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    Vorschlag für einen gemütlichen Sonntagabend: Radio hören!
    Wer den Sonntag in Ruhe ausklingen lassen und dabei Musik kennenlernen möchte, hat an diesem Wochenende Gelegenheit dazu. In Ö1 serviert Johannes Leopold Mayer ab 19.30 Uhr Eine "Ringstraßen-Symphonie". Musik von Komponisten, die sozusagen aus der zweiten Reihe die Gründerzeit musikalisch mitgestaltet haben. Der Südtiroler Johann Rufinatscha, dessen Schüler Ignaz Brüll und Robert Fuchs, der sogenannte "Serenaden"-Fuchs, dessen leichtgewichtige, aber melodiösen Serenaden von manchen Zeitgenossen dank ihrer Anspruchslosigkeit den symphonischen Großkalibern von Bruckner und Brahms vorgezogen wurden. Über die Komponisten, die alle dem Brahms-Kreis zuzurechnen waren, gab es manche Anekdote. Die bösartigste wohl über Brülle, der in der Regel an der Seite von Brahms zum Abendessen im "Roten Igel" erschien. Als er einmal ausblieb und sich die Freunde nach ihm erkundigten, soll Brahms angemerkt haben: "Der Ignaz hat grad ein Lied komponiert: in C-Dur begonnen, findet er sich plötzlich in Fis-Dur und jetzt weiß er nicht, wie er wieder zurückkommt . . ." Auf Robert Fuchs münzte man in Wien den Kalauer: "Fuchs, die hast du ganz gestohlen!" Vielleicht bezog sich die Kinderlied-Paraphrase auf die Serenade Nr. 5, die diesmal auch auf dem Ö1-Programm steht. Sie zitiert wirklich manche Melodie von Johann Strauß, allerdings ganz offiziell: Das Stück ist dem Walzerkönig gewidmet.
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    Wilma Lipp ist 90
    Nicht viele Opernfreunde werden sich an Auftritte der legendären Koloratursopranistin in ihrer Glanzzeit erinnern. Aber alle, die über musikalische Qualität mitreden möchten, können nachhören.
    Mit 19 war die Wienerin Mitglied des Staatsopern-Ensembles, mit 26 jüngste Kammersängerin aller Zeiten. Allein die Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ hatte sie schon 1956, als sie sich nach der Wiedereröffnung des Hauses am Ring von der Partie verabschiedete, 132 Mal gesungen! Über lange Zeit war sie die erste Besetzung für Rollen wie die Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“, die Nedda im „Bajazzo“ oder die „Rosenkavalier“-Sophie. Die Konstanze in Mozarts „Entführung“ nicht zu vergessen, wo ihr Vermögen, virtuose Tongirlanden mit Herz und sattem Klang zu absolvieren, so ein- wie ausdrucksvolle Wirkung zeitigte. In kleineren Partien – etwa als Leitmetzerin im „Rosenkavalier“ – war die Lipp noch bis Anfang der Achtzigerjahre zu erleben
    Und wenn schon vom „Nachhören“ die Rede war: Am kurzweiligsten erleben „Nachgeborene“ Lipps Kunst auf der 1950 entstandenen „Fledermaus“-Aufnahme unter Clemens Krauss, wo sie ihre Leib- und Magen-Rolle, die Adele, bravourös gestaltet.
    Wer hören will, wie viele verschiedene Bedeutungen ein und dieselbe, scheinbar immergleiche Koloratur annehmen kann, wenn eine Sängerin in die Musik auch den Text und seinen Sinn zu binden versteht, kommt bei „Spiel' ich die Unschuld vom Lande“ 4 Minuten, 20 Sekunden aus dem Staunen nicht heraus (und hört dann hoffentlich die ganze Aufnahme von vorn an; eine bessere find't er nicht . . .)
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    Premiere "Don Pasquale" an der Staatsoper
    Irina Brook hat Donizettis wunderbare Komödie in der Art eines großen Opern-Cartoons inszeniert. Frisch, frech, quirlig - als slapstickdurchwirkte, ideale Buffo-Umgebung für Interpreten mit Herz.
    Solche hat die Staatsoper aufzubieten: Juan Diego Florez, allen voran, den eloquenten, eleganten Belcanto-Tenor schlechthin. Fein, dass er wieder einmal in einer Partie glänzen darf, in der die brillanten Spitzentöne nicht die Hauptsache sind, sondern eine höchst erwünschte Zuwaag zu erfülltem, ausdrucksvollem Gesang.
    Den bietet auch Valentina Nafornita als Norina, kokett, doch durchaus auch von schlechtem Gewissen geplagt angesichts der von Alessio Arduinis gewandtem Doktor Malatesta angezettelten Intrige gegen den Titelhelden.
    Michele Pertusi gibt den geprellten Hagestolz sympathisch bärbeißig und ungemein wendig in allen vokalen Lebenslagen. Alle miteinander nutzen Donizettis Musik zur menschlich-allzumenschlichen Komödiantik.
    Maestro Jesus Lopez-Cobos ist den Sängern ein liebevoller Partner, das Orchester spielt so animiert, wie auf der Bühne gesungen wird.
    Das Publikum jubelte.
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    Maximova statt Baltsa, Schuster statt Kulman in der Staatsoper
    Elena Maximova singt am 3. Mai 2015 in der Galavorstellung "KS Nei Shicoff - 40 Jahre Bühne" die Partie der Carmen anstelle der erkrankten Agnes Baltsa. In Wagners "Ring des Nibelungen" übernimmt Michaela Schuster anstelle
    von Elisabeth Kulman die Fricka in "Rheingold" am 16. und 30. Mai
    und "Walküre" am 17. und 31. Mai 2015.
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    Bayreuths "Tristan" 2015
    Nun ist es "offiziell": Die Besetzung der diesjährigen Eröffnungs-Premiere der Bayreuther Festspiele lautet: Tristan: Stephen Gould, Isolde: Anja Kampe, König Marke: Georg Zeppenfeld, Kurwenal: Iain Paterson, Brangäne: Christa Mayer. Hausherrin Katharina Wagner inszeniert, Christian Thielemann dirigiert - es ist seine "vorletzte" Bayreuther Oper. Aus der Liste der von Wagner für das Festspielhaus freigegebenen zehn Musikdramen fehlt ihm dann nur noch der "Lohengrin".
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    Heltau spricht Wilhelm Müller - Musik nach Worten
    Musik macht man nach Noten. Aber nicht unser Burg-Doyen. Er erlauscht sie aus der Sprache. Und "vertont" Wilhelm Müllers Gedichte neu. Seinen Schubert kennt Michael Heltau natürlich in und auswendig. Aber er ist - wie der Komponist - verliebt die Poesie, die den Gedichten der Zyklen "Die schöne Müllerin" und "Winterreise" auch ohne Schuberts Klänge innewohnt. Am Donnerstag Abend spürt Heltau ihr wieder nach, rezitiert den "Lindenbaum" und die andern "Müller-Lieder" im Brahmssaal des Wiener Musikvereins. Das ist Sprach-Melodie, einmal ganz anders. Man wird den Schubert mithören; aber auch ganz andere Melodien - - -
    www.musikverein.at
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    Oleg Maisenberg beschenkte sich selbst und sein Publikum zum Siebziger
    An seinem siebzigsten Geburtstag musizierte Oleg Maisenberg im großen Konzerthaussaal. Es war wie in alten Tagen: ein Zauber an Farben und musikalischer Ausdruckskraft.
    Eine Auswahl aus späten Klavierstücken von Brahms, holzschnittartig karg, aber durchzogen von impressionistischen Girlanden und Schleiern, melancholische Gedanken- und Stimmungsprotokolle, ungemein dicht in der Aussage, im es-Moll-Intermezzo zu einem schmerzvoll intensiven Crescendo verdichtet.
    Schumanns "Carnaval" danach, ein Vexierspiel kleiner und kleinster Pointen, Apercus, augenzwinkernd und geheimnisvoll geflüsterten Anekdoten; zur adäquaten Nacherzählung dieser romantischen, hoffmanesken Klang-Novellen wechselt Maisenberg von Bild zu Bild die Farbenpalette, als würden stets neue Türen geöffnet und den Blick freigeben auf ungeahnte Begebnisse. Nicht die virtuosen Effekte, die Beredtheit der Klänge ist es, die ein fesselndes Hör-Abenteuer voll überraschender Wendungen garantiert.
    Zuletzt Debussy, der Erste Band der "Préludes", schon bei den "Tänzerinnen von Delphi" hält man den Atem an: Der Pianist realisiert die impressionistische Schichtentechnik auf ungemein differenzierte Weise. Als hätte der Steinway mehrere Manuale, heben sich die einzelnen Klangebenen minuziös voneinander ab - ein Klavierstück wie ein Bild, das sich aus mehreren Lagen durchscheinender Blätter zusammensetzt:
    Das ist der pianistische Hexenmeister, der sein Wiener Publikum seit vier Jahrzehnten fasziniert: Wer sonst als Maisenberg vermöchte so kontrolliert unterschiedlichste Register innerhalb der Pianisimoregion zu ziehen? Jubel - nicht nur des Feiertags wegen!.
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    Wochenend-Tipp: Kunst und Wein 
    Was macht eigentlich Elke Krystufek? Die Künstlerin hat sich eine pastorale Phase verordnet und lebt im Weinland am Wagram in idyllischer Umgebung. Dort präsentiert sie auf originelle Weise ihre Werke: Nur am 1., 2. und 3. Mai sind einige Bilder, in denen sich die Weinviertler Erfahrungen der Künstlerin mit jenen mischen, die sie international zwischen New York, Tokio und den Osterinseln sammeln konnte, im pittoresken Ambiente der ehemaligen Greisslerei von Gösing am Wagram zu sehen. Einige weitere im Hof des Weinguts von Dani und Toni Soellner (Hauptstraße 34) im Zuge der traditionellen Weinverkostung, die tatsächlich nur noch an diesem Wochenende stattfindet. Bei der Gelegenheit wird man auch kundig durch die Weingärten geführt und bekommt erklärt, wie das hochgezogen und gekeltert wird, was dann in die Gläser kommt. Darunter natürlich die Spezialität der Region, ein feiner Roter Veltliner. Apropos: Auch das Büffet von Mama Soellner ist von erster Güte. Ein sinnliches Fest also - und für Krystufek eine "Schule des Sehens", im Titel durch das arabische Wort "Madrasa" symbolisiert.

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    Elke Kystufeks "Katze" in der ehemaligen Greisslerei von Gösing/Wagram

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    William H. Scheide, 2014 verstorbener Spross des Gründers der legendären Scheide-Bibliothek von Princton, hat dem Bach-Haus Leipzig das wohl berühmteste Porträt des Komponisten Johann Sebastian Bach vermacht. Das 1748 entstandene Gemälde von Elias G. Haussmann gilt als das einzig gesicherte Bildnis aus Bachs Lebzeiten und kehrt nun nach Deutschland zurück.
    Elias Haussmanns Bach-Porträt von 1748 kehrt nach Leipzig zurück. 

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    "Nabucco" und "Pop"-Matinee ohne Domingo
    Plácido Domingo muss seine Auftritte in "Nabucco" an der Wiener Staatsoper am 10. und 14. Mai 2015 sowie seine Teilnahme an der Matinee "Pop meets Opera" am 17. Mai 2015 krankheitsbedingt absagen. Zeljko Lucic singt am 10. und 14. Mai den Nabucco. Domingo "hofft, die Vorstellungen am 18. und 22. Mai singen zu können", teilt das Pressebüro der Staatsoper mit.
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    Nina Stemme als Ingrid Bergman
    In Göteborg kommt am 19. September, wenige Tage nach dem 100. Geburtstag der Filmschauspielerin Ingrid Bergman, die Uraufführung einer neuen Oper heraus: „Notorious“ nach dem gleichnamigen Thriller (deutsch: „Berüchtigt“) von Alfred Hitchcock von 1946. Bergman hatte in diesem Streifen die Hauptrolle gespielt. In der Opernfassung des schwedischen Komponisten Hans Gefors verkörpert Nina Stemme diese Partie der Alicia Hauser. Regie führt Keith Warner.
    Hitchcock hatte bereits 1944 die Idee zu einem Film, der zwischenmenschliche Verstrickungen vor dem Hintergrund der Machenschaften von NS-Kollaborateuren auf dem amerikanischen Kontinent zum Inhalt hat.
    Komponist Gefors (62) sieht in seinem Werk vor allem "eine Liebesgeschichte, die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und des Kampfs um die Weltherrschaft" spielt. Gerfors, der in den Achtzigerjahren mit einem Werk über Königin Christina so etwas wie eine schwedische National-Oper herausgebracht hat, bekam von der Oper Göteborg den Auftrag, für Nina Stemme ein neues Werk zu schreiben, das gleichzeitig ein Gedenk-Stück für Ingrid Bergman werden sollte. 12 Aufführungen der Novität sind bis 1. November 2015 geplant.
    Im Strandverket Museum auf der Insel Marstrand, nahe Göteborg, wird parallel dazu eine Ausstellung über Ingrid Bergman zu sehen sein.
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    Oper online: "Traviata" aus Madrid, "Götterdämmerung" aus Wien
    Eine EU-Initiative verbindet einige Opernhäuser auf einer neuen Online-Plattform: "The opera platform" startet am 8. Mai mit einer Internet-Übertragung von Verdis "Traviata" aus dem königlichen Opernhaus Madrid. Die Wiener Staatsoper steuert am 7. Juni eine "Götterdämmerung" unter Simon Rattle bei. Mit von der Partie sind unter anderen auch das Royal Opera House Covent Garden, London, die Oper von Lyon, die Festspiele Aix-en-provence und das Brüsseler Monnaie-Theater. Die Aufführungen kann man dank der Förderung durch die EU kostenlos miterleben - und ein halbes Jahr lang abrufen.
    Der Link:
    www.theoperaplatform.eu
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    Konieczny statt Volle im ersten Rattle-"Ring" an der Staatsoper
    Tomasz Konieczny verkörpert anstelle des erkrankten Michael Volle den Wotan/Wanderer im ersten "Ring"-Zyklus unter Simon Rattle an der Wiener Staatsoper ("Rheingold" am 16. Mai, "Walküre" am 17. Mai, "Siegfried" am 20.Mai). Dafür übernimmt Richard Paul Fink die Partie des Alberich von
    Tomasz Konieczny und gibt damit sein Debüt im Haus am Ring.
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    Mariss Jansons bleibt bis 2021 in München
    Der Vertrag von Mariss Jansons als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wurde bis 2021 verlängert. Pikanterweise kommt diese Nachricht wenige Tage vor der Wahl des neuen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Jansons gilt als einer der Wunschkandidaten jener Berliner Musiker, die für eine künstlerische Ruhe- und Erholungsphase nach der Ära Rattle votieren, ehe die Weichen für die Zukunft mit einem jüngeren Chefdirigenten gestellt werden. Freilich: Jansons hat bis vor kurzem zwei Orchester gleichzeitig geleitet: Die Position beim Concertgebouw Orchester Amsterdam hat er aufgegeben . . .
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    Die "Neunte" auf dem Heldenplatz - fühlen und denken mit Beethoven
    Man darf es auch so sehen: Mit einer Aufführung von Beethovens Neunter hat Philippe Jordan einen beeindruckenden Schlusspunkt hinter seine - sympathischerweise von einem Schubert-Zyklus dominierte - erste Saison als Chefdirigent der Wiener Symphoniker gesetzt. Tausende waren dabei – live und via Fernsehen – denn die Neunte erklang am 8. Mai auf dem Heldenplatz; die Freude, die im Vierten Satz programmgemäß zu Schiller-Worten besungen wurde, galt aber weniger dem künstlerischen Höhenflug, den Wiens wichtigstes Konzertorchester anzutreten scheint. Seit drei Jahren musizieren die Symphoniker am geschichtsträchtigen Ort, weil es gilt, des Endes des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.
    „Alle Menschen werden Brüder“, die poetisch-musikalische Vision zweier Klassiker als Folie für Politiker-Reden und Erinnerungs-Dokumente aus dem Mund von Menschen, die zwischen 1938 und 1945 nicht nur mental, sondern auch aktiv gegen ein Terror-Regime vorgegangen sind – und dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.
    Was könnte besser dazu passen als Beethovens „durch Nacht zum Licht“ führende Komposition, in deren ersten Sätzen die Kämpfe und Widerwärtigkeiten des Lebens zum Klingen kommen – und von den Symphonikern intensiv ausgelotet wurden: Selten fühlt man beim Eintritt der Reprise im „Allegro maestoso“ so deutlich, wie dem gesamten ins Wanken geratenen Klang-System quasi endgültig der Boden wegzubrechen droht . . .
    Vielleicht hat auch mancher Hörer bei dieser Gelegenheit daran gedacht, dass Leonard Bernstein einst, als die Mauer fiel, den Text des Finalsatzes ändern ließ: statt einer „Ode an die Freude“ wurde die Symphonie zur „Ode an die Freiheit“.
    Historisch bewanderte Beobachter denken aber wohl auch daran, dass Freiheits-Hymnen, wie sie gerade Beethoven mit „Fidelio“ und der Neunten geschaffen hat, immer ins Programm genommen werden, wenn es gilt, politische Zelebrationen künstlerisch zu verbrämen. Vielleicht dürfen wir hoffen, sich heutzutage alle oder vermutlich zumindest fast alle das Richtige dabei denken, wenn ein Kuss ausdrücklich „der ganzen Welt“ gewidmet wird.
    Die „Neunte“ erklang als Bedeutungsträgerin sondergleichen freilich nicht nur am 8. Mai 2015 auf dem Heldenplatz. Man spielte sie (und den „Fidelio“, versteht sich) in Wien auch 1938, man spielte sie 1945, man spielte sie 1955. Wichtig ist ja wohl auch immer, was die Musik dem einzelnen Hörer mitteilt, wie er die Botschaft für sich dechiffriert. Es ist, apropos Bernstein, Mauer, Diktatur und Berlin, ein besonders dramatischer, expressiv musizierter Mitschnitt einer Aufführung der Neunten unter Wilhelm Furtwängler von Anfang der Vierzigerjahre überliefert, wo die zuvor geschilderte, „gefährliche“ Passage aus dem ersten Symphoniesatz besonders verzweifelt, besonders unausweichlich klingt. Auch damals hieß es im Finale: „seid umschlungen, Millionen“ und vor allem wurde auch damals die Frage gesellt: „Ahnest du den Schöpfer, Welt?“ Samt der Antwort: „Such ihn über'm Sternenzelt!“. Auch damals, im Berlin Adolf Hitlers, wird sich jeder Hörer dazu etwas gedacht haben . . .
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    Christine Schäfer verlängert ihre Auszeit
    Aus privaten Gründen hat Christine Schäfer eine Auszeit genommen, die im Frühjahr 2015 enden sollte. Nun hat die Sängerin entschieden, länger zu pausieren. Betroffen von den neuerlichen Absagen ist u. a. die Schubertiade Schwarzenberg. Den für 22. Juni vorgesehenen Liederabend übernimmt Christoph Prégardien. Er singt, begleitet von Malcolm Martineau Schuberts Liederzyklus "Winterreise".
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    Die Berliner Wahl blieb ohne Ergebnis. Kein neuer Wahltermin in Sicht!
    Mehr als elf Stunden lang verhandelten die 124 wahlberechtigten Mitglieder der Berliner Philharmoniker am Montag in der Jesus-Christus-Kirche über die Nachfolge von Sir Simon Rattle. Um 21.30 hieß es: Die Wahl sei ohne Ergebnis geblieben. Entweder konnten sich die Musiker, die ihren Chefdirigenten frei wählen, nicht über die künftige Richtung einigen - die Gerüchtebörse kocht, deutsche Agenturen nennen nach wie vor Christian Thielemann als möglichen Rattle-Nachfolger, in Social Media Diensten gratulierte man am Nachmittag bereits Andris Nelsons zur Wahl! - oder ein Dirigent, der gewählt wurde, hat die Wahl nicht angenommen . . .
    Jedenfalls scheinen die Musiker über den Ausgang irritiert. Der Berliner Orchestervorstand sprach von einer Entscheidung, die ,,binnen Jahresfrist" zu treffen sei und von der Notwendigkeit weiterer Diskussionen. Eine rasche Wiederaufnahne des. Wahlvorgangs scheint also nicht geplant.
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    Gilgamesch in der Brotfabrik
    Gilgamesch, der sumerische König , ist Titelheld der ältesten Dichtung der Menschheit. Alle großen menschlichen Themen sind in diesem mythologischen Text im Kern bereits abgehandelt. René Clemencic hat "Gilgamesch" auf ein Libretto von Kristine  Tornquist zur Oper gemacht, führt den König von Uruk getreulich der Überlieferung der Geschichte bis an das Ende der Welt - und wieder zurück. Das Sirene Operntheater zeigt das Werk sechsmal in der Expedithalle der ehemaligen Anker-Brotfabrik. Die Premiere am 22. Mai ist ausverkauft. Für die Vorstellungen am 23. und 24. sowie vom 27. bis 29. Mai gibt es noch Restkarten. Vor der Aufführung findet jeweils (19.30 Uhr) ein Vortrag statt. Am 23. z. B. über die aktuelle Situation im Irak, dem Land Gilgameschs . . . 
    (Informationen: sirene.at) 
    Clemencics "Gilgamesch" 22.-24. und 27.-29. Mai in der Brotfabrik (Foto: sirene) 


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    Irina Tsymbal als "Sylphide" (Foto: Staatsoper/Poehn) 

    "La Sylphide": Ballett auch für Menschen, die sich für die Tanzkunst erst begeistern müssen
    Die Fans stürmen diese Aufführung sowieso, aber auch Interessenten, die sich die Ballett-Kunst erst erarbeiten müssen, sind hier richtig. "La Sylphide" ist klassisches Ballett wie es klassischer nicht sein könnte: Anmutig, märchenhaft in einem entsprechend bilderbuchartigen Dekor. Und die Wiener Compagnie präsentiert sich in Spitzenform, das Corps de ballet ebenso wie die Solisten. Denys Cherevychko steht als James zwischen zwei faszinierenden Frauenfiguren: seine Braut gibt Kiyoka Hashimoto edel und lebendig durchpulst. Die verführerische Sylphide ist Irina Tsymbal, ätherisch, kokett, aber auch von einer Leidenschaft bewegt, die verstehen lässt, warum der Bräutigam sich letztendlich doch der irrealen Traumfigur zuwendet und damit in sein eigenes Unheil läuft, nein: springt, sich dreht, ihr entgegenfliegt in höchster Virtuosität. 
    Aufführungen am 24. und 29. Mai sowie am 15. Juni.
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    Erneuerung des Bundestheater-Gesetzes? Rückführung in den Proporz?
    Jahrzehntelang hat der Kampf gedauert. Endlich waren Burgtheater, Volks- und Staatsoper eigenverantwortliche Unternehmen – nun der Rückschlag? Die „Holding“, als Rest der einst mächtigen Bundestheater-Verwaltung, soll plötzlich wieder „gestärkt“ werden. Und das, nachdem sich in der leidigen Burgtheater-Causa gezeigt hat, dass die Aufsichtsfunktion so gar nicht funktionieren wollte.
    Der neue Holding-Chef soll de facto wieder die Oberhoheit über das Budget der drei Häuser bekommen – und möglicherweise gesellt man ihm auch einen Vize-Direktor hinzu.
    Was assoziiert der gelernte Österreicher aus diesen Vorgaben für die Novellierung des Bundestheater-Gesetztes? Träumen sich SPÖ und ÖVP zurück in die alte Proporz-Gesellschaft?Früher einmal hätte man angesichts dieses Gesetztes-Entwurfs gesagt: Der künftige Chef steht - Ausschreibung hin oder her - vermutlich längst fest. Die "andere Seite" bekommt dann den "Vize". Das einzig wirklich virulente Thema wurde nicht wirklich angerührt: Statt der fälligen Valorisierung der Budgets nach jahrelanger Deckelung steht lediglich eine Aufstockung der Mittel ins Haus, über deren Verwendung naturgmäß der neue Verwaltungs-Wunderwuzzi entscheiden wird. Wie die drei Theaterbetriebe ihrem Auftrag nachkommen sollen, einen täglichen Repertoirebetrieb aufrecht erhalten sollen - und das, dem Land zuliebe, in möglichst allerhöchster Qualität - steht offenbar gar nicht zur Diskussion. Nur die Grünen wissen schon wieder: Nicht mehr Geld für die Hochkultur. Angesichts solch kurzsichtiger Oppositionspolitik marschiert die Regierung zurück zum Proporz? Spätestens nach den nächsten Wahlen und der Neubesetzung (den Neubesetzungen?) in der Holding wissen wir, ob das allzu pessimistisch gedacht ist . . .
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    Thielemann dirigiert Bruckner: Heute Abend die Vierte! Nicht versäumen!
    Gestern Abend: Erstes Konzert im Rahmen des Kurz-Gastspiels der Staatskapelle Dresden. Bruckners Neunte nach der Pause, ein Ereignis der Sonderklasse, denn Christian Thielemann lasst jede Konkurrenz meilenweit hinter sich. 
    Klangregie und Dramaturgie gleichermaßen atemberaubend - das Orchester spielt, als wollte es beweisen, dass sich die Berliner keine Sorgen machen müssen, wer künftig die philharmonische Leitung an der Spree übernehmen soll; die Führung hat die "Wunderharfe" (© R. Wagner) an der Elbe übernommen . . . 
    Heute Abend gibt es Bruckners Vierte in derselben Konstellation. Man darf das nicht versäumen! 
    www.musikverein.at

    Thielemann auf der Probe, Karwoche 2015 (Foto: APA/Gindl) 



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    Friedrich Gulda zum Gedenken: Seine klassische Bach-Aufnahme neu ediert.

    Dieser Tage wäre der 85. Geburtstag von Friedrich Gulda zu feiern gewesen. Einer audiophilen Initiative ist es zu danken, dass rechtzeitig zum Gedenktag eine Neu-Auflage der legendären Aufnahme von Bachs „Wohltemperiertem Klaviers“ in den Handel kam. Und zwar nicht nur auf CD, sondern auch – ganz zeitgemäß – in Form von Download-Files, aber ebenso auf Vinyl, als originalgetreues Remake der 1977 erschienen Schallplatten-Kassette. 

    Auf fünf LPs, exquisit gepresst auf 180-Gramm-Vinyl, kann der Musikfreund dank des Lackfolienschnitts von den originalen Masterbändern des Pianisten interpretatorische Leistung völlig unverfälscht nachvollziehen. Auch in den digitalen Vertriebsformen hat man versucht, der analogen Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen; also ohne die dynamischen Korrekturen, die bei früheren CD-Auflagen des Zyklus vorgenommen wurden. 

    Was Gulda wirklich wollte

    Das ist doppelt bedeutsam, denn Friedrich Gulda hatte sehre genaue Vorstellungen, wie sein Klavierspiel zu konservieren sei. Die Bach-Aufnahmen bildeten den Höhe- und Schlusspunkt seiner Zusammenarbeit mit dem Bayerischen High-Fidelity-Fanatiker Hans Georg Brunner-Schwer, auf dessen Label MPS unter anderem auch die ungewöhnlichen Konzept-Alben Guldas erschienen waren. Wie bei diesen wählte man auch für das „Wohltemperierte Klavier“ eine Mikrophonierung, die den Klang quasi direkt abrief, also kaum Luftdistanz zwischen Mikro und den Klaviersaiten zuließ. Das lässt den Hall gegen Null sinken, gibt aber vollkommen verlustfrei die unglaubliche Nuancierungskunst von Guldas Spiel wieder. Der Komponist und Interpret hatte sich ja ausgiebig nicht nur mit dem modernen Konzertflügel, sondern auch mit dem zu Bachs Zeiten für intime Stücke wie diese Folge von 48 Präludien und Fugen in allen Dur- und Moll-Tonarten beliebten Clavichord befasst. Seine liebevolle Aneignung der gesanglichen Möglichkeiten dieses Instruments ist in vielen Passagen der Aufnahme zu spüren. Andererseits scheut der Künstler auch nicht davor zurück, uns hie und da spüren zu lassen, dass Bach auch der bedeutendste Organist seiner Zeit war. Wer in kürze erleben möchte, wie man ein Klavier im wahrsten Sinne des Wortes zum Singen bringen kann, muss nur das es-Moll-Präludium aus dem ersten Band hören – um dann bei der Fuge vollends zu staunen: Das ist Vokalpolyphonie subtilster Schattierung, was da erklingt. Vollendet gespielt; und endlich wieder adäquat auf Tonträgern in Umlauf gebracht.

    Auf 5 CDs oder LPs (180g-Vinyl-Pressung): Guldas Bach-Klassiker (Vertrieb: Edel) 

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    Wenn Mozart nach London gefahren wäre . . .
    Als Kind war Mozart zwar in London, doch platzte der Plan, den Meister in seinen Reifejahren in die englische Hauptstadt zu holen. Wie es hätte sein können, wenn Mozart Symphonisches und Opern-Fragmente aus seinen Wiener Jahren in London präsentiert hätte, erzählt Veranstalter Salomon - der Joseph Haydn zweimal verpflichten konnte - bei der musikalischen Zeitreise im Rahmen der Barocktage Stift Melk, die zum zweiten Mal von Michael Schade kuratiert werden: Martina Janková, Schade selbst und der junge Bariton Manuel Walser, einer der Preisträger des von Michael Schade ausgerichteten "Stella Maris" Sänger-Wettbewerbs, singen, begleitet vom Bach Consort Wien.
    Schon am Nachmittag - 15.30 Uhr - kann man eine musikalisch-lterarische Reise im Pfarrhof von Melk antreten: Auf den Spuren von Marco Polo!
    Pfingstsonntag, 15.30/19.30 Uhr Stift Melk



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    Die Wiedergeburt des Concentus musicus
    Wer sich fragt, wie der Concentus musicus einmal ohne seinen Gründervater, Nikolaus Harnoncourt, bestehen könnte, bekam die Antwort beim Barockfestival in Stift Melk geliefert: Am Pfingstsonntag musizierten die Künstler Musik des österreichischen Hochbarock von Johann Joseph Fix bis Heinrich Schmelzer - und gruben damit, geführt von Primarius Erich Höbarth, zurück an ihre Wurzeln. Höbarth erwies sich auch als charmanter Präsentator und wusste von den ersten Jahren des Concentus zu berichten, die er als Kind quasi aus dem Nebenzimmer miterleben durfte. Mittlerweile trägt der Geiger mit seinem Quatuor Mosaiques längst erfolgreich die Harnoncourtschen Erkenntnisse in Sachen Originalklang ins Kammermusikalische; und nun führt er auch den Concentus in der ursprünglichen kleinen Besetzung ad fontes: Anfang der Sechzigerjahre erschien eine Concentus-Schallplatte mit österreichischem Barock-Repertoire. Nach wie vor scheint dieses im Konzertleben sträflich unterbelichtet. Ein Festival wie jenes - heuer von Michael Schade vielseitig, bunt und dramaturgisch raffiniert geplant - zu Pfingsten im prächtigen Melker Rahmen kann ideal dazu beitragen, dass sich das ändert. Jedenfalls applaudierte das Publikum im Kolomani-Saal begeistert den schwungvoll animierten Darbietungen, deren Spannweite von der pittoresken klangmalerischen Schilderung einer Fechtszene bis zur bewegenden (und zuletzt trostspendenden) Trauermusik für Kaiser Ferdinand III. reichte.
    Am Pfingstmontag Abend musiziert der Concentus dann mit dem Arnold Schönberg Chor unter Erwin Ortner Händels "Israel in Ägypten" (19.30 Uhr) danach (ab etwa 21.15) klingt das Festival bei Brot und Wein aus.
    Intendant Michael Schade ist als Solist mit von der Partie, ihm zur Seite einige junge Talente, die aus seinen Talenteschmieden ("Stella Maris" und Salzburgs "Young Singers Project") hervorgegangen sind. Der Montag beginnt übrigens mit einem Frühstück mit dem singenden Intendanten ("Prima Colazione", 9.30 Uhr im Dietmayrsaal des Stifts). Es folgen Musik aus den Habsburgerlanden mit dem Ensemble La Ritirata, ein Konzert an verschiedenen Orten im Park (15.30) und eine Sonderführung "Fremde Welten" ab 17 Uhr).
    www.barocktagemelk.at
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    Opernschule für Kinder.
    Die nächste Aufnahmeprüfung für die Opernschule der Wiener Staatsoper findet am Mittwoch, 10. Juni 2015 (15.00 Uhr) statt. Gesucht werden
    Mädchen und Burschen im Alter von 8 bis 10 Jahren, vorzubereiten ist
    ein einfaches Lied. Anmeldeschluss: 3. Juni 2015.

    Adresse: Goethegasse 1, 1010 Wien
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    "Gilgamesch": Simpel, aber wirkungsvoll: Schattenrisse 

    Nur noch heute und morgen: Gilgamesch
    In der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrot-Fabrik gibt man René Clemencics Vertonung von Episoden aus dem "Gilgamesch"-Epos - jetzt, wo an Ort und Stelle gerade wieder unschätzbare Kulturgüter vernichtet wurden und werden, tut eine solche Erinnerung an das älteste Epos der Menschheit gut. 
    Clemencic, Inbegriff des poeta doctus, greift dank seiner immensen Literaturkenntnis und handwerklichen Sicherheit nicht nur auf einen Jahrtausende alten Text, sondern auch auf Jahrhunderte der europäischen Musikgeschichte zurück. Seine Musik, dennoch wie aus einem Guss, bedient sich archaischer Klang-Topoi, scheint oft reduziert auf karge Zweistimmigkeit, orientiert an mittelalterlichen Organa oder gregorianischem Gesang, dann wieder tönen die Posaunen und Tuben wie beim Jüngsten Gericht (oder die jüdischen Schofar-Bläser auf dem Schlachtfeld); andererseits empfängt die urbane Gesellschaft das Naturkind Enkidu, der dann zu Gilgameschs treuem Begleiter wird, mit einer raffinierten Glockenklang-Studie in Form eines Renaissance-Madrigals, nur an Dreiklangsharmonien orientiert. 
    So kommt Abwechslung ins tönende Spiel, das Kristine Tornquist gewohnt simpel und - wie die Musik - aufs Wesentliche konzentriert in die karge Halle choreographiert hat. Gesungen und musiziert wird von einem jungen Ensemble des "Sirene"-Operntheaters mit Engagement. 100 Minuten verfliegen rasch, während man sich endlich wieder einmal ganz ungeschminkt mit den Ur-Ängsten und Ur-Visionen der Menschheit beschäftigen darf, mit Gottesfurcht und Machtstreben, Eitelkeit und Liebe und Tod und der Sehnsucht nach Unsterblichkeit.   
    www.sirene.at
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    Protest gegen Nicht-Verlängerung des Opern-Intendanten von Oslo
    Norwegens Kulturministerin Thorhild Widvey hat beschlossen, den Vertrag des Operndirektors von Oslo, Per Boye Hansen, nicht zu verlängern. Nun protestiert Frankfurts Opernchef Bernd Loebe in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der deutschsprachigen Opern-Direktorenkonferenz.

    Auszüge aus Loebes offenem Brief:
    "Vor einigen Jahren erhielt Norwegen ein architektonisch höchst innovatives und internationales Aufsehen erregendes Opernhaus. (…) Die Augen der internationalen Presse und des Publikums richteten sich auf dieses neue Zentrum des Musiktheaters. Per Boye Hansen … wurde als DIE Idealbesetzung für den Aufbruch Norwegens in eine neue Ära angesehen … hat alle Erwartungen erfüllt und … den Sprung in die internationale Opernliga geschafft. Das Programm ist anspruchsvoll und das Publikum weiß das erreichte Niveau zu schätzen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem das Haus an Renommee enorm hinzugewinnt, wird diese Entwicklung durch eine völlig kunstferne Entscheidung abrupt abgebrochen."
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    Checkpoint Karli oder: Kein Zoff in Simmering
    „Simmering gegen Kapfenberg“ war gestern. Jetzt droht Favoriten! Und ich bin schuld daran. Titelte ich doch angesichts der Aufführung von „Gilgamesch“ in der ehemaligen Ankerbrotfabrik mit: „Unsterbliches in Simmering“. Auch angesichts der Entfernung zum Entstehungsorte des Gilgamesch-Mythos ist ein solcher Navigationssfehler zwischen 1100 und 1110 nicht vernachlässigbar.
    Man darf Sensibilitäten nicht außer acht lassen, die entstehen, wenn politische Grenzen durch Gebiete gezogen werden, die im Einklang mit der natürlichen Topgraphie gewachsenen sind. Die Trennlinie zwischen Wien X und Wien XI durchquert ja die einstigen Grenzmarken des Vororts Simmering und teilt deren südwestliche Gaue (simmeringerisch und favoritnerisch: Grätzeln) dem Zehnten Bezirk zu.
    Man glaubt es kaum: Ein Teil von Simmering liegt in Favoriten!
    Bevor nun aber die apokalyptische Vision eines neuen Checkpoint Karli im Eingangsbereich der einstigen Brotfabrik Wirklichkeit zu werden droht, setzen wir kalmierende Maßnahmen. "Die Presse online" verortet König Gilgamesch ab sofort anderswo als Druckausgabe. Liegt es mir als gebürtigem Leopoldstädter doch fern, von einer Redaktion in Erdberg aus Territorialkonflikte zwischen Favoriten und Simmering heraufzubeschwören . . .
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    Fidelio mit Nina Stemme für alle
    Nina Stemme debütiert am 3. Juni als Leonore an der Wiener Staatsoper. Sebastian Holecek ist erstmals als Don Fernando zu hören, Jochen Schmeckenbecher als Pizarro und Annika Gerhards als Marzelline. Robert Dean Smith ist wieder der Florestan, Lars Woldt der Rocco, Norbert Ernst singt den Jaquino. Am Pult steht Adam Fischer.
    Die Vorstellung wird, ebenso wie die Reprisen am 6. und 9. Juni im Rahmen von *Oper live am Platz“ auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Am 9. Juni überträgt die Staatsoper in HD-Qualität weltweit via Internet: www.staatsoperlive.com.
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    Ein Kandidat für New York: Manfred Honeck
    Manfred Honeck, einst Bratschist der Wiener Philharmoniker, nun schon seit 2008 Chefdirigent des Orchesters von Pittsburgh, könnte auch seine weitere künstlerische Zukunft in den USA finden. New York Philharmonic sucht einen Nachfolger für den seit fünf Jahren künstlerisch eher wenig glücklich agierenden Alan Gilbert – und das Publikum, aber auch das Orchester streuten Honeck nach seinem jüngsten Gastspiel am Pult von New York Philharmonic Rosen. Der Rezensent der New York Times berichtet, dass die Musiker den gebürtigen Vorarlberger (Jahrgang 1958) nach der Aufführung von Johannes Brahms’ Vierter Symphonie zu einem „Solo-Vorhang“ zwangen und kräftig mitapplaudierten. Seine Schlussfolgerung: Die Musikfreunde mögen sich angesichts der notorischen Dirigenten-Suche des New Yorker Orchesters auf solche Sympathiebezeugungen „ihren Reim machen“.


    www.nytimes.com
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    Für den Kalender: Die Klassik-Übertragungen auf ORF III im Sommer
    Jeweils im Hauptabendprogramm (wenn nicht anders angegeben) ab 20.15 sendet ORF III heuer wieder Opern und Konzerte - Festspiel.Übertragungen stehen nehmen Musikfilm-Klassikern.
    4. Juli: Nikolaus Harnoncourt dirigiert Beethovens „Missa solemnis“ (Styriarte, 21.10 Uhr)
    5. Juli: Galakonzert Juan Diego Florez (Wiener Staatsoper, 19.30 Uhr), „La sonnambula (Dessay, Florez, Pertusi – MET)
    12. Juli: „Otello“, der legendäre Opern-Film Herbert von Karajans mit Mirella Freni und Jon Vickers
    19. Juli „Die Macht des Schicksals“ (Levine – Sweet, Domingo, Chernov – MET, 1996)
    26. Juli „Turandot“ und „Hoffmanns Erzählungen“ (von den Bregenzer Festspielen)
    2. August „Tosca“ (St. Margarethen)
    9. August „Eine Nacht in Venedig“ (Mörbisch), „Feuerwerk“ (Baden)
    23. August Klassik Open Air München (Netrebko, Kaufmann, Hvorostovsky)
    30. August „Der fliegende Holländer“ (Wien, 2003, Ozawa – Stemme, Struckmann)

    Am 2. August gibt es als Zuckerl noch die köstliche Filmversion von Menottis „Das Telephon oder Liebe zu dritt“ mit Anja Silja und Eberhard Waechter (23 Uhr)
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    Zum 150. Geburtstag von Carl Nielsen
    Der  wohl bedeutendste dänische Komponist, Carl Nielsen, wurde am 9. Juni 1865 geboren. Zur Feier des 150. Geburtstags nehmen Franz Welser Möst und die Wiener Philharmoniker – vor Beginn ihrer Tournee, die sie auch in den Norden Europas führt – Nielsens Vierte Symphonie ins Programm, ein Werk, das während des Ersten Weltkriegs entstand und die humanistische Botschaft des „Unauslöschlichen“ musikalisch transportiert. Der später skeptische Carl Nielsen war zu dieser Zeit noch davon überzeugt, dass die Natur sich aus allen Unbilden heraus immer wieder erneuern könne. 
    Vor dem strahlend-positiven Finale des Werks ereignet sich einer der spektakulärsten Momente der jüngeren Symphonik: ein Duett zwischen zwei – in der Regel einander gegenüber positionierten - Paukengruppen. Der Wiener Musikverein wird sich Sonntag ab 11 Uhr also in eine Art Klangtheater verwandeln.
    Ö1 überträgt das philharmonische Spektakel live.

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    Kirill Petrenko erste Wahl in Berlin
    Im Netz wissen es Norman Lebrecht und Manuel Brug bereits ziemlich genau. Heute Montag könnte es dann auch ganz offiziell sein: Münchens Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dürfte Nachfolger von Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker werden. Das Orchester scheint sich bewusst zu sein, dass der in Österreich aufgewachsene und in Wien ausgebildete Dirigent eine der wenigen wirklich prägenden Dirigentenpersönlichkeiten der jüngeren Generation ist und eine wirkliche Rückbesinnung auf die Qualitätskriterien der legendären Zeiten Wilhelm Furtwänglers und Herbert von Karajans initiieren könnte zu dieser Entscheidung wäre den Musikern vorbehaltlos zu gratulieren.
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    Elisabeth Kulman: Nie wieder Oper, aber viel Lied (am 26. Juni in Kremsmünster)

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    Die Kulman statt Bostridge
    Elisabeth Kulman springt bei den Oberösterreichischen Stiftskonzerten für Ian Bostridge ein: Am 26. Juni singt sie in Kremsmünster, begleitet von Eduard Kutrowatz Schubert, Schumann und Liszt. Ursula Magnes hält um 19 Uhr im Apostelzimmer einen Einführungsvortrag.
    Informationen: www.stiftskonzerte.at
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    Ehrenkreuz für Giacomo Aragall  
    Wiens Operndirektor Dominique Meyer überreichte dem spanischen Tenor Jaime Aragall heute Nachmittag im Teesalon der Staatsoper das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse in Vertretung des Herrn Kunstministers, der im Parlament unabkömmlich war. Dabei waren Künstler-Freunde Aragalls wie Otto Schenk und Ileana Cotrubas, die bevorzugte Bühnenpartnerin des Tenors, an deren Seite er viele seiner (insgesamt 43!) Rodolofs ("La Boheme") und Alfredos ("La Traviata") in Wien gesungen hat. 163 Mal ist Aragall - Dominique Meyer wählte den Vornamen Giacomo, wie er einst immer auf den Abendplakaten zu lesen stand, und sprach dem Geehrten zuliebe auch Italienisch - auf der Staatsopernbühne gestanden. Er war einer der absoluten Wiener Publikums-Favoriten; seine intensiven Interpretationen von Partien Verdis, Puccinis, aber auch sein Des Grieux in Massenets "Manon" sind unvergessen und an Intensität von kaum einem Nachfolger erreicht worden. Unter den Gratulanten auch Mitglieder des jungen Staatsopern-Ensembles wie Clemens Unterreiner, der Aragall einst als Stehplatzbesucher adorierte.

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    Schlechte Nachrichten von Dmitri Hvorostovsky
    Der Bariton Ist schwer erkrankt und muss zumindest bis Ende August alle Auftritte absagen.
    hvorostovsky.com
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    Wieder Einnahmenrekord an der Staatsoper
    In der Spielzeit 2014/2015 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen
    Einnahmenrekord durch Kartenverkauf von 34.082.328,57 Euro erzielen
    (2013/2014: 33.509.760,85). Die Auslastung betrug 99,02 % (2013/2014:
    99,0 %), die Auslastung der Opernvorstellungen liegt bei 99,50 %
    (2013/2014: 99,67%).

    Insgesamt 598.880 Gäste (2013/2014: 603.652), besuchten 291 Opern-,
    Ballett-, Kinderopernvorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne
    (2013/2014: 297), 49 Vorstellungen im A1 Kinderopernzelt (2013/2014: 46)
    sowie 21 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2012/2013: 24).
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    Figaro-Generalprobe in Salzburg zu günstigen Preisen
    Die Generalprobe der Neuinszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ am 26. Juli 2015 um 14 Uhr wird für den Verkauf geöffnet.
    Kartenverkauf ab Montag 6. Juli, 9:30 Uhr
    Die Karten werden zu ermäßigten Preisen zwischen 10,- und 195,- Euro angeboten. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich an der Tageskassa im Shop, Hofstallgasse 1 und über www.salzburgfestival.at
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    Auch in Klosterneuburg zwei "Rigoletto"-Darsteller bei der Premiere
    Aufgrund der Unpässlichkeit von Paolo Rumetz musste Nikola Mijailovic am Premierenabend beim diesjährigen Festival von Klosterneuburg die Partie des “Rigoletto” nach der Pause übernehmen. "Der Fluch!" räsoniert der Titelheld in Verdis Oper immer wieder - bitterer Treppenwitz der Operngeschichte: Rumetz, der diesmal aufgab, war im vergangenen Dezember der Retter der Wiener Staatsopern-Premiere desselben Werks, nachdem Simon Keenlyside indisponiert während des zweiten Finales die Bühne verlassen musste . . .
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    Wieder Oper in Reinsberg: „Die Zauberflöte“
    Am 20. und 21. August wird in der Burg Reinsberg wieder Oper gespielt. Nach fünfjähriger Pause nimmt sich Karel Drgac der zauberhaften Spielstätte bei Scheibbs an und zeigt Mozarts „Zauberflöte“, mehrheitlich gesungen von jungen österreichischen Talente wie der aus der Wiener Volksoper bekannten Mara Mastalir (Pamina), Bariton Thomas Weinhappel (Papageno), dem in diesem Jahr auch bei der Oper Klosterneuburg engagierten Tenor Martin Mairinger (Tamino) oder (als Papagena) Elisabeth Pratscher, die kürzlich mit dem Emmerich-Smola Förderpreis 2015 ausgezeichnet wurde.
    www.opernair.at
    Tel: (01) 319 3939
    "Die Zauberflöte" in Reinsberg: 20. und 21. August   www.opernair.at 

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    Damrau sagt Baden-Baden ab
    Eine hartnäckige Virusinfektion hat Diana Damrau daran gehindert, sich genügend auf ihr mit Spannung erwartetes Debüt als "Figaro"-Gräfin beim Festival von Baden-Baden vorzubereiten. Deshalb musste sie ihre Mitwirkung an den konzertanten Aufführungen am 16. und 19. Juli nun absagen. Sonya Yoncheva springt ein. Deutsche Grammophon wird, wie angekündigt, für CD mitschneiden.
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    Preisträger Igor Levit mit PDSK-Präsidentin Eleonore Büning. 

    Preis der deutschen Schallplattenkritik für Igor Levit 
    Der Pianist Igor Levit wurde am 4. Juli nach einer Aufführung von Edvard Griegs Klavierkonzert im Rahmen des Schlusskonzertes des Klavierfestivals Ruhr in der Philharmonie Essen mit dem  Jahrespreis des PdSK (Preis der deutschen Schallplattenkritik) geehrt. Levit erhielt den Preis für das Jahr 2014 in Würdigung seiner Einspielung der letzten fünf Klaviersonaten Ludwig van Beethovens und der Partiten Johann Sebastian Bachs bei Sony. Ein drittes Sony-Album mit Variationenwerken von Bach, Beethoven und Rzewski ist in Vorbereitung. Igor Levit bedankte sich für den Preis und den Applaus des Publikums mit einer aparten Zugabe: der „Phantasy on Peter Grimes“ nach Benjamin Britten von Ronald Stevenson.  Die Laudatio von PDSK-Präsidentin Eleonore Büning ist nachzulesen unter www.schallplattenkritik.de, der Mitschnitt des Konzertes mit dem WDR-Orchester wird am Sa.,  11. Juli ab 20.05 Uhr auf WDR 3 gesendet. 
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    "Artemis"-Bratschist Friedemann Weigle ist tot
    Er starb mit 52, wie es heißt, "nach langer Krankheit". Bemerkt haben Musikfreunde von dieser Krankheit nichts. Im Gegenteil: Gerade vom letzten Auftritt des Artemis-Quartetts im Wiener Konzerthaus, bei dem Antonin Dvoraks spätes G-Dur-Streichquartett auf dem Programm stand, schwärmen die Wiener Musikfreunde, die dabei waren, bis heute. Solch wochenlang anhaltende Begeisterung ist rar im Kammermusik-Genre, aber typisch für die Reaktion auf Auftritte des Artemis-Quartetts. Weigle, aus einer ostdeutschen Kantoren-Familie stammend (sein Bruder Sebastian ist GMD in Frankfurt), war Gründungsmitglied des Petersen-Quartetts, Professor an der Hanns Eisler Musik-Hochschule in Berlin und seit 2007 beim Artemis-Quartett, das als eines der führenden Ensembles unserer Zeit gilt. Vor kurzem gelang es dem Quartett, den Ausstieg der langjährigen Primaria gut zu bewältigen. Mit Vineta Sareika schien eine ideale neue erste Geigerin gefunden. Nun trifft der Tod des besonders energetischen Bratschisten das Artemis-Quartett besonders schwer. Noch ist offen, ob und in welcher Konstellation man die Verpflichtungen für die kommende Konzertsaison erfüllen kann.
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