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  • Zum 150. Geburtstag von Carl Nielsen
    Der  wohl bedeutendste dänische Komponist, Carl Nielsen, wurde am 9. Juni 1865 geboren. Zur Feier des 150. Geburtstags nehmen Franz Welser Möst und die Wiener Philharmoniker – vor Beginn ihrer Tournee, die sie auch in den Norden Europas führt – Nielsens Vierte Symphonie ins Programm, ein Werk, das während des Ersten Weltkriegs entstand und die humanistische Botschaft des „Unauslöschlichen“ musikalisch transportiert. Der später skeptische Carl Nielsen war zu dieser Zeit noch davon überzeugt, dass die Natur sich aus allen Unbilden heraus immer wieder erneuern könne. 
    Vor dem strahlend-positiven Finale des Werks ereignet sich einer der spektakulärsten Momente der jüngeren Symphonik: ein Duett zwischen zwei – in der Regel einander gegenüber positionierten - Paukengruppen. Der Wiener Musikverein wird sich Sonntag ab 11 Uhr also in eine Art Klangtheater verwandeln.
    Ö1 überträgt das philharmonische Spektakel live.

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  • Kirill Petrenko erste Wahl in Berlin
    Im Netz wissen es Norman Lebrecht und Manuel Brug bereits ziemlich genau. Heute Montag könnte es dann auch ganz offiziell sein: Münchens Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dürfte Nachfolger von Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker werden. Das Orchester scheint sich bewusst zu sein, dass der in Österreich aufgewachsene und in Wien ausgebildete Dirigent eine der wenigen wirklich prägenden Dirigentenpersönlichkeiten der jüngeren Generation ist und eine wirkliche Rückbesinnung auf die Qualitätskriterien der legendären Zeiten Wilhelm Furtwänglers und Herbert von Karajans initiieren könnte zu dieser Entscheidung wäre den Musikern vorbehaltlos zu gratulieren.
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  • Elisabeth Kulman: Nie wieder Oper, aber viel Lied (am 26. Juni in Kremsmünster)

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  • Die Kulman statt Bostridge
    Elisabeth Kulman springt bei den Oberösterreichischen Stiftskonzerten für Ian Bostridge ein: Am 26. Juni singt sie in Kremsmünster, begleitet von Eduard Kutrowatz Schubert, Schumann und Liszt. Ursula Magnes hält um 19 Uhr im Apostelzimmer einen Einführungsvortrag.
    Informationen: www.stiftskonzerte.at
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  • Ehrenkreuz für Giacomo Aragall  
    Wiens Operndirektor Dominique Meyer überreichte dem spanischen Tenor Jaime Aragall heute Nachmittag im Teesalon der Staatsoper das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse in Vertretung des Herrn Kunstministers, der im Parlament unabkömmlich war. Dabei waren Künstler-Freunde Aragalls wie Otto Schenk und Ileana Cotrubas, die bevorzugte Bühnenpartnerin des Tenors, an deren Seite er viele seiner (insgesamt 43!) Rodolofs ("La Boheme") und Alfredos ("La Traviata") in Wien gesungen hat. 163 Mal ist Aragall - Dominique Meyer wählte den Vornamen Giacomo, wie er einst immer auf den Abendplakaten zu lesen stand, und sprach dem Geehrten zuliebe auch Italienisch - auf der Staatsopernbühne gestanden. Er war einer der absoluten Wiener Publikums-Favoriten; seine intensiven Interpretationen von Partien Verdis, Puccinis, aber auch sein Des Grieux in Massenets "Manon" sind unvergessen und an Intensität von kaum einem Nachfolger erreicht worden. Unter den Gratulanten auch Mitglieder des jungen Staatsopern-Ensembles wie Clemens Unterreiner, der Aragall einst als Stehplatzbesucher adorierte.

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  • Schlechte Nachrichten von Dmitri Hvorostovsky
    Der Bariton Ist schwer erkrankt und muss zumindest bis Ende August alle Auftritte absagen.
    hvorostovsky.com
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  • Wieder Einnahmenrekord an der Staatsoper
    In der Spielzeit 2014/2015 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen
    Einnahmenrekord durch Kartenverkauf von 34.082.328,57 Euro erzielen
    (2013/2014: 33.509.760,85). Die Auslastung betrug 99,02 % (2013/2014:
    99,0 %), die Auslastung der Opernvorstellungen liegt bei 99,50 %
    (2013/2014: 99,67%).

    Insgesamt 598.880 Gäste (2013/2014: 603.652), besuchten 291 Opern-,
    Ballett-, Kinderopernvorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne
    (2013/2014: 297), 49 Vorstellungen im A1 Kinderopernzelt (2013/2014: 46)
    sowie 21 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2012/2013: 24).
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  • Figaro-Generalprobe in Salzburg zu günstigen Preisen
    Die Generalprobe der Neuinszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ am 26. Juli 2015 um 14 Uhr wird für den Verkauf geöffnet.
    Kartenverkauf ab Montag 6. Juli, 9:30 Uhr
    Die Karten werden zu ermäßigten Preisen zwischen 10,- und 195,- Euro angeboten. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich an der Tageskassa im Shop, Hofstallgasse 1 und über www.salzburgfestival.at
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  • Auch in Klosterneuburg zwei "Rigoletto"-Darsteller bei der Premiere
    Aufgrund der Unpässlichkeit von Paolo Rumetz musste Nikola Mijailovic am Premierenabend beim diesjährigen Festival von Klosterneuburg die Partie des “Rigoletto” nach der Pause übernehmen. "Der Fluch!" räsoniert der Titelheld in Verdis Oper immer wieder - bitterer Treppenwitz der Operngeschichte: Rumetz, der diesmal aufgab, war im vergangenen Dezember der Retter der Wiener Staatsopern-Premiere desselben Werks, nachdem Simon Keenlyside indisponiert während des zweiten Finales die Bühne verlassen musste . . .
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  • Wer möchte Wolfgang Rihm hören?
    Die Salzburger Festspiele wagen sich an eine Wiederaufführung. Um der gegenwärtigen Sucht nach Uraufführungen entgegenzuarbeiten, spielt man die bereits vor vielen Jahren aus der Taufe gehobene „Eroberung von Mexico“, die Musik enthalten, mit der man – so Salzburgs Interims-Festspielchef Sven Eric Bechtolf – „auch ungeübte Hörer für zeitgenössische Musik gewinnen kann. Es ist theatralisch, packend, suggestiv.“ Dirigent Ingo Metzmacher stößt in selbe Horn: „Das Stück benutzt eine Ursprache von Musik. Es gibt viele Wiederholungen – teilweise werden 13 oder auch 25 Takte wiederholt. Es gibt viele Quinten und einfache Rhythmen. Es hat eine Urkraft, weil es eben auch um ein Urthema geht.“ Dieses umreißt Regisseur Peter Konwitschny knapp: Es ginge nicht so sehr um die Unterwerfung des Aztenkenreichs, sondern „um Mann und Frau, um Plus und Minus, um alle Gegensätze, die darauf Acht geben müssen, dass sie sich nicht selbst zerstören, sondern miteinander interagieren“. Jede Zivilisation, in der das Verhältnis zwischen Mann und Frau nicht stimme, sei zum Untergang verurteilt, so Konwitschny. Dass Montezuma von einer Frau verkörpert wird, ist seiner Meinung nach „die größte Idee von Rihm“.
    Das Publikum wird diesmal „Teil der Aufführung sein“, versichert Ingo Metzmacher: „Die Zuschauer dürfen erst zehn Minuten vor der Vorstellung in die Felsenreitschule und sind dann schon mitten im Klangraum. Für mich ist die Felsenreitschule der ideale Aufführungsort für zeitgenössisches Musiktheater. Die Oper endet mit einem Moment der Stille. Ganz ohne Netz und a-cappella singen die bereits gestorbenen Montezuma und Cortez ein Duett, in dem nach so viel Destruktion zweifelsfrei die Sehnsucht erklingt.“

    Premiere ist am 26. Juli, Folgevorstellungen: 29. Juli, 1., 4. und 10. August.
    www.salzburgfestival.at
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  • Wieder Oper in Reinsberg: „Die Zauberflöte“
    Am 20. und 21. August wird in der Burg Reinsberg wieder Oper gespielt. Nach fünfjähriger Pause nimmt sich Karel Drgac der zauberhaften Spielstätte bei Scheibbs an und zeigt Mozarts „Zauberflöte“, mehrheitlich gesungen von jungen österreichischen Talente wie der aus der Wiener Volksoper bekannten Mara Mastalir (Pamina), Bariton Thomas Weinhappel (Papageno), dem in diesem Jahr auch bei der Oper Klosterneuburg engagierten Tenor Martin Mairinger (Tamino) oder (als Papagena) Elisabeth Pratscher, die kürzlich mit dem Emmerich-Smola Förderpreis 2015 ausgezeichnet wurde.
    www.opernair.at
    Tel: (01) 319 3939
    "Die Zauberflöte" in Reinsberg: 20. und 21. August   www.opernair.at 

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  • Damrau sagt Baden-Baden ab
    Eine hartnäckige Virusinfektion hat Diana Damrau daran gehindert, sich genügend auf ihr mit Spannung erwartetes Debüt als "Figaro"-Gräfin beim Festival von Baden-Baden vorzubereiten. Deshalb musste sie ihre Mitwirkung an den konzertanten Aufführungen am 16. und 19. Juli nun absagen. Sonya Yoncheva springt ein. Deutsche Grammophon wird, wie angekündigt, für CD mitschneiden.
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  • Preisträger Igor Levit mit PDSK-Präsidentin Eleonore Büning. 

    Preis der deutschen Schallplattenkritik für Igor Levit 
    Der Pianist Igor Levit wurde am 4. Juli nach einer Aufführung von Edvard Griegs Klavierkonzert im Rahmen des Schlusskonzertes des Klavierfestivals Ruhr in der Philharmonie Essen mit dem  Jahrespreis des PdSK (Preis der deutschen Schallplattenkritik) geehrt. Levit erhielt den Preis für das Jahr 2014 in Würdigung seiner Einspielung der letzten fünf Klaviersonaten Ludwig van Beethovens und der Partiten Johann Sebastian Bachs bei Sony. Ein drittes Sony-Album mit Variationenwerken von Bach, Beethoven und Rzewski ist in Vorbereitung. Igor Levit bedankte sich für den Preis und den Applaus des Publikums mit einer aparten Zugabe: der „Phantasy on Peter Grimes“ nach Benjamin Britten von Ronald Stevenson.  Die Laudatio von PDSK-Präsidentin Eleonore Büning ist nachzulesen unter www.schallplattenkritik.de, der Mitschnitt des Konzertes mit dem WDR-Orchester wird am Sa.,  11. Juli ab 20.05 Uhr auf WDR 3 gesendet. 
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  • "Artemis"-Bratschist Friedemann Weigle ist tot
    Er starb mit 52, wie es heißt, "nach langer Krankheit". Bemerkt haben Musikfreunde von dieser Krankheit nichts. Im Gegenteil: Gerade vom letzten Auftritt des Artemis-Quartetts im Wiener Konzerthaus, bei dem Antonin Dvoraks spätes G-Dur-Streichquartett auf dem Programm stand, schwärmen die Wiener Musikfreunde, die dabei waren, bis heute. Solch wochenlang anhaltende Begeisterung ist rar im Kammermusik-Genre, aber typisch für die Reaktion auf Auftritte des Artemis-Quartetts. Weigle, aus einer ostdeutschen Kantoren-Familie stammend (sein Bruder Sebastian ist GMD in Frankfurt), war Gründungsmitglied des Petersen-Quartetts, Professor an der Hanns Eisler Musik-Hochschule in Berlin und seit 2007 beim Artemis-Quartett, das als eines der führenden Ensembles unserer Zeit gilt. Vor kurzem gelang es dem Quartett, den Ausstieg der langjährigen Primaria gut zu bewältigen. Mit Vineta Sareika schien eine ideale neue erste Geigerin gefunden. Nun trifft der Tod des besonders energetischen Bratschisten das Artemis-Quartett besonders schwer. Noch ist offen, ob und in welcher Konstellation man die Verpflichtungen für die kommende Konzertsaison erfüllen kann.
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  • Verdi, kindergerecht
    Im Rahmen der Opernfestspiele Klosterneuburg zeigt man im Kaiserhof des Stifts am 19. Juli (18 Uhr) erstmals "Rigoletto" in einer für Kinder ab acht Jahren tauglichen Kurzfassung, moderiert von Jungschauspieler Sebastian Karner. Die Vorstellung dauert eineinhalb Stunden
    Tickets ab €13 (für Kinder), ab €16 (erwachsene Begleitpersonen).
    Informationen unter Tel. 02243 / 444-424 bzw. 425
    im Netz: www.operklosterneuburg.at
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  • Teatro barocco 2015: auch optisch "original" 
    Bernd Bienert bittet wieder ins Stift Altenburg: Ein Melodram von Benda und "Der Apotheker" von Joseph Haydn stehen diesmal auf dem Programm des ehrgeizigen Unterfangens, nicht nur "Originalklang", sondern auch "Original-Optik" der Mozart-Zeit zu rekonstruieren. Das Publikum reagierte wieder enthusiasmiert, denn Bienert ist - "original oder nicht-original" einer der fantasiereichsten Theater-Zauberer. 
    Helmar Dumbs war bei der Premiere dabei und berichtete. 
    Nachzulesen unter 
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  • Jon Vickers, der tenorale Löwe mit den samtweichen Pfoten
    Der kanadische Wagner-Sänger, der schon als Jugendlicher heldische Partien gestaltete, starb 88-jährig nach langer Alzheimer-Krankheit.
    Seine „Wälse“-Rufe im Schwertmonolog des ersten Aufzugs der „Walküre“ waren legendär. Wer sie hören durfte, vergisst sie nicht mehr. Keineswegs deshalb, weil der Sänger sich am dümmlichen „Wer hält am längsten durch?“-Wettbewerb beteiligt hätte, den manche seiner Kollegen bei dieser Stelle veranstalten. Es ging nicht um die Länge der Töne, sondern darum, wie sie klangen! In diesen Lauten schwang Verzweiflung, aber auch Trotz mit, der Trotz eines Helden, der angesichts eines charakterlosen Gegners nicht aufgeben will, nur weil ihm die nötige Waffe nicht zur Verfügung steht . . .
    Ausdruckskraft war die hervorragende Eigenschaft des Gesangs von Jon Vickers. Ausdruck, gepaart mit Kraft, sollte es vielleicht besser heißen, denn die Expansionsfähigkeit des Tenors war gewaltig. Von Anbeginn. Den Siegmund sang der 32-Jährige in Bayreuth schon 1958, ein Jahr nach seinem Debüt in einer Aufführung von Verdis „Maskenball“ am Londoner Covent Garden.
    Dass er beide Rollen nebeneinander singen konnte, sagt viel über die Differenzierungskunst dieses Sängers aus, dem man hie und da vorgeworfen hat, die Stimme allzu dickflüssig zu führen. Gottlob hat sich von seinem Riccardo in diesem Londoner „Maskenball“ ein Mitschnitt erhalten: Man sollte das leicht und eloquent phrasierte „Lach“-Ensemble aus dem zweiten Akt hören, wenn man sich der Kunst dieses Interpreten erinnern möchte, und die Arie davor – besonders, wenn von den „dolci canzoni“, den süßen Liedern, die Rede ist: Da wird Vickers' Tongebung ganz zart und geschmeidig.
    Wagner und die Empfindsamkeit
    Das war auch bei der Gestaltung von tenoralen Schwergewichten sein Atout: Ob Siegmund oder Tristan, Vickers vermochte nicht nur den Wagemut und Stolz dieser Figuren hörbar zu machen, sondern vor allem auch ihre Menschlichkeit. Dass es ihm gelang, alle Wagner'schen Orchesterwogen zu durchdringen, dann aber im Pianissimo der Liebesduette auch sensibel zu phrasieren, hie und da den Stimmklang in ätherische Regionen zurückzunehmen, sicherte ihm die Liebe des Publikums und das Wohlwollen von Dirigenten wie Sir Georg Solti oder Herbert von Karajan, der Vickers in Salzburg auch als Florestan, Tristan und vor allem im später verfilmten „Otello“ präsentierte.
    Dabei war Vickers nie ein willfähriger Erfüllungsgehilfe kapellmeisterischer oder regielicher Vorstellungen. Er weigerte sich aus religiösen Gründen, den „Tannhäuser“ zu singen und setzte seinen Kopf, wenn es sein musste, auch gegen den Willen von Komponisten durch: Benjamin Britten soll konsterniert gewesen sein, als er seinen Peter Grimes erlebte; und doch gilt diese Interpretation als maßstabsetzend!
    Mag sein, dass sie auf einem Irrtum beruhte, aber der Intensität der Gestaltungskunst dieses Interpreten konnte sich auf Dauer ja doch niemand entziehen.
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  • Josef Hopferwieser ist tot
    Am 9. Juli ist der Tenor Josef Hopferwieser 77jährig in nach kurzer schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt Graz verstorben. Am 25. Mai 1938 als Sohn eines Orgelbauers geboren, kam der Sänger über Braunschweig (Debüt 1964), Essen und Frankfurt 1970 nach Wien. An der Staatsoper feierte er als Offenbachs Hoffmann seinen Einstand. Seit der Saison 1973/1974 war Hopferwieser Ensemblemitglied, sang bis zu seinem Abschied (als Herodes in "Salome", 1998) an 472 Abenden. Er war ein souveräner Interpret der ungeliebten, weil heiklen und undankbaren "mittleren" Partien - vom Matteo oder dem Grafen Elemér in "Arabella" bis zum Narraboth in der "Salome". Doch reüssierte er auch in Heldenpartien wie dem Bacchus ("Ariadne"); und ersang sich herzlichen Jubel, als er einmal im letzten Moment eine "Meistersinger"-Vorstellung rettete, indem er als Einspringer sicher und kraftvoll bis zuletzt den Walther von Stolzing sang.
    Den Alfred in der "Fledermaus" hat Hopferwieser insgesamt 61 Mal im Haus am Ring verkörpert,
    unter anderem auch in der legendären Fernsehaufzeichnung der Otto-Schenk-Inszenierung im Jahr 1980, deren DVD-Version das Andenken des treuen Wiener Ensemblemitglieds bewahrt.
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  • Elina Garanca sagt bei den Salzburger Festspielen ab
    "Aus sehr persönlichen Gründen muss ich meine beruflichen Engagements bis auf weiteres absagen. Meine Mutter leidet an Krebs im Endstadium, weshalb ich in Riga an ihrer Seite bleiben werde. Die Unannehmlichkeiten, die dies verursacht, bedaure ich sehr und bitte um Ihr Verständnis in dieser sehr schwierigen Zeit.“
    So lautet der Text der Absage, die Elina Garanca an die Salzburger Festspiele geschickt hat.
    Den geplanten Liederabend übernimmt Elisabeth Kulman. Sie wird am 7. August, 19 Uhr im Kleinen Festspielhaus Haus mit Eduard Kutrowatz Werke von Franz Liszt, Richard Wagner, Robert Schumann und Franz Schubert interpretieren: nach Texten über Liebe, Leben, Nacht und Tod.
    Angela Gheorghiu übernimmt die Charlotte in den konzertanten Aufführungen von Jules Massenets "Werther".
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  • Lotte Ingrisch wird 85
    Mit Liebe beschreibt sie übersinnliche Phänomene. Zuweilen, sagt sie, gehen während des Fernsehens blaue Männer durchs Zimmer. Das sollte angesichts der Qualität des TV-Programms gar nicht überbewertet werden, denke ich,.
    Mit Esoterik hat Lotte Ingrisch jedenfalls „nichts am Hut“, wie sie in Interviews bekennt. Die sei "Geschäftemacherei". Was sie über das Leben und sanfte Sterben sagt, und die Tatsache, dass jene im Jenseits mit unsereinem gern kommunizieren möchten, ist für sie ein Faktum – und hat ihr schon Gerichtsprozesse eingetragen.
    Solche Widrigkeiten nimmt sie freilich gelassen zur Kenntnis. Nur weil einer nicht die volle Tragweite menschlicher Existenz durchschaut, muss er ja kein schlechter Mensch sein.
    Lotte Ingrisch zählt dieserart zu den erfrischendsten Zeitgenossinnen, die wir haben. Die meisten anderen reden ja immer dasselbe, immer von demselben. Bei ihr kommt, wenn sie mitredet, immer noch etwas dazu, woran alle übrigen nie gedacht hätten.
    Das war bei ihr immer schon so. Von psychologisierenden Romanen kam sie nach altwienerischem Brauch bald auf die Zauberposse und nahm, apropos Inspiration aus ferneren Regionen, gern Anleihen bei Nestroy oder, nur kalendarisch näherliegend, Herzmanovsky-Orlando.
    Die Naivität, derer sie sich hie und da – nicht nur sprachlich – zu bedienen scheint, hat immer doppelten Boden. Religiöse Konnotationen mancher Texte entwickelten sich im Libretto zur letzten großen Oper ihres Mannes, Gottfried von Einem, zur musiktheatralischen Zeitbombe, die losging, als es zur Premiere kam: Die Uraufführung von „Jesu Hochzeit“ geriet zum weltweit beachteten Skandal, inklusive geworfener Stinkbomben im Theater an der Wien und einer Demonstration christlicher Aktivisten vor dem Haus. Das Stück bekam nie eine reelle Chance. Die vermeintliche Blasphemie der geistigen Vereinigung des Gottessohnes mit der „Tödin“ wäre aber vielleicht ein Fall für eine unaufgeregte Lektüre des Textes durch überlegtere Exegeten als die damaligen, die nur die in Magazinen vorab veröffentlichten Zitate kannten.
    Das könnte Klärung schaffen. Oder die letztlich ja doch heilsamere, vollständige Verwirrung. Es gab ja Zeiten, in denen man Figuren wie „Die komische Alte aus der Hofburg“, Hauptfigur ihres jüngsten Romans – den sie übrigens in ihrer Wohnung in der Hofburg geschrieben hat –, als Weise bezeichnet hat, während man heutzutage Menschen wie Lotte Ingrisch, die sich dafür engagieren, dass im Schulunterricht endlich auch die künstlerischen Aspekte wieder zu ihrem Recht kommen, gern als Spinner abtut.
    Vielleicht tröstet uns ein Vers aus Ingrischs Stück „Kybernetische Hochzeit“ zum Phänomen der Entropie: „Aus jeder Ordnung wird a Schlamperei / Da hilft ka Herrgott und ka Polizei.“ Das dürfte vermutlich nicht nur für den Blick in jedes Kinderzimmer eine tiefe Wahrheit darstellen . . .
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  • Musikalische Romantik, einmal in spirituellem Rahmen
    Morgen, Donnerstag, 23. Juli, beginnt um 18.20 Uhr die sogenannte "Goldene Stunde" in der Wiener Jesuitenkirche: Organist Peter Frisée spielt Charles Marie Widors Fünfte Orgelsymphonie, die im wahrsten Sinne des Wortes alle Register romantischer Ausdruckskraft und Virtuosität zieht: Widors Zeitgenossen brauchten für derlei große Gefühlsaufwallungen ganze Orchester. Hier wird's auf 1000 Pfeifen zum Ereignis.
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  • Tristan und Isolde in Bayreuth. Erste Impressionen.
    Zum delirant-grandiosen Dirigat Christian Thielemanns hat Wagner-Urenkelin Katharina eine zumindest im ersten Aufzug durchaus schlüssige Regie erarbeitet: Tristan und Isolde lieben einander vom ersten Moment an. Man weiß das, aber diesmal sieht man es auch. die beiden brauchen keinen Liebestrank, sie küssen sich im verwinkelten Stiegenhaus schon eine Viertelstunde früher als Wagner erlaubt. Gesungen (Evelyn Herlitzius und Stephen Gould) wird fulminant und kraftvoll.
    Mehr demnächst.
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  • Tristan II ein Liebesduett als Tierversuch.
    Heller Jubel für Tristan und Isolde auch nach dem zweiten Aufzug, obwohl den Sängern die Pianokultur, die Christian Thielemann dem Orchester entlockt, so gar nicht zu Gebote steht. Die Regie setzt die beiden in ein Experimentierstudio - sozusagen Liebesversuchskaninchen - und zeichnet König Marke als brutalen Machtmenschen. Das steht quer zum weichen, herrlich flexiblen Gesang des grandiosen Georg Zeppenfeld. Emotionen strömen sonst fast nur aus dem Orchester...
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  • Einhelliger Applaus für Bayreuths ,,Tristan"
    Vielleicht haben manche nicht bemerkt, dass Katharina Wagner auf der Bühne war. Jedenfalls gab es keinen Widerspruch nach der Premiere. Obwohl im dritten Aufzug mancher Jahrnarktszauber Stephen Goulds expressive Fiebermonologe optisch verflachte. Insgesamt schien freilich Erleichterung über die Abkehr von regietheaterlichen Verzerrungen zu herrschen Jubel vor allem um den neuen Musikchef auf dem grünen Hügel, Christian Thielemann.
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  • Erkennen Sie die Melodie?
    Zum 70. Todestag von Emil Nikolaus von Reznicek

    Vor 70 Jahren starb Emil Nikolaus von Reznicek. Österreichischer Komponist, heißt es in den spärlichen Angaben der Lexika. Ein Altösterreicher war er, wie er nur im Buche stehen kann. Der Vater ein böhmischer – nein, nicht Gefreiter, sondern Feldmarschall, die Mutter Tochter eines rumänischen Fürsten.
    In Graz zur Welt gekommen, machte Reznicek in Deutschland Karriere, als Kapellmeister und Lehrer. Berlin wurde zu seiner Heimatstadt. Als Komponist war ihm zwar gelungen, was man den Durchbruch nennt. Seine musikalische Komödie „Donna Diana“ darf, musikhistorisch betrachtet, als Meilenstein einer deutschen Opera buffa nach Wagner gelten, nach Cornelius' „Barbier von Bagdad“ und vor Wolfs „Corregidor“ entstanden. Aber im heutigen Musiktheaterleben ist sie schon deshalb unmöglich, weil alles, was das Wort „deutsch“ im Untertitel führt und nicht mindestens von Wagner oder Richard Strauss stammt, als suspekt gilt.
    Doch Reznicek blieb dauerhafter Erfolg schon zu Lebzeiten versagt. In Opernhäusern und Konzertsälen musste er so viele Rückschläge verzeichnen wie im Privatleben, das von Tod und Missgeschicken überschattet war.
    Für den Nachruhm, der angesichts einiger exzellenter Partituren groß angelegter Orchesterwerke (eines davon, „Der Sieger“, deutlich parodistisch auf Richard Strauss gemünzt) und fein gearbeiteter Kammermusik immerhin denkbar gewesen wäre, war die öffentliche Anerkennung hinderlich, die man Reznicek in Deutschland seit 1933 zuteil werden ließ. Da muss man froh sein, wenn das Recht auf einen Straßennamen nicht aberkannt wird.
    Dass er starb, kurz nachdem das Dritte Reich zusammengebrochen war, sorgte für die letzte, bittere Groteske. Beerdigt wurde Reznicek auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf. Die Einsegnungskapelle lag im Westsektor Berlins, das Grab im Osten. Aus Angst, von russischen Soldaten beraubt zu werden, setzten die Träger den Sarg an der Grenzlinie ab, entledigten sich aller Wertsachen und trugen, nur das Nötigste am Leib, den Toten zur letzten Ruhestätte . . .
    Und die posthume Groteske: Seinen apartesten Einfall nutzte man lang als Signation zur Sendung „Erkennen Sie die Melodie?“ Die Melodie erkennt bis heute jeder. Aber keiner weiß, von wem sie stammt.
    Typisch Reznicek!
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  • Andris Nelsons verlängert Vertrag in Boston
    Die erste Saison von Andris Nelsons als Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra war erfogreich genug, dass das Orchester beschlosen hat, den Künstler längerfristig an sich zu binden. Der Vertrag wurde von 2019 auf 2022 ausgedehnt.
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  • Kulman in Salzburg: Die wahre Lied-Kunst
    Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz gestalteten im sogenannten "Haus für Mozart" einen hinreißenden Liederabend, der einer Ehrenrettung Franz Liszts gleichkam.
    Die beiden Künstler setzen sich seit Jahren für die Musik des völlig falsch bewerteten Romantikers ein - und konnten dies nun, einspringenderweise an Stelle von Elina Garanca - sozusagen auf höchster Ebene tun. Zwar wollte das Salzburger Publikum die ganz offensichtliche Dramaturgie von zwei pausenlos ablaufenden Sinn-Einheiten nicht mittragen und applaudierte begeistert mitten in die inhaltlich klug verschränkten Lied-Gedankenblöcke. Aber die Kunst der Kulman, endlose, fast unhörbare, doch stets konsistente Pianissimo-Phrasen zu modellieren, fordert die anerkennende Begeisterung ja tatsächlich heraus: Dass nach Schuberts "Wiegenlied" und der darauf folgenden spontanen Unterbrechung der Faden sogleich wieder aufgenommen war, sprach andererseits wieder für die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer; von jener der Künstler ganz zu schweigen.
    Liszt-Lieder in verschiedenen Sprachen standen im ersten Teil des Abends dreien von Wagners Wesendonck-Liedern gegenüber, "Tristan"-Studien, die - das war die musikhistorische Komponente des Programms - quasi nahtlos aus Liszts kühnen harmonischen Funden herauszuwachsen scheinen.
    Nach der Pause dann Ausschnitte aus Schumanns "Frauenliebe- und Leben", verschränkt mit einem Stück aus den Kinderszenen und wiederum Liszt sowie - zuletzt - Schubert. Romantik in dreierlei Gestalt, Liebessehnsucht, Todes-Beschwörungen gespenstischer ("Geistertanz"), dramatisch-abgründiger ("Der Zwerg") und metaphysischer Art ("Der Tod und das Mädchen"). Die Wandlungsfähigkeit der Kulman ist faszinierend: Rede und Gegenrede setzt sie farbenreich voneinander ab, Gefühlsausbrüche bringt sie - introviertiert wie extrovertiert - anrührend zum Klingen; und doch hat ihre Lied-Kunst bei aller Differenzierungskunst nichts artifizielles, sondern wirkt natürlich und schlicht wie übrigens auch das Klavierspiel von Eduard Kutrowatz, der schon in den einleitenden Zymbalklängen der "Drei Zigeuner" den Rahmen improvisatorischen Rubato-Spiels abzustecken wusste und hernach einfühlsam jede sanfte rhythmische Rückung der Singstimme mittrug.
    Wie verabschiedet man sich nach einem dermaßen sinnreich gerundeten Programm? Elisabeth Kulman erinnerte an ihr Salzburger Festspieldebüt und sang Glucks Orpheus-Arie, die, richtig verstanden wie diesmal, die schmerzhafteste Dur-Kantilene der Musikgeschichte enthält. Danach gab es zwei doch wieder ironisierende Liszt-Vignetten und Schuberts "Nacht und Träume" zum Beschluss: "Heilige Nacht" . . .
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  • Ein Versuch über das Allerheiligste der Symphonik
    In Salzburg führte Bernard Haitink die Wiener Philharmoniker altersweise durch eine Aufführung von Bruckners Achter.

    Bruckners Achte ist, metaphorisch gesprochen, nichts für kleine Kinder. Das Werk gehört in eine Kategorie mit Wagners „Parsifal“. Man sollte eigene Festspielhäuser für sie bauen und sie dem Tagesbetrieb entziehen. Insofern ist das Stück recht für eine Salzburger Matinee. Zumal, wenn die Wiener Philharmoniker unter der Leitung eines altersweisen Kapellmeisters musizieren.
    Diese Spezies hat gegenüber glamourösen Taktstock-Virtuosen einen unschätzbaren Vorteil: Sie ist frei von Eitelkeit. Ein Mann wie Bernard Haitink muss nicht mehr versuchen, irgendetwas zu beweisen. Er ist der Doyen der internationalen Dirigenten und damit Anwärter für jenen Ehrenplatz, den jeder Interpret einer Brucknerschen Symphonie, und dieser zumal, für die Dauer des Konzerts einnimmt.
    Für junge Maestri, die ausziehen, den dingen auf den Grund zu gehen, bedeutet dieser Koloss von einer Symphonie eine schier unbezwingbare Herausforderung. Wer alles hörbar machen will, was im polyphonen Räderwerk vor sich geht, scheitert schon im Ansatz. Dirigenten mittleren Alters wiederum haben ihr Problem damit, dass dieses Stück sie lehrt, wie wenig sie eigentlich ausrichten können, wie wenig sie letztlich gebraucht werden.
    Es sei denn, sie verstehen sich schon auf jene Kunst, die einem lang dienenden Musikanten wie Haitink wie selbstverständlich zu Gebote steht. „Mein Haar ist schon grau, ich spreche aus Erfahrung“, kann er mit Mozarts Don Alfonso sagen. Wenn einer weiß, wie er die symphonischen Riesenmaschine in Gang bringt – und wie er sie dann ohne gröbere Probleme mit dem Energiehaushalt am Laufen hält, hat er schon gewonnen.
    Vor allem, wenn er mit den Wiener Philharmonikern ein Orchester zur Verfügung hat, für das diese Achte Bruckner zu den Feiertags-Wertgegenstände im Familiensilber zählt. Da geht es um ein musikalisches Opfer am Altar des Allerheiligsten der europäischen Kulturgeschichte. Bei diesem Stück hat man tatsächlich den Eindruck, dass jeder einzelne der Musiker vor dem Auftakt noch einmal die Krawatte zurechtrückt.

    Vom großen Geheimnis.

    Was dann erklingt, gehört zu den großen Mysterien der Musik: Allein die satten, weichen Blechbläser-Choräle, die wieder zu hören waren, sind eine Pilgerreise wert. Und Haitink erlaubt sich wirklich nicht den kleinsten Anflug interpretatorischer Selbstbespiegelung. Er waltet als Souveräner Spielmacher und straft Bruckners ersten Kritiker, den Dirigenten Hermann Levi, Lügen, der den Meister in eine tiefe Krise stürzte, indem er behauptete, das Werk sei allzu schablonenhaft gebaut.
    Allein der klammheimliche Eintritt der Reprise im Stirnsatz beweist das Gegenteil. Von Schablone keine Spur, verschleiernd schleierhaft die Zusammenhänge: Oboen-, Klarinetten-, und Trompetensolo stehen scheinbar nebeneinander, als ob sie nichts voneinander wüssten – aber was für Soli!
    Und der Musik bleibt ihr Geheimnis! Das ist vielleicht das Wichtigste. Der sogenannten „Todesverkündigung“ wie den krönenden Beckenschlägen im ruhig strömenden Adagio folgt – das ist in Salzburg ziemlich selten – wirklich atemlose Stille; wie in jenem Moment in Beethovens Neunter, in dem „die Welt den Schöpfer ahnen“ soll. Selbst Skeptiker, denen Bruckners Katholizismus völlig fremd sein mag, spüren dann vielleicht einen Abglanz der Harmonia mundi.
    „Und mehr bedarf's nicht . . ."
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  • Anna Netrebko im Salzburger Troubadour
    Zweite, deutlich verbesserte Auflage



    Aus dem Vorjahr übernahm man die Verdiproduktion von Alvis Hermanis, die das Werk in eine gigantische Gemäldegalerie versetzt. Das ist nicht überzeugender geworden aber nach wie vor schön anzuschauen.

    Francesco Meli ist wieder der Titelheld, verlässlich, aber mit etwa dünner Hohe.

    Als Azucena punktet heuer Ekaterina Semenchuk mit Attacke, aber auch mit gefühlvollen Piani.

    An Stelle des im Vorjahr nicht gerade glücklichen Bariton-Versuchs von Placido Domingo hört man heuer Artur Rucinski als Graf Luna, der mit gut sitzenden Bariton, vor allem aber durch endlose Atemzüge aufhorchen lässt .

    Im Zentrum der Ovationen die beiden Primadonnen. Wobei die Netrebko immer noch zu wachsen scheint: mollig weiche, doch kräftig attackierende Sopran-Töne, messerscharf artikulierte Koloraturen und Espressivo vom ersten bis zum letzten Takt: Oper pur.
    Das ist's, was man von ihr erwart'...
    Die Philharmoniker tragen die Sänger unter Gianandrea Nosedas Führung hingebungsvoll und mit Brio.
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  • Lorenzo Viotti: "Young Conductor 2015"
    Wer seine zündenden Interpretationen von Schuberts Zweiter Symphonie und der Ouvertüre zu Cimarosas "Matrimonio Segreto" erlebt hat, wird nicht verwundert sein: Lorenzo Viotti (25) ist Sieger im diesjährigen Salzburger Dirigenten-Wettbewerb. Die Jury unter dem Vorsitz von Dennis Russell Davies erklärte, der Sohn des frühverstorbenen Marcello Viotti sei seinen gleichaltrigen Kollegen, die heuer ins Finale kamen, doch um ein zwei Schritte voraus. Tatsächlich dirigierte Viotti, Absolvent der Dirigentenklasse von Georg Mark am Wiener Konservatorium, auch das vorgeschriebene "zeitgenössische Stück", die rhythmisch heiklen "Sortilegis" des Katalanen Xavier Montsalvatge (1912-2002) auswendig und fand dabei noch Zeit zu flexibler Gestaltung. Die Darbietung von Schuberts Zweiter war von großer Virtuosität, in den Ecksätzen rasant, aber durchaus energisch und prägnant artikuliert. Selbst die Musiker der Camerata academica applaudierten dem jungen Maestro nach dem Final-Konzert in der Universittäts-Aula. Viotti wird - das ist ein Teil des Preises - im kommenden Festspieljahr ein Konzert der RSO Wien in der Felsenreitschule dirigieren.
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  • Maya Boog und Michael Lakner in der Trinkhalle, Bad Ischl  (R. Hörmandinger) 

    Operettenfestspiele einmal anders: 

    Als die Zwölftöner noch ins Kabarett gingen

    Bei den Lehár-Festspielen in Bad Ischl kamen diesmal auch Meister der „Wiener Schule“ zu ihrem Recht.

    Michael Lakner ist ein höchst vielseitiger Intendant. Einerseits leitet er eines der wichtigsten österreichischen Festivals, die sich der heiklen Gattung Musical verschrieben haben. Anderers ist er ausgebildeter Konzertpianist und kann als Interpret im Rahmen seines Wirkungskreises etwas für die immer noch sogenannte „Neue Musik“ tun.
    Das führt zu erstaunlichen Programm-Kombinationen. Im Vorjahr gab es nebst Walzerklängen auch eine Aufführung von Paul Hindemiths rarem Rilke-Zyklus „Das Marienleben,“ deren Mitschnitt mittlerweile auf CD (cpo) erschienen ist. Heuer serrvierte dasselbe Künstlerduo – die schweizerische Sopranistin Maya Boog und Intendant Lakner am Klavier – eine bunte Lieder-Folge von den auch nicht gerade für Operetten-Klänge berühmten Komponisten Richard Strauss, Alban Berg und Arnold Schönberg.
    Wozu zu sagen ist, dass der Ahnvater der Moderne, Schönberg, am Beginn seiner Karriere allerhand mit der Unterhaltungs-Industrie zu tun hatte und für Kollegen, die mit weniger komplizierter Musik weitaus mehr Geld verdienten, Operetten-Partituren erstellte. So soll einer der Akte von Richard Heubergers „Opernball“ von Schönberg orchestriert worden sein (ein anderer mit Sicherheit von Alexander Zemlinsky!) Auch sonst lässt sich bei einiger Mühewaltung der Gründer der sogenannten „neuen Wiener Schule“ beim Schwimmen in sechteren Gewässern aufspüren.

    Schmunzeln in der „humorfreien Zone“

    Wer ein Schlüsselwerk der Moderne, den „Pierrot Lunaire“ richtig bewerten möchte, muss beispielsweise wissen, dass Schönberg 1901 anlässlich eines Gastspiels von Ernst von Wolzogens Berliner Kabarett „Überbrettl“ acht sogenannte „Brettl-Lieder“ komponiert hat, die ihn von seiner humorigen Seite zeigen, was – wie man weiß – im Rahmen der sonst eher humorfreien Zone um die musikalische Avantgarde, eine echte Ausnahmeerscheinung darstellt.
    Der Diseusen-Ton, den die schlüpfrigen Kabarett-Lieder verlangen, kehrt, verwandelt, im „Pierrot“ wieder. Doch wird hier noch wirklich gesungen, nicht auf Tonhöhen gesprochen, was für Maya Boog bedeutet, die oft augenzwinkernden Pointen des Textes in geschmeidige Melodielinien zu binden.
    Das gelingt ihr ebenso vorzüglich, wie Michael Lakner es schafft, die vertrackten, kleinteilig arrangierten klingenden Gegenstücke zu den Wortwitzen in weit geschwungene harmonische Strukturen darzustellen. Dass Schönberg sich diesbezüglich viel von Richard Strauss abgeschaut hat, wird deutlich, wenn man die Lieder einem Zyklus wie den zauberhaften „Mädchenblumen“ (nach Felix Dahn) gegenüberstellt: Auch da wird jede kleinste Sprachregung in ein akustischen Zeichen umgewandelt, das doch wiederum nur ein Tropfen im Strom jenes vollkommenen spätromantischen Wohllauts ist, aus dem heraus auch Alban Berg die Inspiration für seine frühen Lieder geholt hat, mit dem Boog und Lakner ihre Matinee in der Ischler Trinkhalle begannen.
    Operettenverwöhnte Zaungäste werden gestaunt haben, in wieviel Dur und Moll der Schöpfer des „Wozzeck“ da noch schwelgte; und der Kenner ahnt, warum es Berg im letzten vollendeten Werk, dem Violinkonzert, wieder nach B-Dur zurückzog  . . .  


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  • Angela Gheorghiu nach Salzburg am 29. August auch in Grafenegg  (Foto: Salzburger Festspiele/G. Henessey) 

    Angela Gheorghiu springt in Grafenegg für Diana Damrau ein 
    "Aus privaten Gründen" hat Diana Damrau ihren Auftritt beim diesjährigen Grafenegg Festival abgesagt. An Ihrer Stelle singt nun Angela Gheorghiu im Konzert des European Union Youth Orchestra. Gianandrea Noseda, der die Salzburger Wiederaufnahme von Verdis "Troubadour" einstudiert hat, wird Mahlers Fünfte Symphonie dirigieren. Im ersten Teil des Programms singt die Diva - die eben bei den Salzburger Festspiele auch für Elina Garanca in Massenets "Werther" eingesprungen ist - Arien aus "La forza del destino" und "Don Carlo" von Giuseppe Verdi. 
    www.grafenegg.com
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  • Riccardo Muti mit Festspielpräsidentin Rabl Stadler und "Presse"-Kritiker Walter Dobner beim "Terrassen-Talk" (Foto: A. Zeuner) 

    Riccardo Muti über Verdi-Stil und Opern-Regie

    „Ich mache mir Sorgen um die Tradition der italienischen Oper, “ sagt Riccardo Muti beim "Terrasen-Gespräch" mit "Presse"-Kritiker Walter Dobner im Vorfeld der konzertanten Aufführungen von Verdis „Ernani“ bei den Salzburger Festspielen. Vor allem stilistische Fragen  seien mit Sängern und Dirigenten heutzutage kaum mehr zu diskutieren. Das sei einer der Gründe, warum er das Jugendorchester „Luigi Cherubini“ ins Leben gerufen habe, das auch für die Salzburger Vorstellungen bestens
    vorbereitet auf dem Podium erscheinen werde.

    Mangelnde Probendisziplin sei eines der Grundübel im heutigen Opernbetrieb.

    „Natürlich habe ich die Wahrheit auch nicht gepachtet, aber ich will versuchen die italienische Tradition am Leben zu erhalten“, sagt Muti. Seit Arturo Toscanini nach Amerika emigriert sei, würde auch in Italien nicht mehr im Sinne der Meister des Belcanto oder Verdis gearbeitet. Harte Arbeit, sei aber nötig, eine neue Interpretation auf den Grundlagen der Tradition zu erarbeiten. Das brauche Zeit, auch was die Zusammenarbeit von Dirigent und Regisseur in der Oper betreffe: „Heute werden der Dirigent und der Regisseur oft als zwei komplett verschiedene Dinge angesehen“, so Muti. „Früher aber war das anders, da war ein Dirigent auch für das verantwortlich, was auf der Bühne passierte, weil es eben nicht
    voneinander trennbar ist.

    Zwar möge er altmodische Inszenierungen auch nicht, aber neue Interpretationen seien nur in enger Zusammenarbeit zwischen Regie und musikalischer Leitung möglich. Mit ein Grund, warum es heuer „Ernani“ in Salzburg nur konzertant gibt. Und das ohne jede Kürzung und ohne Transposition: Was Verdi notiert hat, werde auch gesungen.






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  • Thomas Daniel Schlee: Abschied und Wiederkehr
    Die Intendanten-Ära Thomas Daniel Schlees beim Carinthischen Sommer ist zu Ende gegangen. Ab morgen ist der Wiener Composer in residence beim Mondsee Festival.
    Mit einem Konzert der Wiener Symphoniker unter Philippe Jordan ist am Mittwoch der Carinthische Sommer 2015 zu Ende gegangen. Der Abend markierte eine Zäsur in der Geschichte des Festivals. Es war der letzte, den Thomas Daniel Schlee als Intendant zu verantwortet hat. Der Wiener Komponist (Jahrgang 1957) hat die Geschicke des Carinthischen Sommers seit 2004 geleitet und sich dabei als einer der feinsinnigsten Programm-Macher des Landes erwiesen.
    Dank seiner umfassenden musikalischen Ausbildung – Komposition hat er unter anderem auch bei Olivier Messiaen in Paris studiert – verfügt Schlee über eminente Repertoire-Kenntnis, deren Früchte die Besucher des Kärntner Festivals ernten konnten. Nirgendwo sonst verschwisterte sich im vergangenen Jahrzehnt so subtil Tradition mit spannenden Hör-Entdeckungen.
    Freitag in Ö1: Pfitzners cis-Moll-Streichquartett
    Auch eines der letzten Konzerte in Schlees Ära, der Auftritt des jungen niederländischen Dudok Quartetts in der Ossiacher Stiftskirche, geriet zu einem Erlebnis der besonderen Art, denn die vier Künstler stellten viel gespielte Werke ihres Genres von Haydn und Brahms dem cis-Moll-Quartett Hans Pfitzners gegenüber, einem Meisterstück der heute von den Veranstaltern so sträflich vernachlässigten Spätest-Romantik, in dem sich der Komponist ganz im Vertrauen auf die einigenden Kräfte der Tonalität formal neues Terrain erobert.
    Dem Dudok-Quartett, das schon bei Haydn mit bemerkenswertem Sinn für kontrapunktische Strukturen agiert hatte, gelang eine hinreißende Ehrenrettung Pfitzners: Leidenschaftlich bewegt, mit Gespür für die dunkle Koloristik dieser Musik, aber vor allem ungemein transparent und dabei stets ausdrucksvoll erschlossen sie den gespannt lauschenden Hörern die unbekannten Klang-Gefilde.
    Glücklicherweise war der ORF dabei – die Sendung des Mitschnitts, heute, Freitag abend (19.30) auf Ö1 sollte nicht versäumen, wer sich für Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jenseits der „atonalen“ Avantgarde interessiert. Es existiert von diesem bedeutenden Werk keine Aufnahme, die auch nur annähernd die Qualität dieser Interpretation erreichte.
    Novitäten in Schloss Mondsee
    Wer den Komponisten Thomas D. Schlee für sich entdecken möchte, der sich wie einst Pfitzner durchaus als Einzelgänger in der Zone der Neuen Musik bewegt und um im tiefsten Wortsinn originelle Ideen nie verlegen ist, hat ab heute abend beim Festival Mondsee Gelegenheit. Dort ist Schlee heuer „Composer in residence“.
    Neben einigen Werken für Solo-Instrumente erklingt am 3. September im Rahmen des „Doppelquartettabends“ von Hugo Wolf Quartett und Auryn Quartett die Uraufführung des als Auftragswerk entstandenen Vierten Streichquartetts op. 86.
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  • Konzerthaus: Philharmonischer Beginn mit Franz Schmidt
    Einmal noch gibt es die Chance, die überwältigende Aufführung von Franz Schmidts Zweiter Symphonie durch die Philharmoniker unter Semyon Bychkov in Wien live zu hören: Am Sonntag (11 Uhr) eröffnet das Orchester die Saison im Konzerthaus. Elisabeth Kulmann singt Wagners "Wesendonck"-Lieder, danach erklingt die 1913 uraufgeführte Symphonie, die so etwas wie eine letzte Summe abendländischer symphonischer Techniken darstellt, gehüllt in ein berauschend romantisches Klanggewand. Jüngst waren Bychkov und das Orchester mit dem Werk in London zu Gast. Das Publikum bei den Proms jubelte, der Rezensent desgleichen:

    Prom 73: VPO, Bychkov | Classical music reviews, news & interviews | The Arts Desk

    Viennese Brahms may be placid, but a late-romantic rarity goes straight to the heart. Classical review by David Nice
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  • „Chowanschtschina“, packend, diesmal unter James Conlon 
    Der russische Regie-Altmeister Lev Dodin wurde nach der Premiere von einigen Berichterstattern unverständlicherweise arg gezaust. Doch erweist auch die Wiederaufnahme: Die Staatsopern-Produktion von Modest Mussorgkys Volksdrama, die Chöre und Protagonisten ausschließlich per Hubpodium auftauchen und wieder verschwinden lässt, ist und bleibt ein Wurf. Sie schafft starke Bilder zu den vom Komponisten kühn nebeneinander gestellten Szenen aus den wirren Zeiten der politischen Landnahme Peters des Großen. Die Akteure, allesamt eingesperrt in unausweichliche Käfige, finden ja auch im Dialog nie zueinander. Jedes Zusammentreffen artet in neue Intrigen aus. Gewinner ist am Ende der Zar, der nie erscheint, aber die Welt von seinem Platz hinter den Kulissen aus den Angeln hebt.
    Die Parabel von den widerstrebenden Kräften, zwischen die Mütterchen Russland zerrieben zu werden droht, könnte aktueller nicht scheinen: Hie chthonischer Traditionalismus, da die Lockungen der westlichen Zivilisation, zwischendrin Geschäftemacher und skrupellose Hasardeure, am Ende der kollektive Freitod der (im wahrsten Wortsinn) „Altgläubigen“. Keine Moral von der Geschicht'. Vielmehr Betroffenheit angesichts der Ausweglosigkeit des gegenseitigen Nicht-Verstehens. Die Aufführung dauert inklusive zweier Pausen mehr als vier Stunden; und ist doch um keine Minute zu lang: Das Publikum scheint gebannt.
    Spannung ist dank Mussorgskys kraftvoll rücksichtsloser, alle klassischen Formmuster und Harmonielehre-Gesetze hinter sich lassender Musik vom ersten Ton an garantiert. Auch weil mit dem Wien-Debütanten James Conlon ein Dirigent zur Verfügung steht, unter dessen sicherer Führung das Staatsopern-Orchester spielt, als hätte es wochenlang für diese Repertoire-Serie probiert: Die Bläsersoli, der Wohlklang der Phrasen – nicht zuletzt der phänomenal harmonierenden Cellogruppe, die machtvollen Glockenklänge und aggressiv-martialischen Attacken des Blechs, sie binden sich zum alles mit sich reißenden dramaturgischen Klangstrom, der die effektvollen Chortableaux ebenso trägt wie die von der kleinsten Partie bis zur Hauptrolle exzellenten Sängerleistungen.
    Da sind – wie schon bei der Premiere – die suggestiv schön und verführerisch tönende Marfa von Elena Maximova und der große, beeindruckende Bass von Ain Angers Dossifei, der in seinem Furor von allerlei widrigen Umständen, aber keinerlei tenoraler Schwäche gebremste Andrei Chowanski (Christopher Ventris) und der nicht minder sichere, zwischen lyrischer Schwärmerei und sachlicher Lagebeurteilung souverän balancierende Fürst Golizyn von Herbert Lippert.
    Da schaffte es Lydia Rathkolb wieder, der sinnlichen Verzauberung der Marfa Paroli zu bieten, während Norbert Ernst als Schreiber die schlauen Windungen kennt, beinah allen Gefahren zu entgehen. Caroline Wenborne in der undankbaren Rolle der klagenden Emma und Marian Talaba als frech-lässiger Kuska ergänzen das Ensemble perfekt, in das sich zwei Debütanten glänzend einfügen: Dimitri Belosselskiy ist der sonor achtungsgebietender Fürst Chowanksi, Evgeni NIkitin, intrigant-ungeschlacht, dann aber im Gebet um Russlands Zukunft wirklich inbrünstig klagend der Schaklowity. Jede Figur erfährt ausdrucksstarke vokale Charakterisierung.
    Wer Oper nicht nur als hedonistisches Hörvergnügen begreift, sondern als auch intellektuell fordernde, tiefgründig-vielschichtige Kunstform, sollte das nicht versäumen. 
    Reprisen: 24., 27. (Live-Streaming) und 30. September.  
    Dimitry Belosselskiy als Iwan Chowanski nach dem Machtverlust  (Staatsoper/Pöhn) 


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  • Wo ist der Platz der Geiger auf dem Podium?

    Im jüngsten Philharmonischen unter Semyon Bychkov flankierten die Violinen wieder das Dirigentenpult. Setzt sich wieder die „alte deutsche Sitzordnung“ durch?

    Hatten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beinahe überall auf den Konzertpodien die tiefen Streicher rechts, die Violinen links vom Dirigenten Platz genommen, sieht man nun wieder verstärkt, was für Maestri wie Furtwängler, Bruno Walter oder Otto Klemperer – aber etwa auch in Russland bei Jewgeni Mrawinski im damaligen Leningrad – selbstverständlich war: Die beiden Violingruppen flankieren das Dirigentenpult.
    Jüngst im Wiener Philharmonischen unter Semyon Bychkov konnte man hören, dass diese „alte deutsche Ordnung“ nicht nur im Falle der Wiener Klassik sinnvoll scheint. Bei Haydns „Trauersymphonie“ ist es von bezaubernder Wirkung, wenn im langsamen Satz die weit geschwungene Melodie von beiden Seiten des Podiums her ertönt, bis sich die ersten von den zweiten Violinen lösen.
    Tschaikowsky wiederum hat im Finale seiner „Pathétique“ einen halluzinatorischer Effekt komponiert: Die Oberstimme scheint mehrmals pro Takt zwischen den beiden Seiten hin und her zu schwanken. Beides, Haydns „Breitwandklang“ und Tschaikowskys Verwirrspiel, werden bei der zuletzt gewohnten Sitzordnung, bei der die zweiten hinter den ersten Geigen zu sitzen kommen, gar nicht hörbar!

    Ehrenrettung der zweiten Violinen

    Die Wiederherstellung der klassischen Sitzordnung kommt einer Ehrenrettung der zweiten Violinen gleich, die in der Literatur eine viel bedeutendere Rolle spielen als es den Anschein haben mag. Wie oft beginnt Mahler etwa eine Entwicklung in den Sekundgeigen und lässt die ersten dann „übersingen“ – die melodische Führung wandert dann hörbar von rechts nach links, polyphone Strukturen werden für das Auditorium transparenter.
    Interessanterweise hat sich in der Oper diese klassische Geigen-Stereotechnik bis heute erhalten. Wer in den Orchestergraben im Haus am Ring blickt, wird sie – abgesehen von „kleinen“ Mozart- oder Rossini-Besetzungen, bei denen die Bläser alle rechts zu sitzen kommen – in der Regel vorfinden. In Bayreuth, wo man das Orchester nicht sehen kann, mag manchem Neugierigen schon aufgefallen sein, dass die Violingruppen die Rollen tauschen: Das liegt an den akustischen Gegebenheiten des Festspielhauses: Rechts sitzend, sind die Primgeigen bevorzugt, weil sie quasi aus dem Schalldeckel heraus spielen, nicht in diesen hinein, also ,,zur Wand“. Der Dialog mit den Kollegen ,,von der anderen Seite“ bleibt freilich erhalten .
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  • Benefizkonzert der Philharmoniker mit der Kulman  
    Kommenden Montag, den 28. September, gibt es (um 19.30 Uhr) als Benefizkonzert für die Flüchtlingshilfe ein außertourliches „Philharmonisches“ im Wiener Konzerthaus. Unter der Leitung von Christoph Eschenbach musiziert das Orchester die beiden letzten Mozart-Symphonien (g-Moll und „Jupiter“). Zwischendrin singt Elisabeth Kulman – wie schon am vergangenen Sonntag unter Semyon Bychkov im selben Saal – Richard Wagners „Wesendonck-Lieder“. 
    www.konzerthaus.at
    www.elisabethkulman.com 


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  • Vor 200 Jahren wurde das Metronom patentiert. Eine kritische Bilanz

    .Es hat seine desaströsen Seiten, dass der k.k.Hof-Kammermaschinist Johann Nepomuk Mälzel vor 200 Jahren das Metronom patentieren ließ. Das Ding macht ticktack, je nachdem, wie man das Gewicht an dem Pendel verschiebt, mehr oder weniger oft pro Minute. Vor allem. Es tickt regelmäßig. Das ist der Sinn der Sache. Und das Verhängnis.

    Generationen von Musikern sind von ihren Lehrern genötigt worden, sich mit den Mitteln dieses Geräts zu disziplinieren und sich daran zu gewöhnen, ein einmal angeschlagenes Tempo rigoros beizubehalten. Außerdem freut sich die Musikwissenschaft, denn sie weiß seither genau, wie schnell ein Allegro genommen werden muss, wie langsam ein Adagio – und vor allem: ob Allegretto rascher oder langsamer als Andante schwingt.

    Jedenfalls, solange die Komponisten so freundlich waren, ihre entsprechenden Angaben mit dem Hinweis zu versehen, auf welchen Wert das Metronom zu stellen sei. Ludwig van Beethoven beispielsweise, mit Mälzel zeitweise befreundet, zeitweise im Kriegszustand, versah viele seiner Partituren noch nachträglich mit den entsprechenden Ziffern und Zahlenangaben.

    Und manche dieser Ziffern und Zahlen treiben Musiker bis heute zur Verzweiflung. Legendär ist etwa die Vorschrift am Beginn der sogenannten Hammerklaviersonate. „Halbe gleich 138“, mit anderen Zahlenworten: 69 Takte pro Minute; den ersten Satz kann kaum ein Pianist so schnell spielen, wie Beethoven ihm das – via Mälzels „Kickstarter“ – vorschreibt. Womit wir auch schon beim eingangs angekündigten Desaster wären. Es ist schon so: Mälzel hat es möglich gemacht, über die Jahrhunderte Tempovorstellungen von Komponisten zu bewahren und zu tradieren. Nur: Was es wirklich bedeutet, wenn ein Meister „Halbe gleich 138“ hinschreibt?

    Improvisatorische Freiheit unmöglich.Von Beethoven selbst wissen wir, dass er seine diesbezüglichen Angaben als Richtwerte verstand und nicht im Traum daran dachte, dass ein Pianist den Stirnsatz seiner B-Dur-Sonate stur mit dem angegebenen Uhrwerk durchpeitschen könnte. Er hätte es als extrem unmusikalisch empfunden, wenn seine Interpreten nicht dem Fluss der Melodie gelauscht und auf diesen mit entsprechend sensiblen Tempomodifikationen reagiert hätten. Das ist die Kehrseite des Metronomkastens. Auch das Gefühl hätte sein Tempo, merkt Beethoven dort einmal an, wo er für einen Satzbeginn ein äußerst rasantes Allegro vorschreibt.

    Unsere Klassiker dachten niemals in Kategorien, die sich mathematisch gradlinig, möglichst vielleicht noch in ganzen Zahlen abbilden lassen. Spricht doch Mozart von seiner gestalterischen Freiheit, die es ihm ermöglicht, als Pianist die Zeitgenossen staunen zu machen: die Linke streng im Takt, die Rechte frei, beinah improvisatorisch darüber schwebend – dergleichen Vieldimensionalität ist seit Einführung des Metronoms rasch einem rigorosen Zählwahn zum Opfer gebracht worden.

    Als ob er das geahnt hätte, setzt Beethoven dem Mälzel'schen Ticktackknebel schon unmittelbar nach dessen Erfindung ein Denkmal, das mehr als ironisch anmutet: Das Allegretto scherzando seiner Achten Symphonie basiert auf einem Scherzkanon, den er dem späteren Konstrukteur seiner Hörrohre widmete: Die Musik, die anfangs amüsant leichtfüßig dahintrippelt, gerät zuletzt ins Trudeln und legt einen akustischen Bauchfleck hin. Effektvoller kann man die Sache nicht auf den Punkt beziehungsweise die Hoffnungen wieder auf die Erde bringen, die in das Metronom gesetzt wurden. Das Gerät wiegt – beziehungsweise tickt – uns in scheinbare Sicherheit. Beethoven selbst, um ihn noch einmal als Zeuge zu bemühen, freut sich, dass kompliziertere Relationen nun ganz simpel darstellbar wären. Man brauche kein „Tempo ordinario“ mehr, verkündete er.

    Allein, was als Sieg gefeiert wurde, war auch eine Niederlage. Denn eben dieses „Tempo ordinario“ kam uns mit dem metronomischen Gleichmaß abhanden. Musikern der Generation vor Mälzel genügte ein Blick auf das Notenbild, um zu wissen, welches Grundtempo sie anzuschlagen hatten. Die Nachgeborenen glauben dem Apparat mehr als ihrem Musikantenverstand. Wo es richtig tickt, ticken die Musiker nicht mehr richtig...
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  • Angelika Kirchschlager als singende Skulptur

    Im KHM pflegt man die alte Tradition, Bilder zu beleben

    "Eine solche Nachbildung, wenn sie auch manche mühsame Anordnung erfordert, bringt dagegen auch einen unglaublichen Reiz hervor.“ Also sprach der Graf in Goethes „Wahlverwandtschaften“ – und schon nahm das Verhängnis seinen Lauf. Die illustre Gesellschaft begann mit einem Lieblingsspiel der damaligen Zeit: Bekannte Gemälde wurden nachgestellt.
    Der Dichterfürst stand, wie einige Äußerungen unmissverständlich darlegen, solchem Treiben mit einiger Distanz gegenüber und fand es reichlich dekadent.
    Dennoch gibt er in seinem Roman unverblümt zu, wie viel Pläsier feinsinnig-künstlerische Betrachtungen dieser Art dem notorischen Verehrer der holden Weiblichkeit verschafft haben: „Ganz ohne Frage“ reiche „eine solche lebendige Nachbildung weit über jenes Originalbildnis hinaus“ und errege „ein allgemeines Entzücken“. Verschmitzt paraphrasiert Goethe damit wohl sein eigenes Vergnügen, das er beim Betrachten der legendären Tableaux vivants der Amy Lyon empfunden hat.
    Amy, besser bekannt als Lady Hamilton, erfreute die Gesellschaft in Neapel gern als lebende und vor allem– da sind sich sämtliche Zeitgenossen einig – höchst attraktive Skulptur. Den nachgestellten antiken Kunstwerken verlieh sie pantomimisch Ausdruck, erweckte sie also quasi zu neuem Leben.
    Die klassischen Bildhauer konnten sich gegen derlei Anverwandlung ihrer Schöpfungen ja nicht mehr wehren. Und lebende Künstler hatten nicht immer die Wahl. Angeblich hat die Herzogin von Orléans, eine Generation vor Lady Hamilton, das Kunsttheater aus pädagogischen Gründen angezettelt. Ihre Sprösslinge sollten mittels „lebender Bilder“ anschaulichen Kunstunterricht erhalten.
    Bedeutende Maler der Zeit wirkten nolens volens dabei mit, voran Jacques-Louis David. Ob er dieses Missbrauchs wegen später zum Parteigänger Robespierres wurde?
    Wie auch immer: Damals gehörte die Beschäftigung mit Musik, Literatur und bildender Kunst selbstverständlich zu den grundlegenden Voraussetzungen kultivierten Lebens. Und heute? Heute ist sie aus dem Lehrplan verschwunden – wer mag, muss sich das abendländische Erbe selbst erobern.
    Insofern ist es fein, wenn sich im Herbst 2015 einige Male Angelika Kirchschlager im Rahmen einer bemerkenswerten Rekultivierungsinitiative in eine Lady Hamilton des 21.Jahrhunderts verwandelt und im Verein mit Kollegen wie dem Bläserensemble Federspiel, dem Sänger der Sofa Surfers, Emmanuel Obeya, und Burg-Star Sylvie Rohrer Werke aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums lebendig werden lässt.
    Zwölf Vorstellungen von „Ganymed Dreaming“ sind avisiert. Vielleicht eröffnet solches Bildertheater Meisterwerken in unseren Museen die Chance, endlich betrachtet zu werden.
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  • Erinnerung an einen bemerkenswerten Einstand

    Einen Teil des Schubert-Zyklus aus dem Vorjahr kann man "nachhören" 

    Philippe Jordan geht in seine zweite Spielzeit als Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Anfang Oktober beginnt er mit einem über die gesamte Saison gezogenen Zyklus von Aufführungen von Werken Béla Bartóks, gekoppelt mit Musik von Beethoven. Das Vorjahr stand ganz im Zeichen der Symphonik von Franz Schubert. Dabei entstanden einige Mitschnitte, von denen jene der beiden letzten Symphonien als Dokument nun vorliegen: Die "Unvollendete" und die "große C-Dur-Symphonie", durchaus in der rechten Dramatik, aber schlank und durchsichtig im Klang, wie unsere Zeit das verlangt. Das Orchester mobilisiert seinen Klangsinn und phrasiert Schuberts Melodien mit dem rechten wienerischen G'spür, auf dass der Maestro offenkundig vertraut. Die Mischung stimmt!
    Schubert: Symphonien D 759 und 944. Wiener Symphoniker. Philippe Jordan. www.wienersymphoniker.at
    Schubert im "Eigenverlag" der Wiener Symphoniker. www.wienersymphoniker.at 


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  • Höher als das hohe C   Javier Camarena gastiert in Wien.  Belcantofreunde kommen derzeit auf ihre Rechnung. Margarita Gritskova ist am Samstag noch einmal als zauberhaftes Aschenputtel in Rossinis "Cenerentola" zu erleben, koloraturgewandt und mit prächtigem Mezzo begabt. Saimir Pirgu und Valentina Nafornita singen am Montag in Donizettis "Liebestrank" und tags darauf gastiert einer der herausragenden jungen Tenöre unserer Zeit als Graf Almaviva im "Barbier von Sevilla" an der Seite von Christopher Maltman. Die hohen Cs und noch darüber liegenden "Acuti" dieses mexikanischen Tenors sind bereits legendär. Ein Ausschnitt aus der von Fabio Luisi dirigierten "Cenerentola" an der New Yorker Metropolitan Opera mag als "Ouvertüre" genügen: 
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  • Ferruccio Furlanetto, George Petean und die Hexen  (c Staatsoper/Pöhn) 
    Macbeth in der Staatsoper - eine Wiedergutmachung  

    Ausdauernden Jubel gab es gestern für die Protagonisten der Neuinszenierung von Verdis früher Shakespeare-Vertonung, aber auch für das Regieteam um Christian Räth. 

    Allen voran aber erntete Dirigent Alain Altinoglu Ovationen. Tatsächlich ist es ihm gelungen, mit dem offenbar hoch motivierten Staatsopernorchester eine Geschichte zu erzählen, die spannend vom ersten bis zum letzten Ton blieb. Feinste Detailarbeit an den für seine Zeit hie und da geradezu aberwitzigen Farbmischungen, die Verdi sich zwecks Charakterisierung der grausigen Geschehnisse leistet; aber auch ein Sinn für ganze Akte umspannende Dramaturgie: Schon der erste Aufzug war über zwei Bilder hin als gewaltiges Crescendo angelegt. 
    Dabei bleibt Altinoglu immer ein treuer Partner der Sänger und schafft ihnen den Teppich für die ungehinderte Entfaltung ihrer stimmlichen Gestaltungskünste. Die sind enorm. Bei der weltreisenden  Lady von Tatiana Serjan, die ihr Hausdebüt feierte, mag mancher Connaisseur während des ersten Auftritts die zündende Attacke und die strahlenden Höhen vermissen - doch spätestens, wenn diese mordlüsterne Sirene ihren Gatten im Ehebett zu suggestiv flüsternden Streicherimpulsen umgarnt, entpuppt sich diese krankhaft ehrgeizige  Frau als Meisterin der Zwischentöne, der leisen, aber eindringlich fordernden Phrasen. Exquisit, wie sie während des Trinklieds in der Bankett-Szene selbst den Boden unter Füßen zu verlieren droht: Die Farbgebung wandelt sich vom zynisch-sicheren Jubel in der ersten zu fahler Ungewissheit in der zweiten Strophe. Man kann den psychischen Verfall nachhören - bis zum Verlöschen in der außerordentlich differenziert gesungenen Nachtwandelszene.  
    George Petean, der seinen allerersten Macbeth in dieser Premiere sang, hält mit: Er pariert die mit negativer Energie aufgeladenen Flüstertöne seiner alles beherrschenden Frau mit vielfältigen ahnungsvollen, nervösen, hie und da sogar flehentlichen Lauten - und darf in seiner angstumflorten Machtbesesssenheit nur einmal ganz er selber sein: Wenn er vor der Schlacht, schon gänzlich verloren, seine Seele in einer hinreißend schön gesungenen, edel phrasierten Arie preisgibt. Das ist ein großer Moment erfüllten Verdi-Gesangs. Entsprechend groß auch der Applaus, der naturgemäß auch den großen Ferruccio Furlanetto (Banquo) und alle übrigen, exzellent besetzen Akteure einschließt. 
    Dass auch die Regie diesmal mit Respekt behandelt wurde, beweist, dass es das Publikum zu schätzen weiß, wenn eine Inszenierung handwerklich geschickt die Geschichte erzählt. Sehr gut herausgearbeitet sind die zwischenmenschlichen Beziehungen. In den gut choreographierten Hexenszenen hat auch der Staatsopernchor seine bewundernswerten Auftritte. "Macbeth" spielt sich in Kostümen und Uniformen unserer Tage inmitten einer abweisend grauen Kulisse von Gängen, Hallen und Treppenhäusern ab, in denen wirklich nicht gut sein ist (Bühne Gary McCann). Das Stück passiert. Macbeth erlebt nach dem unsäglichen Flop der Ära Holender seine Ehrenrettung und kann jetzt mit neuem Leben erfüllt werden. Zur Premiere gelang das schon ziemlich gut . . .

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  • Triumph verwandelt sich in Angst: Tatiana Serjan, George Petean (c Pöhn)


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  • Heute Abend: Musikverein!
    Musikfreunde haben die Qual der Wahl.

    Alle, die gestern schon in der bewegenden Aufführung von Franz Schmidts "Buch mit sieben Siegeln" unter Manfred Honeck waren, können leichten Herzens heute den Weg ins Souterrain des Musikvereins wagen. Dort zelebriert man spät, aber doch, den Achtziger von Kurt Schwertsik, den wohl sympathischsten aller Produzenten "Neuer Musik", der schon vor Jahren einem Kollegen einmal geraten hat: Wenn er gerade nicht wisse, welche Art von Musik er schreiben soll, so wäre es doch das beste, eine Musik zu schreiben, die er selber hören möchte. Schwertsik darf so etwas sagen, denn er praktiziert es selbst seit langem, hält sich an keine Ismen und Doktrinen, sondern schreibt einfach schöne und oft sogar amüsante Musik. Wirklich! Wer's nicht glaubt, darf sich heute davon überzeugen. Wer den Schmidt gestern versäumt hat, sollte ihn heute "nachsitzen". Die zwei Stunden vergehen wie im Flug, denn Singverein und Symphoniker inszenieren die Plagen des Jüngsten Gerichts, aber auch die Freuden des Neuen Jerusalems unter Honeck mit Hingabe und Verve. Das "Hallelujah" geriet überwältigend wie selten - einen Moment des gebannten Schweigens wie nach dieser Darbietung erlebt man kaum je. Danach gab es Ovationen für die Sänger, die Instrumentalisten, den Maestro, den exzellenten Organisten Robert Kovács - und allen voran für den stimmgewaltigen, aber auch für die zarteren Passagen während des großen "Schwegens im Himmel" wohl dosierenden Tenor Christian Elsner (Johannes) und Stephen Milling, der die "Stimme des Herrn" salbungsvoll verströmte. Im Solistenquartett ließ der edle Tenor Mauro Peters aufhorchen.

    Die Schmidt Aufführung beginnt um 19.30 Uhr, das Schwertsik-Fest um 20 Uhr.
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