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  • Für den Kalender: Die Klassik-Übertragungen auf ORF III im Sommer
    Jeweils im Hauptabendprogramm (wenn nicht anders angegeben) ab 20.15 sendet ORF III heuer wieder Opern und Konzerte - Festspiel.Übertragungen stehen nehmen Musikfilm-Klassikern.
    4. Juli: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Beethovens „Missa solemnis“ (Styriarte, 21.10 Uhr)
    5. Juli: Galakonzert Juan Diego Florez (Wiener Staatsoper, 19.30 Uhr), „La sonnambula (Dessay, Florez, Pertusi – MET)
    12. Juli: „Otello“, der legendäre Opern-Film Herbert von Karajans mit Mirella Freni und Jon Vickers
    19. Juli „Die Macht des Schicksals“ (Levine – Sweet, Domingo, Chernov – MET, 1996)
    26. Juli „Turandot“ und „Hoffmanns Erzählungen“ (von den Bregenzer Festspielen)
    2. August „Tosca“ (St. Margarethen)
    9. August „Eine Nacht in Venedig“ (Mörbisch), „Feuerwerk“ (Baden)
    23. August Klassik Open Air München (Netrebko, Kaufmann, Hvorostovsky)
    30. August „Der fliegende Holländer“ (Wien, 2003, Ozawa – Stemme, Struckmann)

    Am 2. August gibt es als Zuckerl noch die köstliche Filmversion von Menottis „Das Telephon oder Liebe zu dritt“ mit Anja Silja und Eberhard Waechter (23 Uhr)
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  • Ein Kandidat für New York: Manfred Honeck
    Manfred Honeck, einst Bratschist der Wiener Philharmoniker, nun schon seit 2008 Chefdirigent des Orchesters von Pittsburgh, könnte auch seine weitere künstlerische Zukunft in den USA finden. New York Philharmonic sucht einen Nachfolger für den seit fünf Jahren künstlerisch eher wenig glücklich agierenden Alan Gilbert – und das Publikum, aber auch das Orchester streuten Honeck nach seinem jüngsten Gastspiel am Pult von New York Philharmonic Rosen. Der Rezensent der New York Times berichtet, dass die Musiker den gebürtigen Vorarlberger (Jahrgang 1958) nach der Aufführung von Johannes Brahms’ Vierter Symphonie zu einem „Solo-Vorhang“ zwangen und kräftig mitapplaudierten. Seine Schlussfolgerung: Die Musikfreunde mögen sich angesichts der notorischen Dirigenten-Suche des New Yorker Orchesters auf solche Sympathiebezeugungen „ihren Reim machen“.


    www.nytimes.com
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  • Fidelio mit Nina Stemme für alle
    Nina Stemme debütiert am 3. Juni als Leonore an der Wiener Staatsoper. Sebastian Holecek ist erstmals als Don Fernando zu hören, Jochen Schmeckenbecher als Pizarro und Annika Gerhards als Marzelline. Robert Dean Smith ist wieder der Florestan, Lars Woldt der Rocco, Norbert Ernst singt den Jaquino. Am Pult steht Adam Fischer.
    Die Vorstellung wird, ebenso wie die Reprisen am 6. und 9. Juni im Rahmen von *Oper live am Platz“ auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Am 9. Juni überträgt die Staatsoper in HD-Qualität weltweit via Internet: www.staatsoperlive.com.
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  • Checkpoint Karli oder: Kein Zoff in Simmering
    „Simmering gegen Kapfenberg“ war gestern. Jetzt droht Favoriten! Und ich bin schuld daran. Titelte ich doch angesichts der Aufführung von „Gilgamesch“ in der ehemaligen Ankerbrotfabrik mit: „Unsterbliches in Simmering“. Auch angesichts der Entfernung zum Entstehungsorte des Gilgamesch-Mythos ist ein solcher Navigationssfehler zwischen 1100 und 1110 nicht vernachlässigbar.
    Man darf Sensibilitäten nicht außer acht lassen, die entstehen, wenn politische Grenzen durch Gebiete gezogen werden, die im Einklang mit der natürlichen Topgraphie gewachsenen sind. Die Trennlinie zwischen Wien X und Wien XI durchquert ja die einstigen Grenzmarken des Vororts Simmering und teilt deren südwestliche Gaue (simmeringerisch und favoritnerisch: Grätzeln) dem Zehnten Bezirk zu.
    Man glaubt es kaum: Ein Teil von Simmering liegt in Favoriten!
    Bevor nun aber die apokalyptische Vision eines neuen Checkpoint Karli im Eingangsbereich der einstigen Brotfabrik Wirklichkeit zu werden droht, setzen wir kalmierende Maßnahmen. "Die Presse online" verortet König Gilgamesch ab sofort anderswo als Druckausgabe. Liegt es mir als gebürtigem Leopoldstädter doch fern, von einer Redaktion in Erdberg aus Territorialkonflikte zwischen Favoriten und Simmering heraufzubeschwören . . .
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  • Protest gegen Nicht-Verlängerung des Opern-Intendanten von Oslo
    Norwegens Kulturministerin Thorhild Widvey hat beschlossen, den Vertrag des Operndirektors von Oslo, Per Boye Hansen, nicht zu verlängern. Nun protestiert Frankfurts Opernchef Bernd Loebe in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der deutschsprachigen Opern-Direktorenkonferenz.

    Auszüge aus Loebes offenem Brief:
    "Vor einigen Jahren erhielt Norwegen ein architektonisch höchst innovatives und internationales Aufsehen erregendes Opernhaus. (…) Die Augen der internationalen Presse und des Publikums richteten sich auf dieses neue Zentrum des Musiktheaters. Per Boye Hansen … wurde als DIE Idealbesetzung für den Aufbruch Norwegens in eine neue Ära angesehen … hat alle Erwartungen erfüllt und … den Sprung in die internationale Opernliga geschafft. Das Programm ist anspruchsvoll und das Publikum weiß das erreichte Niveau zu schätzen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem das Haus an Renommee enorm hinzugewinnt, wird diese Entwicklung durch eine völlig kunstferne Entscheidung abrupt abgebrochen."
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  • "Gilgamesch": Simpel, aber wirkungsvoll: Schattenrisse 

    Nur noch heute und morgen: Gilgamesch
    In der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrot-Fabrik gibt man René Clemencics Vertonung von Episoden aus dem "Gilgamesch"-Epos - jetzt, wo an Ort und Stelle gerade wieder unschätzbare Kulturgüter vernichtet wurden und werden, tut eine solche Erinnerung an das älteste Epos der Menschheit gut. 
    Clemencic, Inbegriff des poeta doctus, greift dank seiner immensen Literaturkenntnis und handwerklichen Sicherheit nicht nur auf einen Jahrtausende alten Text, sondern auch auf Jahrhunderte der europäischen Musikgeschichte zurück. Seine Musik, dennoch wie aus einem Guss, bedient sich archaischer Klang-Topoi, scheint oft reduziert auf karge Zweistimmigkeit, orientiert an mittelalterlichen Organa oder gregorianischem Gesang, dann wieder tönen die Posaunen und Tuben wie beim Jüngsten Gericht (oder die jüdischen Schofar-Bläser auf dem Schlachtfeld); andererseits empfängt die urbane Gesellschaft das Naturkind Enkidu, der dann zu Gilgameschs treuem Begleiter wird, mit einer raffinierten Glockenklang-Studie in Form eines Renaissance-Madrigals, nur an Dreiklangsharmonien orientiert. 
    So kommt Abwechslung ins tönende Spiel, das Kristine Tornquist gewohnt simpel und - wie die Musik - aufs Wesentliche konzentriert in die karge Halle choreographiert hat. Gesungen und musiziert wird von einem jungen Ensemble des "Sirene"-Operntheaters mit Engagement. 100 Minuten verfliegen rasch, während man sich endlich wieder einmal ganz ungeschminkt mit den Ur-Ängsten und Ur-Visionen der Menschheit beschäftigen darf, mit Gottesfurcht und Machtstreben, Eitelkeit und Liebe und Tod und der Sehnsucht nach Unsterblichkeit.   
    www.sirene.at
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  • Opernschule für Kinder.
    Die nächste Aufnahmeprüfung für die Opernschule der Wiener Staatsoper findet am Mittwoch, 10. Juni 2015 (15.00 Uhr) statt. Gesucht werden
    Mädchen und Burschen im Alter von 8 bis 10 Jahren, vorzubereiten ist
    ein einfaches Lied. Anmeldeschluss: 3. Juni 2015.

    Adresse: Goethegasse 1, 1010 Wien
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  • Die Wiedergeburt des Concentus musicus
    Wer sich fragt, wie der Concentus musicus einmal ohne seinen Gründervater, Nikolaus Harnoncourt, bestehen könnte, bekam die Antwort beim Barockfestival in Stift Melk geliefert: Am Pfingstsonntag musizierten die Künstler Musik des österreichischen Hochbarock von Johann Joseph Fix bis Heinrich Schmelzer - und gruben damit, geführt von Primarius Erich Höbarth, zurück an ihre Wurzeln. Höbarth erwies sich auch als charmanter Präsentator und wusste von den ersten Jahren des Concentus zu berichten, die er als Kind quasi aus dem Nebenzimmer miterleben durfte. Mittlerweile trägt der Geiger mit seinem Quatuor Mosaiques längst erfolgreich die Harnoncourtschen Erkenntnisse in Sachen Originalklang ins Kammermusikalische; und nun führt er auch den Concentus in der ursprünglichen kleinen Besetzung ad fontes: Anfang der Sechzigerjahre erschien eine Concentus-Schallplatte mit österreichischem Barock-Repertoire. Nach wie vor scheint dieses im Konzertleben sträflich unterbelichtet. Ein Festival wie jenes - heuer von Michael Schade vielseitig, bunt und dramaturgisch raffiniert geplant - zu Pfingsten im prächtigen Melker Rahmen kann ideal dazu beitragen, dass sich das ändert. Jedenfalls applaudierte das Publikum im Kolomani-Saal begeistert den schwungvoll animierten Darbietungen, deren Spannweite von der pittoresken klangmalerischen Schilderung einer Fechtszene bis zur bewegenden (und zuletzt trostspendenden) Trauermusik für Kaiser Ferdinand III. reichte.
    Am Pfingstmontag Abend musiziert der Concentus dann mit dem Arnold Schönberg Chor unter Erwin Ortner Händels "Israel in Ägypten" (19.30 Uhr) danach (ab etwa 21.15) klingt das Festival bei Brot und Wein aus.
    Intendant Michael Schade ist als Solist mit von der Partie, ihm zur Seite einige junge Talente, die aus seinen Talenteschmieden ("Stella Maris" und Salzburgs "Young Singers Project") hervorgegangen sind. Der Montag beginnt übrigens mit einem Frühstück mit dem singenden Intendanten ("Prima Colazione", 9.30 Uhr im Dietmayrsaal des Stifts). Es folgen Musik aus den Habsburgerlanden mit dem Ensemble La Ritirata, ein Konzert an verschiedenen Orten im Park (15.30) und eine Sonderführung "Fremde Welten" ab 17 Uhr).
    www.barocktagemelk.at
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  • Wenn Mozart nach London gefahren wäre . . .
    Als Kind war Mozart zwar in London, doch platzte der Plan, den Meister in seinen Reifejahren in die englische Hauptstadt zu holen. Wie es hätte sein können, wenn Mozart Symphonisches und Opern-Fragmente aus seinen Wiener Jahren in London präsentiert hätte, erzählt Veranstalter Salomon - der Joseph Haydn zweimal verpflichten konnte - bei der musikalischen Zeitreise im Rahmen der Barocktage Stift Melk, die zum zweiten Mal von Michael Schade kuratiert werden: Martina Janková, Schade selbst und der junge Bariton Manuel Walser, einer der Preisträger des von Michael Schade ausgerichteten "Stella Maris" Sänger-Wettbewerbs, singen, begleitet vom Bach Consort Wien.
    Schon am Nachmittag - 15.30 Uhr - kann man eine musikalisch-lterarische Reise im Pfarrhof von Melk antreten: Auf den Spuren von Marco Polo!
    Pfingstsonntag, 15.30/19.30 Uhr Stift Melk



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  • Friedrich Gulda zum Gedenken: Seine klassische Bach-Aufnahme neu ediert.

    Dieser Tage wäre der 85. Geburtstag von Friedrich Gulda zu feiern gewesen. Einer audiophilen Initiative ist es zu danken, dass rechtzeitig zum Gedenktag eine Neu-Auflage der legendären Aufnahme von Bachs „Wohltemperiertem Klaviers“ in den Handel kam. Und zwar nicht nur auf CD, sondern auch – ganz zeitgemäß – in Form von Download-Files, aber ebenso auf Vinyl, als originalgetreues Remake der 1977 erschienen Schallplatten-Kassette. 

    Auf fünf LPs, exquisit gepresst auf 180-Gramm-Vinyl, kann der Musikfreund dank des Lackfolienschnitts von den originalen Masterbändern des Pianisten interpretatorische Leistung völlig unverfälscht nachvollziehen. Auch in den digitalen Vertriebsformen hat man versucht, der analogen Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen; also ohne die dynamischen Korrekturen, die bei früheren CD-Auflagen des Zyklus vorgenommen wurden. 

    Was Gulda wirklich wollte

    Das ist doppelt bedeutsam, denn Friedrich Gulda hatte sehre genaue Vorstellungen, wie sein Klavierspiel zu konservieren sei. Die Bach-Aufnahmen bildeten den Höhe- und Schlusspunkt seiner Zusammenarbeit mit dem Bayerischen High-Fidelity-Fanatiker Hans Georg Brunner-Schwer, auf dessen Label MPS unter anderem auch die ungewöhnlichen Konzept-Alben Guldas erschienen waren. Wie bei diesen wählte man auch für das „Wohltemperierte Klavier“ eine Mikrophonierung, die den Klang quasi direkt abrief, also kaum Luftdistanz zwischen Mikro und den Klaviersaiten zuließ. Das lässt den Hall gegen Null sinken, gibt aber vollkommen verlustfrei die unglaubliche Nuancierungskunst von Guldas Spiel wieder. Der Komponist und Interpret hatte sich ja ausgiebig nicht nur mit dem modernen Konzertflügel, sondern auch mit dem zu Bachs Zeiten für intime Stücke wie diese Folge von 48 Präludien und Fugen in allen Dur- und Moll-Tonarten beliebten Clavichord befasst. Seine liebevolle Aneignung der gesanglichen Möglichkeiten dieses Instruments ist in vielen Passagen der Aufnahme zu spüren. Andererseits scheut der Künstler auch nicht davor zurück, uns hie und da spüren zu lassen, dass Bach auch der bedeutendste Organist seiner Zeit war. Wer in kürze erleben möchte, wie man ein Klavier im wahrsten Sinne des Wortes zum Singen bringen kann, muss nur das es-Moll-Präludium aus dem ersten Band hören – um dann bei der Fuge vollends zu staunen: Das ist Vokalpolyphonie subtilster Schattierung, was da erklingt. Vollendet gespielt; und endlich wieder adäquat auf Tonträgern in Umlauf gebracht.

    Auf 5 CDs oder LPs (180g-Vinyl-Pressung): Guldas Bach-Klassiker (Vertrieb: Edel) 

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  • Thielemann dirigiert Bruckner: Heute Abend die Vierte! Nicht versäumen!
    Gestern Abend: Erstes Konzert im Rahmen des Kurz-Gastspiels der Staatskapelle Dresden. Bruckners Neunte nach der Pause, ein Ereignis der Sonderklasse, denn Christian Thielemann lasst jede Konkurrenz meilenweit hinter sich. 
    Klangregie und Dramaturgie gleichermaßen atemberaubend - das Orchester spielt, als wollte es beweisen, dass sich die Berliner keine Sorgen machen müssen, wer künftig die philharmonische Leitung an der Spree übernehmen soll; die Führung hat die "Wunderharfe" (© R. Wagner) an der Elbe übernommen . . . 
    Heute Abend gibt es Bruckners Vierte in derselben Konstellation. Man darf das nicht versäumen! 
    www.musikverein.at

    Thielemann auf der Probe, Karwoche 2015 (Foto: APA/Gindl) 



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  • Erneuerung des Bundestheater-Gesetzes? Rückführung in den Proporz?
    Jahrzehntelang hat der Kampf gedauert. Endlich waren Burgtheater, Volks- und Staatsoper eigenverantwortliche Unternehmen – nun der Rückschlag? Die „Holding“, als Rest der einst mächtigen Bundestheater-Verwaltung, soll plötzlich wieder „gestärkt“ werden. Und das, nachdem sich in der leidigen Burgtheater-Causa gezeigt hat, dass die Aufsichtsfunktion so gar nicht funktionieren wollte.
    Der neue Holding-Chef soll de facto wieder die Oberhoheit über das Budget der drei Häuser bekommen – und möglicherweise gesellt man ihm auch einen Vize-Direktor hinzu.
    Was assoziiert der gelernte Österreicher aus diesen Vorgaben für die Novellierung des Bundestheater-Gesetztes? Träumen sich SPÖ und ÖVP zurück in die alte Proporz-Gesellschaft?Früher einmal hätte man angesichts dieses Gesetztes-Entwurfs gesagt: Der künftige Chef steht - Ausschreibung hin oder her - vermutlich längst fest. Die "andere Seite" bekommt dann den "Vize". Das einzig wirklich virulente Thema wurde nicht wirklich angerührt: Statt der fälligen Valorisierung der Budgets nach jahrelanger Deckelung steht lediglich eine Aufstockung der Mittel ins Haus, über deren Verwendung naturgmäß der neue Verwaltungs-Wunderwuzzi entscheiden wird. Wie die drei Theaterbetriebe ihrem Auftrag nachkommen sollen, einen täglichen Repertoirebetrieb aufrecht erhalten sollen - und das, dem Land zuliebe, in möglichst allerhöchster Qualität - steht offenbar gar nicht zur Diskussion. Nur die Grünen wissen schon wieder: Nicht mehr Geld für die Hochkultur. Angesichts solch kurzsichtiger Oppositionspolitik marschiert die Regierung zurück zum Proporz? Spätestens nach den nächsten Wahlen und der Neubesetzung (den Neubesetzungen?) in der Holding wissen wir, ob das allzu pessimistisch gedacht ist . . .
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  • Irina Tsymbal als "Sylphide" (Foto: Staatsoper/Poehn) 

    "La Sylphide": Ballett auch für Menschen, die sich für die Tanzkunst erst begeistern müssen
    Die Fans stürmen diese Aufführung sowieso, aber auch Interessenten, die sich die Ballett-Kunst erst erarbeiten müssen, sind hier richtig. "La Sylphide" ist klassisches Ballett wie es klassischer nicht sein könnte: Anmutig, märchenhaft in einem entsprechend bilderbuchartigen Dekor. Und die Wiener Compagnie präsentiert sich in Spitzenform, das Corps de ballet ebenso wie die Solisten. Denys Cherevychko steht als James zwischen zwei faszinierenden Frauenfiguren: seine Braut gibt Kiyoka Hashimoto edel und lebendig durchpulst. Die verführerische Sylphide ist Irina Tsymbal, ätherisch, kokett, aber auch von einer Leidenschaft bewegt, die verstehen lässt, warum der Bräutigam sich letztendlich doch der irrealen Traumfigur zuwendet und damit in sein eigenes Unheil läuft, nein: springt, sich dreht, ihr entgegenfliegt in höchster Virtuosität. 
    Aufführungen am 24. und 29. Mai sowie am 15. Juni.
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  • Gilgamesch in der Brotfabrik
    Gilgamesch, der sumerische König , ist Titelheld der ältesten Dichtung der Menschheit. Alle großen menschlichen Themen sind in diesem mythologischen Text im Kern bereits abgehandelt. René Clemencic hat "Gilgamesch" auf ein Libretto von Kristine  Tornquist zur Oper gemacht, führt den König von Uruk getreulich der Überlieferung der Geschichte bis an das Ende der Welt - und wieder zurück. Das Sirene Operntheater zeigt das Werk sechsmal in der Expedithalle der ehemaligen Anker-Brotfabrik. Die Premiere am 22. Mai ist ausverkauft. Für die Vorstellungen am 23. und 24. sowie vom 27. bis 29. Mai gibt es noch Restkarten. Vor der Aufführung findet jeweils (19.30 Uhr) ein Vortrag statt. Am 23. z. B. über die aktuelle Situation im Irak, dem Land Gilgameschs . . . 
    (Informationen: sirene.at) 
    Clemencics "Gilgamesch" 22.-24. und 27.-29. Mai in der Brotfabrik (Foto: sirene) 


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  • Nordische Klänge bei nordischen Temperaturen beim Sommernachtskonzert
    Recht kalt dürfte den meisten Zuhörern beim nun schon traditionellen Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker im Schlosspark von Schönbrunn diesmal gewesen sein. Dafür - Orchestervorstand Andreas Großbauer wies gleich in seinem Anfangs-Statement darauf hin - gab es nordische Musik. Abgesehen von der brillanten Philharmoniker-Fanfare von Richard Strauss; mit den ironisch gebrochenen klassizistischen Klängen der "Maskerade"-Ouvertüre des Dänen Carl Nielsen dürften die wenigsten der Besucher etwas angefangen haben. Hingegen griff Rudolf Buchbinder bei Edvard Griegs Klavierkonzert dann in die Vollen, brillierte auch durch rhythmische Akkuratesse - und die Philharmoniker unter Zubin Mehta ließen keinen Zweifel daran, warum es dieser Komponist mit so vielen Werken in die Wunschkonzert-Spitzenränge geschafft hat: Romantik, herzerwärmend, von vielen Kommentatoren gern in die Kitsch-Ecke gestellt. Und doch: Diese Musik - wie auch die gegen Ende des Programms folgende Suite aus der Schauspielmusik zu "Peer Gynt" - bezaubert offenkundig auch Menschen, die vermutlich nie in einen Konzertsaal gehen würden, in Schönbrunn aber durchaus der Meinung sind, dass sich die Begegnung mit der sogenannten "Klassik" lohnt. Dazu müsste man vermutlich nicht einmal zu Jean Sibelius' "Finlandia" ein Feuerwerk abbrennen.
    Mehr als 45.000 Zuschauer waren schon am Beginn des Konzerts im Schloss-Park, wenige gingen, viele strömten zu. Auf dem Höhepunkt waren es nach inoffizieller Schätzung an die 100.000, zuletzt offiziell 50.000! Selbst wenn die 100.000 übertrieben sein sollte: Man muss - abgesehen von der TV-Übertratung - einmal ausrechnen, wie viele ausverkaufte Konzerthaus- oder Musikvereins-Säle es braucht, um dermaßen viele Hörer live zu erreichen . . .
    Wienerisches schon Mittendrin
    Mit seiner Lieblings-Zugabe, Alfred Grünfelds "Fledermaus".Paraphrase, sorgte Rudolf Buchbinder dann schon mitten im nordischen Programm (es folgten noch Sinding, Sibelius und noch einmal Grieg, ganz zuletzt erst, wie gewohnt, "Wiener Blut") für wienerisches Töne; und für den Beweis, dass sich die Leichtigkeit und Duftigkeit, wie sie Unterhaltungs- und Kaffeehausmusikanten beherrschen müssen, mit der atemberaubenden Perfektion internationalen Virtuosentums durchaus vereinen lassen. Faszinierend, wie subtil und gleichzeitig rhythmisch kraftvoll akzentuiert ein solches Akazi-Stückel klingen kann!
    Die TV-Aufzeichnung ist am Sonntag, 24. Mai (20.15 Uhr) auf ORF III zu sein, in Ö1 ist der Mitschnitt am Mittwoch, dem 8. Juli (19.30) als echtes "Sommernachtskonzert" zu hören. Die DVD erscheint bei Sony: Erscheinungstag: 29. Mai.
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  • Suchen die Berliner wirklich einen Dirigenten?
    Deutschland lacht über die angebliche Entscheidungsschwäche eines Orchesters im Namen des Zeitgeistes: Hampelmänner der Nation – so oder so ähnlich bezeichnen die ersten deutschen Kommentatoren die Berliner Philharmoniker, die am Montag ihren neuen Chefdirigenten küren wollten und nach knapp elf Stunden einer heftigen Diskussion ohne Ergebnis auseinandergingen. Die selbstbestimmten Musiker wollen sich noch ein paar Monate Zeit nehmen, lautete die Conclusio der Abordnung, die sich spätnachts den verdutzten Journalisten stellte.

    In Wahrheit war das vermutlich kein Versagen, sondern eine kluge Entscheidung. Übers Knie brechen darf man eine solche Kür nicht, wenn offenkundig die demokratische Gesellschaft deutlich in zwei unversöhnliche Lager zerfällt.

    Man kann es verstehen: Der Druck der öffentlichen Meinung zwingt auch Musiker dazu, künstlerische Kernfragen dem allseits gepflegten politisch-korrekten Fassadenputz hintanzustellen. Als ob es, um nur ein Beispiel zu geben, darum ginge, wie viel Jugendarbeit oder Randgruppen-Eingliederungsversuche ein Orchester leistet.

    So lang nicht ehrlicherweise festgestellt werden darf, dass es in Wahrheit nur darauf ankäme, wieder eine weltweit unverwechselbare, singuläre Basis für die Aufführung von Symphonien Mozarts, Beethovens, Brahms' und Bruckners zu legen, so lang wird die Frage, wer der rechte Chefdirigent für die Berliner Philharmoniker sein könnte, nicht vernünftig zu beantworten sein.

    Wird dann noch ein künstlerisch höchstrangiger Kandidat von den Meinungsmachern quasi politisch diskreditiert, weil er vielleicht nicht nachplappert, was der Zeitgeist seinen in Sachen PR geschmeidigeren Kollegen diktiert, liegt die Sache vollends schief.

    Welche Kriterien ein Dirigent heutzutage erfüllen muss, hat jüngst Valery Gergiev erfahren, dem man beschied, er müsse sich „mit der schwullesbischen Community“ arrangieren, wenn er Chef der Münchner Philharmoniker werden möchte. Früher einmal hätte man vielleicht gefragt, ob er gut genug Richard Strauss dirigiert . . .

    Die Berliner sind also nicht zu beneiden. Es geht längst vor allem darum, was irgendwelche Aktivisten vor den europäischen Konzertsälen und während Gastspielreisen in den USA für diskutierenswert halten; irgendwann darf man sich dann auch darum kümmern, welches Tempo man für Beethovens Fünfte nimmt. Wahrscheinlich brauchen die Berliner Zeit, um sich klar zu werden, welche Fragen sie überhaupt zu stellen haben.
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  • Die Berliner Wahl blieb ohne Ergebnis. Kein neuer Wahltermin in Sicht!
    Mehr als elf Stunden lang verhandelten die 124 wahlberechtigten Mitglieder der Berliner Philharmoniker am Montag in der Jesus-Christus-Kirche über die Nachfolge von Sir Simon Rattle. Um 21.30 hieß es: Die Wahl sei ohne Ergebnis geblieben. Entweder konnten sich die Musiker, die ihren Chefdirigenten frei wählen, nicht über die künftige Richtung einigen - die Gerüchtebörse kocht, deutsche Agenturen nennen nach wie vor Christian Thielemann als möglichen Rattle-Nachfolger, in Social Media Diensten gratulierte man am Nachmittag bereits Andris Nelsons zur Wahl! - oder ein Dirigent, der gewählt wurde, hat die Wahl nicht angenommen . . .
    Jedenfalls scheinen die Musiker über den Ausgang irritiert. Der Berliner Orchestervorstand sprach von einer Entscheidung, die ,,binnen Jahresfrist" zu treffen sei und von der Notwendigkeit weiterer Diskussionen. Eine rasche Wiederaufnahne des. Wahlvorgangs scheint also nicht geplant.
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  • Christine Schäfer verlängert ihre Auszeit
    Aus privaten Gründen hat Christine Schäfer eine Auszeit genommen, die im Frühjahr 2015 enden sollte. Nun hat die Sängerin entschieden, länger zu pausieren. Betroffen von den neuerlichen Absagen ist u. a. die Schubertiade Schwarzenberg. Den für 22. Juni vorgesehenen Liederabend übernimmt Christoph Prégardien. Er singt, begleitet von Malcolm Martineau Schuberts Liederzyklus "Winterreise".
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  • Die "Neunte" auf dem Heldenplatz - fühlen und denken mit Beethoven
    Man darf es auch so sehen: Mit einer Aufführung von Beethovens Neunter hat Philippe Jordan einen beeindruckenden Schlusspunkt hinter seine - sympathischerweise von einem Schubert-Zyklus dominierte - erste Saison als Chefdirigent der Wiener Symphoniker gesetzt. Tausende waren dabei – live und via Fernsehen – denn die Neunte erklang am 8. Mai auf dem Heldenplatz; die Freude, die im Vierten Satz programmgemäß zu Schiller-Worten besungen wurde, galt aber weniger dem künstlerischen Höhenflug, den Wiens wichtigstes Konzertorchester anzutreten scheint. Seit drei Jahren musizieren die Symphoniker am geschichtsträchtigen Ort, weil es gilt, des Endes des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.
    „Alle Menschen werden Brüder“, die poetisch-musikalische Vision zweier Klassiker als Folie für Politiker-Reden und Erinnerungs-Dokumente aus dem Mund von Menschen, die zwischen 1938 und 1945 nicht nur mental, sondern auch aktiv gegen ein Terror-Regime vorgegangen sind – und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.
    Was könnte besser dazu passen als Beethovens „durch Nacht zum Licht“ führende Komposition, in deren ersten Sätzen die Kämpfe und Widerwärtigkeiten des Lebens zum Klingen kommen – und von den Symphonikern intensiv ausgelotet wurden: Selten fühlt man beim Eintritt der Reprise im „Allegro maestoso“ so deutlich, wie dem gesamten ins Wanken geratenen Klang-System quasi endgültig der Boden wegzubrechen droht . . .
    Vielleicht hat auch mancher Hörer bei dieser Gelegenheit daran gedacht, dass Leonard Bernstein einst, als die Mauer fiel, den Text des Finalsatzes ändern ließ: statt einer „Ode an die Freude“ wurde die Symphonie zur „Ode an die Freiheit“.
    Historisch bewanderte Beobachter denken aber wohl auch daran, dass Freiheits-Hymnen, wie sie gerade Beethoven mit „Fidelio“ und der Neunten geschaffen hat, immer ins Programm genommen werden, wenn es gilt, politische Zelebrationen künstlerisch zu verbrämen. Vielleicht dürfen wir hoffen, sich heutzutage alle oder vermutlich zumindest fast alle das Richtige dabei denken, wenn ein Kuss ausdrücklich „der ganzen Welt“ gewidmet wird.
    Die „Neunte“ erklang als Bedeutungsträgerin sondergleichen freilich nicht nur am 8. Mai 2015 auf dem Heldenplatz. Man spielte sie (und den „Fidelio“, versteht sich) in Wien auch 1938, man spielte sie 1945, man spielte sie 1955. Wichtig ist ja wohl auch immer, was die Musik dem einzelnen Hörer mitteilt, wie er die Botschaft für sich dechiffriert. Es ist, apropos Bernstein, Mauer, Diktatur und Berlin, ein besonders dramatischer, expressiv musizierter Mitschnitt einer Aufführung der Neunten unter Wilhelm Furtwängler von Anfang der Vierzigerjahre überliefert, wo die zuvor geschilderte, „gefährliche“ Passage aus dem ersten Symphoniesatz besonders verzweifelt, besonders unausweichlich klingt. Auch damals hieß es im Finale: „seid umschlungen, Millionen“ und vor allem wurde auch damals die Frage gesellt: „Ahnest du den Schöpfer, Welt?“ Samt der Antwort: „Such ihn über'm Sternenzelt!“. Auch damals, im Berlin Adolf Hitlers, wird sich jeder Hörer dazu etwas gedacht haben . . .
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  • Mariss Jansons bleibt bis 2021 in München
    Der Vertrag von Mariss Jansons als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wurde bis 2021 verlängert. Pikanterweise kommt diese Nachricht wenige Tage vor der Wahl des neuen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Jansons gilt als einer der Wunschkandidaten jener Berliner Musiker, die für eine künstlerische Ruhe- und Erholungsphase nach der Ära Rattle votieren, ehe die Weichen für die Zukunft mit einem jüngeren Chefdirigenten gestellt werden. Freilich: Jansons hat bis vor kurzem zwei Orchester gleichzeitig geleitet: Die Position beim Concertgebouw Orchester Amsterdam hat er aufgegeben . . .
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  • Konieczny statt Volle im ersten Rattle-"Ring" an der Staatsoper
    Tomasz Konieczny verkörpert anstelle des erkrankten Michael Volle den Wotan/Wanderer im ersten "Ring"-Zyklus unter Simon Rattle an der Wiener Staatsoper ("Rheingold" am 16. Mai, "Walküre" am 17. Mai, "Siegfried" am 20.Mai). Dafür übernimmt Richard Paul Fink die Partie des Alberich von
    Tomasz Konieczny und gibt damit sein Debüt im Haus am Ring.
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  • Oper online: "Traviata" aus Madrid, "Götterdämmerung" aus Wien
    Eine EU-Initiative verbindet einige Opernhäuser auf einer neuen Online-Plattform: "The opera platform" startet am 8. Mai mit einer Internet-Übertragung von Verdis "Traviata" aus dem königlichen Opernhaus Madrid. Die Wiener Staatsoper steuert am 7. Juni eine "Götterdämmerung" unter Simon Rattle bei. Mit von der Partie sind unter anderen auch das Royal Opera House Covent Garden, London, die Oper von Lyon, die Festspiele Aix-en-provence und das Brüsseler Monnaie-Theater. Die Aufführungen kann man dank der Förderung durch die EU kostenlos miterleben - und ein halbes Jahr lang abrufen.
    Der Link:
    www.theoperaplatform.eu
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  • Nina Stemme als Ingrid Bergman
    In Göteborg kommt am 19. September, wenige Tage nach dem 100. Geburtstag der Filmschauspielerin Ingrid Bergman, die Uraufführung einer neuen Oper heraus: „Notorious“ nach dem gleichnamigen Thriller (deutsch: „Berüchtigt“) von Alfred Hitchcock von 1946. Bergman hatte in diesem Streifen die Hauptrolle gespielt. In der Opernfassung des schwedischen Komponisten Hans Gefors verkörpert Nina Stemme diese Partie der Alicia Hauser. Regie führt Keith Warner.
    Hitchcock hatte bereits 1944 die Idee zu einem Film, der zwischenmenschliche Verstrickungen vor dem Hintergrund der Machenschaften von NS-Kollaborateuren auf dem amerikanischen Kontinent zum Inhalt hat.
    Komponist Gefors (62) sieht in seinem Werk vor allem "eine Liebesgeschichte, die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und des Kampfs um die Weltherrschaft" spielt. Gerfors, der in den Achtzigerjahren mit einem Werk über Königin Christina so etwas wie eine schwedische National-Oper herausgebracht hat, bekam von der Oper Göteborg den Auftrag, für Nina Stemme ein neues Werk zu schreiben, das gleichzeitig ein Gedenk-Stück für Ingrid Bergman werden sollte. 12 Aufführungen der Novität sind bis 1. November 2015 geplant.
    Im Strandverket Museum auf der Insel Marstrand, nahe Göteborg, wird parallel dazu eine Ausstellung über Ingrid Bergman zu sehen sein.
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  • "Nabucco" und "Pop"-Matinee ohne Domingo
    Plácido Domingo muss seine Auftritte in "Nabucco" an der Wiener Staatsoper am 10. und 14. Mai 2015 sowie seine Teilnahme an der Matinee "Pop meets Opera" am 17. Mai 2015 krankheitsbedingt absagen. Zeljko Lucic singt am 10. und 14. Mai den Nabucco. Domingo "hofft, die Vorstellungen am 18. und 22. Mai singen zu können", teilt das Pressebüro der Staatsoper mit.
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  • William H. Scheide, 2014 verstorbener Spross des Gründers der legendären Scheide-Bibliothek von Princton, hat dem Bach-Haus Leipzig das wohl berühmteste Porträt des Komponisten Johann Sebastian Bach vermacht. Das 1748 entstandene Gemälde von Elias G. Haussmann gilt als das einzig gesicherte Bildnis aus Bachs Lebzeiten und kehrt nun nach Deutschland zurück.
    Elias Haussmanns Bach-Porträt von 1748 kehrt nach Leipzig zurück. 

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  • Thielemanns erster "Freischütz" in Dresden: Eine Offenbarung
    MIt der deutschen Romantik hat unsere Zeit ihre Schwierigkeiten. Nur einer nicht: Christian Thielemann. Er hat mit der Premiere in der Semperoper am Pult seiner Staatskapelle und mit dem fabelhaften Chor des Hauses Carl Maria von Webers Partitur "erlöst". Vom ersten Moment an herrscht an diesem Abend Stimmungszauber, beredtes Musizieren, vom ersten Moment an begreift der Hörer, dass hier die doppelten und dreifachen Böden einer von der Fama als hausbacken verleumdeten Geschichte sich öffnen, dass Seelenregungen, Ängste, Begierden zum Thema werden. Das Orchester musiziert mit spannungsgeladener Energie, schreckt vor sinistren Farbwirkungen nicht zurück - und wenn die Kontrabässe und Fagotte der Staatskapelle "unterheben", dann scheint das Weltengefüge ins Wanken zu kommen; ganz wie's die Geschichte der teuflischen Handlung in der "Wolfsschlucht" suggeriert. Allein: Wer gut, wer böse ist, kann bei alledem niemand sagen; betroffen, verwundet, zerstört scheinen alle handelnden Personen - was im Libretto die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs sind, spiegelt sich nicht nur in den Klängen, sondern auch in den Bühnenbildern Arne Walthers: Da ist der deutsche Wald, vor dem so viele Regietheater-Bannerträger kapituliert haben; aber er ist das Symbol unserer Ängste und Alpträume.
    Die Menschen hausen (Regie: Axel Köhler) in Ruinen - und es herrscht das Faustrecht. Wenn die Allerärmsten, die Bauern, gegen die etwas weniger Armen, die Soldateska, aufbegehren, werden sie niedergeschlagen; eine traurige Krüppelfigur schleicht durch die Handlung, die in Schrecksekunden mit dem Bösen schlechthin gleichgesetzt wird, und für alles als Sündenbock herzuhalten hat. Die lichten Momente in Webers Musik, die Christian Thielemann freilich auch liebevoll und in ätherischem Pianissimo ausspielen lässt, fungieren als imaginäre Hoffnungs-Inseln inmitten des ausweglos bitteren Lebens; dass die Sänger mit der unerhörten Differenzierungskunst mithalten könnten, darf nicht behauptet werden, doch stehen alle ihren Mann, ihre Frau: Sara Jakubiak als Agathe, Christina Landhamer als Ännchen, Michael König als Max, Albert Dohmen als Erbförster Kuno. Wirklich exzellent bietet nur der Kaspar von Georg Zeppenfeld den finsteren Höllenklängen der Staatskapelle Paroli; und gut schlagen sich die Interpreten der knapper gehaltenen Partien, der Kilian (Sebastian Wartig) und der Eremit (Andreas Bauer). Wunderbar freilich Adrian Eröd als Fürst Ottokar, der zynisch über den Dingen steht, ungerührt beobachtet, wie die Kinder während des Jägerchors schon ein brutales Rollenspiel als Ballett inszenieren: Die Buben jagen die Mädchen und bringen sie zur Strecke. Er sorgt auch für die böse Schlusspointe: Eben hat der Eremit den inhumanen Probeschuss "verboten" - schon hält die Herrscherfigur den nächsten Burschen zum Schießen an. Packend - leider nur dreimal unter Thielemanns Leitung, aber auch als stimmige Regie-Leistung sehenswert . . .
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  • Elke Kystufeks "Katze" in der ehemaligen Greisslerei von Gösing/Wagram

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  • Wochenend-Tipp: Kunst und Wein 
    Was macht eigentlich Elke Krystufek? Die Künstlerin hat sich eine pastorale Phase verordnet und lebt im Weinland am Wagram in idyllischer Umgebung. Dort präsentiert sie auf originelle Weise ihre Werke: Nur am 1., 2. und 3. Mai sind einige Bilder, in denen sich die Weinviertler Erfahrungen der Künstlerin mit jenen mischen, die sie international zwischen New York, Tokio und den Osterinseln sammeln konnte, im pittoresken Ambiente der ehemaligen Greisslerei von Gösing am Wagram zu sehen. Einige weitere im Hof des Weinguts von Dani und Toni Soellner (Hauptstraße 34) im Zuge der traditionellen Weinverkostung, die tatsächlich nur noch an diesem Wochenende stattfindet. Bei der Gelegenheit wird man auch kundig durch die Weingärten geführt und bekommt erklärt, wie das hochgezogen und gekeltert wird, was dann in die Gläser kommt. Darunter natürlich die Spezialität der Region, ein feiner Roter Veltliner. Apropos: Auch das Büffet von Mama Soellner ist von erster Güte. Ein sinnliches Fest also - und für Krystufek eine "Schule des Sehens", im Titel durch das arabische Wort "Madrasa" symbolisiert.

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  • Oleg Maisenberg beschenkte sich selbst und sein Publikum zum Siebziger
    An seinem siebzigsten Geburtstag musizierte Oleg Maisenberg im großen Konzerthaussaal. Es war wie in alten Tagen: ein Zauber an Farben und musikalischer Ausdruckskraft.
    Eine Auswahl aus späten Klavierstücken von Brahms, holzschnittartig karg, aber durchzogen von impressionistischen Girlanden und Schleiern, melancholische Gedanken- und Stimmungsprotokolle, ungemein dicht in der Aussage, im es-Moll-Intermezzo zu einem schmerzvoll intensiven Crescendo verdichtet.
    Schumanns "Carnaval" danach, ein Vexierspiel kleiner und kleinster Pointen, Apercus, augenzwinkernd und geheimnisvoll geflüsterten Anekdoten; zur adäquaten Nacherzählung dieser romantischen, hoffmanesken Klang-Novellen wechselt Maisenberg von Bild zu Bild die Farbenpalette, als würden stets neue Türen geöffnet und den Blick freigeben auf ungeahnte Begebnisse. Nicht die virtuosen Effekte, die Beredtheit der Klänge ist es, die ein fesselndes Hör-Abenteuer voll überraschender Wendungen garantiert.
    Zuletzt Debussy, der Erste Band der "Préludes", schon bei den "Tänzerinnen von Delphi" hält man den Atem an: Der Pianist realisiert die impressionistische Schichtentechnik auf ungemein differenzierte Weise. Als hätte der Steinway mehrere Manuale, heben sich die einzelnen Klangebenen minuziös voneinander ab - ein Klavierstück wie ein Bild, das sich aus mehreren Lagen durchscheinender Blätter zusammensetzt:
    Das ist der pianistische Hexenmeister, der sein Wiener Publikum seit vier Jahrzehnten fasziniert: Wer sonst als Maisenberg vermöchte so kontrolliert unterschiedlichste Register innerhalb der Pianisimoregion zu ziehen? Jubel - nicht nur des Feiertags wegen!.
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  • Heltau spricht Wilhelm Müller - Musik nach Worten
    Musik macht man nach Noten. Aber nicht unser Burg-Doyen. Er erlauscht sie aus der Sprache. Und "vertont" Wilhelm Müllers Gedichte neu. Seinen Schubert kennt Michael Heltau natürlich in und auswendig. Aber er ist - wie der Komponist - verliebt die Poesie, die den Gedichten der Zyklen "Die schöne Müllerin" und "Winterreise" auch ohne Schuberts Klänge innewohnt. Am Donnerstag Abend spürt Heltau ihr wieder nach, rezitiert den "Lindenbaum" und die andern "Müller-Lieder" im Brahmssaal des Wiener Musikvereins. Das ist Sprach-Melodie, einmal ganz anders. Man wird den Schubert mithören; aber auch ganz andere Melodien - - -
    www.musikverein.at
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  • Bayreuths "Tristan" 2015
    Nun ist es "offiziell": Die Besetzung der diesjährigen Eröffnungs-Premiere der Bayreuther Festspiele lautet: Tristan: Stephen Gould, Isolde: Anja Kampe, König Marke: Georg Zeppenfeld, Kurwenal: Iain Paterson, Brangäne: Christa Mayer. Hausherrin Katharina Wagner inszeniert, Christian Thielemann dirigiert - es ist seine "vorletzte" Bayreuther Oper. Aus der Liste der von Wagner für das Festspielhaus freigegebenen zehn Musikdramen fehlt ihm dann nur noch der "Lohengrin".
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  • Maximova statt Baltsa, Schuster statt Kulman in der Staatsoper
    Elena Maximova singt am 3. Mai 2015 in der Galavorstellung "KS Nei Shicoff - 40 Jahre Bühne" die Partie der Carmen anstelle der erkrankten Agnes Baltsa. In Wagners "Ring des Nibelungen" übernimmt Michaela Schuster anstelle
    von Elisabeth Kulman die Fricka in "Rheingold" am 16. und 30. Mai
    und "Walküre" am 17. und 31. Mai 2015.
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  • Premiere "Don Pasquale" an der Staatsoper
    Irina Brook hat Donizettis wunderbare Komödie in der Art eines großen Opern-Cartoons inszeniert. Frisch, frech, quirlig - als slapstickdurchwirkte, ideale Buffo-Umgebung für Interpreten mit Herz.
    Solche hat die Staatsoper aufzubieten: Juan Diego Florez, allen voran, den eloquenten, eleganten Belcanto-Tenor schlechthin. Fein, dass er wieder einmal in einer Partie glänzen darf, in der die brillanten Spitzentöne nicht die Hauptsache sind, sondern eine höchst erwünschte Zuwaag zu erfülltem, ausdrucksvollem Gesang.
    Den bietet auch Valentina Nafornita als Norina, kokett, doch durchaus auch von schlechtem Gewissen geplagt angesichts der von Alessio Arduinis gewandtem Doktor Malatesta angezettelten Intrige gegen den Titelhelden.
    Michele Pertusi gibt den geprellten Hagestolz sympathisch bärbeißig und ungemein wendig in allen vokalen Lebenslagen. Alle miteinander nutzen Donizettis Musik zur menschlich-allzumenschlichen Komödiantik.
    Maestro Jesus Lopez-Cobos ist den Sängern ein liebevoller Partner, das Orchester spielt so animiert, wie auf der Bühne gesungen wird.
    Das Publikum jubelte.
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  • Wilma Lipp ist 90
    Nicht viele Opernfreunde werden sich an Auftritte der legendären Koloratursopranistin in ihrer Glanzzeit erinnern. Aber alle, die über musikalische Qualität mitreden möchten, können nachhören.
    Mit 19 war die Wienerin Mitglied des Staatsopern-Ensembles, mit 26 jüngste Kammersängerin aller Zeiten. Allein die Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ hatte sie schon 1956, als sie sich nach der Wiedereröffnung des Hauses am Ring von der Partie verabschiedete, 132 Mal gesungen! Über lange Zeit war sie die erste Besetzung für Rollen wie die Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“, die Nedda im „Bajazzo“ oder die „Rosenkavalier“-Sophie. Die Konstanze in Mozarts „Entführung“ nicht zu vergessen, wo ihr Vermögen, virtuose Tongirlanden mit Herz und sattem Klang zu absolvieren, so ein- wie ausdrucksvolle Wirkung zeitigte. In kleineren Partien – etwa als Leitmetzerin im „Rosenkavalier“ – war die Lipp noch bis Anfang der Achtzigerjahre zu erleben
    Und wenn schon vom „Nachhören“ die Rede war: Am kurzweiligsten erleben „Nachgeborene“ Lipps Kunst auf der 1950 entstandenen „Fledermaus“-Aufnahme unter Clemens Krauss, wo sie ihre Leib- und Magen-Rolle, die Adele, bravourös gestaltet.
    Wer hören will, wie viele verschiedene Bedeutungen ein und dieselbe, scheinbar immergleiche Koloratur annehmen kann, wenn eine Sängerin in die Musik auch den Text und seinen Sinn zu binden versteht, kommt bei „Spiel' ich die Unschuld vom Lande“ 4 Minuten, 20 Sekunden aus dem Staunen nicht heraus (und hört dann hoffentlich die ganze Aufnahme von vorn an; eine bessere find't er nicht . . .)
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  • Vorschlag für einen gemütlichen Sonntagabend: Radio hören!
    Wer den Sonntag in Ruhe ausklingen lassen und dabei Musik kennenlernen möchte, hat an diesem Wochenende Gelegenheit dazu. In Ö1 serviert Johannes Leopold Mayer ab 19.30 Uhr Eine "Ringstraßen-Symphonie". Musik von Komponisten, die sozusagen aus der zweiten Reihe die Gründerzeit musikalisch mitgestaltet haben. Der Südtiroler Johann Rufinatscha, dessen Schüler Ignaz Brüll und Robert Fuchs, der sogenannte "Serenaden"-Fuchs, dessen leichtgewichtige, aber melodiösen Serenaden von manchen Zeitgenossen dank ihrer Anspruchslosigkeit den symphonischen Großkalibern von Bruckner und Brahms vorgezogen wurden. Über die Komponisten, die alle dem Brahms-Kreis zuzurechnen waren, gab es manche Anekdote. Die bösartigste wohl über Brülle, der in der Regel an der Seite von Brahms zum Abendessen im "Roten Igel" erschien. Als er einmal ausblieb und sich die Freunde nach ihm erkundigten, soll Brahms angemerkt haben: "Der Ignaz hat grad ein Lied komponiert: in C-Dur begonnen, findet er sich plötzlich in Fis-Dur und jetzt weiß er nicht, wie er wieder zurückkommt . . ." Auf Robert Fuchs münzte man in Wien den Kalauer: "Fuchs, die hast du ganz gestohlen!" Vielleicht bezog sich die Kinderlied-Paraphrase auf die Serenade Nr. 5, die diesmal auch auf dem Ö1-Programm steht. Sie zitiert wirklich manche Melodie von Johann Strauß, allerdings ganz offiziell: Das Stück ist dem Walzerkönig gewidmet.
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  • Trapp-Familie: Kostüme kommen für 800.000 Dollar unter den Hammer
    800.000 Dollar muss das Mindestgebot bei der Online-Versteigerung betragen: Versteigert werden sieben Kostüme, die von den Mitgliedern der Trapp-Familie im Film "Sound of Music" getragen wurden. Wer nicht so tief in die Tasche greifen will, kann bei Nate D. Sanders auch Originalplakate zum "Edelweiß"-Kinoschlager ersteigern. Die gibt es schon ab 300 Dollar! (www.natedsanders.com)
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  • "Das wohltemperierte Klavier", neu ediert auf Vinyl und CD! Friedrich Guldas legendäre, Anfang der Siebzigerjahre entstandene Gesamtaufnahme von Johann Sebastian Bachs beiden Zyklen von Präludien und Fugen wird auf dem Label MPS (Edel) zur Feier des 85. Geburtstags des (im Jänner 2000 verstorbenen) Pianisten wieder aufgelegt: auf Vinyl (5 LPs) bzw. auf vier CDs. Erscheinungstermin: Guldas Geburtstag, der 16. Mai.

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  • Tipp eines begeisterten Kenners: heute Abend, Mozartsaal!
    Eben rät mir ein Freund, heute Abend doch die Reprise des Konzerts des Arcanto Quartetts zu besuchen. Antje Weithaas, Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras ernteten gestern Ovationen für ihre Darbietungen von Beethovens op. 95, eines Quartetts von György Kurtág und Schumanns a-Moll-Quartett. Ich bin zwar im Liederabend der Anna Prohaska im Musikverein, kann aber Freunden der Kammermusik nur zuraten, in den Mozartsaal zu pilgern. Meine "Quelle" ist absolut vertrauenswürdig!
    Und als Zugabe gibt's Smetana! Also nichts wie hin!
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  • Oleg Bryjak posthum Ehrenmitglied der Deutschen Oper am Rhein
    Oleg Bryjak, Bassbariton, der bei dem tragischen Flugzeugunglück der Germanwings Maschine ums Leben gekommen ist, wurde von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg posthum zum Ehrenmitglied ernannt. Bryjak war seit 1996 Ensemble-Mitglied. An der Wiener Staatsoper hat Bryjak zwischen 1998 und 2003 insgesamt 27 Vorstellungen gesungen, vor allem den Alberich in Wagners "Ring des Nibelungen", aber auch den Telramund ("Lohengrin") und den Amonasro ("Aida").
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  • Shicoff total: auf der Bühne und im TV

    Neil Shicoff feiert am Sonntag, dem 3. Mai 2015 (Beginn um 18.30 Uhr) sein 40jähriges Bühnenjubiläum auf der Bühne der Staatsoper. Er wird dabei in vier seiner Paraderollen zu erleben sein: als Hoffmann, Hermann, Eléazar und Don José. Mit von der Partie sind Kollegen wie Agnes Baltsa, Krassimira Stoyanova, Anja Silja und Ferruccio Furlanetto.
    Drei Intendanten gratulieren
    Als Gratulanten stellen sich neben dem amtierenden Staatsopern-Direktor, Dominique Meyer, dessen Vorgänger Ioan Holender und der Berliner Opernchef Jürgen Flimm ein.
    Die Gala wird via staatsoperlive.com auch in HD-Qualität übertragen und ist auch auf dem Großbildschirm am Herbert von Karajan-Platz live zu sehen.
    Am 12. Mai plaudert Neil Shicoff dann mit Barbara Rett in deren Sendung "KulturWerk" auf ORF III (20.15 Uhr). Diese Sendung wird um 00.05 Uhr sowie am 17. Mai um 12.20 Uhr und am 14.,16., und 18. Mai jeweils um 6.15 Uhr wiederholt.
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  • Opernprobleme – auch in London
    Die Frage der Finanzierung eines regelmäßigen Opernbetriebs stellt sich mittlerweile in allen großen Städten, die traditionsgemäß ein oder mehrere Opernhäuser erhalten. In London gibt es neben dem itnernational renommierten Royal Opera House Covent Garden die English National Opera (ENO), wo in der Landessprache ein breites Repertoire gepflegt wird. Oder gepflegt wurde, genau genommen. Englische Medien bemängeln den mittlerweile reduzierten Spielbetrieb: Wo man früher 20 verschiedene Stücke aufführte, präsentiert man in der kommenden Spielzeit nur noch zwölf. Mancher Kommentator stellt dem zweiten Londoner Opernhaus nun die Rute ins Fenster: Wer so wenig spielt, könnte Schwierigkeiten bekommen, zu argumentieren, warum man übers Jahr ein großes Orchester und einen Chor zu erhalten habe . . .
    "National"? Kein Problem!
    Nicht genug damit: In London hat man auch gar kein Problem damit, die Begriffe „English“ und „National“ beim Wort zu nehmen. Der Rezensent des „Daily Telegraph“ fordert die konsequente Beschäftigung von heimischen Künstlern. Dass jegliches Repertoire in englischer Sprache gesungen wird, versteht sich bei der ENO ohnehin von selbst. Die Sache scheint natürlich nicht frei von chauvinistischen Konnotationen. Apropos: Jüngst, nachdem man Daniel Barenboim für seine Interpretation von Edward Edgars Zweiter Symphonie mit der Berliner Staatskapelle mit der Elgar-Medaille ausgezeichnet hatte, warf ein Londoner Kritiker den Berliner Philharmonikern vor, sie fänden unter Simon Rattles Leitung zwar vielleicht den richtigen Ton für Bruckner, nicht aber für Sibelius, den man ja bekanntlich im anglophonen Raum für sich gepachtet hat . . . (Wir dürfen gespannt sein, was passiert, wenn die Wiener Philharmoniker unter Rattle kommenden September bei den Londoner "Proms" Elgars "Traum des Gerontius" aufführen.)
    Aber jedenfalls steht mit dem Landessprachen-Gebot die Sinnhaftigkeit des Erhalts zweier Opernhäuser außer Diskussion. Zumindest diese Lehre könnte auch Wien aus der Londoner Situation ziehen: Wer Repertoire „verdoppelt“, sollte zumindest in Sachen Aufführungssprache konsequent eine Wahlmöglichkeit bieten . . .
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  • Staatsoper: Hvorostovsky statt Keenlyside
    Simon Keenlyside muss sich nach seinem unglücklichen Abgang während der Premiere von Verdis "Rigoletto" an der Staatsoper weiter schonen. Die Reprisen-Serie der Neuproduktion im Juni geht daher mit gänderter Besetzung über die Bühne: Am 17., 20., 23. und 30. Juni wird unter der musikalischen Leitung von Eveline Pidò Dmitri Hvorostovsky die Titelpartie verkörpern. Am 26. Juni wird noch einmal der Premieren-Einspringer Paolo Rumetz als Rigoletto zu erleben sein. Ekaterina Siurina singt in
    den ersten drei Vorstellungen die Gilda, die letzten beiden Vorstellungen singt Hila Fahima. Sein Rollenebüt als Herzog gibt, Margarita Gritskova singt die Maddalena, Ain Anger den
    Sparafucile. Simon Keenlysides Comeback an die Staatsoper ist für den 12. Jänner 2016 geplant: Er soll an der Seite von Ramon Vargas den Ankarström in Verdis "Maskenball" singen.
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  • Trendwende: Musik "online" bald lukrativ?
    Die Tantiemen, die Musiker durch die Abgaben von Streaming-Diensten kassieren, könnten bald in "vernünftige" Höhen klettern, meinte Edgar Berger, bei "Sony" für das weltweite Geschäft außerhalb der USA zuständig, in einem Interview für den "Spiegel". Er setzt auf Abonnement-Dienste: "Wird ein Song heruntergeladen, fließt nur einmal Geld. Beim Streaming gibt es bei jedem Abruf wieder Einkünfte. Nach ungefähr 18 Monaten stehen die Abo-Einnahmen in keiner Weise den Download-Einnahmen nach." Berger tritt damit der vielfach geäußerten Befürchtung von Musikern entgegen, mit dem Rückgang des CD-Verkaufs würden die Einnahmequellen langsam versiegen.
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  • Tipp: Heute noch einmal Bertand de Billy mit den Symphonikern im Musikverein
    Die Symphoniker bitten nach dem Schubert-Zyklus unter Philippe Jordan mit Bertrand de Billy zu einem Programm lebenssprühender Italianità: Zu Beginn Mendelssohns „Italienische“, ein Stück sprühender Inspiration und voll quirliger Bewegung. Vom ersten Ton an herrscht da Leichtigkeit, schwebende Eleganz, die doch der Dopelbödigkeit nicht entbehrt. Wer das beliebte, vielleicht allzu beliebte Stück ernst nimmt, entdeckt ja schon im Eingangssatz nach fröhlich sonnigem Beginn düstere Schatten. Das folgende Andante tönt durchwegs melancholisch verhangen – die wunderbare Holzbläser-Sektion der Symphoniker vollbringt kleine Wunder an aparten Farbspielen, hell und strahlend am Symphonie-Beginn, gedeckt und grüblerisch im Flötenduett des langsamen Satzes.
    Das Finale dieser A-Dur-Symphonie steht dann ja ungewöhnlicherweise in Moll. Die Rasanz der Tanzbewegung wirbelt keineswegs ausgelassen, selbstvergessen. Phänomenal, dass die Musiker trotz de Billys brisantem Zugriff noch klar und prägnant artikulieren.
    Puccinis As-Dur-Messe dann, wie Verdis Requiem Abbild des opernhaften italienischen Katholizismus, vom Opern-Maestro de Billy mit entsprechendem dramaturgischem Raffinement inszeniert. Für den Atem der gesungenen Melodie hat er ein Ohr wie wenige Kollegen: Das nutzt auch der exzellente Singverein zu weit gespannten, gefühlvoll modellierten Kantilenen, während Massimo Giordanos Tenor in den beiden Soli doch ein wenig gequält klingt. Erst im knappen Agnus Dei wirft er die Erlösungs-Bitten dem mächtigen Bass Kwangchul Youns geradezu kokett zu: Puccinis Werk verklingt nach Grand-Opéra-Wogen in sanftem, geradezu kammermusikalischem Diminuendo: Wie ein Abschied aus dem Dom durch die Hintertür. Kein Zufall: Das „Agnus“ verwandelt sich bald in ein „Madrigal“ und findet seinen Platz in „Manon Lescaut“ – und die wiederum wird Puccinis erster Welterfolg in den Opernhäusern . . .
    Zu erleben: Heute, Freitag, 19.30 Uhr.
    www.musikverein.at
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  • Linda Watson statt Nina Stemme
    Wegen einer plötzlichen Erkrankung musste Nina Stemme die heutige Elektra Vorstellung an der Staatsoper absagen. Linda Watson springt ein
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