll übrigens kommende Spielzeit an der Wiener Staatsoper Premiere haben: Die Neuinszenierung erarbeitet Alvis Hermanis, Semyon Bychkov dirigiert, Nina Stemme debütiert als Kundry. Premiere ist am 30. März. Wagnerianer, die nicht unbedingt auf eine "Neuinterpretation" des "Bühnenweihfestspiels" durch zeitgenössische Komponisten und auf eine Inszenierung von Jonathan Meese warten, können also weiterhin ruhig schlafen.
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  • Glucks „Alceste“ wieder in Christof Loys Kindergartenregie, aber musikalisch grandios unter Christophe Rousset mit Véronique Gens.

    Die Lösung der Frage, wie man die einst richtungsweisenden, doch später als rettungslos verstaubt geltenden Opern eines Christoph Willibald Gluck zeitgemäß wiederbeleben könnte, ist ausschließlich musikalisch möglich. Der Glaube daran, dass die Exponenten des sogenannten Regietheaters irgendetwas Förderliches zur Erhellung beitragen könnten, entpuppt sich bei jedem neuen Versuch als Illusion.
    Die Wiener Staatsoper hat es 2012 mit Christof Loy versucht, der in „Alceste“ einen rechten Kindergarten auf die Bühne gezaubert hat. Wenn sich das Drama dennoch als höchst anrührend (angesichts der vielen Stofftiere im wahrsten Sinn des Wortes) entpuppt, dann liegt das ausschließlich an den Leistungen der Sänger, des Chors und des Orchesters. Wobei Letzteres diesmal von prominenten Debütanten gestellt wurde. Christophe Rousset leitete seine Talens Lyriques und holte feinsinnig alle Farben und klanglichen Delikatessen aus dem von Gluck so differenziert gehandhabten Instrumentalensemble. Stimmungszauber ist oft großgeschrieben. Mag dem Ritter Gluck auch die melodische Gabe des Kollegen Mozart (der von den auch ihm verliehenen Ritterehren nie Gebrauch gemacht hat) versagt geblieben sein, er weist seinen Solisten doch anschmiegsame Vokallinien zu, die diesen als dankbare Vehikel für gefühlvollen, emotionalen Gesang dienen können.
    Aus dem Geist der antiken Tragödie heraus versuchte Gluck, das Musiktheater zu revolutionieren; wenige große Arien, viel orchestral bunt koloriertes Rezitativ – und Schlag auf Schlag folgende Pointen, deren nahtlose Präsentation niemals durch Applaus unterbrochen werden durfte – das war der neue Grundsatz. So modern waren die Ansprüche dann ein halbes Jahrhundert lang nicht mehr, bis Richard Wagner sich an dem großen Vorbild ein Beispiel nahm und laut offizieller Geschichtsschreibung jene „unendliche Melodie“ erfand, die eine Sängerin vom Format der Véronique Gens schon bei Gluck zum Klingen bringt. Enorm, was diese Künstlerin an subtil schattiertem Belcanto zu bieten hat. Der Sopran klingt mollig weich und warm in allen Lagen, muss selbst bei den Posaunenattacken der „Divinités du Styx“ nicht forcieren, gewinnt aber an Intensität, je mehr Diminuendo die Partitur verlangt.
    Dramatik aus dem Geist des Belcanto
    Auch der Admète des Joseph Kaiser ist ein Pianissimo-Expressionist. Enorm der Moment der Erkenntnis, dass es seine geliebte Frau ist, die sich für ihn aufopfern möchte: Während es dem geschockten König die Kehle zuzuschnüren scheint, klagt der (von Thomas Lang phänomenal vorbereitete) Chor aufs Heftigste. Hier eint Gluck antikes und modern-psychologisches Theaterdenken auf engstem Raum, eine Opernkernfusion, aus der einer der eindrucksvollsten Dialoge der Musiktheaterhistorie erwächst.
    Diese Spannung übertragen Gens und Kaiser im Verein mit Chor und Orchester ganz und gar aufs Publikum, das dem Geschehen trotz der teils lächerlichen Szenerie mit angehaltenem Atem folgt. Auch die übrigen Protagonisten fügen sich ins musikalisch dichte Bild, Clemens Unterreiners Hohepriester vor allem mit macht- und würdevollen Phrasen, der ungeschlacht-frohgemute Herkules von Adam Plachetka, der zuletzt (eine der wenigen gelungenen Regie-Marginalien) nach mutig absolviertem Athlon völlig unbeachtet von dannen ziehen muss.

    „Alceste“-Reprisen heute (16. Juni) sowie am 19. und 21. Juni.
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  • Johan Bothas Comeback
    Der Tenor hat seine schwere Erkrankung überwunden
    Fast auf den Tag genau nach sieben Monaten ist Johan Botha im Rahmen des Wagner Festes des Palace of Arts in Budapest als Siegmund unter der Leitung von Adam Fischer auf die Opernbühne - nach Überwindung einer schweren Krankheit - mit triumphalen Erfolg zurückgekehrt.

    Der Künstler plant nun auch seine nächsten Auftritte vor dem Sommer, die Aufführungen von Turandot an der Bayerischen Staatsoper an der Seite von Nina Stemme im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am 7. und am 10. Juli, wahrzunehmen. Nach der Sommerpause wird er mit Turandot und Aida auch wieder auf die Bühne der Wiener Staatsoper zurückkehren.
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  • Karlheinz Essls Abschiedssymphonie
    Mit einem ungewöhnlichen Projekt - wie denn auch anders? - verabschiedet sich der Komponist Karlheinz Essl von den Veranstaltungs-Hallen des Essl-Museums. Am 25. Juni bittet er fünf Musiker aus ganz unterschiedlichen "Richtungen" ins Haus, zu einer Performance, von der er selbst meint: "Was dabei herauskommt, steht in den Sternen". Freunde der klingenden Avantgarde, die Esels Kreativität und Fantasie schätzen, werden das nicht versäumen wollen. 25. Juni, 16 Uhr - Ess-Museum, An der Donau-Au, 3400 Korneuburg. Eintritt frei!
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  • Die Netrebko wieder als Manon in Wien - diesmal zu Puccini-Klängen
    Die neue Besetzung lässt die Widrigkeiten der missglückten Robert-Carsen-Inszenierung dank höchster musikalischer Expressivität vergessen
    Die Manon war einst eine der Glanzpartien der Anna Netrebko. Die Premiere der Massenet-Oper an der Seite von Roberto Alagna ist unvergessen, die Verführungsszene in St. Sulpice, von diesen beiden Künstlern dargestellt, gehört zu den aufregendsten Erlebnissen, die Musikfreunde in der jüngeren Wiener Operngeschichte machen konnten.
    Nun präsentierte sich die Netrebko in ihrer 12. Wiener Partie: als die andere Manon, die von Puccini. Folgerichtig, gemäß der Entwicklung ihres Soprans in Richtung gewichtigerer dramatischer Aufgaben. Marcello Giordani ist in diesem Fall der Chevalier Des Grieux, ein tenoraler Kraftlackel mit unfehlbaren Höhen. Gleich im ersten Duett testet er anhand eines von Puccini als Möglichkeit angedeuteten, aber keineswegs zwingend vorgeschriebenen hohen Hs, dass die Tagesverfassung Bahn frei signalisiert, danach lässt er sich auch angesichts der selbstverständlich bombensicheren vokalen Leidenschafts-Attacken der Netrebko nicht lumpen. Im zentralen Liebes-Duett steigert sich die Begehrlichkeitskurve auf höchste, applaustreibende Werte.
    Das lässt etwas von jener bei Opernfreunden höchst beliebten Arena-Stimmung aufkommen, die zu einem echten italienischen Musiktheaterabend der Spitzenklasse wohl auch gehört
    Freilich liegen die imponierenden künstlerischen Stärken der Netrebko anderswo, bei ihrem instinktiven Einfühlungsvermögen in den Charakter einer Figur, die sie optisch filmreif zum Leben erweckt, ganz gleich wer in welchem Ambiente auch immer Regie geführt hat. Selbst das Bühnenbild Antony McDonalds, in dem Robert Carsen 2005 die Manon – wie sinnig – in einem fashionablen Kaufhaus verdursten ließ, kann angesichts einer so minuziös durchgeformten Studie die Stimmung nicht vollständig töten.
    Das gelingt, weil die Netrebko – im Gegensatz zu den durchwegs offenkundig völlig unmusikalischen Regisseuren – ihre Gestaltung voll und ganz aus der Musik heraus entwickelt. Und das geht dem Publikum unter die Haut, weil es das Schicksal der Manon nicht nur sehen, sondern auch hören kann: und zwar mit allen erdenklichen Zwischentönen. Man muss nur aufmerksam lauschen, wie dieses Mädchen angesichts ihres plötzlichen Reichtums im zweiten Akt über Sinn und Zweck von Schönheitspflästerchen philosophiert und innerhalb einer Phrase ihre Tongebung – wie’s das Libretto suggeriert – zwischen „wollüstig“ und „kokett“ moduliert. Entsprechend reichhaltig ist dann der Ausdruck, wenn die erotische Leidenschaft aus ihr herausbricht.
    Dass der tenorale Verehrer zumindest die eruptiven Kraftentladungen voll mittragen kann, ist schon lobenswert. Wolfgang Bankls Geronte, der zunächst die Rolle des alten Genuss-Spechts mit Wonne auskostet, muss sich von dieser Circe demütigen lassen, schlägt aber dann mit aller Gewalt zurück; auch das macht Bankl, der in dieser Produktion auch die Rolle des Schiffs-Kommandanten im letzten Bild übernimmt, erschreckend realistisch glaubhaft.
    David Pershall dazu als schlüpfrig-listiger Lescaut und Carlos Osuna als williger Erfüllungsgehilfe Edmondo ergänzen die theatralisch durchwegs famose Darsteller-Riege, Juliette Mars und die vier „Madrigalistinnen“ singen das antikisierende Einlage-Lied im zweiten Akt wohllautend; dass es zu den anmutigen Stil-Pointen, die Puccini so bewusst setzt, nicht passt, kann man den Sängerinnen so wenig anlasten, wie den Statisten und Statistinnen, die am Ende des Mittelakts eine Massenvergewaltigung andeuten müssen, die mit „Manon Lescaut“ wirklich nichts zu tun hat.
    So ist es im Repertoire-Theater, man muss mit Regie-Ausrutschern jahrzehntelang leben. Dafür hat man in Wien das wendige Staatsopernorchester, das unter Marco Armiliato großen Singschauspielern immerhin klanglich die passende Kulisse schafft; ganz ohne Anbiederung an den bei Puccini gern geäußerten Kitsch-Verdacht. Im Gegenteil, richtig verstanden, hört man ja hier dramaturgisch bedingte Schnitte und Akzente, wie man sie musikhistorisch erst viele Jahre später etwa bei Janacek erwarten würde. Und zwischendurch auch echte Ohrwürmer, versteht sich – noch vier Mal bis zum Ende der Saison; für alle, die keine Karten ergattern konnten auch auf der Großleinwand „live am Platz“ am 27. und 30. Juni.
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  • Jonas Kaufmanns Mut zum Übermut
    Der Tenor sang „Das Lied von der Erde“ im Alleingang. Die Frage nach dem Wozu blieb unbeantwortet.

    Die Philharmoniker, ein Publikumsliebling und ein Werk, für das normalerweise zwei Solisten engagiert werden müssen. Warum Gustav Mahler ausdrücklich von einer „Symphonie für eine Tenor- und eine Alt-(oder Bariton-)Stimme“ spricht, wissen nach diesem Abend im großen Musikvereinssaal jetzt immerhin alle.
    Der Impetus, die heldische Strahlkraft der tenoralen Höhen ließen im ersten Satz, dem „Trinklied vom Jammer der Erde“, keinen Zweifel aufkommen: Jonas Kaufmann ist der ideale Interpret für die drei seiner Stimmlage zugedachten Nummern. Kaum eine andere Stimme durchdringt in diesem kräfteraubenden Stirnsatz so machtvoll die – im Falle des einspringenderweise dirigierenden Jonathan Nott besonders aggressiven – Attacken des Riesenorchesters; und gebietet dann ebenso souverän über die poetischen Pastelltöne der inmitten der Symphonie gelegenen Miniatur „Von der Jugend“. Jonas Kaufmann vereinigt solche Gegensätze mühelos.
    Seine Stimme klingt bei aller Höhensicherheit baritonal-männlich, das stimmt. Dass er dem zum Trotz ein Tenor ist und bleibt, erfährt man, sobald er die oft in extrem tiefen Lagen notierten, melancholischen Verse von Abschied und Resignation in den Sätzen 4 und 6 deklamiert. „Erzählend und ohne Espressivo“ steht über der ersten Zeile des abschließenden Li-Tai-Po-Gedichts – das müsste als quasi Generalabsolution für viele Phrasen in Kaufmanns Versuch herhalten; allein, wenig später bittet Mahler schon wieder um „sehr ausdrucksvollen“ Gesang. Den kann Kaufmann im tiefen Vokalkeller nicht bieten. Ob Kaufmann, der Manager, für Kaufmann, den Tenor, Kaufmann, den Bariton als ebenbürtigen Partner akzeptieren würde? Das abschließende „Ewig, ewig“, eine Oktav höher gesungen, hätte vielleicht die sonst unausbleibliche bewegende Wirkung gehabt.
    Diesmal sorgte – bei besonders zügigen Tempi – eher der Respekt für die athletische Leistung für den obligaten Schlussjubel. Wie mit der improvisatorisch kühnen Mahlerschen Klangsprache umzugehen wäre, erschloss sich diesmal höchstens aus einigen philharmonischen Holzbläsersoli, die zuvor schon Richard Strauss' „Tod und Verklärung“ vor dem rettungslosen Ertrinken im Orchester-Farbtopf bewahrt hatten.
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  • Finnland dominiert das Eröffnungskonzert von Lockenhaus
    Am 7. Juli beginnt heuer das Festival von Lockenhaus - mit einem sehr finnisch dominierten Programm. Nach Musik aus Uusimaa - dem vergleichsweise dicht bevölkerten Süden des Landes - ist das Nonette für Streicher des Pianisten-Komponisten Oli mustonen zu hören. Zwischendrin Früh-Impressionistisches - das Zweite Klavierquartett von Gabriel Fauré - und hochexpressive Zwölftonmusik von Arnold Schönberg - das Streichtrio op. 45. Wie bei diesem traditionsreichen Festival gewohnt, ein spannendes Programm für kammermusikalische Entdecker. (www.kammermusikfest.at)
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  • Alfred Sramek ist tot
    Eben erreichte uns die die Nachricht vom Tod des langjährigen treuen Ensemblemitglieds der Wirner Staatsoper Alfred Sramek. Die Aussendung lautet
    Die Wiener Staatsoper trauert um KS Alfred Šramek

    Die Wiener Staatsoperngemeinschaft ist tief erschüttert vom Tod ihres
    langjährigen Ensemblemitglieds, Kammersänger und Ehrenmitglied des
    Hauses Alfred Šramek, der am Nachmittag des heutigen Donnerstag, 23.
    Juni 2016 nach langer, schwerer Erkrankung in Mistelbach
    (Niederösterreich) im 66. Lebensjahr verstorben ist.

    „Ich bin tief betroffen vom Tod „unseres“ Alfred Šrameks und kann die
    riesige Lücke, die er in unserer Staatsopernfamilie hinterlassen wird,
    gar nicht beschrieben. Alfred Šramek war eine Säule des Ensembles, des
    ganzen Hauses: Ein „Wiener Liebling“ mit einer starken Persönlichkeit,
    der seine unzähligen unterschiedlichen Aufgaben – sowohl sehr große
    als auch sehr kleine Rollen – immer mit derselben Ernsthaftigkeit
    erfüllt hat. Doch das alles nicht ohne seinen berühmten Witz, seinen
    unverkennbaren Humor und immer mit dem gewissen Augenzwinkern. Ihm
    reichten wenige Minuten auf der Bühne, um beim Publikum und bei seinen
    Kollegen einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, man denke nur an
    seine Auftritte als Notar im Rosenkavalier, als Mesner in Tosca oder als
    Benoit in La Bohème. Unvergesslich ist nicht nur sein Frank in der
    Fledermaus, auch als Bartolo in Il barbiere di Siviglia und Dulcamara
    in L’elisir d’amore hat er seit vielen Jahren Bühnengeschichte
    geschrieben und stand immer im Dienst des Hauses, „seiner“ Wiener
    Staatsoper, die er noch beim Geburtstagsfest im Kreise von uns, seiner
    Staatsopernfamilie, im April 2016 als sein „zu Hause“ bezeichnet hat.
    Trotz Krankheit und Schicksalsschlägen hat er nie aufgegeben, war fast
    täglich im Haus und war uns allen Inspiration und Vorbild. Unser
    tiefstes Mitgefühl gilt seiner Tochter Katharina. Wir werden dich
    vermissen, lieber Alfred!“, so Staatsoperndirektor Dominique Meyer.

    Zuletzt war KS Alfred Šramek am 16. April 2016 als Mesner in Tosca auf
    der Bühne zu erleben.


    KS Alfred Šramek, geboren am 5. April 1951, stammte aus Mistelbach und
    erhielt seine erste musikalische Ausbildung als Mitglied der
    Mozartsängerknaben. Er setzte sein Gesangsstudium am Konservatorium
    der Stadt Wien bei KS Hilde Zadek und KS Peter Klein fort. Zahlreiche
    Gastspiele führten ihn u. a. zu den Salzburger und Bregenzer
    Festspielen. Darüber hinaus trat er an der Wiener Volksoper auf und
    gastierte regelmäßig in Spanien, Deutschland und den USA. 1975 wurde er
    von der Wiener Staatsoper als Solist engagiert, wo in Palestrina
    debütierte.
    Sein Repertoire umfasste rund hundert Partien, darunter Figaro (Le
    nozze di Figaro), Leporello und Masetto (Don Giovanni), Don Magnifico
    (La cenerentola), Schaunard, Benoit und Alcindoro (La Bohème),
    Waldner (Arabella), Altgesell (Jenůfa), Mathieu (Andrea Chénier), Don
    Alfonso (Così fan tutte), Bailli (Werther), Mesner (Tosca), Hauptmann
    (Boris Godunow), Dansker (Billy Budd), Schigolch (Lulu), Pistola
    (Falstaff), die Titelpartie von Don Pasquale.
    Zu seinen Paraderollen an der Wiener Staatsoper zählten in den letzten
    Jahren Bartolo (Il barbiere di Siviglia – mit 175 Vorstellungen seine
    meistgesungene Partie im Haus am Ring), Dulcamara (L’elisir d’amore
    – 59 Mal), Benoit (La Bohème – 115 Mal), Frank (Die Fledermaus –
    44 Mal), Taddeo (L���italiana in Algeri – 54 Mal) und der Mesner in
    Tosca (123 Mal), den er auch bei seinem letzten Staatsopernauftritt
    am 16. April 2016 verkörperte.
    Insgesamt sang er im Haus am Ring über 90 von 29 verschiedenen
    Komponisten in mehr als 2.500 Vorstellungen.

    Im Dezember 1988 wurde er – längst zum Wiener Publikumsliebling
    avanciert – zum Kammersänger ernannt, im Mai 2014 folgte im Anschluss
    an eine Vorstellung von Andrea Chénier die Ernennung zum Ehrenmitglied
    der Wiener Staatsoper
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  • Trauerfeierlichkeit für Alfred Šramek

    Die Wiener Staatsoper verabschiedet sich von KS Alfred Šramek, Ehrenmitglied des Hauses, am Mittwoch, 29. Juni 2016, um 11 Uhr mit einer öffentlichen Trauerfeierlichkeit im Foyer des Hauses am Ring. Im Anschluss erfolgt die Überführung in die Stadtpfarrkirche Mistelbach, wo um 16.00 Uhr eine Eucharistiefeier stattfindet mit anschließender Beisetzung im Familiengrab am Friedhof Mistelbach.


     
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  • Amüsanter "Don Pasquale" mit vielen Debütanten

    Das Abonnementpublikum der Wiener Staatsoper hatte an der in allen wichtigen Rollen neu besetzten zehnte Aufführung von Irina Brooks „Don Pasquale“-Inszenierung spürbar Spaß. Was bei der Premiere zu viel an Klamauk gewesen sein mag, hat sich abgeschliffen. Die Komödie schnurrt in Donizettis oft rasantem Parlando-Ton ab, lässt aber auch den kontemplativen Momenten genügend Atem, bietet als im Adagio wie im Vivacissimo Möglichkeiten, die von der neuen Besetzung darstellerisch wie vokal genützt werden.

    Zungenbrecherische "Rossiniana"

    Das Räderwerk läuft wie geschmiert, sowohl bei den häufig in riskante Höhen getriebenen Koloratur-Ketten der Norina wie bei den diversen zungenbrecherischer „Rossiniana“, die im virtuosen Duett zwischen Doktor Malatesta und dem Titelhelden während der Verwandlung zum letzten Bild ihren begeistert akklamierten Höhepunkt erreichen. Mario Cassi und Ambrogio Maestri bleiben einander hier an Eloquenz nichts schuldig, wobei beide im Verlauf der Komödie auch die verhalteneren Momente auszukosten wissen.
    Cassis schönem, nur gegen die Tiefe zu nicht sehr substanzreichen Bariton gelingt der Spagat zwischen Schlitzohrigkeit und liebevoller Anteilnahme ebenso gut wie Maestri die Ambivalenz zwischen gutgläubiger Naivität und Resignation, die einen Pasquale auszeichnen muss.
    Der weltreisende, demnächst auch in Wien wieder gastierende Falstaff versteht sich offenbar auch auf die Zwischentöne bei Verdis großem Vorgänger – hinreißend, wie er nach der frechen Ohrfeige, die ihm sein junges, gleich nach der Verheiratung furios explodierendes Eheweib verabreicht, nicht nur das Publikum berührt, weil er die Welt nicht mehr versteht. Auch Norina selbst gerät kurzfristig ins Wanken, ob die Komödie, die Malatesta da angezettelt hat, nicht allzu böse auszuarten droht.

    Exquisite Hausbesetzungen

    Andrea Carroll macht das nicht nur sicht- sondern auch hörbar. Ihr ungemein koloraturgewandter, sogar im Geschwindigkeitsrausch noch präzis artikulierender Sopran verfügt auch über genügend Sattheit und Wärme für solche humane Anwandlungen.
    Womit die Staatsoper nach der Premierenbesetzung eine zweite exquisite Besetzung für die heikle Partie im Ensemble hätte, der – was wohl noch ungewöhnlicher ist – auch ein Tenor von Format zur Seite steht, der mit Fixvertrag an Wien gebunden ist: Jinxu Xiahou verfügt über eine helle, in allen lagen ansprechende Stimme, platziert mühelos die geforderten Spitzentöne und phrasiert mit großer Eleganz.
    Solche Qualität muss anderswo teuer zugekauft werden; was aber nichts nützt, denn nur in Wien serviert ein solches Orchester ein solches Pointenfeuerwerk! Und zwar in dem atemberaubenden Tempo, das Marco Armiliato vorgibt. Der Maestro hat nach vielen energetischen Verdi-Dirigaten dieses Frühjahrs einen Draht zu den Musikern gefunden, der es ihm ermöglicht, sie selbst im Belcanto-Repertoire zu engagiertem Spiel zu animieren. Gelernte Wiener Musikfreunde wissen, was das bedeutet: Der Pegelstand des musikalischen Niveaus der Staatsoper ist derzeit ungewöhnlich hoch, auch an Abenden, an denen die Netrebko gerade nicht auftritt . . .
    Nur eine Reprise am 29. Juni!
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  • Wirft Andris Nelsons in Bayreuth das Handtuch?
    Verwirrspiel um "Parsifal"-Premiere
    Die ersten Proben seien harmonisch verlaufen, heißt es aus Künstlerkreisen. Und doch: Dirigent Andris Nelsons hat das Management der Bayreuther Festspiele offiziell um Auflösung seines Vertrags gebeten. Er hätte nicht die Atmosphäre vorgefunden, die er für eine gute Arbeit benötige, lautet gerüchteweise die Begründung, die Nelsons allerdings ausdrücklich "in Hochachtung" vor der Direktion der Festspiele ausgerpochen haben soll. Bayerische Medien vermuten, dass es einen Streit zwischen Nelsons und dem Bayreuther "Chefdirigenten" Christian Thielemann gegeben haben soll, der Auslöser der Reaktion gewesen sein könnte.
    Unmittelbar nach Lancierung der Rücktritts-Meldung kochte auf dem gründen Hügel die Gerüchteküche. Es soll angeblich bereits eine "Entschuldigung" gegeben haben - wer sich bei wem wofür entschuldigt haben könnte, bleibt aber vorerst ein düsteres Geheimnis; jedenfalls witterten einige Sänger der Neu-Produktion, mit der die Festspiele am 25. Juli eröffnet werden, Morgenluft: Nelsons könnte seine Kündigung zurückziehen . . .
    Der lettische Dirigent soll ja auch den kommenden "Ring des Nibelungen" (ab 2020) in Bayreuth dirigieren; wird aber als Chefdirigent von Boston Symphony (mit Sommerstagione in Tanglewood, bei der der künstlerische Leiter traditionsgemäß anwesend sein sollte) und beim Leipziger Gewandhaus, dessen Saison unmittelbar nach Ende der Bayreuther Festspiele beginnt, auf jeden Fall in arge Zeitnot geraten. Ein Satz aus dem "Parsifal" könnte ihn trösten: "Zum Raum wird hier die Zeit" . . .
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  • Staatsoper 2015/16: Einnahmenrekord
    610.000 Besucher bei fast 400 Vorstellungen im Haupthaus und auf der Studiobühne in der Walfischgasse
    34,6 Millionen Euro hat die Wiener Staatsoper in der abgelaufenen Saison eingenommen. Die Auslastung ist von 99 auf 98,6 Prozent gesunken, doch besuchten mit insgesamt 610.461 Gästen so viele Menschen wie noch nie die 299 Vorstellungen im Haus am Ring sowie die 76 Kinderopernaufführungen und die 20 Matineen auf der neuen Studiobühne in der Walfischgasse sowie im Gobelinsaal. Auch die Wiener Volksoper freut sich - bei 83,23 Prozent Auslastung über Rekordeinnahmen von 9,65 Millionen Euro.
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  • Goerne-Liederabend Kremsmünster auf 2017 verschoben
    Matthias Goerne ist erkrankt. Der für heute abend geplante Liederabend mit Rico Gulda kurzfristig abgesagt werden. Der Ersatztermin ist der 16. Juni 2017. Karten behalten ihre Gültigkeit, können aber auch zurückgegeben werden.
    Der geplante Einführungsvortrag von "Presse"-Musikkiritiker Walter Dobner soll, auch nächstes Jahr eine Stunde vor Konzertbeginn im Apostelzimmer ist ebenso angedacht
    Kontakt für die Kartenrückgabe:
    kontakt@stiftskonzerte.at
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  • „El Juez“ im Theater an der Wien
    Wien feiert das Comeback von José Carreras.
    Das könnte sogar ein packender Theaterabend sein. Die Umerziehung von Sprösslingen politisch missliebiger Zeitgenossen in katholischen Klöstern zählt zu den Ungeheuerlichkeiten der jüngeren europäischen Geschichte. Angelika Messner erzählt vor diesem Hintergrund eine dramaturgisch klug gebaute Story: Ein Liedermacher reizt die lethargische Bevölkerung zu Widerspruch auf. Ein Richter („El Juez“ alias José Carreras) wird gezwungen, die Öffnung der Kloster-Archive zu verbieten, die Licht ins Dunkel der Schicksale der Entführungen bringen könnte. Der Richter, ist jedoch selbst ein Betroffener – und erkennt am Ende im Protest-Sänger, der den Ränkespielen des Vizepräsidenten der „Sauberen Hände“ (Carlo Colombara) zum Opfer fällt, seinen Bruder.
    Da gibt es brisanten Begegnungen: etwa wenn die Geschwister, die noch nichts vom gemeinsamen Schicksal wissen, als Todfeinde aufeinandertreffen; wenn der Richter mit seiner einstigen klösterlichen Ziehmutter, der unerbittlichen Äbtissin (Ana Ibarra), abrechnet. Sogar ein Medienkritik schwingt mit, wenn gleich zu Beginn ein Fernsehteam den Auftritt des Liedermachers (José Luis Sola) dokumentiert, der Kameramann (Manel Esteve) ungerührt die wirkungsvollsten Szenen einzufangen sucht, während die Journalistin Paula (Sabina Puértolas) sich sogleich in den Liedermacher verliebt – und ab sofort als Aktivistin zwischen den unversöhnlichen Lagern zu vermitteln sucht.
    Nun braucht es zur tauglichen Umsetzung einer solchen Geschichte entweder einer beherzten Schauspielertruppe oder – wenn es denn eine Oper werden soll – einer die Wirkung der jeweiligen Szene einfühlsam unterstützenden, zuweilen auch aggressiv aufputschenden Musik.
    Die hat Christian Kolonovits nicht geschrieben. Sein Soundtrack plätschert harmlos wie Kaufhausmusik dahin, hie und da durch spanisches Kolorit gefärbt, beim Auftritt der Franco-Soldateska sogar karikierend, frei nach Schostakowitsch, noch öfter aber wie ein Nachhall erfolgserprobter Puccini-Emotionalismen – aber durchwegs frei von einprägsamer Melodik. So fehlt der Klang-Kulisse ihr Rückgrat. Für packende Theatralik müsste also die Regie sorgen.
    Tut sie aber nicht. Die für diese österreichische Erstaufführung eines durchaus österreichischen Produkts (der Text wurde erst nach der Komposition ins Spanische übersetzt) aus Bilbao eingekaufte Uraufführungs-Inszenierung Emilio Sagis befleißigt sich derselben Oberflächenpolitur wir die Partitur. Schon die Darstellerin der Paula bedürfte kräftiger regieliche Hilfe, um nicht Freund und Feind gleichermaßen unverbindlich anzulächeln und mit ewig gleichen Gesten zu agieren.
    Zumal das Bühnenbild von Daniel Bianco die Sache aus dem franquistischen Spanien in einen neutralen Menschenkerker rückt, dessen schwere Gitter nur durch – allerdings raffinierte – Lichteffekte (Eduardo Bravo) in unterschiedliche Spielorte verwandelt wird. Was da kraft szenischer Gestaltungskunst ins Allgemeingültige gehoben werden könnte, wird mangels Personenführung zum Allgemeinplatz. Einzige Ausnahme: Die „alte Frau“ von Milagros Martin, die als Mutter eines der Entführungsopfer eine Szene bewegend zu gestalten weiß.
    José Carreras, um dessen Richtergestalt sich alles dreht, schreitet hingegen würdevoll distanziert über die Szene. Ein energetischer Spielmacher war er ja nie. Dass sich das auf seine alten Tage ändern würde hat niemand erwartet, am allerwenigsten die Fangemeinde, die den Besitzer einer schön timbrierten Tenorstimme stets adoriert hat und natürlich auch die vermutlich letzte Begegnung in einer Live-Aufführung herzlich begrüßt. Da schwingt Dankbarkeit über frühere Erlebnisse mit, und selbstverständlich das Wissen um die schwere Krankheit, die der Künstler überwunden hat.

    Dieser Spätlese die Vorlage geliefert zu haben, dankt das Auditorium auch dem Komponisten, der als Arrangeur die Stimme von Carreras zu bedienen weiß und mit Orchesterklängen jongliert wie kaum ein anderer. Dem RSO unter David Giménez bietet er viel Schillerndes, wohlig Weiches. Man hat, das muss wahrheitsgemäß angefügt werden, in der jüngeren Vergangenheit an der Wien weitaus schwächere Musical-Produkte monate- und jahrelang en suite gespielt . . .
    Also versucht man sich am dieserart grundierten Carreras-Comeback vorbehaltlos zu freuen; merkt aber vielleicht an, dass es erholsam für die Ohren gewesen wäre, wenn zumindest die eine oder andere Stimme der übrigen Darsteller weniger angestrengt, scheppernd, sonstwie ausgewerkelt oder, je nachdem, zu wenig elaboriert geklungen hätte. Den Alt-Star in ein edles junges Vokal-Umfeld zu betten, hätte dem Wiener Haus alle Ehre gemacht. Dem standen wohl die Kooperations-Verträge entgegen.
    Wie auch immer: Carreras ist wieder da. Am 5. Juli singt er noch einmal. Wiens Opernfreunde schwelgen in Erinnerungen. Das tun sie ohnehin am liebsten.
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  • Bayreuth ohne "Parsifal"-Dirigenten
    Warum Andris Nelsons nervös werden muss.
    Andris Nelsons hat alles hingeschmissen. Wenige Wochen vor der Premiere einer Neuinszenierung des „Parsifal“ stehen die Bayreuther Festspiele ohne Dirigenten da. Die Klatschspalten wollen wissen, dass Christian Thielemann sein Amt als Musikchef der Wagner-Festspiele so versteht, dass er den Kollegen gute Ratschläge zu erteilen versucht. Darauf reagieren alte Hasen, indem sie schlicht den Telefonhörer auflegen; jüngere Kollegen lassen sich aber unter Umständen irritieren.
    Bei Nelsons könnte das der Fall gewesen sein. Genaueres weiß man nicht, aber die Kehrseite der Medaille offenbart auch ein Riesenproblem des Musik-Business unserer Zeit.
    Es gehen uns schlicht und einfach die Führungspersönlichkeiten aus, die auf profundem Wissen und langer Erfahrung aufbauend die Zügel des heikel zu manövrierenden Zeugels in die Hand zu nehmen imstande wären.
    Im Management werden wir demnächst mit der Tatsache konfrontiert sein, dass in vier oder fünf der bedeutendsten Opernhäuser der Welt Direktorenposten frei werden – und für keinen einzigen ein tauglicher Kandidat in Sichtweite ist, der heute in Wahrheit maximal um die 50 Jahre alt sein dürfte, um eine glaubwürdige Zukunftsperspektive entwerfen zu können.
    Was für Manager gilt, gilt noch viel mehr für junge Sänger und trifft die Kapellmeister am härtesten: Die sogenannte Provinz ist weggebrochen. Starke Talente werden sofort von den großen Häusern ge- und in der Regel frühzeitig verbraucht.
    Nelsons, Jahrgang 1978, ist eines der prominentesten Beispiele dafür, wie schwer es ein eminent begabter Musiker hat. Er hatte, schlecht beraten, buchstäblich keine Chance, sich in Ruhe zu entwickeln. Bei viel zu frühen Auftritten mit Spitzenorchestern rettete er sich hinter Selbstläufer wie Strauss-Tondichtungen, Mahler- oder Schostakowitsch-Symphonien – und scheiterte, als er plötzlich vor den Wiener Philharmonikern stand und angesichts eines Ensembles mit einzigartiger Spieltradition mit einer Mozart-Symphonie konfrontiert war; die Musiker hätten dem Maestro wohl allerhand über Stil erklären können. Aber das dekadente Phänomen der Beweislastumkehr ist auf dem Konzertpodium noch nicht angekommen. Hier gilt noch, was Toscanini einst postulierte: In vita democrazia, in arte aristocrazia. Nur, dass Toscanini einst als Cellist im Scala-Orchester gesessen war und unter Verdis Leitung den „Otello“ musiziert hatte . . .
    Uns sind die Aristokraten abhanden gekommen, die ihre Führungs-Souveränität in langsamer Aufbauarbeit erworben haben. Ohne gediegenstes Handwerk, geht es in der Kunst aber nicht. Selbst ein Talent wie Nelsons muss nervös werden, wenn es plötzlich für Spitzenorchester in Boston und Leipzig Verantwortung übernehmen – und zwischendurch auch noch „Parsifal“ und bald den „Ring“ in Bayreuth dirigieren soll. Ob Kollege Thielemann – der als einer der Wenigen noch die sprichwörtliche Ochsentour noch gemacht hat – Ratschläge erteilt oder nicht.
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  • Netrebko: Weniger Vorstellungen an der "Met" als vertraglich festgesetzt
    Anna Netrebko hat dem Management der New Yorker Metropolitan Opera mitgeteilt, sie werde, um ihre Stimme zu schonen, in der kommenden Spielzeit nicht, wie abgemacht, acht Mal die "Manon Lescaut" singen, sondern nur in fünf der geplanten Vorstellungen. Die Aufführungsserie beginnt Mitte November und wird, wie zuletzt in Wien, von Marco Armiliato dirigiert. Netrebkos Des Grieux in New York ist Marcelo Alvarez. Er wird an den drei Netrebko-freien Abenden Kristine Opolais als Manon vorfinden.
    In den amerikanischen Internet-Foren geben sich die Opernfreunde gespalten: Einige sind empört und empfehlen Met-Chef Peter Gelb, die Diva kurzerhand zu feuern, wie das einst der legendäre Met-Direktor Rudolf Bing in einem solchen Fall sicher getan hätte. Die Netrebko sei notorisch unverlässlich, heißt es mit Verweis auf ihre Absage der geplanten "Norma"-Vorstellungen in der Londoner Covent Garden Oper. Andere verweisen auf den Sonderstatus Netrebkos in der heutigen Opernwelt: Niemand zieht das Publikum so magisch an. Und die Met hat großen Zuspruch bitter nötig. Für viele Vorstellungen in der jüngeren Vergangenheit blieben - trotz exzellenter Besetzungen - massenweise Karten unverkauft. Die Auslastung lag vergangene Saison zwischen 60 und 70 Prozent . . .
    Die Netrebko wird in New York kommende Spielzeit übrigens ein zweites Mal erwartet: Im Anschluss an ihr geplantes Comeback als Violetta an der Mailänder Scala (für die sechs Aufführungen gibt La Scala sicherheitshalber gleich mit Ailyn Pérez eine Alternativ-Besetzung an) beginnt am 30. März 2017 in News York eine Serie von Tschaikowskys "Eugen Onegin". Die Tatjana will Netrebko offenkundig in allen sieben MET-Vorstellungen singen - um gleich danach nach Paris zu übersiedeln, wo sie mit Sonya Yoncheva in derselben Partie alternieren wird.
    Im übrigen nimmt die Sängerin ihr Stimm-Schonprogramm offenbar ernst. Es sind nicht viel mehr als drei Aufführungen von Verdis "Macbeth" im Dezember 2016 in München und die fünf Vorstellungen der Neuinszenierung des "Troubadour" im Februar 2017 an der Wiener Staatsoper avisiert.
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  • Salzburg: Fest zur Festspieleröffnung
    30 Spielorte – 10.500 Zählkarte ab 9. Juli
    Musik, Schauspiel, Lesungen, Ausstellungen und Tanz in der ganzen Stadt – zwei Tage feiert Salzburg das Fest zur Festspieleröffnung.
    Ausgabe der kostenlosen Zählkarten ab Samstag, 9. Juli 2016, 9.30 Uhr an der Tageskasse der Salzburger Festspiele (Hofstallgasse 1 – Montag bis Samstag, 9.30 Uhr - 17 Uhr).
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  • Frank Peter Zimmermann erhält "seine" Stradivari zurück
    Die Stradivari-Geige "Lady Inchiquin" (1711), die Frank Peter Zimmermann mehr als ein Jahrzehnt lang leihweise von der Westdeutschen Landesbank zur Verfügung gestellt bekommen hatte, musste im Vorjahr an die Nachfolge-Gesellschaft der Bank zurückerstattet werden, um bestmöglich verkauft zu werden. Nun hat sich das Land Nordrhein-Westfalen entschlossen, das wertvolle Instrument anzukaufen, um es dem prominenten Geiger wieder zur Verfügung zu stellen. Zimmermann musizierte zuletzt auf der "Général Dupont" von Arthur Grumiaux. Nun erhält er offenbar die "Lady" zurück, mit der er seine Weltkarriere machte.
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  • Bayreuth: "Parsifal"-Dirigent gefunden. Hartmut Haenchen springt ein.
    Hartmut Haenchen übernimmt von dem vor wenigen Tagen ausgeschiedenen Andris Nelsons die musikalische Einstudierung und Leitung des neuen Bayreuther Festspiel-"Parsifals". Der Dirigent schildert, wie seine Beziehung zu Wagners "Bühnenweihfestspiel" gewachsen ist - was für einen Maestro aus der ehemaligen DDR gar nicht so einfach war: „In der DDR war ‚Parsifal‘ verboten. Herbert Kegel brach dieses ‚Verbot‘ mit einer konzertanten Aufführung. Ich war der zweite Dirigent, der eine szenische Aufführung als Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle durchsetzen wollte. Die szenische Aufführung wurde verboten, es wurden konzertante Aufführungen. Dann inszenierte Harry Kupfer ‚Parsifal‘ an der Berliner Staatsoper. Ich dirigierte dort zwei Vorstellungen (ausverkauft an Stasileute, damit das normale Publikum nicht hineinkonnte). Dann dirigierte ich die Götz-Friedrich-Produktion in Stuttgart. Danach kam Amsterdam zweimal (Grüber), Paris (Warlikowski), Kopenhagen (Warner), Brüssel (Castelucci; auch auf DVD erschienen)“
    Spannend wird zu verfolgen sein, wie die Führung der Bayreuther Festspiele auf die kurzfristige Absage Nelsons' reagieren wird. Der lettische Dirigent sollte ja die musikalische Leitung des neuen "Rings des Nibelungen" übernehmen, der 2020 Premiere haben wird. Zunächst ist aber einmal die Premiere am 25. Juli 2016 gesichert, die unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gehen wird; nicht nur wegen der illustren Premieren-Gäste, die wie stets zur Festspieleröffnung erwartet werden, sondern weil Regisseur Uwe-Eric Laufenberg für "Parsifal" einige szenische Pointen in Sachen Religion avisiert hat, die Anstoß bei diesbezüglich notorisch heiklen Kreisen erregen könnten.
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  • "Aida" in Reinsberg: 8. und 9. Juli

    Karel Drgac produziert auch heuer wieder Oper in der Burgarena Reinsberg. Am 8. und 9. Juli erklingt im Rahmen von „Opernair 2016“ Giuseppe Verdis „Aida“. Die Titelpartie singt Morenike Fadayomi, Radames ist Alexander Schulz, Ramphis Gustáv Beláček. Die Amneris singt die Kroatin Dubravka Musovicden Amonasro der aus Dresden stammende Johannes von Duisburg.

    Die Aufführungen beginnen um 20 Uhr.

    Info: www.opernair.at


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  • Jonas Kaufmanns "Otello"-Debüt im Juni 2017 live in den Kinos
    Londons Covent Garden Opernhaus wird kommende Spielzeit zum Schauplatz des Debüts von Jonas Kaufmann als Verdis Otello. Die dritte Vorstellung der Serie, die am 21. Juni beginnt, ist Teil des Covent-Garden-Kinoprogramms 2016/17.
    Die weltweiten Übertragungen in HD-Qualität aus London beginnen am 26. September mit Bellinis NORMA, die nun, wie gemeldet, nicht von Anna Netrebko, sondern von Sonya Yoncheva gesungen wird.

    Weitere Kino-Übertragungen aus London:

    COSI FAN TUTTE (17. X. unter Semyon Bychkov / Regisseur: Jan Philipp Gloger)

    LES CONTES D’HOFFMANN (15. XI. mit Vittorio Grigòlo, Thomas Hampson und wiederum Sonya Yoncheva; Dirigent: Antonio Pappano / Regisseur: John Schlesinger)

    IL TROVATORE (31. I. 2017, Gregory Kunde, Dmitri Hvorostovsky, Anita Rachvelishvili)

    MADAME BUTTERFLY (30. III. Ermonela Jaho, Dirigent: Pappano / Regisseure: Moshe Leise and Patrice Caurier)

    sowie eben OTELLO (28. VI.) in der Neuinszenierung Keith Warnes unter Pappano mit Maria Arreste, Kaufmann und Ludovica Tézier.

    Apropos: Gregory Kunde ist nicht nur der Londoner Manrico, sondern alterniert auch mit Kaufmann in der "Otello"-Serie, die bis Mitte Juli läuft.
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  • Die schönste komponierte Sommernacht: Ottorino Respighi zum Geburtstag

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