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  • Ketevan Papava Erste Solotänzerin 
    Die Georgierin Ketevan Papava feierte am Mittwoch in der Volksoper ihr Rollendebüt in der Titelpartie von Boris Eifmans "Giselle Rouge". Manuel Legris, Direktor des Wiener Staatsballetts, ernannte Papava im Anschluss an die Vorstellung zur Ersten Solotänzerin der Compagnie. Eine Wiederholung von "Giselle Rouge" gibt es am 3. Mai. Papava ist in der Zwischenzeit an der Staatsoper in den "Tanzperspektiven" zu erleben: 19. und 21. April.

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  • Schlaglicht auf Wiens Theatermisere

    Im Zuge der Rechnungshof-Unterausschuss-Prüfung der Burgtheater-Finanzaffäre hat Elisabeth Hakel, die Kultursprecherin der SPÖ-Parlamentsfraktion, eine Stellungnahme zur Gesamt-Situation der österreichischen Bundestheater verfasst, die in einigen Punkten übersichtlich und knapp die an dieser Stelle schon des öfteren angeprangerte Situation zusammenfasst. Einige Zitate aus Hakels Bericht, die sich selbst kommentieren:

    Subventionsbedarf und „Burg“-Skandal
    Elisabeth Hakel: „Betrachtet man die finanzielle Situation der Bundestheater, so ist es von großer Bedeutung, zwei Themen zu trennen: Einerseits die Nicht-Valorisierung der Basisabgeltung, denn wäre diese seit der Ausgliederung laufend der Inflation angepasst worden, würde sie heute 176,3 Mio. Euro betragen, also rund 27 Mio. mehr. Andererseits existieren die Vorfälle im Burgtheater mit ihren finanziellen Auswirkungen. Hier muss eine präzise Trennung erfolgen. In einem Fall geht es um politische Verantwortung und im anderen Fall wird eine Klärung durch die Gerichte erfolgen. Selbstverständlich müssen aber alle nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um eine Wiederholung von ,Malversationen’ wie im Burgtheater in Zukunft zu verhindern. Zahlreiche Empfehlungen des Rechnungshofes konnten bereits umgesetzt werden, des Weiteren gilt es zu überprüfen, wo noch Änderungen nötig sind.“

    Die Zukunftsperspektive:
    Elisabeth Hakel: „Der Gesetzgeber muss in nächster Zeit eine wichtige kulturpolitische Entscheidung fällen. Die Bundestheater haben durch die Nicht-Valorisierung der Basisabgeltung seit der Ausgliederung ca. 229 Mio. Euro weniger Mittel der öffentlichen Hand im Vergleich zu einer Inflationsanpassung erhalten. Jetzt sind entweder die Adaptierung des kulturpolitischen Auftrages oder eine Erhöhung der Basisfinanzierung vonnöten. Gleiche Leistung und gleiche Qualität werden in Zukunft nicht ohne eine Erhöhung möglich sein. Sollten nicht mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, muss der kulturpolitische Auftrag eingeschränkt werden - das würde auch Schließtage, Schließung von Spielstätten, Entlassung von Personal etc. bedeuten. Die Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 können nur noch mit Verkaufserlösen aus dem Immobilienvermögen der Bundestheater finanziert werden. Ab der Saison 2016/17 können die Bundestheater bei gleichbleibender Basisabgeltung nur noch eingeschränkten Spielbetrieb aufrecht halten.“
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  • Argentiniens Musikkritiker zeichnen österreichischen Jung-Pianisten aus
    Stefan Stroissnig musizierte im vergangenen Oktober mit dem Orchester der "Klangverwaltung" Beethovens Fünftes Klavierkonzert im Teatro Colon von Buenos Aires. Nun hat der Verband der Musikkritiker Argentiniens den jungen Österreicher zur "Entdeckung des Jahres" gekürt. Bei der Preisverleihung am 17. April kann Stroissnig nicht dabei sein. Er ist gerade auf dem Weg zu Konzerten in Japan. Der Veranstalter wird die Auszeichnung für den Künstler entgegennehmen.
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  • Harriet Krijghs Zugabe: Sarabande aus Bachs Suite BWV 1007 (Foto: N. Horowitz)

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  • Wunderbar: Elgars Cello-Konzert mit Harriet Krijgh
    Einfühlsam begleiteten die jungen Musiker des Wiener Jeunesse-Orchesters unter Herbert Böck im großen Konzerthaussaal die ebenso junge, aber international bereits höchst aktive Harriet Krijgh, die für Edward Elgars e-Moll-Konzert den nötigen Tiefgang mitbringt. Bei diesem Stück lässt sich nur im Scherzo mit raffinierten technischen Kunststücken punkten – die Krijgh mit Anmut und ganz ohne Showgeste bewältigt.
    Im übrigen aber bedarf es für Elgar eines herrlich blühenden, doch immer wieder melancholisch schattierten Tons. Dieser ist dem Spiel dieser Künstlerin durchaus eigen. Die Kantilenen erfüllt sie mit Poesie und einer stillen, introvertierten Leidenschaft. Den entsagenden Schluss bereitet sie mit sensibel modellierten Kadenzen vor: Da wächst eine bedeutende Interpretenpersönlichkeit heran!
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  • Robert Meyer bleibt Volksopern-Prinzipal
    Wie erwartet, hat Kulturminister Ostermayer den Vertrag des amtierenden Volksopern-Direktors Robert Meyer verlängert. Der allseits beliebte Volksschauspieler bleibt damit bis 2022 Prinzipal des Hauses am Gürtel.
    Für die kommende Spielzeit hat er folgende Premieren geplant:
    Benatzkys „Im weißen Rössl“ (6. September), Leighs „Mann von La Mancha“ (12. Oktober), Mozarts „Don Giovanni“ (14. November), „Die Schneekönigin“ (nach Prokofieff, 8. Dezember), Heymanns „Der Kongress tanzt“ (20. Februar), Borodins „Fürst Igor“ (19. März) und Millöckers „Bettelstudent“ (30. April).
    Wiederaufgenommen werden die „Csárdásfürstin“, „Sound of Music“ und „Anatevka“ sowie „Marie Antoinette“.
    Im Mai 2016 absolviert die Volksoper wieder einmal eine Japan-Tournee.
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  • Graz 2015/16: Der "ferne Klang" kehrt zurück
    Nora Schmid, designierte Intendantin der Grazer Oper präsentierte ihren ersten Spielplan. Die kommende Saison bringt als Eröffnungspremiere „Der ferne Klang“ von Franz Schreker (Regie: Florentine Klepper). Es folgen Rossinis „Barbier von Sevilla“ (Regie: Axel Köhler), Mozarts „Entführung aus dem Serail“ (Eva-Maria Höckmayr), „Verdis „Luisa Miller“ (Paul Esterhazy), „Die Griechische Passion“ von Bohuslav Martinů (Lorenzo Fioroni), die Operette Der Opernball“ aus der Feder des gebürtigen Grazers und ehemaligen Chef-Kritikers der „Presse“, Richard Heuberger (Bernd Mottl), sowie die Musicals „Funny Girl“ (Stefan Huber) und Webbers „Tell Me on a Sunday“ (Rainer Vierlinger).
    Erika Pluhar erzählt "Dornröschen
    Wiederaufgenommen werden „My Fair Lady“ und die von Stefan Herheim inszenierte „Carmen“. Konzertant gibt man eine bezaubernde Rarität: Engelbert Humperdincks „Dornröschen“ mit Erika Pluhar als Erzählerin.
    www.oper-graz.com
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  • Deutsche Romantik und der Müll der NS-Ideologie
    Johannes Wildner, Dirigent der „Undine“-Premiere im Kinderzelt auf dem Staatsopern-Dach, hat sich Gedanken über Lortzing gemacht, über die Aktualität der Oper und die Möglichkeit, Musiktheater für Kinder und Eltern gleichermaßen spannend zu gestalten. Ein Protokoll seiner Überlegungen.


    Johannes Wildner über "Undine"

    Lortzing? Undine? Vielleicht sollte man noch die dritte Frage stellen: Oper? Dann sind es leichte Fragen: Oper ist jene Kunstform, bei der die meisten verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen miteinander verknüpft werden, Musik und Gesang, Tanz, Architektur, Bühnenbild, Kostüme. Keine anderen Kunstform „bedient“ so viele Empfindungen des Menschen, lässt ihn eintauchen in ein großes Reich der Fantasie. Lortzing steht an den Anfängen der deutschen romantischen Oper. Ohne ihn ist Wagner nicht zu denken. Wenn uns seine Welt heute lieblich oder naiv erscheint, dann scheint mir das auf einen grundsätzlichen Defekt unserer Betrachtungsweise der deutschen Romantik zurückzuführen zu sein: Diese Epoche war weder lieblich noch naiv!
    Es liegt aber noch nicht so weit zurück, dass und der Nationalsozialismus einen bestimmten Blick auf diese Kunstepoche aufgezwungen und anerzogen hat. Darunter leidet unsere gesamte Sicht auf die deutsche Romantik, auf Schumann und Mendelssohn, auf E. T. A. Hoffmann und Eichendorff. Auch wenn das „Aufgezwungen“ vorbei ist, das „Anerzogen“ steckt noch für Generationen in uns. Wir müssen an der Wiederherstellung der wirklichen Gestalt der Kunst der nachnapoleonischen Zeit arbeiten.
    „Undine“ handelt von der der Unvereinbarkeit zweier Welten, zutiefst „romantisch“, aber auch hochaktuell. Unsere gegenwärtige Welt leidet permanent und überall an Unvereinbarkeiten verschiedener Welten. „Undine“ zeigt die Abgründe der menschlichen Seele, die sich auftun, wenn man versucht, so eine „Unvereinbarkeit“ zu missachten.
    Das Stück ist für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen geeignet. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass Kinder immer andere Kunstwerke brauchen als Erwachsene. Kinder brauchen eine spezielle Präsentationsform. Das ist wie mit der Nahrung. Kinder brauchen keine andere Nahrung als Erwachsene, aber eine andere Form der Darreichung. Richtig aufbereitet, wäre „Undine“ durchaus repertoiretauglich. Die Aufbereitung des Werks für Kinder, die wir jetzt im Zelt auf der Staatsoper zeigen soll Erwachsene ja keinesfalls ausschließen!
    Das Projekt von Chefdramaturg Rene Zisterer betrifft genau diese spezielle Zubereitung des seelischen Grundnahrungsmittels „Oper“ für junge Menschen. Das Stück ist auf etwa eine Stunde „eingedampft“. Aber wie das passiert ist, ist bemerkenswert. Wir haben nämlich nicht einfach gekürzt, sondern ein Komponist, Tristan Schulze, der viel Erfahrung mit der kindlichen Seele und ihren Bedürfnissen nach Kunst hat, hat die Geschichte neu erzählt, einfach, klar, man könnte sagen „schnörkellos“. Dazu hat er einerseits das thematische Material von Lortzing herangezogen, andrerseits auch eigene Ideen eingebracht: Es gibt es in unserer „Undine“ keine Dialoge sondern Man wird dabei der Handlung besser folgen können, denn der Handlungsstrang ist linear freigelegt und nicht vielfältig verworren und kompliziert – ein Problem mancher Oper, nicht nur aus dieser Epoche!
    Die Enge des Kinderzelts führt die Besucher ganz nah ans Geschehen. Regisseur Alexander Medem nützt diese Situation gekonnt aus. Er inszeniert Undine poetisch, ästhetisch, spannend, feinfühlig, sehr detailliert in der Personenführung und in jeder Phase enorm Kindergerecht. Bisweilen hat man den Eindruck, dass man selber ganz nass ist, wenn man mit Kühleborn, dem Fürst des Meeres, hinabtaucht in die Tiefe der Fluten .. . . (Premiere am 18. April)
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  • Mezzo gewinnt Hilde-Zadek-Wettbewerb
    Die Mezzosopranistin Raehann Bryce-Davis gewann den diesjährigen Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb und errang neben dem von Siemens-Stiftung gestifteten Preisgeld in der Höhe von 10.000 Euro noch zahlreiche Sonderpreise, darunter jene der Medienjury und des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Auf Platz 2 landete die Sopranistin Ruth Jenkins-Robertsson. Platz 3 teilen sich Tamara Ivanis, Sopran und Tobias Greenhalgh, Bariton. Ivanis wird auch von der Neuen Oper Wien engagiert.
    Die Juroren waren 2015 unter anderen Brigitte Fassbaender, Adrianne Pieczonka und Charles Spencer. Das Finale fand im Beisein von Hilde Zadek im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins statt.
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  • Angelika Kirchschlager - Broadway-Songs
    Am Sonntag, dem 19. APRIL (16:00 Uhr!) wiederholen Angelika Kirchschlager und Sona MacDonald im Ehrbar Saal (Mühlgasse 30, 1040 Wien) ihr Programm mit Broadway-Songs, diesmal mit erweiterter Instrumental-Begleitung: Otmar BINDER Klavier, Geri SCHÜLER Keyboard, Alexander LACKIER Kontrabass und Andi STEIRER Schlagzeug

    Karten unter: konzerte@stadtinitiative.at bzw. 585 08 88
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  • Schubert unter Philippe Jordan: nicht versäumen
    Ganz spontan, gleich nach dem Konzert: Wer Schubert liebt, sollte Sonntag abend die Reprise des Symphoniker-Konzerts im Musikverein nicht versäumen. Philippe Jordan krönt seinen Schubert-Zyklus mit einer hinreißenden Wiedergabe der grooßen C-Dur-Symphonie. Weil so oft die Rede davon ist, dass dieser Komponist ja doch in allem "vom Lied kommt"; ja, man kann auch die "himmlischen Längen" ((c) R. Schumann) der letzten Symphonie Schuberts "singen". Und zwar so, wie das ein guter Interpret mit der "Winterreise" tut, nämlich "textdeutlich", von der Sprache herkommend. Gleich die lange Introduktion zum ersten Satz ist unter Jordans Stabführung ein wunderbares Beispiel dafür, wie man dem instrumental beikommen kann: Selten habe ich diese Musik so frei über die Taktstriche hin, wie gefühlvoll gesungene Melodien strömen gehört, inwendig aber doch kleinteilig artikuliert, klug phrasiert und beredt in den wirklich rhetorisch modellierten dynamischen Abstufungen. Dergleichen realisiert ein Orchester nur nach intensiver Zusammenarbeit mit einem großen Gestalter. Der ist Jordan - und er beendet soeben seine erste Saison als Chefdirigent.
    Mit dieser Schubert-Aufführung demonstriert die Musikergemeinschaft, wie weit über das Normalsmaß eines einfach nur guten Konzerts hinaus man es in ein paar Monaten bringen kann. Das ist - nebenbei bemerkt - natürlich eine extreme Vorlage, für alles, was da noch kommen kann: In gewisser Weise stellt dieser Abend ein Versprechen dar. Die Bezirke der guten Routine hat man 2014/15 jedenfalls verlassen; die Möglichkeiten der Verfeinerung - wollen wir sie ironisch, aber in Verehrung für den Jahresregenten nach einer "Swjatoslaw-Richter-Skala" berechnen? - ist bekanntlich "nach oben hin offen". Man sieht: Ein bemerkenswrtes Konzert macht unbescheiden. Es beginnt im übrigen mit einer exzellenten Aufführung von Richard Strauss' "Don Quixote", sehr pittoresk in allen Details, mit Gautier Capucon in der "Titelpartie", der demonstriert, dass Cervantes' Held in Strauss' Darstellung kein eitler Geck ist, der sich in den Spiegel schaut, sondern drastische Zeichnung verträgt, wenn er gegen Windmühlen, Hammelherden und Phantasiegestalten kämpft. Herbert Müller assistiert als Sancho Pansa schlagfertig; der Konzertmeister und die exzellenten Solobläser der Symphoniker bleiben den Primi uomini nichts schuldig. Überdies: Die Orchesteraufstellung ist endlich wieder die - gerade fürs Wiener Stammrepertoire einzig richtige - alte Ordnung mit den zweiten Geigen rechts vom Dirigenten. Danke auch dafür. Man sieht, ich kann gar nicht aufhören: Also nichts wie hin . . .
    Musikverein, Sonntag, 19.30 Uhr
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  • "Anna als Anna": Die Netrebko wieder in Donizettis "Anna Bolena"
    Atemlose Spannung während des Finales, Begeisterungsstürme am Schluss: Die Erfolgsproduktion der ersten Spielzeit der Ära Dominique Meyers kehrte mit Anna Netrebko zurück in die Spielplan der Staatsoper. Man meint, die Stimme der Primadonna würde mit den Jahren immer noch runder, weicher, samtiger, ohne an Glanz und Höhensicherheit einzubüßen. Jedenfalls ist diese Königin in Liebessehnen und Verzweiflung, in Wut und weisem Verzicht gleichermaßen berührend, echt, glaubhaft.
    Ebenbürtige Widersacherin
    Und was das Schönste ist: Wie zur Premiere mit Elina Garanca stand erneut eine Gegenspielerin als Giovanna Seymour auf der Bühne, die imstande war, die vokale Herausforderung anzunehmen: Ekaterina Semenchuk vermochte nach etwas unstetem Beginn bereits im Dialog mit dem König Heinrich des kernig-virilen Luca Pisaroni ihre mächtige Stimme auch in Piano-Regionen zu zügeln und lief während der Auseinandersetzung mit Anna Bolena zur Hochform auf. Das Psychodrama erlebte man also in allen Schattierungen.
    Das ist Oper auf allerhöchstem Niveau; auch - das hören die notorischen "Fortschritts"-Prediger nicht gern, aber es ist wahr - weil die Inszenierung Eric Génovèses das Stück dort belässt, wo es hingehört: Man trägt die Gewänder der Zeit und spielt das Stück, wie es im Libretto steht. Wenn eine Netrebko singt, braucht kein Mensch noch KZ-Wärter ringsum auf der Szene, um die Brisanz der Handlung voll und ganz zu empfinden. Wer glaubt, große, echte Gefühle "aktualisieren" zu müssen, hält das Publikum für vollkommen fantasielos und verkauft es für dumm. Der frenetische Applaus straft die fortwährenden diesbezüglichen Nörgeleien einiger wildgewordener (Ex-)Intendanten und Rezensenten Lügen. Was für eine Opernstadt ist dieses Wien, was für ein Haus die Staatsoper, wo - jeweils in adäquatem Umfeld - innerhalb einer Woche Angela Denoke als Kundry, Nina Stemme als Elektra, Elina Garanca als Rosenkavalier und nun die Netrebko nebst Haus-Debütantin Semenchuk in "Anna Bolena" zu erleben sind!
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  • Staatsoper: Florez als Einspringer
    Juan Diego Flórez singt am 18. April 2015 den Lindoro in "L'italiana in Algeri" anstelle von Javier Camarena, der die Vorstellungsserie krankheitsbedingt absagen musste.
    Am 23., 27. und 30. April 2015 übernimmt Edgardo Rocha die Partie des Lindoro und gibt damit sein Rollendebüt im Haus am Ring.
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  • Ein Domingo-Ersatz und Mutis Training
    Buchstäblich in letzter Sekunde rettete der italienische Bariton Luca Salsi eine via Radio übertragene Nachmittagsvorstellung von Verdis "Ernani" an der New Yorker Metropolitan Opera. Placido Domingo musste wegen Unwohlseins absagen und Salsi, für eine Aufführungsserie von "Lucia di Lammermoor" in New York, sprang ein; die Partie des Don Carlo in "Ernani" hat er zuletzt vor zwei Jahren gesungen - aber unter der Leitung von Riccardo Muti in Italien: "Was Sie mit Muti einstudiert haben, merken Sie sich ein Leben lang", kommentierte der Sänger post festum. Die New Yorker Aufführung dirigierte James Levine . . .
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  • Genia Kühmeier sagt Salzburg ab
    Genia Kühmeier wird nicht die Gräfin in der Neuproduktion von Mozarts "Figaros Hochzeit" bei den Salzburger Festspielen singen. Aus persönlichen Gründen hat sie die Mitwirkung zurückgelegt. Annett Fritsch springt ein. Der Salzburger Da-Ponte-Zyklus steht unter keinem glücklichen Stern. Zuerst schmiss Franz Welser-Möst die musikalische Leitung für alle drei Premieren hin. Ersatz-Maestro Christoph Eschenbach gab nach zwei Premieren auf: Den "Figaro" 2015 dirigiert Dan Ettinger. Nur der Regisseur ist geblieben: Sven-Eric Bechtolf leitet mittlerweile interimsmäßig die gesamten Festspiele . . .
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  • Beethovens Neunte unter Muti aus Chicago online
    Am Abend des 7. Mai schaltet Chicago Symphony den Livemitschnitt des Saison-Eröffnungskonzertes 2014/15 online. Frei zugänglich steht dann die Video-Dokumentation der Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie unter Riccardo Mutis Leitung im Netz. Das Solistenquartett fürhte Camilla Nylund an.
    Der Service ist Frucht des amerikanischen Sponsoren-Wesens: Ein anonymer Mäzen kam für die Kosten der Aufzeichnung auf!

    Die Netz-Adresse:
    cso.org/Beethoven9
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  • Salzburgs Osterfestspiele erfolgreicher als in der Ära Rattle
    Die Salzburger Osterfestspiele bilanzieren heuer mit einem deutlichen Einnahmen-Plus: 3, 4 MIllionen Euro konnten aus dem Kartenverkauf erlöst werden. Damit liegt die Kostendeckung bei 88 Prozent. Die Opern-Vorstellungen und einige der Konzerte waren zu 100 Prozent ausgelastet. Insgesamt erreichte man eine Auslastung von annähernd 95 Prozent.
    Damit sind die Osterfestspiele nach der Übernahme der künstlerischen Agenden durch Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden so erfolgreich wie zuletzt 2002. Damals dirigierte Claudio Abbado den von Peter Stein inszenierten "Parsifal", Konzerte der Berliner Philharmoniker leiteten Abbado und Mariss Jansons.
    "Otello" in Salzburg, "Tristan" in Baden-Baden
    Kommende Spielzeit kommt im großen Salzburger Festspielhaus eine Neuinszenierung von Verdis "Otello" heraus - mit Johan Botha in der Titelpartie. Bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, die seit ihrem Abgang aus Salzburg von den Berliner Philharmoinikern unter Simon Rattle bestritten werden, gab man heuer den "Rosenkavalier". Nächste Saison gibt es eine Neuinszenierung von "Tristan und Isolde" als Koproduktion mit der New Yorker Met. Eva-Maria Westbroeck und Stuart Skelton singen die Titelpartien.
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  • "Turandot" an der Scala mit Luciano Berios Finale
    Riccardo Chailly hat für die Expo-Premiere von Puccinis unvollendet hinterlassener Oper "Turandot" mit Nina Stemme jene Version für das Finale gewählt, die Luciano Berio 2001 publiziert hat. Der Komponist hat dabei auf Skizzen Puccinis zurückgegriffen, die sein "Vorgänger" Franco Alfano für seinen Vervollständigungs-Versuch nicht verwendet hat.
    Arturo Toscanini, Dirigent der Uraufführung der "Turandot" an der Scala, hatte es anlässlich der Premiere vorgezogen, dort zu schließen, wo Puccinis Partitur endet: mit dem Tod der Sklavin Liu. Erst ab der zweiten Vorstellung wurde - wie dann überall in der Welt - Alfanos Final-Variante gespielt. Die "Turandot"-Vorstellung der Mailänder Scala am 21. Mai 2015 mit Nina Stemme in der Titelpartie und Aleksanrs Antonenko als Kalaf wird von der RAI in TV und Radio, sowie in ausgewählte Kinosäle weltweit übertragen.
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  • Igor Levit ersetzt Martha Argerich
    Martha Argerich hat die Grippe.Der Pianist Denis Kozhukhin, Meisterschüler Dimitri Bashkirovs und von der Ärgerlich bereits nach Lugano eingeladen übernahm gestern den Klavierpart im Duo-Abend mit Gidon Kremer in Berlin. Wie Kollege Walter Donner berichtet, entfiel aus diesem Grund die vorgesehene Aufführung von Mieczysklav Weinbergs Sonate Nr. 3. Kozhukin spielte die Brahms-Fantasien op. 116. (Dobners Rezension demnächst auf www.diepresse.com/kultur)
    Igor Levit, auch in Wien schon "legendärer" Jung-Pianist - er sprang nach seinem Wien-Debüt im "Presse"-Musiksalon zuletzt über Nacht für Maurizio Pollini ein und erntete im Musikverein Ovationen - übernimmt am kommenden Sonntag den Solopart in der Aufführung des Schumann-Klavierkonzerts durch die Berliner Philharmoniker im Rahmen des Ostervestivals von Baden-Baden. Riccardo Chailly steht am Dirigentenpult.
    In Wien wird Levit erst im Mai 2016 wieder zu hören sein; wenn er zuvor nicht vielleicht wieder für einen Kollegen einspringt. Offiziell ist er am 8. Mai 2016 mit Werken von Bach, Schubert, Beethoven und Prokofieff im Musikverein avisiert. Martha Argerich soll bereits am 20. September dieses Jahre mit Daniel Barenboim und der Berliner Staatskapelle die Musikvereins-Saison eröffnen: Auf dem Programm steht Beethovens Zweites Klavierkonzert.
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  • Nellie Melbas Juwelen in Australien versteigert
    Nach dem Tod des letzten Erben der Primadonna assoluta der Zeit um 1900, Nellie Melba, wurde der Nachlass der aus Melbourne gebürtigen Sängerin (sie starb 1931) versteigert. Die Auktion bei Sotheby's Australia erbrachte umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro. Uhren und Juwelen zählten zu den begehrtesten Stücken.
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  • Antonio Pappano bis 2019 in Rom
    Antonio Pappano, künstlerischer Leiter der Londoner Covent Garden Oper, bleibt auch in Rom, wo er Chefdirigent der Accademia di Santa Cecilia ist, aktiv: Sein Vertrag wurde soeben bis 2019 verlängert. Anlässlich der Wiener Festwochen gastiert die Accaemia unter Pappanos Leitung am 31. Mai und 1. Juni im Konzerthaus. www.konzerthaus.at
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  • Zu Ostern wird der ORF musikalisch:
    Thielemann und Jordan im TV


    Die Übertragung des österlichen Konzerts der Wiener Symphoniker, "Frühling in Wien" auf ORF2, hat schon gute Tradition. Diesmal ist aber der Ostermontag ganz musikalisch: Ein Filmporträt von Christian Thielemann (9.05 Uhr), eine Erinnerung an Marcel Prawy (Die Einführung zu "Cavalleria rusticana" ab 10 Uhr), die zeitversetzte Übertragung von Mascagnis Oper aus dem Salzburger Festspielhaus unter Thielemanns Leitung (22 Uhr) und zwischendrin (10.30 Uhr) "Frühling in Wien" mit einem Schubert-Programm mit Matthias Goerne unter Philippe Jordan.
    Doch schon der Sonntag kommt nicht ohne Klassik (bzw. Barock) aus: Aus dem Wiener Stephansdom überträgt ORF 2 (9.05 Uhr) ein Konzert des Bach Consorts unter Ruben Dubrovsky mit Vivica Genaux mit Musik des (in Wien verstorbenen) venezianischen Großmeisters Antonio Vivaldi. Damit können sich Musikfreunde auf den Ostersegen vorbereiten: Um 10.15 schaltet man nach Rom zur Papstmesse. Punkt 12 gilt es, wie gewohnt, "der Stadt und dem Erdkreis" . . .
    "Cavalleria" und "Bajazzo" auf 3Sat
    Der ganze Osterfestspiel-Opernabend, also die klassische Kombination von "Cavalleria rusticana" und "Bajazzo" mit Jonas Kaufmann steht übrigen auf 3Sat im Hauptabendprogramm des 11. April ins Haus. Danach gibt es ein Porträt Antonio Vivaldis zu sehen.
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  • Die Netrebko "live am Platz"
    Die Staatsoper startet heuer bei garantiert hohem Publikumszuspruch in die Freiluft-Saison. Mit Frühlingsbeginn hebt auch die Zeit der Live-Übertragungen auf den Herbert von Karajan Platz an. Am 10., 13., 17. und 20. April steht Donizettis "Anna Bolena" auf dem Programm. Anna Netrebko singt die Titelpartie, Ekaterina Semenchuk ist diesmal ihre Widersacherin. Da dürfte bei entsprechender Gnade des Wettergotts ein voller Platz garantiert sein. Übrigens ist auch die Partie des Smeton, mit dem bei der umjubelten Premiere Elisabeth Kulmann "abräumen" konnte, wieder mit einer hoffnungsvollen jungen Sängerin besetzt: Margarita Gritskova.
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  • Während der "Expo" spielt die Mailänder Scala fast täglich
    Das ist eine Art von Tabu-Bruch. Mailands Opernchef Alexander Pereira setzt auf eine für die Scala ungewohnte Taktik: Das Haus soll während der Weltausstellung (auch während der Sommermonate) beinah täglich spielen und so spürbar im Zentrum der Mailänder Kultur-Aktivitäten zur "Expo" stehen. Riccardo Chailly, der neue Chefdirigent des Hauses, wird den Taktstock zur "Turandot"-Premiere (mit Nina Stemme und Aleksandrs Antonenko) heben, zu der sich bereits etliche Staatsoberhäupter angesagt haben (1. Mai), Tags davor dirigiert Gustavo Dudamel das Eröffnungs-Konzert, auf dessen Programmzettel vor allem eine PR-taugliche Namensliste aufscheinen wird: Anna Netrebko und Diana Damrau (die ab 28. Mai in der Scala als Lucia di Lammermoor zu erleben sein wird) singen neben Andrea Boccelli …
    www.expo2015.org
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  • Jesus im "Tannhäuser" in Nowosibirsk: Blasphemie oder nicht?
    Hierzulande kann eine Christusfigur aktelang durch (Salzburger) Inszenierungen wandern und niemand stößt sich daran. In Russland ist das noch ein wenig anders. In Nowosibirsk wurde der Opernintendant gefeuert und sein Nachfolger setzte die "Tannhäuser"-Inszenierung ab: Da war in einer Szene Christus mit halb nackten Frauen zu sehen. Daran schieden sich die Geister. Ein Gutachter bestritt zwar den Vorwurf der Gotteslästerung, doch gab der neue Leiter des Opernhauses jenen recht, die sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sahen. Da der Regisseur auf der Szene beharrte, verschwand die Produktion jetzt aus dem Spielplan. Nun demonstrieren Künstler und Menschenrechts-Aktivisten gegen das Kulturministerium, sprechen von Zensur und sehen die Freiheit der Kunst in Gefahr.
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  • In St. Margareten wird weiterhin gesungen
    Maren Hofmeister, ehemals im Betriebsbüro der Berliner Lindenoper unter Jürgen Flimm und Daniel Barenboim für die Sänger-Engagements verantwortlich, übernimmt ab sofort die Leitung der Opern-Festspiele im Steinbruch von St. Margarethen im Burgenland. Die Festspiele sind im Herbst 2014 nach einer Insolvenz unter der Federführung der Esterhazy-Privatstiftung neu gegründet worden. Hofmeister wird auch in der Stiftung für Musik und Kultur zuständig sein.
    In St. Margarethen gibt man heuer "Tosca", inszeniert von Robert Dornhelm. (Premiere: 8. Jul)
    Info: www.arenaraia.at
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  • Triumphales Elektra-Debüt Nina Stemmes an der Staatsoper
    Da muss man Staatsopern-Direktor Dominique Meyer recht geben: 2300 Menschen waren live dabei, viel mehr Opernfreunde werden in 20 Jahren behaupten, dabei gewesen zu sein. Nina Stemme, die Nummer eins unter den Hochdramatischen, sang ihre erste "Elektra". Dass das ein Ereignis sein würde, war vorherzusehen. Wie gut diese Künstlerin schon zum Einstand diese vielleicht anspruchsvollste aller Sopranpartien bewältigen würde, hat wohl niemand gedacht. Die Kraftreserven der Stemme sind, man weiß es von unzähligen Brünnhilden, endlos. Dass ihre Stimme auch bei den fulminantesten Ausbrüchen der Elektra ihre Strahlkraft nicht einbüßen würde, überraschte die Musikfreunde also vielleicht weniger als dass es ihr gelang, die vielen zarten Töne, die Richard Strauss verlangt, zu anschmiegsam weich modellierten Phrasen zu binden.
    Das macht der Stemme allerdings niemand nach. Das hat ihr auch kaum jemand vorgemacht. In der jüngeren Vergangenheit hat bestimmt keine Sopranistin diese Rolle dermaßen differenziert und wohlklingend zu singen vermocht. Ein paar Ausdrucks-Details, vor allem manch zynischer Unterton in den Dialogen mit der Schwester und der verhassten Mutter werden sich noch einstellen. Was am Premierenabend zu hören war, hebt die Stemme jedenfalls schon in den Olymp der Elektra-Darstellerinnen.
    Grandioses Damen-Trio
    Da kam die zuletzt von manchen arg gezauste Regie durchaus zu Hilfe, denn Uwe Eric Laufenberg hat vor allem die Beziehung zwischen Elektra und Klytämnestra fein schattiert. Anna Larsson, eine Debütantin auch sie, gibt der Mutterfigur faszinierend hoheitsvolle Züge, zeichnet eine Frau, deren Nerven zwar zerrüttet sind, die aber die Haltung nie verliert. Berührend, wie sie sich der ungeliebten, aber bewunderten Tochter zu nähern versucht, ja sogar den Körperkontakt sucht - bevor die Frage nach dem Bruder sie wieder zurückschrecken lässt.
    Hier verdichtet sich die Aufführung auch musikalisch enorm: Mikko Franck gibt dem Staatsopern-Orchester viel Zeit, alle Details der überreich illustrativen Partitur auszukosten, verliert aber den Spannungsbogen nicht aus den Augen. Viele Apercus, die "stammelnden" Fagott-Töne, wenn vom angeblich geistesschwachen Orest die Rede ist, die ungemein fragilen Pianissimi von Klarinette, Horn und Trompete während der "Erkennungsszene" hört man selten so liebevoll modelliert. Doch entfalten sich auch die gewaltigen Steigerungen, die jeder Straussianer sich von einer "Elektra"-Aufführung erhofft, mit ganzer Gewalt.
    Selbst die Fortissimi in der ekstastischen Schluss-Szene vermochten übrigens auch die Stimmen nicht zu schlucken. Die Stemme und ihre lebenshungrige Schwester Chrysothemis, Ricarda Merbeth, überstrahlten jede orchestrale Entladung scheinbar mühelos. wobei die Leistung der im letzten Moment eingesprungenen Ricarda Merbeth besonderen Applaus verdient: So leuchtkräftig wird nicht bald eine Kollegin dieser neuen Elektra Paroli bieten können.
    Alle drei Frauenstimmen an diesem Abend markieren jedenfalls Spitzenplätze in der Opern-Weltrangliste. Der Orest von Falk Struckmann steht dort schon lang an vorderster Front, Norbert Ernst als scharf charakterisierender Ägisth gehört an den nämlichen Platz unter den Tenören. Im übrigen Ensemble findet sich kein Schwachpunkt. Was die Wiener Staatsoper - nicht nur aber nicht zuletzt - bei Richard Strauss heute zu leisten imstande ist, sichert dem Haus eine singuläre Stellung.
    Was die Inszenierung betrifft, wird man sich an den Kohlenkeller samt Paternoster gewöhnen, den Rolf Glittenberg an Stelle des mykenischen Palastes auf dei Bühne gewuchtet hat. Von ein paar entbehrlichen Momenten (vor allem den nackten Mädchen, die von den Dienerinnen zu Beginn "geduscht" werden, und dem etwas abgehobenen - jedoch angeischts von Elektras Ruf "alle müssen herbei" nicht ganz sinnlosen - Schlussballett) abgesehen, stört keine Regie-Idee die Handlung. Solange dermaßen meisterlich gesungen wird wie bei dieser Premiere, findet "Elektra" wirklich statt, wie sie - dank der orchestralen Strauss-Kompetenz - wohl nur in Wien stattfinden kann.
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  • Johan Botha ist Thielemanns "Otello" zu Ostern 2016
    Das Programm für die Salzburger Osterfestspiele 2016 ist offiziell verlautbart worden. Die Opernpremiere gilt Verdis "Otello" mit Johan Botha in der Titelpartie. Vincent Boussard inszeniert, Christian Thielemann dirigiert die Staatskapelle Dresden. Dmitri Hvorostovsky ist der Jago, Dorothea Röschmann die Desdemona.
    Die Konzertprogramme, die Thielemann erstmals mit dem neuen geschäftsführenden Intendanten des Festivals, Peter Ruzicka, erstellt hat, spüren passend zur Opernpremiere Shakespeares Geist im symphonischen Repertoire nach: Webers "Oberon"-Ouverture wird zu hören sein, "Sommernachtstraum"-Musik von Mendelssohn und Henze (8. Symphonie), "Romeo und Julia" von Tschaikowsky. Geistlichen Kontrapunkt bieten Beethovens "Missa solemnis" und die kurze Urfassung von Bachs Messe in H-Moll nebst einer Messe von Weber (gesungen vom Dresdner Kreuzchor).
    Solisten in den Konzerten: Anne-Sophie Mutter, Rudolf Buchbinder und Yefim Bronfman. Das Solistenquartett in der von Thielemann dirigierten "Missa solemnis" führt Krassimira Stoyanova an. Eines der Konzerte übernimmt 2016 Vladimir Jurowski.
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  • Roberto Alagna als "Cid" in Paris
    Massenets "Le Cid" gab Roberto Alagna im Pariser Palais Garnier Gelegenheit, seine heldischen Qualitäten auszuspielen: Jubel um den französischen Tenor nach der Premiere an der Seite von Sonia Ganassi, die als Chimène sehr ausdrucksvoll, aber in der Tiefe vielleicht doch ein wenig schwächlich tönte. Im Duett ließ Alagna auch poetische Piani schweben, im übrigen dominierte tenorale Stahlraft, Attacke und, wie immer bei diesem Künstler, totaler Einsatz, der über zwei, drei Rauigkeiten hinwegtröstete.
    Viel Applaus gab es für den nobel geführten Bass von Paul Gay (Don Diego) - und für Maestro Michel Plasson, der dem Pariser Opernorchester herrlich weiche, satte Klänge entlockte, freilich rhythmisch recht undifferenziert agierte und keineswegs konsequent mit den Sängern atmete.
    Wie auch immer: eine feine Begegnung mit einer der seltener gespielten Massenet-Opern, deren schönste melodische Eingebung, die "Aragonaise" aus der Ballettmusik, in der großen Pariser Oper diesmal nur als Zwischenaktmusik erklingt. Mit der Form der Grand Opéra hat man auch in deren Geburtsstadt heute Probleme. Die Inszenierung Charles Roubauds setzt (in imposanten Bühnenbildern von Emmanuelle Favre) die Handlung um den siegreichen Feldherrn in die Franco-Zeit; ohne großen Gewinn für die Sache. Personenführung ist inexistent; das ist dank der ästhetischen Bilder und Kostüme (Katia Duflot) angenehmer als der deutsche Regietheater-Irrsinn, aber im Grunde nicht mehr als eine Art wohlausstaffierte konzerte Aufführung. Immerhin: Für Massenet-Freunde eine Reise wert.
    Aufführungen "Le Cid": 30. März, 2., 6., 9., 15., 18. und 21. April.
    Am 12. April als Nachmittagsvorsellung um 14.30 Uhr.
    www.operadeparis.fr
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  • Mehr Petrenko in München
    Kirill Petrenko, GMD der Bayerischen Staatsoper, wir seinem Haus künftig mehr zur Verfügung stehen. Die Mitwirkung an der Produktion des "Rings des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen gibt er, wie gemeldet, nach dem Sommer 2015 auf. Dafür dirigiert er mehr in München. Unter anderem ist für 2015/16 eine Neuinszenierung von Wagners "Meistersingern" vorgesehen, in der Wolfgang Koch den Hans Sachs verkörpern und Jonas Kaufmann sein Bühnendebüt als Stolzing geben wird. Premiere am 16. Mai. Publikumsliebling Kaufmann soll in München außerdem fünfmal den Radames in Verdis "Aida" singen (25., 28. September, 1. , 4. und 7. Oktober) sowie während der Opernfestspiele 2016 (Juni/Juli) dreimal den Cavardossi in Puccinis "Tosca".
    Zubin Mehta steht am Pult einer Verdi-Premiere: "Ein Maskenball" hat der Maestro noch nie dirigiert. Die Premiere am 6. März bringt das Rollendebüt von Anja Harteros als Amelia an der Seite von Piotr Beczala und Simon Keenlyside.
    Eine Uraufführung und Raritäten aus drei Jahrhunderten
    Kirill Petrenko dirigiert außerdem die Uraufführung von Miroslav Srnkas "South Pole" in einer Inszenierung von Hans Neuenfels (mit Thomas Hampson und Rolando Villazón), weiters Repertoire-Serien von "Ariadne auf Naxos", "Die Walküre", "Götterdämmerung", "Die Fledermaus", "Tosca" und "Rosenkavalier".
    Zur Saisoneröffnung gibt man in München "Mefistofele" von Boiti, mit René Pape in der Titelpartie. Prokofieffs "feuriger Engel" (E. Herlitzius/E. Niktitn/V. Galouzine) kommt als Rarität ebenso in den Spielplan wie Jean-Philippe Rameaus Ballett-Oper "Les Indes galantes".
    Calixto Bieito inszeniert zur Eröffnnung der Münchner Opernfestspiele 2016 (26. Juni) Halévys "La Juive" unter der Leitung Bertrand de Billys. Roberto Alagna gibt den Eleazar, Kristine Opolais die Rachel.
    www.staatsoper.de
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  • Buch-Präsentation: René Kollo will mit Wagner-Klischees "aufräumen"
    Am 28. März um 17.30 Uhr präsentiert René Kollo sein Guch "Richard Wagner ... Dem Vogel, der heut' sang.." im Wiener Café Museum (Operngasse 7). Der Tenor, der alle großen Wagner-Partien gesungen hat, will in seinem schriftstellerischen Versuch auch "mit Wagner-Klischees aufräumen", wie er bekennt, mit dem des "Antisemiten, Frauenfeindes und Verschwenders fremden Geldes".
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  • Wie wird die neue "Elektra"?

    Uwe-Erich Laufenberg stand der Austria Presse Agentur vor der kommenden Richard-Strauss-Premiere an der Staatsoper Rede und Antwort. Wie die Neuinszenierung, die das Rollendebüt Nina Stemmes in der Titelpartie bringt, aussehen wird, stand schon fest, als der Dirigent noch Franz Welser-Möst hieß. Nach dem Abgang des Wiener GMDs gab es aber einen Dirigentenwechsel. Am optischen Konzept ändert sich deshalb offenbar nichts.

    Zitat aus dem Interview:

    APA: Eigentlich hätte Franz Welser-Möst dirigieren sollen - hatten Sie mit ihm Vorgespräche geführt?
    Laufenberg: Ja, diese Gespräche waren auch sehr schön.
    APA: Wie läuft's jetzt mit dem Dirigenten Mikko Franck?
    Laufenberg: Das Regiekonzept stand ja und Mikko Franck ist damit umgegangen. Die Zusammenarbeit war sehr gut und harmonisch. Er hat mir heute ein großes Lob ausgesprochen, indem er gesagt hat, er findet meine Inszenierung musikalisch und das soll sie auch sein. Ich finde immer, die Regiesprache, die Aktionen müssen auf der Bühne mit der Musik Hand in Hand gehen.

    Laufenberg über "Elektra" und unsere blutige Gegenwart:

    Es gibt zwei Opern am Anfang des 20. Jahrhunderts, die diese Hassschübe und diese totale Vernichtung exzessiv nachgezeichnet haben. Das ist "Tosca" von Puccini und "Elektra" von Richard Strauss. Das Jahrhundert hat dann tatsächlich zwei unglaubliche Weltkriege erlebt. Danach kam auch wieder Licht. Das Faszinierende ist ja, dass Elektra vom Licht träumt, dass am Ende alle tanzen, dass alle sich zusammentun, dass es ein großes Freudenfest ist, wenn diese dunkle, furchtbare Zeit der - wie sie es empfindet - falschen Diktatur, der falschen Unterdrückung, der falschen Herrschaft endlich vorbei ist. Es ist immer die Frage, ob nach dieser dunklen Zeit eine helle kommt. Die IS-Leute und diese religiösen Kämpfer haben offenbar keine andere Identität, wenn sie sagen: "Bevor ich nichts bin, will ich lieber Hass sein. Wenn ich Hass bin, bin ich wenigstens etwas." Und damit sind wir ganz nahe an der Elektra-Figur.
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  • Bariton Oleg Bryjak unter den Opfern des Germanwings Flugzeugabsturzes
    Der russische Bassbariton Oleg Bryjak ist unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in der Nähe von Nizza. Der Künstler befand sich auf dem Rückflug eines Gastspiels im Gran Teatre del Liceu, Barcelona, wo er den Alberich in Richard Wagners „Siegfried“ gesungen hatte. Bryjak, seit der Spielzeit 1996/97 Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, hat den Alberich des öfteren auch an der Wiener Staatsoper gesungen (zuletzt 2003). Er war in Wien auch als Amonastro in Verdis "Aida" und als Telramund in Wagners "Lohengrin" zu erleben.
    Die Bayreuther Festspiele holten Bryjak im Vorjahr als Alberich in die Reprise der umstrittenen "Ring"-Produktion von Frank Castrof. Der Nibelung war Bryjaks Schicksalspartie. Dabei hatte er sich Im Gespräch mit der "Presse", 2002, als höchst humorvoller Zeitgenosse offenbart, der für sein Leben gen auch einmal "positive Charaktere" gestaltet hätte, den Barak in der "Frau ohne Schaten" oder den Hans Sachs in den "Meistersingern", der ihm in Düsseldorf dann auch angeboten wurde. Auf der Wunschliste Bryjaks stand auch Itlaienisches: "Den größten Applaus habe ich vielleicht, als Mustafa in ,Italienerin in Algier' geerntet, sagte Bryjak damals mit Verweis auf eines der wenigen Rossini-Engagements, die ihm zugefallen waren . . .
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  • Alain Altinoglu ersetzte spontan Mikko Franck in Zürich
    Ein Husarenritt gelang dem Dirigenten Alain Altinoglu am Pult des Zürcher Opernorchesters. Mikko Franck, der Gustav Mahlers Sechste Symphonie einstudiert hatte, fiel vor der Generalprobe kurzfristig wegen einer plötzlichen Erkrankung aus. Die Generalprobe leitete ein Schlagwerker des Orchesters, der über einige Dirigiererfahrung verfügt. Das Konzert übernahm dann Altinoglu, der gerade zu Probenarbeiten für eine Uraufführung am Opernhaus in Zürich weilt. Auf dem Programm stand Mahlers Sechste Symphonie - Altinoglu hat sie noch nie dirigiert! Staunende Bewunderung und eine Standing Ovation waren ihm sicher.
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  • Bus mit Musikern der Tschechischen Philharmonie verunglückt
    Die tschechische Philharmonie setzt ihr Tournee in Polen fort. Das Gros Des Orchesters flog nach dem Auftritt im Wiener Musikverein nach Warschau
    Ein kleine Gruppe wurde aber mit dem Autobus abgeholt, um nach Prag zurückzufahren
    Im Bezirk Mistelbach kam der Bus von der Fahrbahn ab und landete im Straßengraben Einer der Musiker musste mit schweren Verletzungen vom Rettungshubschrauber ins AKH geflogen werden . Seine Kollegen kamen mit Prellungen und Rippenbrüchen davon.
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  • Die Tschechische Philharmonie mit der „Glagolitischen Messe“
    Hie und da erweitert sich das Repertoire qusi von selbst. Leoš Janácěks „Glagoltische Messe“ zählte über lange Jahre zu den Geheimtipps; in jüngster Zeit aber hat das Stück Hochkonjunktur und scheint mit einem Mal zum Standard-Repertoire zu gehören. Da ist es gut, zwischendurch die Probe aufs Exempel zu machen und sich die Musik quasi in der Landessprache vorführen zu lassen: Gewiss, der Singverein (von Johannes Prinz gewohnt sorgfältig vorbereitet) singt die altslawischen liturgischen Text seit Jahr und Tag „original“.
    Aber die Orchester bewegen sich in aller Regel bei Janáček auf fremden Terrain. Zumal seit den Bemühungen von Charles Mackerras nicht einmal mehr jenen Buchstaben zu trauen ist, denen man sich durch die Druckausgabe der Universal Edition früher mühevoll anzunähern trachtete. Wo einmal rhythmisch die Reibung zwischen Achteln und Triolen das höchste der Gefühle war, sind nun nach des Komponisten ursprünglicher Willensbekundung Quintolen gegen Septolen zu führen – und das kann gehörig nach „galgoltischem Gulasch“ klingen, wie man zuletzt des Öfteren erfahren musste.
    Nicht so freilich bei der Tschechischen Philharmonie, die in ihrem zweiten Musikvereins-Programm die Messe in der revidierten Version vorstellte. Vielleicht ist da ja viel Einbildung dabei, aber mir will doch scheinen, dass unter den Händen der böhmischen und mährischen Musikanten Janáčeks Klang-Vokabeln natürlicher tönen als man sie hierzulande sonst serviert bekommt.
    Jedenfalls wirkte die Wiederabe unter Jiři Bělohlávek wie aus einem Guss. Die kühnen, oft jäh und unvermittelt herausgeschleuderten Emanationen des Gottelobs, die grellen Zeichnungen von der Leiden Christi im „Credo“, die ätherisch schwebenden Akkorde im „Sanctus“ klangen in den besten Momenten geradezu ekstatisch. Daran hatten die Solisten ihren Anteil, vor allem der leuchtende Sopran von Hibla Gerzmava und der unerschrocken allen extremen Höhen trotzende Tenor von Brandon Jovanovich. Organistin Daniela Vatová doppelte in der stürmischen Passacaglia noch nach, sodass auf die abschließende „Intrada“ der Tschechischen Philharmonie lauter Jubel folgte.
    Nachhilfe in böhmischem Repertoire
    Dass das reiche Wiener Musikleben auch in Sachen tschechischen Repertoires noch Nachhilfe brauchen kann, erwiesen die expressionistischen Erfahrungen des „Mahnmals für Lidice“ und der Sechsten Symphonie von Bohuslav Martinu vor der Pause: Dergleichen sollte regelmäßig zu hören sein. Mustergültige Interpretationen hätte man jetzt einmal gehört; es wäre spannend zu hören, was andere Dirigenten und Orchester aus diesen ausdrucksstarken Vorlagen zu machen wissen . . .
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  • Wien braucht keine Theater-Verwaltungen, sondern Intendanten, die miteinander reden.
    Plädoyer für eine "wienerische Opern-Dramaturgie"


    Es ist gefragt worden, ob man in Wien nicht das Theaterleben besser koordinieren könnte. Dabei wütet weiterhin die notorische Schere in den Köpfen: Hie Bundestheater, da städtische Bühnen. Brauchen Staatsoper, Volksoper und Burgtheater eine gemeinsame Holding? Die Finanzaufsicht hat ja im Falle des Burg-Skandals versagt; künstlerisch sollten sich Direktoren nicht dreinreden lassen. Wozu also der Überbau?
    Im Rathaus wiederum rufen Stimmen nach einem „Wunderwuzi“, der die städtischen Bühnen führen soll: Einen Opernbetrieb und mehrere Spielorte für das sinnloserweise (und wirklich nur in Wien) hochsubventionierte Kommerzmusical zu koordinieren: Wer sollte das können. Und vor allem: wozu?
    Das anspruchsvolle Musiktheater programmatisch zu harmonisieren, dazu bedarf's offenkundig keiner höheren Stelle. Wie das auf hohem Niveau funktionieren kann, demonstrieren Staatsoper und Theater an der Wien seit längerem ziemlich gut.
    Eben hat Roland Geyer den Spielplan für die kommende Saison an der Wien vorgelegt und bewiesen, dass sich der künstlerische Leiter des Stagione-Hauses sehr wohl seiner Verpflichtung gegenüber den Notwendigkeiten einer lebendigen Musiktheater-Arbeit in Wien bewusst ist.
    Es gibt, sieht man von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ und dem „Capriccio“ von Richard Strauss ab, kaum noch Verdoppelungen oder Verdreifachungen zwischen seinem Haus und den beiden Opernhäusern des Bundes.
    Stattdessen sorgt Geyer für eine Bereicherung des Angebots und verbreitert die Basis dessen, was einheimische Opernfreunde und die gehobene touristische Schicht von der Musikstadt par excellence rechtens erwarten: Nebst dem glänzend funktionierenden Repertoirebetrieb im Haus am Ring zeigt man an der Wien kurze Serien von Raritäten wie Marschners „Hans Heiling“ (den der Hausherr selbst inszenieren wird!), Monteverdis „Poppea“ (Claus Guth/Dirigent: Christophe Spinosi), die Urfassung des „fliegenden Holländers“ (Olivier Py/Marc Minkowski), Brittens „Peter Grimes“ (Christof Loy/Cornelius Meister), die „Dreigroschenoper“ (Keith Warner/Johannes Kalitzke), Rossinis „Otello“ (Damiano Michieletto/Antonello Manoacorda), Händels „Agrippina“ (Robert Carsen/Thomas Hengelbrock) und das schon erwähnte „Capriccio“ (Tatjana Gürbaca/Bertrand de Billy), reflektiert also die Operngeschichte von den Anfängen über Barock bis ins 20. Jahrhundert.
    Wobei das 19. Jahrhundert in selten beackerte Gebiete hinein ausgeleuchtet wird. In der Kammeroper und mittels konzertanter Aufführungen weitet man den Streifzug noch kräftig aus (www.theater-wien.at).
    Das darf man den heimischen Kulturpolitikern als vorbildliche Planungsarbeit ins Stammbuch schreiben: über alle städtisch-bündischen Grenzen hin wird hier offenbar eine Art wienerischer Dramaturgie mitgedacht. Apropos Stammbuch, apropos "Verwaltung", apropos "Dreinreden": Mit der Volksoper sollte ein drittes Haus an diesem Konzert mitwirken . . .
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  • Die Kirchschlager zur Eröffnung der Loisiarte 2015

    Angelika Kirchschlager war der Star des ersten Abends von Christian Altenburgers feinem Festival im Loisium: Im pittoresken Ambiente der sogenannten „Kathedrale“ in einem ehemaligen Weinkeller von Langenlois sang sie „Il tramonto“ von Ottorino Respighi, eine Tondichtung nach einem todessüchtigen Gedicht von Shelley. Das Publikum schwelgte in den dunkel-schönen Herbstfarben, die der italienische Meister der Stimmungsmalerei beschwört.
    Dass die Kirchschlager zunächst die deutsche Übertragung des Poems vortrug, verdichtete die Spannung: eine Meisterleistung, denn Shelleys Verse können in der deutschen Übertragung noch verworrener wirken als im Original, würde man sie nicht so einfühlsam gliedern, wie es der Sängerin gelang. Zum Grundton der „Loisiarte“ passte das perfekt, denn hier wird traditionsgemäß (heuer ist Festival Nummer 10!) Musik mit Literatur subtil vermischt. Und es gibt immer Entdeckungen zu machen.
    Hausherr Christian Altenburger engagierte sich zur Eröffnung für das hochvirtuose Capriccio des Koreaners Jeajoon Ryu - und hat für seine illustren Kammermusikpartner fürs Wochenende noch Werke von Schumann, eine Uraufführung von Richard Dünser und zum Finale Schuberts Oktett vorgesehen.
    Lesungen gibt es noch von Joachim Bißmeier (Siegfried Lenz, Samstag, Abend) und Joseph Lorenz (Sonntag, 11 Uhr, Schnitzlers „Ich“). Den Löwenanteil des Musikprogramms am Samstagabend bestreitet der Arnold Schönberg Chor unter Erwin Ortner: Mendelssohn, Vasks und Brahms – unter anderem die erste Serie der „Liebesliederwalzer“

    www.loisiarte.at
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  • Die Bartoli sagt in Los Angeles ab
    Kryptisch meldet die Los Angeles Times: Cecilia Bartoli werde die vorgesehene Tournee durch den Westen der USA nicht antreten. "Unvorhergesehene Umstände" zwängen die Künstlerin zur Absage. Die Agentur hätte vage in Aussicht gestellt, die Konzerte könnten "im Juni 2016" nachgeholt werden.
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  • Radio-Tipp: Die Jahrhundert-Tenöre
    Am 20. März 1895 kamen, so spielt das Schicksal, zwei Tenöre zur Welt: Benjamino Gigli und Lauritz Melchior. Die beiden besetzten in den Augen (und Ohren) der Musikwelt unangefochten die Spitzenränge im italienischen wie im deutschen Opernfach über viele Jahre. Heute würdigt Gottfried Cervenka in „Apropos Musik“ (Ö1, 15 Uhr) die beiden Jubilare, am 19. kommentiert Chris Tina Tengel in Ö1 (19.30 Uhr) die Entwicklung des Wagner-Gesangs: Hatten die Nachfolger des gewaltigen Melchior je eine Chance, wirklich ernst genommen zu werden?
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  • Lorenzo Viotti im Finale des Young Conductors Wettbewerb

    Der 25jährige Sohn des früh verstorbenen Dirigenten Marcello Viotti, Lorenzo Viotti, hat sich unter 65 Kandidaten fürs Finale des Young Conductors Wettbewerbs der Salzburger Festspiele qualifizieren können. Die Jury unter dem Vorsitz von Dennis Russell Davies kürte außerdem den 23jährigen Tschechen Jiri Rozen und mit Giedrė Šlekytė (25) auch eine junge Dame aus Litauen. Ihr gebührt höflicheweise der Vortritt bei den entscheidenden Runden während der Salzburger Festspiele. Slekytè dirigiert die Camera Salzburg in der Universitäts-Aula am Nachmittag des 8. August, Viotti folgt am 9. (jeweils 15 Uhr). Dem jüngsten Kandidaten steht der Vormittag des 10. August (11 Uhr) zur Verfügung. Das Pulikum ist gebeten, wieder mitzustimmen. Wer gewinnt, dirigiert bei den Festspiele 2016 ein Konzert des RSO Wien in der Felsenreitschule.


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  • Adolf Dallapozza zum Geburtstag
    47 Premieren, 74 Rollen - nicht nur für Zahlenfetischisten klingt das beeindruckend; fast so beeindruckend wie die strahlenden hohen Tenor-Töne, die uns Adolf Dallapozza, der heute 75 wird, über viele Jahre hin geschenkt hat: An der Wiener Volksoper war er der Publikumsliebling schlechthin, optisch wie akustisch die Idealbesetzung für alle Liebhaber-Rollen.
    Und doch war das nur eine Facette seiner Künstler-Persönlichkeit, mit deren vielseitigem Image es durchaus vereinbar war, dass sich der Sänger 2011 als Hexe in "Hänsel und Gretel" von seinem Publikum verabschiedet hat. Auch an der Staatsoper war Dallapozza in all den Jahren gern gesehener und gehörter Gast, denn heikle Partien wie der Matteo in Richard Strauss' "Arabella" machten ihm hörbar keine Mühe; und man begriff nicht immer, warum sich die großen Arabella-Darstellerinnen nicht doch für diesen feschen Jägeroffizier entschieden . . .
    Gottfried Cervenkas Radio-Würdigung des Tenors
    In Ö1 hat Gottfried Cervenka den Jubilar schon gewürdigt. Die Sendung ist noch im Internet abrufbar.
    Hier der Link: oe1.orf.at
    Heute Abend: "La donna del lago" live aus der MET
    Apropos: Cervenka moderiert heute Abend auch die zeitversetzte Übertragung von Rossinis "Donna del lago" aus der New Yorker Metropolitan Opera - mit Joyce DiDonato als Elena und Juan Diego Florez als Uberto. Da ist nicht nur für fulminante Belcanto-Töne, sondern gottlob auch für einen sachkundigen Kommentar gesorgt! (Beginn um 19.30 Uhr)
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  • Hör-Empfehlung: Joseph Marx im Philharmonischen

    Zu den sympathischsten Eigenschaften Zubin Mehtas gehört seine Zuneigung zur österreichischen Musikgeschichte jenseits des Mainstreams. Der in Wien ausgebildete Maestro ist neugierig und hat auch die Partituren jener Komponisten studiert, die sich den doktrinären "Fortschritts"-Bestrebungen im 20. Jahrhundert widersetzt haben.
    So hat er mit den Wiener Philharmonikern 1970 eine Pionier-Aufnahme der wunderbaren Vierten Symphonie von Franz Schmidt gemacht (auf Decca in etlichen Wiederauflagen auch auf CD greifbar), etwa zur selben Zeit auch eine originelle TV-Version der damals neuen "Philadelphia Symphonie" Gottfried von Einems (der Soundtrack wurde ebenfalls bei Decca veröffentlich).
    Alt-Wiener Serenaden zum Nachdenken
    Im "Philharmonischen" an diesem Wochenende gibt man - nach Voraufführungen in Graz und im Musikvereins-Zyklus "Meisterinterpreten" - nebst Bruckners Neunter und den abstrakt-bildhaften "Atmosphères" von György Ligeti - die "Alt-Wiener Serenaden" des Schmidt-Zeitgenossen "Joseph Marx". Der Grazer Meister war als Lehrer eine der prägenden Persönlichkeiten des österreichischen Musiklebens der Nachkriegs-Ära und pflegte selbst einen klangschwelgerischen, auch an den koloristischen Errungeschaften der französischen Impressionisten geschulten, doch genuin österreichischen, weil deutlich aus wienerisch-symphonischen Quellen sch��pfenden Stil.
    Die "Serenaden" sind 1942 zur Feier des 100. Geburtstags der Philharmoniker entstanden und kamen auch in einem Festkonzert aus diesem Anlass (unter Karl Böhms Leitung) zur Uraufführung. Zur historischen Zelebration lehnt Marx sich in diesem Fall weniger an romantischen als an barocken und klassischen Vorbildern an, ein Haydn-Menuett klingt an, ein paar Takte Schubert - doch sind es eher Ahnungen als Zitate. Und der Komponist malt mit dem feinen Pinsel: Gleich die ersten Takte des Werks heben an wie ein Arrangement einer barocken Suite, doch wenig später verfließen die Farben im prächtig aufgefächerten Instrumentalsatz: Es ist doch ein Kollege Erich Wolfgang Korngolds, der da agiert.
    Die Philharmoniker setzen das unter Mehtas Leitung animiert um. In der "Aria" wechseln einander verträumte Klarinetten- und Oboensoli ab. Und das Finale ist eine herbe Kombination aus fugierte Gigue und einem Marsch; die "Serenaden", die so etwas wie einen Spaziergang durch die wienerische Musikgeschichte darstellen, enden in herben Moll-Tönen. Wer also die Nase darüber rümpft, dass ein Werk aus dem Jahr 1942 ausgegraben wird, sollte genauer zuhören: Marx, der - anders als Korngold - nicht gezwungen war, zu emigrieren, war alles andere als ein NS-Parteigänger. Dass sein Werk mit pessimistisch-dunklen Tönen schließt, hatte wohl in jenen Tagen allerhand zu sagen. Dass da einer nicht aufgab, Musik zu machen, und dass er's mit größtem handwerklichen Geschick vermochte, sollte uns eher hellhörig machen: Es gäbe im verschütteten Fundus jener traurigen Jahre und derer, die - unter kräftttigem ästhetischen Diktat - darauf folgten, allerhand zu entdecken, wovon die Chronik noch allzu lückenhaft zu berichten weiß.
    Philharmonische Repertoirepflege
    Dass die Philharmoniker mittlerweile Ligeti, Marx und Bruckner einträchtig nebeinander versammeln, stimmt froh. Sie können ja aus ihrer, der anerkanntermaßen höchsten Beobachter-Position Licht ins Dunkel bringen: Von Korngold bis Franz Schmidt, Marx und von Einem, Zemlinsky oder Egon Wellesz gäbe es allerhand auszugraben, was dem Publikum - im Falle der "Alt-Wiener Serenaden" war es gestern evident - auch Freude bereiten könnte.
    Nicht nur live im großen Musikvereinssaal: Das Philharmonische unter Mehta wird am Sonntag ab 11.03 Uhr auf Ö1 live übertragen.
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  • SINKOTHEK - DA CAPO
    Anregungen zum Wiederhören.

    Karajans moderne Klassik

    Wirklich feinstes Streicher-Spiel hört man auf der 1969 in St. Moritz eingespielten Aufnahme von Igor Strawinskys „Apollon Musagète“, die demonstriert, auf welch einsamer Höhe die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajans Führung damals angekommen waren. Die Wiedergabe erreicht einen innigen Höhepunkt im Pas de deux Apollo/Terpsichore: ein Adagio von lyrischem Schmelz sondergleichen. Jede der einzelnen, fein verästelten Stimmen „singt“. Angesichts der legendären „Kühle“ von Strawinskys in diesem Fall ganz diatonisch empfundener Konstruktivität ein kleines Wunder. Wahrscheinlich hätte es dem Meister selbst auch gar nicht behagt, wie Karajans Aufnahme von „Sacre du printemps“, die er arg verunglimpfte. Gottlob hat der Dirigent seine Lust an Strawinskys Musik darüber nicht verloren.
    Bartóks „Musik“
    Der glasklare, edle „Apollo“ ist auf der Platte begleitet von Béla Bartóks „Musik für Saiteninstrumente“ – Karajans dritte (und letzte) Aufnahme dieses Werks, das er schon knapp nach der Uraufführung in sein Repertoire aufgenommen hatte.
    Diese Einspielung kann – wohl als einzige im Katalog – sogar halbwegs mit der unvergleichlichen Living-Stereo-Wiedergabe durch das Chicago Symphony Orchestra unter Fritz Reiner mithalten, ist vielleicht sogar noch einen Deut „durchhörbarer“, „sauberer“ musiziert, wenn auch nicht ganz vom gleichen Impetus. Aber wie herrlich aufgefächert ist der Klang im Dialog zwischen Streicher-Pizzicato und Harfe im zweiten Satz!
    Über die Präzision der Schlagwerker
    Ein Detail am Rande: Kenner sollten sich den Spaß machen, bei der eben angesprochenen Passage die Berliner und die Chicagoer Aufnahme direkt zu vergleichen. Es gibt da jeweils an den strategisch herausragenden Punkten der Kette von Klavierakkorden, jeweils „off-beat“ markante Einzeltöne des Xylophons (Takte 226-232). Was die rhythmische Sensibilität betrifft , schlägt der amerikanische Kollege den deutschen da ums jeweils Millisekunden-Alzerl souverän. (Dafür spielt der Berliner dann den einsamen Beginn des dritten Satzes wunderbar gefühlvoll aus; man kann nicht alles haben . . .)
    Und noch ein Detail: Das knappe Ritenuto vor dem Schlussakkord des Werks verstehen sowohl Karajan als auch Reiner wohl richtig und dehnen es nicht, wie die meisten andern Dirigenten unnötig aus, wodurch es zum Bremsklotz wird und die Schlagkraft des Schlusses beeinträchtigt. Beide Aufnahmen landen effektsicher im Ziel. (Karajan auf DG, Reiner auf RCA)
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