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  • Oper im Theater an der Wien mit "Nachspiel"
    "Erleben Sie unmittelbar nach Ende der Oper, was aus Marianne geworden sein könnte", wirbt das Theater an der Wien: Nach der Aufführung von Heinz Karl Grubers "Geschichten aus dem Wienerwald" bittet man jeweils in die "Hölle", den Theaterraum im Unterschoss. Dort erzählt der Monolog "Fahrt ins Glück" von Angela Schneider, wie die unglückliche Hauptfigur der Oper - nach Ödön von Horváths Stück - an der Seite des ungeliebten Fleischhauers weiterlebt. Cornelia Rainer hat den Monolog für Petra Morzé "inszeniert": "eine Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung, wie ein einziger langer Gedanke, der zur Ruhe kommen will," sagt die Regisseuse. Ein Versuch, das bitterböse Stück aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur weiterzudenken.
    www.theater-wien.at
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  • Puccini und die Gigantomanie
    Die Freiluft-Aktivitäten im heurigen Opern-Sommer werfen ihre Schatten voraus. Im wahrsten Sinne des Wortes, werden sie bald immer länger - in Bregenz entsteht für "Turandot", das "Spiel auf dem See", eine gigantische "chinesische Mauer". Und am andern Ende des Landes, in St. Margarethen, wird im Mai mit den Aufbauarbeiten für die beherrschende Figur in der von Robert Dornhelm inszenierten "Tosca" errichtet: Der Engelsburg-Engel ist im Burgenland 25 Meter hoch und die Flügel messen insgesamt 1000 Quadratmeter. Ab Juni wird das Bauwerk zu sehen sein - am 8. Juli ist Premiere.
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  • Karajans Beethoven-Deutung in beeindruckenden Bildern

    „Niebeling-Fassung“ steht kleingedruckt neben der Ankündigung: „Beethoven Symphonie Nr. 3 in Es-Dur, op. 55 Eroica“. Das sollte Kenner neugierig machen. Was der Spartenkanal „Classica“ (im Sky-Verband) am 14. März im Programm hat, gehört zu den bemerkenswerten Versuchen, Symphonik TV- bzw. Film-tauglich zu machen.
    Herbert von Karajan hat über lange Jahre an der filmischen Verewigung seiner interpretatorischen Künste gebastelt. Da war zunächst Henri-Georges Clouzot, dem wir (unter anderem) einen exzellent inszenierten Proben-Mitschnitt verdanken, in dem Karajan den Wiener Symphonikern Erhellendes über den inneren formalen Zusammenhalt von Schumanns Vierter Symphonie erzählt.
    Clouzot hat auch Beethovens Fünfte mit Karajan und den Berlinern auf eine höchst eigenwillige Weise verfilmt.

    Karajan und die Fremdbestimmung.

    Doch war der Regisseur gewiss zu eigensinnig und künstlerisch unbeugsam, um auf längere Sicht mit Karajan zusammenzuarbeiten zu können. Nicht viel besser erging es dem nächsten im Bunde, Hugo Niebeling, der die Ästhetik seiner Industriefilme (einmal reichte es sogar für eine Oscar-Nominierung!) dank offenkundiger Musikalität ins Konzertante zu wenden wusste. Mit ihm hat Karajan drei Beethoven-Symphonien verilmft, die „Eroica“, die „Pastorale“ und die Siebente.
    Die „Pastorale“ ging 1967 in jener Gestalt auf Sendung, die der Regisseur ihr gegeben hatte – und entzweite sofort die Geister: Karajan-Biograph Richard Osborne bezeichnet den Film als „Beleidigung für die Musik“. Ich würde dem gern diametral widersprechen: Ich kenne wenige Musik-Filme, die kühner, dabei musikalischer, ja geradezu aus kontrapunktischem Geist geboren symphonischen Formverlauf mit phantasievoller Bildsprache verbinden. Ein Film zum Hören. Man muss freilich Aug und Ohr gleichermaßen offen - und frei für alle Überraschungen halten
    Karajan war nicht erfreut über den cineastischen Widerpart, verbot die Ausstrahlung von Niebelings weiteren Beethoven-Filmen und ließ die „Eroica“ nur in retuschierter Form veröffentlichen. Nach einem bizarr-originellen Intermezzo mit Ake Falk 8Tschaikowsky mit Alexis Weissenberg) verabschiedete er sich bald gänzlich von Partner-Reigsseuren und übernahm die Inszenierungsarbeit selbst. Mit nicht gerade berauschendem Erfolg: Man vergleiche die Großaufnahmen des Dirigenten bei Niebeling und in Karajans eigenen Elaboraten; Fortissimi hier sind immer noch von Beethoven, Fortissimi da sind von Karajan; weiterer Kommentar überfüßig.
    Nur im Falle der Neunten Beethoven (Berliner Silvesterkonzert 1977) und beim legendären Wiener Neujahrskonzert vertraute der Maestro ab Mitte der Siebzigerjahre noch auf fremde Hilfe: Humphrey Burton war der Auserwählte. Der Rest war Karajan pur.

    Die "echte" Eroica.

    Immerhin: 2010 hat man bei der Unitel die originalen Niebeling-Schnitte in der „Eroica“ wieder restituiert. Deshalb ist die „Classica“-Sendung sehenswert – für alle, die Sky-Kunden sind daher eine Empfehlung: Wer selbst entscheiden möchte, wer recht hatte, kann sich nun im wahrsten Sinn des Wortes ein Bild machen; übrigens zu einer der energetischsten Wiedergaben der „Eroica“, die je aufgenommen worden sind. So viel steht immerhin fest.
    Ein Detail am Rande: Wie Karajans - von diesen inspirierten, aber halt nicht ganz so genialischen - Kameraeinstellungen hat man auch denen von Niebeling (die ja für dirigentischen Selfies vorbildhaft waren) den Vorwurf des „Faschistoiden“ gemacht. In einer BBC-Dokumentation über Karajan finden sich Moment-Aufnahmen aus Niebelings „Eroica“-Film, kombiniert mit Leni-Riefenstahl-Parteitagsszenen . . .

    www.sky.at
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  • Schostakowtischs „Lady Macbeth“, das war einst in der frühen Sowjetunion der Aufreger schlechthin. Das Stück, an dem sich die Widersprüche so sehr entzündeten, dass Väterchen Stalin höchstpersönlich einschritt: Hinfort sollte in seinem Reich nur noch die Volkskultur gepflegt werden. Avantgardistisches solch aggressiven Zuschnitts durfte keinen Platz mehr haben.
    Um welche künstlerische Schlagkraft der Diktator den kommunistischen Teil der Welt damals mit einem Federstrich gebracht hat, kann man bei heutigen Aufführungen kaum noch spüren. „Lady Macbeth“ ist in Zeiten wie diesen längst zu einem historischen Phänomen geworden. Das bleibt immerhin spannend: So konsequent hat die Techniken des späteren TV-Krimis niemand auf der Musiktheaterbühne vorweggenommen.
    Entsprechend „konsumiert“ das Publikum auch im Opern-„Hauptabendprogramm“ das einst so skandalträchtige Stück. Matthias Hartmann hat als wohlbestallter Burghteater-Direktor 2009 eine Staatsopern-Inszenierung erarbeitet und lang vor dem Hinauswurf zugesagt die Wiederaufnahme betreuen zu wollen.
    Das hat er nun getan. Die Erzählung in den praktikablen Bühnenbildern Volker Hintermeiers hält sich ziemlich penibel an die Vorgänge im Libretto,fügt jedenfalls nichts hinzu und verfälscht nichts. Das kann man ja beileibe nicht von allen Produktionen behaupten, die Wiens Opernchef Dominique Meyer von seinem Vorgänger geerbt hat.
    Diesmal steht für die Neueinstudierung nicht nur der Original-Regisseur zur Verfügung, sondern auch Dirigent Ingo Metzmacher wieder am Pult – und es darf behauptet werden, dass seine Interpretation der kühnen Partitur zwar nicht an rhythmischer Prägnanz, aber sehr an Ausdruckschärfe und dramaturgischer Intensität gewonnen hat.
    Diesmal verdichtet sich die Spannung dank der immensen Orchesterleistung oft enorm: nicht nur dort, wo mit Zusatz-Blasorchester extreme Lautstärkegrade erreicht werden, sondern gerade dort, wo Schostakowitsch die Dynamik in Pianissimobereiche zurücknimmt und die farbliche Registrierung ausdünnt: ein Violinsolo, ein paar Töne des Kontrafagotts genügen: Wie die Klänge in Beziehung zur Handlung stehen, ist auch für den Erstbesucher sofort zu entschlüsseln.
    Dass die zynisch-kabarettistischen, die zeitkritischen – gegen die kirchliche Obrigkeit ebenso wie gegen die Polizeigewalt gerichteten – Aspekte heute nicht mehr provokant wirken, sondern nur noch amüsant, ist wohl auch dem Zeitgeist zu verdanken. So kommt es immerhin zu entspannenden Momenten, während die mörderische Haupt-Handlung, die brutalen Gewalt- und ex-Szenen in einer völlig von jeglicher Humanität befreiten Welt ungemein packen.
    Die Premieren-Sänger sind wieder da: Angela Denoke in der Titelpartie, von der Fadesse der ersten Akte über die vergebliche Hoffnung angesichts des Ehebruchs bis zur hoffnungslosen elbstaufgabe auf dem Weg in die sibirische Verbannung zeichnet sie ein bewegendes Porträt einer Mörderin aus Verzweiflung.
    Kurt Rydl als rüder, menschenverachtender, altersgeiler Schwiegerpapa liefert eine studie in Widerlichkeit, die schwer zu überbieten sein dürfte. Marian Talaba ist der Schwächling, der dran glauben muss, Misha Didyk der virile Kraftlackel ohne jeglichen Anflug von Gewissen.
    Hinzu kommen neue, prägnante Figuren wie der Pope Ryan Speedo Green, der Polizeichef Sorin Colibans und die Sonjetka von Monika Bohinec, die allesamt stimmlich wie darstellerisch glänzend reüssieren. Nur Herwig Pecoraros Charaktertenor drohte am Sonntagabendim „schwarzen Scherzo“ des „Schäbigen“, der die Leiche des entsorgten Ehemanns entdeckt, des Öfteren vollständig unterzugehen.
    Das Publikum empfand den musikalisch starken Abend, durch keine Regie-Untaten gestört, offenbar als absolut stimmig und jubelte.
    Wiederholungen in dieser Woche: Mittwoch und amstag. www.staatsoper.at
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  • Die "MET" 2015/16
    Enttäuscht reagieren New Yorker Opernfreunde auf die Absage von Jonas Kaufmann in den Online-Foren. Gerade einmal zwei Aufführungen von "Carmen" waren (vorige Woche) mit dem deutschen Tenor vorgesehen. Die hat er abgesagt. "Kein Wunder" bloggen nun manche Fans: Wegen zweier Vorstellungen über den Ozean zu fliegen . . . Nächste Spielzeit ist die Hoffnung größer: Da ist Kaufmann für eine "Manon Lescaut"-Serie unter Fabio Luisi vorgesehen. Die Metropolitan Opera hat ihren 2015/16 präsentiert, der insgesamt doch ein wenig abgespeckt wirkt.
    Die Spielzeit startet mit Verdis „Otello“ (Aleksandrs Antonenko, Zeljko Lucic und Sonja Yoncheva), Puccinis „Turandot“ (Christine Goerke bzw. Lise Lindström und Marcelo Alvarez), Verdis „Troubadour“ (Yonghoon Lee bzw. Marcello Giordani, Dmitri Hvorostovsky sowie alternierend Anna Netrebko und Angela Maede), Donizettis „Anna Bolena“ (Sondra Radvanovsky in der Titelpartie, Elina Garanca als Giovanna Seymour) und Wagners „Tannhäuser“ (unter James Levine mit Johan Botha, Eva Maria Wetbroek und Peter Mattei).
    Hausherr Levine studiert in der Folge auch Bergs „Lulu“ mit Marlies Petereson (in einer Produktion der English National Opera von William Kentridge und Luc de Wit) ein (Premiere: 5. November). Außerdem dirigert er die Aufführungen der „Fledermaus“ im Dezember und Jänner (Toby Spence ist der Eisenstein, gesungen wird Englisch).
    Die gewohnten Star-Besetzungen finden Met-Besucher auch im Dezember bei Rossinis „Donna del lago“ (Joyce DiDonato und Daniela Barcellona), im Jänner bei Bizets „Perlenfischern“ (Diana Damrau), im Februar und März bei Puccinis „Manon Lescaut“ mit Kristine Opolais und Jonas Kaufmann, in David McVicars Neuinszenierung von Donizettis „Roberto Devereux“ (Sondra Radvanovsky und Elina Garanca mit Matthew Polenzani und Mariusz Kwiecien – ab 24. März).
    Placido Domingo, Joseph Calleja und Ferrucio Furlanetto kehren unter Levines Leitung mit „Simon Boccanegra“ zurück (ab 1. April), Nina Stemme präsentiert sich nach Wien auch in New York als „Elektra“ (unter Esa-Pekka Salonen mit Waltraud Meier und Adrianne Pieczonka ab 14. April).
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  • Heute vormittag in Ö1: Thielemann in Berlin
    Ob er anlässlich der demnächst anstehenden Wahl gegen die Modernisten eine Chance haben wird, ist fraglich. Doch für viele Musikfreunde - und doch auch, wie man hört, für einen Teil der Musiker, gilt Christian Thielemann als der einzige wahre Kandidat für die Position des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Ihm als einzigem Kapellmeister seiner Generation traut man zu, das Orchester an jenen Spitzenplatz zurückzuführen, den es als Klangkörper für Klassik und große Romantik unter der Führung von Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan wie selbstverständlich innehatte. Mitte Jänner stand Thielemann am Pult und demonstrierte, dass er nicht nur Beethovens "Eroica" und eine Tondichtung von Franz Liszt ("Orpheus") für philharmonisch wertvoll erachtet, sondern auch Hans Werner Henzes späten "Sebastian im Traum" - frei nach Trakls Gedicht-Zyklus, der übrigens vor genau 100 Jahren posthum erschienen ist.
    Der Mitschnitt des Konzerts ist heute ab 11.03 Uhr in Ö1 zu hören.
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  • CD-Tipp zur Causa Zimmermann: 
    Die letzten Klänge von Fritz Kreislers Stradivari

    Die Geschichte ging durch die Medien – doch scheint sie schon wieder vergessen. Zu sehr beschäftigen unsere Zeitgenossen wirtschaftliche Nöte und Grundsatzüberlegungen, als dass die Funktion von Banken als Kultur-Sponsoren noch über längere Frist im Fokus bleiben dürften. 
    Und doch: Dass Frank Peter Zimmermann seine Stradivari zurückgeben musste, bewegt zumindest Musikfreunde, die den Wiedergaben von Mozart-Violinkonzerten auf dieser Hänssler-CD lauschen. Zimmermann musiziert hier – wie denn auch anders? – auf der „Lady Inchiquin“, einem 1711 gebauten Instrument aus der legendären Stradivari-Werkstatt. Die Provenienz des Instruments muss für einen Geiger besonders beglückend sein: Fritz Kreisler hat einst auf dieser Violine gespielt! 
    Die Stiftung Westdeutsche Landesbank stellte sie Zimmermann zur Verfügung;. Immerhin darf man behaupten, dass dieser Interpret zu den herausragenden Solisten im internationalen Konzertleben gehört, unter den Deutschen darf er jedenfalls singulären Rang beanspruchen. Die Kreisler-Stradivari hat er mittlerweile aber zurückgeben müssen, denn die Rechtsnachfolger der Bank mussten für deren Abwicklung auch die Sammlung veräußern. Zimmermann hat eine Millionen-Summe geboten; aber das Instrument war höher geschätzt . . .

    Mozart-Konzerte, subtil

    Die Münchner Aufführungen sämtlicher Mozart-Konzerte mit dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks hat Zimmermann noch auf seiner Lieblingsgeige gespielt – und dafür Ovationen und hymnische Rezensionen geerntet. Die Konzerte 1, 3 und 4 liegen nun auf CD vor. Die Aufnahmen atmen die Frische eines Live-Konzerts, sind (unter Radoslaw Szulc’ Leitung) durchaus mit Wissen um die Phrasierungs-Erkenntnisse der Originalklang-Exegeten, aber in sattem, weichen Klang gespielt – und Zimmerman brilliert mit schlankem, gradlinigem Ton, nimmt den Dialog mit dem Orchester (und hie und da verschmitzt auch mit sich selbst) auf, leistet sich keine larmoyanten Übertreibungen in den schlicht und schön modellierten langsamen Sätzen und betrachtet Kadenzen und „Eingänge“ nicht als Spielwiese für geigerische Eitelkeiten, sondern nutzt sie zu subtilen Apercus zum rundum ausführlich und detailverliebt Gesagten. Dass Mozart nicht auch in seiner späten Wiener Zeit für Solo-Violine komponiert hat, bedauert man mit dem Booklet-Autor nach Abhören dieser CD besonders. Was könnte Zimmermann mit einem geigerischen Gegenstück zu KV 466 alles anfangen . . . 



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  • "Werther" mit der Gheorghiu und einem wunderbaren jungen Tenor
    Jean-Francois Borras eilt ein enormer Ruf voraus. Er gilt als einer der kommenden Stars am Tenor-Himmel: Helles Timbre, in der Höhe durchaus metallisch geschärft zu strahlenden, vor allem: mühelosen Entfaltung befähigt. In der laufenden Saison war Borras bereits als Des Grieux an der Seite der Manon von Patricia Petibon zu erleben.
    Auf Massenet ist er offenbar abonniert: Nun sprang er an der Seite von Angela Gheorghiu für den erkrankten Ramon Vargas als Werther ein. Da ist Borras ganz in seinem Element, denn die Stimme ist durchaus auch zu intensiveren Aufwallungen prädestiniert. Doch ist dieser Tenor ein Stilist, weiß, dass Massenets Musik ein Abkömmling der Opéra comique, keine frankophone Antwort auf die Veristen ist. Das wird oft missverstanden. Borras, der hörbar an der Geschmeidigkeit seiner Phrasierungen arbeitet, ist dazu befähigt, mit Geschmack die Stimm-Register zu mischen. Das beherrscht er perfekt, womit er ein idealer Dialogpartner für einen feinsinnigen Bariton wie Ludovic Tézier – einer Luxusbesetzung für den Albert – ist, mit dem er auf musikalisch-gestalterischer Augenhöhe parlieren kann.
    In einem solchen Stück der verhaltenen, der unterdrückten Gefühle, verdichtet sich eine Aufführung, in der Emotionen vorrangig in leisen Tönen transportiert werden, besonders adäquat. Die Begegnung des Liebespaars, das keines sein darf, werden zu intensiven theatralischen Momenten, denn die Charlotte der Angela Gheorghiu ist, wie gewohnt, eine minutiös durchdachte szenisch wie musikalisch differenzierte Charakterstudie: Gewiss, die Partie liegt dem Sopran in Wahrheit zu tief, was in den ersten beiden Akten manchmal spürbar wird. Doch wächst die Spannung zwischen Gheorghiu und Borras nach der Pause zu atemberaubender Intensität.
    Daran hat auch das Staatsopern-Orchester seinen Anteil, denn unter Frédéric Chaslins ruhiger Führung wird man Massenet auch instrumental gerecht: Nirgendwo regiert Derbheit, Wildheit, doch sind die leisen Töne (Violinsolo, Klarinette, die herrlich registrierten tiefen Streicher!) stets expressiv aufgeladen, hier von verzehrender Schönheit, da mit Zündstoff aufgeladen, der – wie das Stück es will – meist gerade nicht explodieren darf, dafür umso dringlicher wirkt.
    Die Mixtur aus Nervosität und Verzweiflung im Brief-Monolog der Charlotte, den Gheorghiu seismographisch präzis durchlebt, wäre ohne die beredte philharmonische Assistenz nur halb so ausdrucksstark.
    Daniela Fally und Alfred Sramek führen neben den prominenten Debütanten die Mitglieder des Wiener Ensembles mit wohlbekanntem theatralischen Instinkt – und Sinn fürs Komödiantische. So wird die Fallhöhe zu den tragischen Schicksalen umso drastischer erlebbar. Ein großer Abend, der entsprechend Jubel erntet: am 13. März in HD-Qualität im Netz (www.staatsoperlive.com).
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  • Oper, inszeniert von Freyer und Wilson, in Linz
    Im nächstjährigen Spielplan des oberösterreichischen Landestheaters finden sich neben der Uraufführung der Oper "Terra Nova oder Das weiße Leben" von Moritz Eggert (nach einem Libretto von Franzobel) Premieren von Verdis "Traviata" in der Regie von Robert Wilson (19. September) sowie von Debussys "Paellas und Melisande" von Achim Freier (19. März). In die Schulen geht man mit dem "Tagebuch der Anne Frank".
    www.landestheater-linz.at
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  • Empfehlung. Heute oder morgen: die Symphoniker im Musikverein unter Philippe Jordan
    Gustav Mahlers Vierte, soeben anlässlich des Gastspiels des Concertgebouw Orchesters unter Mariss Jansons in einer wohltönenenden Wiedergabe zu erleben, noch einmal im Goldenen Saal. Diesmal von den Symphonikern unter Philippe Jordan musiziert, nicht minder berückend, besonders eindringlich, intensiv.
    Das Stück gilt als kleine Schwester der riesenhaften Symphonien, die sie umgeben. Und doch: Schon Mahler warnte seine Exegeten, angesichts der verhältnismäßigen kurzen Dauer und der im Vergleich geradezu kammermusikalischen Orchesterbesetzung, zu übersehen, dass seine Musik auch hier "ins Große Einmaleins" der klingenden Seelenbespiegelung vordringt. Sie beginnt und endet zwar, "als ob sie nicht bis drei zählen könnte", doch steckt sie voller Fallstricke und doppelter Böden. Bald erfahren Erinnerungen an Kinderlieder triumphale Apotheosen, bald dringen fratzenhafte Grimasssen auf idyllische Klangbilder ein; und immer wieder scheint der musikalische Fluss durch unerwartete Staumaßnahmen genötig, sich aus einem friedlichen Gewässer in reißende Stromschnellen zu verwandeln.
    Diese Paradoxien macht Jordan hörbar, indem er die höchst engagiert aufspielenden Wiener Musikanten animiert, ihre Soli mit der gebotenen Eindringlichkeit und Prägnanz zu gestalten, oft - wie's die Partitur vorschreibt - ohne Rücksicht auf das Umfeld, das in subtiler dynamischer Registrierung herrlich weiche Übergänge und behutsame melodische Entwicklungen, aber auch kräftige Akzente und in buntesten Farben gemalte Tableaux kennt: Das "Verweile doch, du bist so schön" zeigt bei Mahler freilich meist die "kleinste Dauer". Jordan hat bei aller Kunst der Feinabstimmung Mut zum Grellen, zum Zerrbild; dafür entwickeln sich Höhepunkte ohne interpretatorischen Druck, die vielen kleinen Rückungen und Verzögerungen und Beschleunigung, die Mahler vorschreibt werden nicht noch durch Zutaten des Dirigenten angereichert. Diese Aufführung setzt um, was der Komponist vorgeschrieben hat. Das reicht in seiner Detailversessenheit, um alle Effekte adäquat auszuspielen - verliert aber dank der Umsicht des Maestros nicht an Konsistenz.
    Philippe Jordan entpuppt sich da als begnadeter Märchenerzähler: je unwahrscheinlicher die Geschichte wird, desto spannender und "logischer" scheint sie dem gespannt lauschenden Zuhörer. Kinder und Musikfreunde haben nie Probleme mit höheren Dimensionen der Wahrnehmung . . .
    Camilla Tilling singt das Sopransolo in geradezu naiver Gradlinigkeit, genau in jenem Unschuldston, in dem hier in Wahrheit Ungeheuerlichkeiten ausgeplaudert werden - das Stück schließt in ätherisch-stiller Ungewissheit. Es ist zuviel passiert, als dass sich der Hörer verabschieden könnte, ohne den Nachklang des symphonischen Erlebnisses in sich zu tragen, sich mit ihm weiter zu beschäftigen.
    Wiederholungen: heute und morgen, 19.30. www.musikverein.at
    Als Einstimmung gibt es, spritzig und eloquent formuliert, Schuberts rossinianische Sechste. Ein höchst empfehlenswerter Abend!
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  • Thielemann in Dresden 2015/16

    Christian Thielemann Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, wurde von der Leipziger Richard-Wagner-Stiftung mit dem Wagner-Preis 2015 (Preisgeld 10.000 Euro)ausgezeichnet. Er wird als Chefdirigent in der Dresdner Semperoper, die nach wie vor keinen Intendanten hat, kommende Spielzeit die Wiederaufnahme der Osterfestspielproduktion von Richard Strauss’ „Arabella“ (17., 24. X., 7., 10. XI. 2015), zweimal mit Anne Schwanewilms (Oktober), zweimal mit Anja Harteros (November) in der Titelpartie.
    Im Februar (16., 20., 23. und 28.) gibt es Willy Deckers Inszenierung von Wagners „Walküre“ unter Thielemann mit Johan Botha, Nina Stemme, Petra Lang und Georg Zeppenfeld. Den Wotan singt Markus Marquardt.
    Wie schon berichtet, gibt es im Mai dann eine Wiederaufnahme von Christine Mielitz’ Inszenierung des strong>„Lohengrin“: Neben Anna Netrebko und Piotr Beczala sind Evelyn Herlitzius als Ortrud und Tomasz Konieczny als Telramund zu erleben. Georg Zeppenfeld ist der König Heinrich. (Vorstellungen: 19., 22. 25 und 29. Mai 2016).
    Überdies verrät der Dresdner-Online-Spielplan bereits die Salzburger Osterfestspiel-Produktion: für 19. und 27. März 2016 steht Verdis „Otello“ auf dem Spielplan.
    In der laufenden Saison steht Christian Thielemann in der Semperoper nur noch am 1. Mai bei der Premiere und danach bei den ersten beiden Folgevorstellungen (3. und 6. Mai) der Neuinszenierung von Webers „Freischütz“ am Dirigentenpult. Opernfreunde können bei dieser Gelegenheit neue Stimmen kennenlernen: Sara Jakubiak ist die Agathe, Christina Landshamer das Ännchen. Die Rollen von Max und Kaspar sind mit Michael König und Georg Zeppenfeld besetzt. Bis Jänner 2016 gibt es dann noch 15 Reprisen der neuen Inszenierung Axel Köhlers, die aber von anderen Dirigenten betreut werden. Die Wiederholungen in der Premierenserie bis 31. Mai dirigiert Peter Schneider.

    Details: www.semperoper.de
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  • Simon Rattle geht nach London
    Nach seiner Amtszeit in Berlin wird Sir Simon Rattle Chefdirigent des London Symphony Orchestra. Was seit langem als Gerücht in der Szene gehandelt wird, wurde nun offiziell bestätigt. Es ist eine Art Heimholung. Die Karriere des Dirigenten begann in Birmingham, wo er dank seiner Energie und PR-Virtuosität ein Orchester, von dem zuvor kaum jemand wusste, dass es überhaupt existiert, zu einer bekannten Größe im Klassik-Business machte.
    Das Spitzenorchesters Londons kann nach einer langen Durststrecke Rattles Durchstarter-Qualitäten durchaus brauchen. Die Berliner Philharmoniker freilich müssen dieser Tage eine Entscheidung treffen, die eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft bedeutet. Will man den unter Claudio Abbado und Rattle eingeschlagenen Weg einer Öffnung und bewussten Verbreiterung des Angebots in populärer, medial gut vermarktbarer, aber international verwechselbarer Manier fortsetzen? Oder besinnt man sich der großen Tradition des Orchesters, jener Jahre und Jahrzehnte, in denen man unter den künstlerischen Leitern Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan die unangefochtene Nummer eins unter den deutschen Klangkörpern war, weil im Kernrepertoire von der Wiener Klassik bis zur klassischen Moderne interpretatorische Maßstäbe gesetzt wurden? Diesbezüglich haben Orchester in Dresden, München oder Leipzig den Berlinern zuletzt den Rang abgelaufen . . .
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  • Dresden: Netrebko und Beczala im ,,Lohengrin"
    An der Semperoper gibt Anna Netrebko kommende Saison ihr lang erwartetes Elsa-Debüt an der Seite von Piotr Beczala, der sich als Lohengrin erstmals dem Wagner-Fach widmet. Christian Thielemann dirigiert. Die Aufführungen sind für Mai 2016 geplant
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  • Plácido Domingo singt heuer nicht im Salzburger ,,Trovatore''
    Placido Domlngo will die Baritonpartie des Grafen Lina nicht mehr singen. Die angekündigten Auftritte in Berlin, Mailand und Salzburg hat er abgesagt. Artur Ruciński springt bei der Wiederaufnahme in Salzburg ein (ab 8. August). Auch mancher Verehrer des Künstlers wird nun vermutlich bedauern, dass Domingo diese Entscheidung nicht schon vor der TV-Übertragung der vorjährigen Festspielaufführung getroffen hat . . .
    Was die Nachred' betrifft, gibt es am 30. Juli ein Galakozuert zur Feier des 40jährigen Salzburger Bühnenjubiläums Domingos in Festspielhaus. 1975 hat Domingo als Don Carlos in Herbert von Karajans Salzburger Inszenierung debütiert, dann aber nicht allzuviele szenischen Produktionen an der Salzach mitgestaltet. Konzertante Aufführungen inbegriffen, kommt dennoch eine ansehnliche Titel-Liste zustande. Das wird gefeiert: Verdi, Puccini und veristische Arien und Duette werden zu hören sein. Mit von der Partie Bühnen-Partner Domingos von Krassimira Stoyanova bis Rolando Villazón. Gianandrea Noseda, der auch die Leitung der "Troubadour"-Wiederaufnahme übernommen hat, dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
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  • Petrenkos "Walküren"-Einstand in München
    Die bayrischen Opernfreunde dürfen sich zumindest ein bisschen freuen: Ihr Generalmusikdirektor zaubert Wagner-Klänge aus dem Staatsorchester, die man in solcher Subtilität und Eindringlichkeit im Nationaltheater wohl selten vernommen hat. Leider steht ihm nur eine höchst mittelmäßige Sängerbesetzung zur Verfügung - Elisabeth Kulmans herrische Fricka und der sehr wortdeutliche, prägnante Hunding Günther Groissböcks ausgenommen, die mit der orchestralen Beredsamkeit mithalten können.
    Desaströs ist freilich die Inszenierung Andreas Kriegenburgs, die jegliche Poesie, jegliche Innigkeit durch schülerhaftes Scharaden-Spiel denunziert. Damit müssen die Münchner freilich leben - deutsche Feuilletonisten verleihen für derlei Verballhornungen gern Sonderpreise; über die freuen sich die Intendanten. Ein Potemkinsches Dorf. Das Publikum, das sich in der Opernrealität eine adäquate "Walküre" erhofft, hat das Nachsehen; ein neuer "Ring" kann ja nicht alle paar Jahre finanziert werden . . .

    Eine ausführlichere Rezension erschien in der gedruckten "Presse":
    diepresse.com
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  • Jonas Kaufmann als Radames?
    Anja Harteros als Aida - wie es war, als das deutsche Traumpaar des internationalen Opern-Business in Rom in Verdis ägyptischem Meisterwerk debütierte, weiß Kollege Josef Schmitt. Er war im Auditorium der "Accademia di Santa Cecilia", wo Antonio Pappano offenbar meisterhaft die CD-Aufnahme vor einem enthusiasmierten Publikum dirigierte.

    Zur Rezension:
    diepresse.com
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  • Die "Puritaner" mit Olga Peretyatko heute live in Ö1
    Heute ab 19 Uhr wird die Aufführung von Bellinis "Puritani" live übertragen. Olga Peretyatko ist die Elvira, Jongmin Park der Giorgio und John Tessier der Arturo.
    Besonderer Reiz: Mit dieser Vorstellung feiert Carlos Alvarez (in der Partie des Riccardo) sein 20-Jahr-Jubiläum auf der Bühne der Wiener Staatsoper.
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  • Live dabei beim Neujahrskonzert?
    Eine nur scheinbar unzeitgemäße Betrachtung


    Zwei Tage noch! Angeblich haben sich die Chancen auf Grund eines gerechteren Verteilungssystems ja enorm gesteigert. Es scheint jedenfalls kein Mysterium mehr zu sein, wie man zu Karten für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker kommen könnte.
    Früher einmal hieß es, die Glücklichen würden aus jenen Briefbestellungen gezogen, die präzis am 2. Jänner im Büro des Orchesters eintreffen. Im Internet-Zeitalter ist alles anders. Die Homepage der Philharmoniker verriet es gleich nach Ende des diesjährigen Konzerts: „Vom 2. Januar - 28. Februar 2015 läuft die Anmeldefrist zur Verlosung von Kaufkarten für alle drei Konzerte zum Jahresende 2015/16. Registrieren Sie sich oder loggen Sie sich ein auf wienerphilharmoniker.at um an der diesjährigen Verlosung teilzunehmen!“
    Auch alle, die jetzt gerade gar keine Lust auf wienerischen Dreivierteltakt verspüren: Man könnte das ja einmal probieren. Wer drankommt, freut sich garantiert am 1. Jänner 2016 . . .
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  • Heute in der Staatsoper: John Uhlenhopp statt Shicoff
    Neill Shicoff fühlt sich noch nicht fit genug und muss auch die heutige Vorstellung von "La Juive" absagen. Diesmal wird aber nicht die Vorstellung geändert. Shicoffs Landsmann John Uhlenhopp, einer der wenigen Tenöre, die weltweit derzeit überhaupt imstande sind, die Partie des Eléazar so kurzfristig zu übernehmen, springt ein. Uhlenhopp ist in Wien nicht ganz unbekannt. Am Theater an der Wien hat er in Henzes "Prinz von Homburg" gesungen, in der Volksoper den Grafen in Franz Schrekers "Irrelohe". Sein Staatsoperndebüt ist begleitet von Rollendebüts der beiden Sängerinnen des diesjährigen Opernballs: Olga Bezsmertna ist die Rachel, Aida Garifullina die Prinzessin Eudoxie.
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  • Holger Bleck wird Intendant in Kärnten
    Der Carinthische Sommer wird ab der übernächsten Spielzeit vom ehemaligen Ko-Direktor der Wiener Kammeroper und Manager des Belvedere-Gesangswettbewerbs, Holger Bleck, geführt. Das in den Sechzigerjahren von Helmut Wobisch gegründete Festival zählt derzeit - dank der ebenso klugen wie innovativen Programmierung durch den amtierenden Intendanten Thomas Daniel Schlee - zu den feinsten Sommer-Festspielen Europas. Zuletzt haben finanzielle Kürzungen freilich die Arbeit zusehends schwer gemacht. Traditionsreiche Programm-Elemente wie die einst mit Benjamin Brittens "Verlorenem Sohn" so erfolgreich etablierte Kirchenoper, konnten nicht weitergeführt werden. Wohl auch in diesem Sinne liest sich Thomas D. Schlees Gruß an seinen Nachfolger wie ein freundschaftlicher Aufruf, den nötigen Mut nicht allzu rasch erlahmen zu lassen: "Ich gratuliere Mag. Holger Bleck ganz herzlich zu seiner Bestellung zum neuen Intendanten des Festivals Carinthischer Sommer. Eine schöne, vielfältige Aufgabe mit Potential zur Überraschung – auch, was die Herausforderungen betrifft; hierzu wünsche ich aufrichtig viel Erfolg!" Schlee hatte Erfolg - beim Publikum wie bei den Rezensenten; doch leider wenig Rückendeckung durch die Kärntner Kulturpolitik. In diesem Sinne: Glück auf, Holger Bleck.
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  • Der "nächste Jonas Kaufmann"?
    Höchst euphorisch berichtete die FAZ im vergangenen Sommer über einen jungen Tenor, der für Jonas Kaufmann als Werther in einer Aufführungsserie der gleichnamigen Massenet-Oper an der New Yorker Metropolitan Opera eingesprungen war: "Das war kein gewöhnlicher Einspringer", heißt es in der Rezension, "das war ein Ereignis". Im Titel hieß es: "der nächste Jonas Kaufmann wartet hier auf seine Entdeckung".
    Der Tenor heißt Jean-François Borras und war - wiederum als Einspringer - bereits Anfang der laufenden Saison in Massenets "Manon" an der Seite von Patricia Petibon an der Wiener Staatsoper zu erleben. Nun kommt, wie schon an der MET, als Werther wieder auf die Wiener Bühne: Für den nach wie erkrankten Ramon Vargas übernimmt Borras die Titelpartie in den "Werther"-Aufführungen, in denen Angela Gheorghiu ihr Rollen-Debüt als Charlotte feiern wird und Ludovic Tézier den Albert singt (5., 9. und 13. März - am 13. auch in HD-Qualität als Live-Stream; www.staatsoperlive.com)
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  • Streichquartett-Tetralogie im Konzerthaus
    Bei den Cineasten heißt so etwas ein "Remake": Eine Art Rekonstruktion eines historischen Wiener Musikabends stand gestern, Donnerstag, am Beginn einer Art Marathon-Strecke für Musikfreunde, die das Streichquartett als so etwas wie die höchst entwickelte, raffinierteste Gattung der abendländischen Kunst-Musik betrachten: Das Hagen Quartett musizierte genau jenes Programm aus drei Mozart-Quartetten, nach dem Joseph Haydn einst dem stolzen Komponisten-Vater Leopold erklärte, sein Sohn sei der größte Komponist, den er kenne.
    Heute, Freitag, folgt im Quartett-Schwerpunkt das Artemis-Quartett mit slawischen Meisterwerken - Dvorak, Schostakowitsch und Tschaikowsky sorgen für ein Gegengewicht zur "westlichen" Übermacht, während am Samstag das Hugo Wolf Quartett "Kontrapunkte" aus Bachs "Kunst der Fuge" mit Stücken von Anton von Webern, einer Novität von Gerhard Winkler und Beethovens in vielem bis heute ungebremst "modern" wirkendem a-Moll-Quartett op. 132 konfrontiert. Das Eos-Quartett setzt anlässlich seines Auftritst am Sonntag Abend dann mit Beethovens Erstling einen Schlusspunkt, um den kammermusikalischen Marathon mit Michael Vogt als Gast abzurunden, der das Quartett für Schuberts wundervolles C-Dur-Werk zum Quintett aufstockt.
    www.konzerthaus.at

    Kleines Mozart-Wunder bei den "Hagens"

    Am ersten Abend (dem zweiten im Mozart-Zyklus) beeindruckte das Hagen-Quartett durch ungemein lebendiges, agogisch völlig freies, beredtes Spiel. Zwar haben die Salzburger Weltklasse-Musikanten ihren grundsätzlich am vibratogesättigten Schönklang orientierten Stil nicht aufgegeben; gottlob. Aber sie haben von den Originalklang-Musikern gelernt, wie frei, ja anarchisch in Bezug auf den rhythmisch-metrischen Fluss Interpreten einzelne Phrasen der "Klangrede" gestalten werden dürfen, wie Argumente und Gegenargumente charakteristisch voneinander abgesetzt, als krasse Antithesen formuliert werden können. Das Gefühl für die architektonische Formgebung kommt den "Hagens" dabei nie abhanden, doch en détail sind ihre Wiedergaben von dramatischer Spannung erfüllt und voll der überraschenden Pointen, jähen Volten,
    Dabei herrscht auch koloristisch hoher Reichtum: beispielsweise sind die subtil-pastelligen Arabesken, zu denen Sekundgeiger Rainer Schmidt die Zweiunddreißigstel-Figurationen in "seiner" Variation im A-Dur-Quartett (KV 464) macht, ein Ereignis für sich. Dergleichen Feinheiten finden sich zuhauf; und, da bewahrheitet sich Joseph Haydns staunenswerter Satz immer aufs neue, die Bewunderung für die unerschöpflichen Fantasmen diesen Komponisten wächst immer weiter . . .
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  • Junge, dramatische Stimmen für "Turandot" in Bregenz
    Zum Einstand lässt Elisabeth Sobotka, scheidende Intendantin in Graz, kommende Chefin der Bregenzer Festspiel, eine Mauer bauen. Die "chinesische Mauer", genau genommen, bestehend aus 650 Steinquadern, 27 Meter hoch, 72 Meter breit, "bewacht" von 200 (vergrößerten) Repliken der berühmten Terrakotta-Krieger - Regisseur Marco Arturo Marelli wünscht sich eine "monumentale" Aufführung von Puccinis unvollendeter letzter Oper, in der "vollendeten" Fassung Franco Alfanos, gesungen von Sängern, die Susanne Schmidt, Opern-Direktrice der Festspiele, zu beschreiben weiß: man hätte sich für "Stimmen mit dramatischer Kante, aber am jüngeren Ende", entschieden.
    Katrin Kapplusch, Mlada Khudoley und Erika Sunnegardh alternieren in der Titelpartie.
    Den unbekannten Prinzen geben Riccardo Massi, Arnold Rawls und Rafael Rojas.
    Die Bregenzer konnten bereits mehr als die Hälfte der 169.000 Eintrittskarten für das Spiel am See 2015 absetzen.
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  • Mirella Freni zum Geburtstag

    Von Ruhestand ist keine Rede. Gestern ein Gala-Konzert zu ihren Ehren in der Mailänder Scala, morgen, am eigentlichen Jubeltag, ein Festakt in der Heimatstadt Modena: Mirella Freni ist mit 80 höchst aktiv.
    Sie war die Partnerin der größten Opern-Künstler des 20. Jahrhunderts, mit dem „Re di bassi“, Nicolai Ghiaurov, war sie verheiratet, mit Luciano Pavarotti, der ebenfalls in Modena zur Welt gekommen war, teilte sie die Amme; und für Herbert von Karajan war sie im italienischen Fach über viele Jahre hin die erste Wahl für Primadonnenrollen.
    Der internationale Durchbruch der Freni in der bis heute unangefochtenen Zeffirelli-Produktion der „Boheme“ ist legendär: Unter Karajan sang sie die Premieren in Mailand und Wien – und war von da an unangefochtene Publikumsfavoritin. Wobei Wien bis zur Rückkehr Karajans, 1977, warten musste, um die Freni wieder in der Staatsoper erleben zu dürfen.
    Die Kunst, nein zu sagen
    In Mailand gab die Sängerin in der ersten Euphorie dem Maestro nach und ließ sich auch als Violetta in einer neuen „Traviata“ aufs Programm setzen. Das ging beinah schief. Doch ab sofort durfte die Sopranistin Karajan auch nein sagen. Zuletzt tat sie das, als er sich wünschte, sie möge Ende der Siebzigerjahre noch einmal die Mädchenpartie der Nanetta in Verdis „Falstaff“ singen. Sie wäre gern die Alice in der Salzburger Festspielinszenierung gewesen. Aber das sollte nicht mehr sein.
    Dafür war die Freni die unvergessliche Elisabeth in „Don Carlos“ und eine hinreißend schön und gefühlvoll singende „Aida“, der man nicht anhörte, wie schwer diese Partie (für alle Konkurrentinnen) zu singen ist . . .
    Für Wiener Musikfreunde ist und bleibt diese Künstlerin die Inkarnation der Mimi. Sie sang freilich auch Puccinis Manon, Verdis Desdemona und die Amelia in „Simon Boccanegra“; oder die beiden großen Tschaikowskys-Frauenrollen, Tatjana und Lisa, makellos und berührend.
    Regie-Untaten: nicht einmal ignorieren!
    Kaum eine Sängerin hat sich so erfolgreich gegen den in deutschsprachigen Landen grassierenden Regie-Wahnsinn gestemmt wie sie. Ex-Intendanten, die heute behaupten, werkgerechte Inszenierungen würden den Fortschritt der Gattung Oper bremsenm ließen für sie Bühnenbilder umbauen, wenn sie befand, diese entsprächen nicht dem, was das Textbuch vorgibt, und setzten selbstverständlich völlig realistische Neuinszenierungen an, wenn die Freni in einer bestimmten Partie debütieren wollte.
    Nun feiert die Künstlerin am 27. Februar ihren Achtziger und gibt, gottlob wirklich vergnügt und jung geblieben, dem Sängernachwuchs gern sehr traditionsbewusste, also höchst zukunftstaugliche Ratschläge . . .
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  • Man lernt nie aus: Wer war Giovanni Battista Cirri?
    Sie haben den Namen auch noch nie gehört? Dann sollten wir alle heute ab 13.05 Uhr Albert Hosp auf Ö1 lauschen. Der hat einen Haydn-Zeitgenossen für sich entdeckt, der anlässlich der Vorstellung des kindlichen Wolfgang Amadé Mozart in London im Publikum gesessen sein soll. Wie auch immer, Cirri (1724 bis 1808), hat Cello-Sonaten komponiert, die Catherine Jones erstmals aufgenommen hat. für Hosp ist das die „CD der Woche“.

    Auch online zu hören:
    oe1.orf.at
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  • Lucio Silla in Mailand ohne Villazon
    Rolando Villazon ist erkrankt und muss anlässlich der Aufführungsserie von Mozarts zweiter großer "Mailänder" Oper, "Lucio Silla", durch Kresimir Spicer ersetzt werden. Bei der Inszenierung Marshall Pynkoskis handelt es sich übrigens um eine jener Produktionen, die Scala-Intendant Alexander Pereira von den Salzburger Festspielen "eingekauft" hat, was ihm einige unruhige Monate beschert hat: Vom "Interessenkonflikt", um dessentwillen man den Intendanten-Vertrag des Salzburger Ex-Festspielchefs zunächst auf eineinhalb Spielzeiten beschnitten hatte, ist nun aber nicht mehr die Rede. Pereira bleibt, wie gemeldet, Scala-Direktor bis 2019 . . .
    "Lucio Silja" gibt man noch am 3., 12., 14. und 17. März in Mailand. Am Dirigentepult steht Marc Minkowski.
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  • Gerhard Rohde ist tot
    "Nach kurzer, schwerer Krankheit", wie es so oft heißt, ist Gerhard Rohde gestorben. Er war der Doyen der deutschen Musikkritik, hat jüngst mit 83 noch eine schöne Auszeichnung, den "Happy New Ears"-Preis , "für sein Lebenswerk" bekommen. Das ist erfreulich - "Happy New Ears" hatte er ja sein ganzes Kritiker-Leben lang, allem aufgeschlossen und auch nicht zimperlich, wenn es darum ging, nicht alles, was neu ist, gleich für gut zu halten.
    Für mich war er über den (auch ästhetischen) Weißwurst-Äquator hin beinah ein Freund; jedenfalls mein liebster Gesprächs- und Streitpartner unter den deutschen Kollegen. Ganz zuletzt hat er mir (nicht nur, aber vor allem, was Regie-Schwachsinnigkeiten betrifft) sogar immer öfter recht gegeben. Auch dafür sei er nun noch einmal bedankt. Sein Witz, seine wunderbar dezente Ironie, sein grumbelnder Charme, seine Sachkenntnis werden den Lesern - werden mir fehlen.
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  • Was hat Friedrich Cerha denn gegessen?
    Weil manche Leser nachgefragt haben: Friedrich Cerhas Lieblings-Mehlspeis' ist, wie sich im Schönberg Center nach dem Konzert herausgestellt hat, die Malakoff-Torte . . .
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  • Zum Tod des Komponisten Charles Kálmán
    "Am Morgen danach", "Der Lebemann", "Schicksalswalzer", so lauten die Titel einiger Schlager aus seiner Feder: Charles Kálmán, Sohn des großen Operettenmeisters Imre, ist am 22. Februar in München gestorben. Die Karriere des 1929 in Wien geborenen Komponisten begann im amerikanischen Exil, wo er Shows für den Broadway mit Musik versah. Die von seinem Vater begonnene Operette "Arizona Lady" vervollständigte der Sohn für die Uraufführung, die nach Emmerich Kálmáns Tod 1954 in Bern stattfand. Die Schlager von Charles Kalman sangen Unterhaltungs-Stars wie Margot Werner, Ute Lemper oder Harald Juhnke.
    In Zeiten, in denen der ORF noch anspruchsvolle künstlerische Sendungen selbst produzierte, komponierte Kálmán die TV-Operette "Antonia" nach einem Text von Hugo Wiener. Das war 1971. Sein ganzes Leben lang hat Charles Kalman aber auch die "ernste Muse" geliebt und gepflegt: Schon in seiner Studienzeit in Paris, nach dem amerikanischen Exil, überließ ihm Jean Cocteau das Libretto zu einer Opéra comique "Paul et Virginie", das er für Erik Satie gedichtet hatte, zur Vertonung. Musikalisch war Kálmán junior damals durchaus vom harmonisch scharf gewürzten Stil seines Lehrmeisters Darius Milhaud und dessen Umfeld der Gruppe "Les Six" beeinflusst. Das Stück kam allerdings erst Jahrzehnte nach seiner Entstehung in den USA zur Uraufführung. Ein später Liederzyklus nach Gedichten von Else Lasker-Schüler wurde im Jahr 2000 im Rahmen der "Jüdischen Wochen Dresden" uraufgeführt.
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  • Zemlinskys Klaviermusik auf Brilliant Classics. 


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  • Unterhaltendes vom Opern-Meister: Zemlinskys Klaviermusik auf CD
    Alexander von Zemlinsky hat man in den vergangenen Jahrzehnten wieder schätzen gelernt als stürmischen Musikdramatiker. In jungen Jahren hat der Meister des Expressiven auch Klaviermusik komponiert. Tänze zunächst, nach Brahms’schem Vorbild, Lieder ohne Worte nach Dehmel-Gedichten – der Geliebten gewidmet, als sie schon Alma Mahler hieß. Das alles tönt weniger nach Musikdrama als nach wienerischer Unterhaltungsmusik des Fin de siecle. 1902 folgt als Nachzügler - und tatsächlich fürs Theater - noch „Ein Lichtstrahl“ (erinnert man sich noch zweier verschiedener „Erstaufführungen“ im Konzerthaus?) – Die Dreiecksgeschichte, gar nicht tragisch, sondern eher kabarettistisch-doppelbödig, mündet in einen charmanten Walzer.
    Emanuele Torquati hat Zemlinskys Klaviermusik komplett auf einer CD vorgelegt. Hörenswert, wenn man sich nicht Opernhaftes erwartet, sondern eher Salonmusik auf hohem Niveau.
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  • Sebastian Weigles Visitenkarte: Erfolg auf glattestem Parkett
    Womit debütiert ein aufstrebender Kapellmeister am Pult der Wiener Symphoniker. Würde man das als Preisfrage formulieren, kämen heutzutage ein paar notorische Straßenfeger als Antwort: Die „Symphonie fantastique“, Mahlers Erste oder Fünfte, Strawinskys „Feuervogel“ oder eine Schostakowitsch-Symphonie. Das sind Stücke, bei denen in Wahrheit überhaupt nichts schiefgehen kann. Sie wirken auf jeden Fall, die Orchester haben sie „drauf“ und man geht als Interpret kein wie immer geartetes Risiko ein.
    in diesem Sinne darf man gespannt sein, was der Frankfurter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle im kommenden Dezember aufs Programm setzten wird, wenn er offiziell das erste Mal am Pult der Wiener Symphoniker stehen wird. Er hat sich freilich quasi selbst überholt, indem er am vergangenen Wochenende für den erkrankten Wladimir Fedosejew einsprang und dessen Programmfolge unverändert übernahm.
    Also kam Weigle in den Genuss von Rimskij-Korsakows „Scheherazade“, die durchaus ins obige Schema passt. Im ersten Teil des Konzerts aber gab man Musik von Carl Maria von Weber. Und das würde sich kein junger Dirigent je für ein Debüt-Konzert aussuchen.
    Warum? Webers Werke zählen zum Heikelsten, das im frühromantischen Repertoire zu finden ist. Heutzutage stilistisch so „befleckt“ wie Barock oder Klassisches, weshalb ja sogar Mozart-Symphonien beinah vollständig aus dem großen symphonischen Repertoire verschwunden sind; von Haydn ganz zu schweigen.
    Weber nun legt Weigle die interpretatorische Doppelmühle: Hie die hochromantische „Freischütz“-Ouverture, kräftig vorbelastet einerseits durch den heutzutage gern als Makel denunzierten Geruch deutscher Romantik, andererseits durch legendäre Darbietungen unter der Leitung von Koryphäen wie Karl Böhm oder Carlos Kleiber. Dergleichen blendet ein Wiener Konzertbesucher ja nicht aus.
    Da die erste der beiden Symphonien des jungen Weber, vermutlich noch schwierigeres Terrain, denn hier konfrontiert sich ein jugendliches Genie, zum Dramatischen geboren, mit der strengen klassischen Form. Weber löst das Problem auf zauberhaft-naive Weise, indem er Theatralisches als formgebendes Element in die „absolute“ Sonatensatz-Zone hereinholt.
    Das hat Weigle durchschaut. Er spielt damit souverän: Der allgemein als schwach geltende langsame Satz der Symphonie wird bei ihm zur spanenden Opernszene ohne Worte, getragen von ungemein beredten Holbläsersoli. Die Klarinette hatte schon in der Ouvertüre ihren großen, hinreißenden Auftritt, nun folgten einschmeichelnd die Oboe und – im Finalsatz besonders beherzt und mit Witz – die Flöte. Die tiefen Streicher hatten gleich in den ersten Symphonietakten sinistre Stimmungsmalerei beigetragen und damit bewiesen, dass der Boden unterminiert ist, auf dem das symphonische Gebäude hier zum Stehen kommen wird.
    Solch ausdrucksvoll bildhaftes Durcheinander geordnet zu haben, indem die klassischen Form-Vorgaben auf Punkt und Komma erfüllt wurden, ohne dass die Buntheit und differenzierte Erzählfreude der höchst unterschiedlichen Details dadurch beschnitten worden wäre, das war Weigles großes Verdienst.
    Die Symphoniker dankten dem umsichtigen Kapellmeister sein Engagement mit ungemein subtilem, gefühlvollem Spiel, zauberten herrliche Pianissimi hervor und wahrten im Ausdrucks-Furor zwischendrin, wie im Geschwindigkeits-Rausch des quriligen Finales das Reinheitsgebot: Ungestörter Schönklang war vom ersten bis zum letzten Ton Trumpf.
    So vielsagend, so überzeugend kann ein Dirigent mit eingangs geschildertem Virtuosen-Repertoire seine Visitenkarte gar nicht abgeben. Sebastian Weigle mag nun im Dezember dirigieren, was er mag. Dass er einer der wirklich führenden Kapellmeister seiner Generation ist, hat er mit seiner Einspringer-Präambel auf schwierigstem symphonischem Parkett bewiesen.
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  • Dissonanzen, Jubiläen, klingende und kulinarische Krampflöser.
    Oder: Was isst Ffriedrich Cerha gern?

    Am Dienstag (24. Februar) ist es so weit: Man gibt ein großes Fest. Es ist ja so, dass dieser Tage hohe Geburtstage anstehen. Da ist einmal Pierre Boulez, der 90 Jahre alt wird. Darauf werden wir in diesem Rahmen noch zurückkommen müssen, denn Boulez ist wohl eine der prägenden Figuren der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts – und hat sein Schärflein dazu beigetragen, dass diese auf ehrenvolle Weise den Grenzübertritt ins 21. Jahrhundert geschafft hat.
    Morgen aber geht es um Friedrich Cerha, von dem man jetzt, oberflächlich betrachtet, behaupten könnte, er sei der österreichische Boulez; gleich bedeutend als Komponist und in seinem Wirken als Interpret und Promotor ist er jedenfalls. Aber in Wahrheit kann man die beiden Persönlichkeiten nur schwer miteinander vergleichen. Zu unterschiedlich sind sie in Temperament und Selbstdarstellung. (Das gleiche Sternzeichen fruchtet da offenbar wenig . . .)
    Cerha wird 89. Die Zahl ist bei einer solchen Koryphäe rund genug, dass eine Runde von Musikanten im Arnold Schönberg Center ein Fest ausrichtet. Der Saal am Schwarzenbergplatz ist deshalb der geeignet Ort für diese Zelebration, weil Cerha kraft seines Amtes als Gründer und Leiter des Ensembles „die reihe“ unendlich viel für Schönbergs Nachruhm getan hat.
    Zum Wirken des „Ahnvaters“ der musikalischen Moderne, wusste Cerha – wie übrigens auch Boulez – kompositorisch eine Antithese zu formulieren. Beide Meister, so gegensätzlich sie uns auch scheinen mögen, haben früh in ihrer Karriere geahnt, dass die Zukunft der sogenannten Neuen Musik nicht in der unbedingten Gefolgschaft eines großen Vorbilds liegen kann; dass, um weiterhin nur mit den edelsten Namen herumzuwerfen, Igor Strawinsky genau so vorbildhaft wirken kann und muss wie der Wiener Lehrmeister.
    Und dass man sich als kluger Student früh genug von allen Professoren zu lösen wissen muss. So sind sie beide geworden, was sie sind. Die Geburtstagsfeste für Pierre Boulez sind erst in Planung. Zu Friedrich Cerha können wir aber Dienstag Abend pilgern, um ihm zu gratulieren.
    Ab 18.15 Uhr plaudert Christian Meyer mit dem Jubilar. Danach gibt es es Cerha-Musik – und auch ein Stück des Patrons: Die „Verklärte Nacht“ erklingt im Arrangement für Klaviertrio. Das ist ja eines jener Gipfelwerke der Moderne, bei dem verängstigte Konzertbesucher über die Jahrzehnte hin immer wieder draufgekommen sind, dass es in der Musikgeschichte in Richtung der Emanzipation des Dissonanz eine relativ bruchloser Weg geführt hat und dass manches von Richard Strauss waghalsger klingt als dieses ursprünglich für Streich-Sextett komponierte Tongedicht nach Richard Dehmel.
    Den wiederum assoziieren manche Kultur-Konsumenten in populistischer Vermengung von Lyrik und Süßigkeit gern mit einer Konditorei, was nicht nur wegen des Dehnungs-Hs leicht als Irrtum zu entlarven wäre.
    Wenn es denn sein muss, denn immerhin versteht man sich beim Demel einen Reim auf Patisserie-Rezepte zu machen. Das braucht's, einen bedeutenden Komponisten adäquat zu würdigen. Im Schönberg Center serviert man am 24. Februar nicht nur Musik, sondern auch Friedrich Cerhas Lieblingstorte. Wer wissen möchte, welche das ist, verkostet die Antwort am besten selbst und ist morgen zur Stelle. Ein Tipp zu des Rätsels Lösung: Der Name der Köstlichkeit tönt eher nach Strawinskys Umfeld als nach dem Schönbergs . . .
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  • Bayerische Staatsoper: Der Vorhang streikte am falschen Abend
    Ein bisschen Chaos ist manchmal ganz erfreulich. Manchmal findet es aber am falschen Tag statt. An der Bayerischen Staatsoper geht es jedenfalls auch nicht immer zu wie im Opern-Bilderbuch. Am Mittwoch wollte sich der Eiserne Vorhang partrout nicht hochziehen lassen; also gab man "Cosi fan tutte" semikonzertant - dann fiel zu allem Überfluss in der Pause auch noch die Dorabella aus und musste ersetzt werden. Manche Wagnerianer hätte sich zumindest den Vorhangstreik am Freitag ersehnt. Da gab man wieder Andreas Kriegenburgs postmodern-beliebige "Rheingold"-Inszenierung, die sogar den einzigartigen Beginn dieses Werks völlig vergeigt. Kirill Petrenko begann seine "Ring"-Arbeit als Bayerischer Generalmusikdirektor also szenisch nicht unter idealen Umständen.
    Auch was die Besetzung betrifft, hat ihn sein Intendant im Stich gelassen. Die Hauptfigur im Spiel, der Wotan von Thomas J. Mayer, ist denn für ein solches Haus doch eine allzu blasse Figur. Auch der Rest der Besetzung ist - abgesehen von Elisabeth Kulmans Fricka und den beiden grandiosen Riesen von Günther Groissböck und Christof Fischesser - nur solides Mittelmaß.
    Einzige große Ausnahme: Der Alberich Tomasz Koniecznys, dessen vokale Gestaltungskraft als einzige mit der immensen Leistung des Orchesters konkurrieren konnte: Wie Petrenko das dramatische Geschehen bei minutiöser dynamischer und farblicher Differenzierungskunst beständig im Fluß hält, das gehört zu den raren echten "Interpretationen" unserer Tage - und bietet die perfekte Antithese zum peinlich inhaltsleeren Scharaden-Spiel auf der Bühne. Man wünscht dem musikalisch nun neu beginnenden Münchner "Ring"-Projekt mehr "Sternminuten" wie jene, die sich diesmal bei Alberichs Fluch einstellten. (Bis 5. April - www.staatsoper.de)
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  • Einmal noch: Jansons mit dem Concertgebouw Orchester - heute Abend!
    Das ist vermutlich unwiderruflich das letzte Mal, dass wir Mariss Jansons als Dirigent des Concertgebouw Orchesters erleben können: Heute Abend beschließt eines der für diesen Maestro so typischen Effekt-Programme das Kurzgastspiel im goldenen Musikvereinssaal: Debussys "iberia", Tänze aus dem "Dreispitz" von de Falls und Respighis "Pinien von Rom" dienen als Demonstrationsobjekte orchestraler Virtuosität.
    Ein gehaltvolles Programm mit Werken der beiden Antipoden Richard Strauss und Gustav Mahler machte gestern, Mittwoch, den Anfang: Jansons konfrontierte jene Konzertwerke der beiden Meister miteinander, in denen sie die gewohnten Riesenbesetzungen zugunsten (im Falle Malers beinahe) kammermusikalischer Strukturierungen verringerten. Die filigrane Suite aus dem "Bürger als Edelmann" ließ hören, warum so wenige Dirigenten es wagen, das Stück aufs Programm zu setzen: Dazu braucht's geschliffene Feinarbeit - das Concertgebouw-Orchester leistet sie. Gleich der erste Einsatz verrät das Raffinement, mit dem an der dynamischen Differenzierung gefeilt wurde.
    Die solistische Brillanz der ersten Bläser oder der Solo-Cellistin kam dann auch Mahlers Vierter zugute, in der Jansons vor allem die Poly- und Heterophonie betonte, die rücksichtslose pittoreske Strichführung des "Klangmalers" Mahler, der lyrisch-zarte Pastellbilder mit grellen, schrägen, schrillen Effekten durchkreuzt, übermalt, konterkariert. Aufregend - und zuletzt in den Hafen kurios-stiller Einkehr gesteuert durch samtweich strömende Sopransolo Dorothea Röschmanns, die kurzfristig für Genia Kühmeier eingesprungen war. Berührend, dass Jansons mit diesem Programm an die singuläre Strauss- und Mahler-Tradition seines Amsterdamer Meister-Orchesters anknüpfte - und so einen beziehungsvollen Schlusspunkt hinter sein Amsterdamer Jahrzehnt setzte: Mit ihm verliert Amsterdam einen Meister, der gerade in diesem für das Orchester so schicksalsträchtigen Repertoire bemerkenswerte Zeichen zu setzen verstand.
    2016 geht die Concertgebouw-Führung an Daniele Gatti.
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  • Aida aus Mailand: Am 21. Februar live in Servus-TV
    Die Reprise von Peter Steins "Aida"-Inszenierung unter Zubin Mehtas Leitung an der Scala wird am 21. Februar im Hauptabendprogramm übertragen.
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  • "Aida" an der Scala: Gerichtsszene mit Anita Rachvelishvili in Ferdinand Wögerbauers Bühnenbild [©ServusTV_Monti)

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  • Aschermittwoch der Künstler in der Hofburgkapelle

    Als Benefiz-Veranstaltung zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung treffen einander Künstler aus unterschiedlichen Sparten am Aschermittwoch (17 Uhr) in der Hofburgkapelle. In Zusammenarbeit mit dem Max Reinhardt Seminar gibt es unter dem Motto "Sisyphos" biblische Texte, literarische Zitate von Camus und anderen, gelesen von Sunnyi Melles. Außerdem gestaltet Jacqueline Kornmüller mit den Wiener Sängerknaben eine "gestische Intervention" zu Franz Schuhs Videointerview „Über die Zukunft“. Hans Hoffer setzt den Nachmittag "in Szene" und bezieht dabei die visuellen und akustischen Möglichkeiten der Wiener Hofburgkapelle ein..Das Musikprogramm (mit Hoforganist Wolfgang Kogert, der Choralschola, den Sängerknaben und Mitgliedern der Wiener Philharmoniker) reicht von der Gregorianik, Haydn und Ravel bis zu Orgelwerken von Friedrich Cerha und einem Klavierzyklus von Gerd Kühr.

    Anmeldungen unter office@hofmusikkapelle.gv.at oder der Wiener Telefonnummer 533 99 27
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  • Ein Radio-Tipp - diesmal rechtzeitig: Zednik hören!
    Gottfried Cervenkas Faschingdienstag-Sendung auf Ö1.
    Opernjubiläen am laufenden Band - 45 Jahre Edita Gruberova an der Wiener Staatsoper haben wir bereits gefeiert. Nun folgen die umrahmenden Herren der Schöpfung: Alfred Sramek wird dieser Tage aus Anlass des 40. Jahrestags seines Debüts geehrt. Und Heinz Zednik feiert nicht nur einen runden Geburtstag, sondern auch das unglaubliche halbe Staatsopern-Jahrhundert! Aus diesem Anlass gibt es nicht nur die schon erwähnte Ausstellung im Eroicasaal des Theatermuseums, das ja vernünftigerweise seit kurzem auch die historische Sammlung der Staatsoper beherbergt.
    Gottfried Cervenka gestaltet seine Faschingsdienstags-Sendung auf Ö1 (15.05 Uhr) mit dem in jedem, auch im komischen Fach unschlagbaren Charaktertenor, der live als Gast ins Studio kommt.
    Diesmal also mein Radio-Tipp zu "Apropos Musik" mit Gottfried Cervenka rechtzeitig und nicht erst während der Sendung: Es gibt ja ein Preis-Rätsel, CD-Preise zu gewinnen; und drei Zednik-Portraits (CD+DVD)!
    Dienstag, 15.05 Uhr - Ö1
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  • Peter Steins "Aida"-Inszenierung an der Scala
    Da ist dem Einjahres-Intendanten Alexander Pereira ein Coup geglückt: Er übernahm Peter Steins Moskauer Inszenierung von Verdis "Aida", ein gemeinhin als uninszenierbar geltendes Stück - und reüssierte glänzend. Denn die Hürde namens "Triumph-Akt" nahm Altmeister Stein in der ihm eigenen Gelassenheit. Ein Massenumzug samt Blaskapelle sieht aus, wie er aussieht: ein Massenumzug samt Blaskapelle. Da gibt es nichts regietheaterlich zu deuteln. Verdi türmt Solostimmen und Chor zu imposanten Klang-Agglomerationen. Peter Stein arrangiert Solisten und Statisten zur ebenso imposanten Theater-Architektur. Unter Weglassung des Balletts löst sich die notorische Peinlichkeit in realistische Kolportage auf: Man zelebriert einen miltärischen Sieg, wie's im Libretto steht.
    Der Rest der Oper ist ohnehin intim konzentriertes Spiel liebender, eifersüchtiger und/oder machtbesessener Menschen - und auf dieses versteht sich Stein wie kaum ein Regisseurs-Kollege. So werden an der Mailänder Scala Schicksale sichtbar: die Königstochter, die in den Kriegshelden vernarrt ist, der wiederum Sklavin viel begehrenswerter findet als die Herrin. Die Tochter, die zwischen Familienehre und liebender Zuneigung beinah zerbricht. Die Eifersucht zwischen den beiden Frauengestalten, all das, was Verdi mit seismographischen musikalischen Mitteln präzis zeichnet, wird in behutsam choreographierte Bewegung umgesetzt.
    Da brilliert das gesamte Ensemble: Die weltweit derzeit meistbeschäftiigte Aida der Kristin Lewis wie die machtvolle Amneris von Anita Rachvelishvili, der Amonasro des George Gagnidze wie der als Einspringer für den erkrankten Fabio Sartori aus Rom eingeflogene Massimilano Pisapia als Radames. Carlo Colombara ist der Pharao, Matti Salminen der vokal nicht mehr ganz so gewaltige, aber höchst würdevoll auftretende Hohepriester Was - manchem sehr, manchem noch viel mehr - an stimmlichem Feingefühl fehlt, ersetzt ebenso temperamentvolles wie sensibles Spiel voll und ganz. Musiktheater überzeugt manchmal auch, wenn die Betonung mehr auf dem Theater liegt. Das ist die spannende Erfahrung dieser Premiere.
    Zumal Zubin Mehta das Orchester der Scala zu höchst farbenprächtigem und nervös-intensivem Spiel animiert - womit auch klingend manch vokale Unebenheit austariert wird. Sowohl vom Dirigenten als auch vom Regisseur wird diese Aufführung jedenfalls beständig in Schwung gehalten.
    Die Bilder Ferdinand Wögerbauers geben mit schlichter Quader-Architektur den soliden Rahmen ab, beleuchtet wird mit Sinn für Poesie und Stimmungsmalerei - und die Kostüme orientieren sich dezent an dem, was laut Textbuch erzählt werden soll: eine Geschichte aus dem alten Ägypten. Dergleichen ist in deutschsprachigen Landen ja fast nicht mehr möglich. In Mailand schert man sich aber nicht um den Geschmack einiger Rezensenten sondern versucht, das Publikum zu erfreuen und mit dem Stück zu konfrontieren, das auf dem Abendzettel angekündigt ist. Das gelingt ganz offensichtlich. Gerade bei einem Stück, das notorisch schwierig zu besetzen ist, ist handwerklich sichere Regiearbeit, wie sich zeigt, ziemlich hilfreich . . .
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  • Neuer Intendant für Wiens RSO: Ein Etappensieg
    "Wir können das RSO nur voranbringen, wenn wir alle vier an einem Strang ziehen“. Also sprach Christoph Becher, frischgebackener Intendant des Symphonieorchesters des österreichischen Rundfunks.
    „Alle vier“, das sind neben Becher die Herren Alexander Wrabetz, Karl Amon und Cornelius Meister. Die Quadriga ist vor dem geistigen Auge des heimischen Kulturmenschen ein seltsamer Anblick.
    Denn dass Cornelius Meister seine Arbeit gut macht, das weiß man mittlerweile. Sein Vertrag wurde denn auch bis 2018 verlängert. Dass Christoph Becher ein exzellenter Kenner des Metiers ist, weiß man auch seit seiner Tätigkeit im Wiener Konzerthaus. Er könnt als Intendant künstlerisch gewinnbringend agieren, wenn ihm die beiden anderen Wagenlenker entsprechend dabei helfen.
    Dass sich die Hörfunk-Gewaltigen (noch in der Argentinierstraße) und die Rundfunk-Granden auf dem von den Orchester-Agenden in olympischen Fernen entrückten Küniglberg plötzlich als engagierte Freunde des RSO erweisen werden ist nach allen bisherigen Erfahrungen freilich eine kühne Vision.
    Bis dato gab es in der Chronik jenseits von programmatischen Verkündigungen wenig Greifbares diesbezüglich zu verzeichnen. Man kann sich erinnern, wie viel gar nicht sanfter Druck von Seiten der Öffentlichkeit – mutiger Aktionismus des ehemaligen Chefdirigenten Bertrand de Billy inklusive – nötig war, um den Bestand des Orchesters überhaupt zu sichern!
    So lange ist das nicht her und der Orchester-Tod schwingt seine Sichel in Europa ja weiterhin; dass das sogenannte „Musikland Österreich“ ihm kein Schlachtfeld geboten hat, war jedenfalls nicht wirklich der ORF-Strategie geschuldet.
    Freuen wir uns also, dass mit der Bestellung Bechers ein ausgewiesener Fachmann gefunden wurde und werten es als Zeichen, dass die Rundfunk-Generalität den Kulturauftrag plötzlich doch ernst nimmt; zumindest was das Orchester betrifft, das man nicht loswerden konnte . . .
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  • Auf zu den Karmeliterinnen - nach Klagenfurt

    Mein Kollege Harald Haslmayr schwärmt von der Neuproduktion der "Gespräche der Karmeliterinnen" in Klagenfurt. Es stellt allerdings ein Wagnis dar, ein so anspruchsvolles Werk der jüngeren Musikgeschichte in einem Landestheater herauszubringen. Umso mehr: Kompliment den Kärntnern und ihrem Generalmusikdirektor Alexander Soddy für dieses offenbar vollständig geglückte Experiment. Francis Poulencs Musikdrama gehört ja wirklich zu den packendsten Opern-Krimis! Unter den Klagenfurter Darstellern eine gute Bekannte, die schon in der legendären Produktion des Theaters an der Wien dabei war - allerdings in einer neuen Partie, zurück im Mezzo-Fach: Heidi Brunner.

    Erste Reprise: heute, Samstag. Zum Spielplan: http://www.stadttheater-klagenfurt.at/de/spielplan-karten/

    zur Rezension: http://diepresse.com/home/kultur/news/4662455/Klagenfurt_Opernkrimi-im-Karmeliterinnenkloster?_vl_backlink=/home/kultur/news/index.do

    Intensive "Gespräche": Heidi Brunner und Laura Tatulescu  (c) J.L. Fernandez 


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  • Josephs Legende: Die Erinnerung trügt nicht 
    Die Aufführungsserie der Neueinstudierung von John Neumeiers Richard-Strauss-Ballett geht zu Ende. Letzte Vorstellung: 14. Februar. 
    Die Erinnerungen an die ursprüngliche Version in den Dekors von Ernst Fuchs verblassen deshalb nicht. Der"phantastische Realist" feiert am 13. seinen 85. Geburtstag, und wie "Josephs Legende" in seiner Ausstattung ausgesehen hat, das ist gottlob dokumentiert; als Film-Produktion mit der Erst-Besetzung: Judith Jamison als langgliedrige, ihr Opfer katzenhaft umschleichende Frau Potiphar, und Kevin Haigen als Unschuldslamm von einem Joseph, tanzten im Juni 1977 in den Studios auf dem Rosenhügel, die Philharmoniker spielten unter Heinrich Hollreiser den "Soundtrack" ein. Das Ergebnis ist, das erweist sich bei jedem Wiedersehen, ein zeitlos aufregendes Dokument - Ballettgeschichte zum Nachkontrollieren (auf DVD bei Deutsche Grammophon).
    Kevin Haigen und Judith Jamison (DVD: DG 00440 0734315

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  • Franz Schubert und die Moderne: heute Abend Preisträgerkonzert in Graz
    Junge österreichische Interpreten haben offenbar in Sachen Schubert so wenig zu sagen wie bei der Präsentation Neuer Musik. Jedenfalls findet sich kein einziger Österreicher unter den Preisträgern des diesjährigen Wettbewerbs "Schubert und die Musik der Moderne". Die Grazer Kunst-Uni hat im Auswahlverfahren Sänger aus Deutschland, Kammermusikensembles aus Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Japan, Korea und Italien ermittelt. Anlässlich des Galakonzerts der Preisträger im Stefaniensaal kann das Publikum heute noch einen eigenen Preis vergeben! (Beginn um 19 Uhr)
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  • Katharina Wagner: Rausschmiss in Buenos Aires
    Der Intendant des Teatro Colon in Buenos Aires hat die Komponisten-Urenkelin und Bayreuth-Chefin "ausgeladen". Katharina Wagner sollte den "Parsifal" inszenieren und wurde nun durch den Argentinier Marcelo Lombardero ersetzt, der laut Intendanz "ein höheres künstlerisches Niveau erreicht" hätte. Der ungewöhnliche Schritt hat freilich für außenstehende Beobachter den Anschein eines Racheakts. 2012 hatte Katharina Wagner kurzfristig die Regie für den "Ring des Nibelungen" wegen "unzulänglicher Probenbedingungen", die ihrer Meinung nach am Teatro Colon herrschten, zurückgelegt . . .
    Die "Parsifal"-Premiere ist für 4. Dezember 2015 avisiert. Am Dirigentenpult steht der Wiener Roberto Paternostro, die Titelpartie singt Christopher Ventris, die Kundry Irene Theorin. Kostümbildner der Produktion ist übrigens Thomas Kaiser, der auch den von Christian Thielemann dirigierten neuen Bayreuther "Tristan" ausstattet, mit dem heuer am 25. Juli die Bayreuther Festspiele anheben. Regie: Katharina Wagner. Dabei wird es vermutlich bleiben . . .
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