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    Thielemann in Dresden 2015/16

    Christian Thielemann Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, wurde von der Leipziger Richard-Wagner-Stiftung mit dem Wagner-Preis 2015 (Preisgeld 10.000 Euro)ausgezeichnet. Er wird als Chefdirigent in der Dresdner Semperoper, die nach wie vor keinen Intendanten hat, kommende Spielzeit die Wiederaufnahme der Osterfestspielproduktion von Richard Strauss’ „Arabella“ (17., 24. X., 7., 10. XI. 2015), zweimal mit Anne Schwanewilms (Oktober), zweimal mit Anja Harteros (November) in der Titelpartie.
    Im Februar (16., 20., 23. und 28.) gibt es Willy Deckers Inszenierung von Wagners „Walküre“ unter Thielemann mit Johan Botha, Nina Stemme, Petra Lang und Georg Zeppenfeld. Den Wotan singt Markus Marquardt.
    Wie schon berichtet, gibt es im Mai dann eine Wiederaufnahme von Christine Mielitz’ Inszenierung des strong>„Lohengrin“: Neben Anna Netrebko und Piotr Beczala sind Evelyn Herlitzius als Ortrud und Tomasz Konieczny als Telramund zu erleben. Georg Zeppenfeld ist der König Heinrich. (Vorstellungen: 19., 22. 25 und 29. Mai 2016).
    Überdies verrät der Dresdner-Online-Spielplan bereits die Salzburger Osterfestspiel-Produktion: für 19. und 27. März 2016 steht Verdis „Otello“ auf dem Spielplan.
    In der laufenden Saison steht Christian Thielemann in der Semperoper nur noch am 1. Mai bei der Premiere und danach bei den ersten beiden Folgevorstellungen (3. und 6. Mai) der Neuinszenierung von Webers „Freischütz“ am Dirigentenpult. Opernfreunde können bei dieser Gelegenheit neue Stimmen kennenlernen: Sara Jakubiak ist die Agathe, Christina Landshamer das Ännchen. Die Rollen von Max und Kaspar sind mit Michael König und Georg Zeppenfeld besetzt. Bis Jänner 2016 gibt es dann noch 15 Reprisen der neuen Inszenierung Axel Köhlers, die aber von anderen Dirigenten betreut werden. Die Wiederholungen in der Premierenserie bis 31. Mai dirigiert Peter Schneider.

    Details: www.semperoper.de
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    Empfehlung. Heute oder morgen: die Symphoniker im Musikverein unter Philippe Jordan
    Gustav Mahlers Vierte, soeben anlässlich des Gastspiels des Concertgebouw Orchesters unter Mariss Jansons in einer wohltönenenden Wiedergabe zu erleben, noch einmal im Goldenen Saal. Diesmal von den Symphonikern unter Philippe Jordan musiziert, nicht minder berückend, besonders eindringlich, intensiv.
    Das Stück gilt als kleine Schwester der riesenhaften Symphonien, die sie umgeben. Und doch: Schon Mahler warnte seine Exegeten, angesichts der verhältnismäßigen kurzen Dauer und der im Vergleich geradezu kammermusikalischen Orchesterbesetzung, zu übersehen, dass seine Musik auch hier "ins Große Einmaleins" der klingenden Seelenbespiegelung vordringt. Sie beginnt und endet zwar, "als ob sie nicht bis drei zählen könnte", doch steckt sie voller Fallstricke und doppelter Böden. Bald erfahren Erinnerungen an Kinderlieder triumphale Apotheosen, bald dringen fratzenhafte Grimasssen auf idyllische Klangbilder ein; und immer wieder scheint der musikalische Fluss durch unerwartete Staumaßnahmen genötig, sich aus einem friedlichen Gewässer in reißende Stromschnellen zu verwandeln.
    Diese Paradoxien macht Jordan hörbar, indem er die höchst engagiert aufspielenden Wiener Musikanten animiert, ihre Soli mit der gebotenen Eindringlichkeit und Prägnanz zu gestalten, oft - wie's die Partitur vorschreibt - ohne Rücksicht auf das Umfeld, das in subtiler dynamischer Registrierung herrlich weiche Übergänge und behutsame melodische Entwicklungen, aber auch kräftige Akzente und in buntesten Farben gemalte Tableaux kennt: Das "Verweile doch, du bist so schön" zeigt bei Mahler freilich meist die "kleinste Dauer". Jordan hat bei aller Kunst der Feinabstimmung Mut zum Grellen, zum Zerrbild; dafür entwickeln sich Höhepunkte ohne interpretatorischen Druck, die vielen kleinen Rückungen und Verzögerungen und Beschleunigung, die Mahler vorschreibt werden nicht noch durch Zutaten des Dirigenten angereichert. Diese Aufführung setzt um, was der Komponist vorgeschrieben hat. Das reicht in seiner Detailversessenheit, um alle Effekte adäquat auszuspielen - verliert aber dank der Umsicht des Maestros nicht an Konsistenz.
    Philippe Jordan entpuppt sich da als begnadeter Märchenerzähler: je unwahrscheinlicher die Geschichte wird, desto spannender und "logischer" scheint sie dem gespannt lauschenden Zuhörer. Kinder und Musikfreunde haben nie Probleme mit höheren Dimensionen der Wahrnehmung . . .
    Camilla Tilling singt das Sopransolo in geradezu naiver Gradlinigkeit, genau in jenem Unschuldston, in dem hier in Wahrheit Ungeheuerlichkeiten ausgeplaudert werden - das Stück schließt in ätherisch-stiller Ungewissheit. Es ist zuviel passiert, als dass sich der Hörer verabschieden könnte, ohne den Nachklang des symphonischen Erlebnisses in sich zu tragen, sich mit ihm weiter zu beschäftigen.
    Wiederholungen: heute und morgen, 19.30. www.musikverein.at
    Als Einstimmung gibt es, spritzig und eloquent formuliert, Schuberts rossinianische Sechste. Ein höchst empfehlenswerter Abend!
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    Oper, inszeniert von Freyer und Wilson, in Linz
    Im nächstjährigen Spielplan des oberösterreichischen Landestheaters finden sich neben der Uraufführung der Oper "Terra Nova oder Das weiße Leben" von Moritz Eggert (nach einem Libretto von Franzobel) Premieren von Verdis "Traviata" in der Regie von Robert Wilson (19. September) sowie von Debussys "Paellas und Melisande" von Achim Freier (19. März). In die Schulen geht man mit dem "Tagebuch der Anne Frank".
    www.landestheater-linz.at
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    "Werther" mit der Gheorghiu und einem wunderbaren jungen Tenor
    Jean-Francois Borras eilt ein enormer Ruf voraus. Er gilt als einer der kommenden Stars am Tenor-Himmel: Helles Timbre, in der Höhe durchaus metallisch geschärft zu strahlenden, vor allem: mühelosen Entfaltung befähigt. In der laufenden Saison war Borras bereits als Des Grieux an der Seite der Manon von Patricia Petibon zu erleben.
    Auf Massenet ist er offenbar abonniert: Nun sprang er an der Seite von Angela Gheorghiu für den erkrankten Ramon Vargas als Werther ein. Da ist Borras ganz in seinem Element, denn die Stimme ist durchaus auch zu intensiveren Aufwallungen prädestiniert. Doch ist dieser Tenor ein Stilist, weiß, dass Massenets Musik ein Abkömmling der Opéra comique, keine frankophone Antwort auf die Veristen ist. Das wird oft missverstanden. Borras, der hörbar an der Geschmeidigkeit seiner Phrasierungen arbeitet, ist dazu befähigt, mit Geschmack die Stimm-Register zu mischen. Das beherrscht er perfekt, womit er ein idealer Dialogpartner für einen feinsinnigen Bariton wie Ludovic Tézier – einer Luxusbesetzung für den Albert – ist, mit dem er auf musikalisch-gestalterischer Augenhöhe parlieren kann.
    In einem solchen Stück der verhaltenen, der unterdrückten Gefühle, verdichtet sich eine Aufführung, in der Emotionen vorrangig in leisen Tönen transportiert werden, besonders adäquat. Die Begegnung des Liebespaars, das keines sein darf, werden zu intensiven theatralischen Momenten, denn die Charlotte der Angela Gheorghiu ist, wie gewohnt, eine minutiös durchdachte szenisch wie musikalisch differenzierte Charakterstudie: Gewiss, die Partie liegt dem Sopran in Wahrheit zu tief, was in den ersten beiden Akten manchmal spürbar wird. Doch wächst die Spannung zwischen Gheorghiu und Borras nach der Pause zu atemberaubender Intensität.
    Daran hat auch das Staatsopern-Orchester seinen Anteil, denn unter Frédéric Chaslins ruhiger Führung wird man Massenet auch instrumental gerecht: Nirgendwo regiert Derbheit, Wildheit, doch sind die leisen Töne (Violinsolo, Klarinette, die herrlich registrierten tiefen Streicher!) stets expressiv aufgeladen, hier von verzehrender Schönheit, da mit Zündstoff aufgeladen, der – wie das Stück es will – meist gerade nicht explodieren darf, dafür umso dringlicher wirkt.
    Die Mixtur aus Nervosität und Verzweiflung im Brief-Monolog der Charlotte, den Gheorghiu seismographisch präzis durchlebt, wäre ohne die beredte philharmonische Assistenz nur halb so ausdrucksstark.
    Daniela Fally und Alfred Sramek führen neben den prominenten Debütanten die Mitglieder des Wiener Ensembles mit wohlbekanntem theatralischen Instinkt – und Sinn fürs Komödiantische. So wird die Fallhöhe zu den tragischen Schicksalen umso drastischer erlebbar. Ein großer Abend, der entsprechend Jubel erntet: am 13. März in HD-Qualität im Netz (www.staatsoperlive.com).
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    CD-Tipp zur Causa Zimmermann: 
    Die letzten Klänge von Fritz Kreislers Stradivari

    Die Geschichte ging durch die Medien – doch scheint sie schon wieder vergessen. Zu sehr beschäftigen unsere Zeitgenossen wirtschaftliche Nöte und Grundsatzüberlegungen, als dass die Funktion von Banken als Kultur-Sponsoren noch über längere Frist im Fokus bleiben dürften. 
    Und doch: Dass Frank Peter Zimmermann seine Stradivari zurückgeben musste, bewegt zumindest Musikfreunde, die den Wiedergaben von Mozart-Violinkonzerten auf dieser Hänssler-CD lauschen. Zimmermann musiziert hier – wie denn auch anders? – auf der „Lady Inchiquin“, einem 1711 gebauten Instrument aus der legendären Stradivari-Werkstatt. Die Provenienz des Instruments muss für einen Geiger besonders beglückend sein: Fritz Kreisler hat einst auf dieser Violine gespielt! 
    Die Stiftung Westdeutsche Landesbank stellte sie Zimmermann zur Verfügung;. Immerhin darf man behaupten, dass dieser Interpret zu den herausragenden Solisten im internationalen Konzertleben gehört, unter den Deutschen darf er jedenfalls singulären Rang beanspruchen. Die Kreisler-Stradivari hat er mittlerweile aber zurückgeben müssen, denn die Rechtsnachfolger der Bank mussten für deren Abwicklung auch die Sammlung veräußern. Zimmermann hat eine Millionen-Summe geboten; aber das Instrument war höher geschätzt . . .

    Mozart-Konzerte, subtil

    Die Münchner Aufführungen sämtlicher Mozart-Konzerte mit dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks hat Zimmermann noch auf seiner Lieblingsgeige gespielt – und dafür Ovationen und hymnische Rezensionen geerntet. Die Konzerte 1, 3 und 4 liegen nun auf CD vor. Die Aufnahmen atmen die Frische eines Live-Konzerts, sind (unter Radoslaw Szulc’ Leitung) durchaus mit Wissen um die Phrasierungs-Erkenntnisse der Originalklang-Exegeten, aber in sattem, weichen Klang gespielt – und Zimmerman brilliert mit schlankem, gradlinigem Ton, nimmt den Dialog mit dem Orchester (und hie und da verschmitzt auch mit sich selbst) auf, leistet sich keine larmoyanten Übertreibungen in den schlicht und schön modellierten langsamen Sätzen und betrachtet Kadenzen und „Eingänge“ nicht als Spielwiese für geigerische Eitelkeiten, sondern nutzt sie zu subtilen Apercus zum rundum ausführlich und detailverliebt Gesagten. Dass Mozart nicht auch in seiner späten Wiener Zeit für Solo-Violine komponiert hat, bedauert man mit dem Booklet-Autor nach Abhören dieser CD besonders. Was könnte Zimmermann mit einem geigerischen Gegenstück zu KV 466 alles anfangen . . . 



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    Heute vormittag in Ö1: Thielemann in Berlin
    Ob er anlässlich der demnächst anstehenden Wahl gegen die Modernisten eine Chance haben wird, ist fraglich. Doch für viele Musikfreunde - und doch auch, wie man hört, für einen Teil der Musiker, gilt Christian Thielemann als der einzige wahre Kandidat für die Position des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Ihm als einzigem Kapellmeister seiner Generation traut man zu, das Orchester an jenen Spitzenplatz zurückzuführen, den es als Klangkörper für Klassik und große Romantik unter der Führung von Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan wie selbstverständlich innehatte. Mitte Jänner stand Thielemann am Pult und demonstrierte, dass er nicht nur Beethovens "Eroica" und eine Tondichtung von Franz Liszt ("Orpheus") für philharmonisch wertvoll erachtet, sondern auch Hans Werner Henzes späten "Sebastian im Traum" - frei nach Trakls Gedicht-Zyklus, der übrigens vor genau 100 Jahren posthum erschienen ist.
    Der Mitschnitt des Konzerts ist heute ab 11.03 Uhr in Ö1 zu hören.
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    Die "MET" 2015/16
    Enttäuscht reagieren New Yorker Opernfreunde auf die Absage von Jonas Kaufmann in den Online-Foren. Gerade einmal zwei Aufführungen von "Carmen" waren (vorige Woche) mit dem deutschen Tenor vorgesehen. Die hat er abgesagt. "Kein Wunder" bloggen nun manche Fans: Wegen zweier Vorstellungen über den Ozean zu fliegen . . . Nächste Spielzeit ist die Hoffnung größer: Da ist Kaufmann für eine "Manon Lescaut"-Serie unter Fabio Luisi vorgesehen. Die Metropolitan Opera hat ihren 2015/16 präsentiert, der insgesamt doch ein wenig abgespeckt wirkt.
    Die Spielzeit startet mit Verdis „Otello“ (Aleksandrs Antonenko, Zeljko Lucic und Sonja Yoncheva), Puccinis „Turandot“ (Christine Goerke bzw. Lise Lindström und Marcelo Alvarez), Verdis „Troubadour“ (Yonghoon Lee bzw. Marcello Giordani, Dmitri Hvorostovsky sowie alternierend Anna Netrebko und Angela Maede), Donizettis „Anna Bolena“ (Sondra Radvanovsky in der Titelpartie, Elina Garanca als Giovanna Seymour) und Wagners „Tannhäuser“ (unter James Levine mit Johan Botha, Eva Maria Wetbroek und Peter Mattei).
    Hausherr Levine studiert in der Folge auch Bergs „Lulu“ mit Marlies Petereson (in einer Produktion der English National Opera von William Kentridge und Luc de Wit) ein (Premiere: 5. November). Außerdem dirigert er die Aufführungen der „Fledermaus“ im Dezember und Jänner (Toby Spence ist der Eisenstein, gesungen wird Englisch).
    Die gewohnten Star-Besetzungen finden Met-Besucher auch im Dezember bei Rossinis „Donna del lago“ (Joyce DiDonato und Daniela Barcellona), im Jänner bei Bizets ���Perlenfischern“ (Diana Damrau), im Februar und März bei Puccinis „Manon Lescaut“ mit Kristine Opolais und Jonas Kaufmann, in David McVicars Neuinszenierung von Donizettis „Roberto Devereux“ (Sondra Radvanovsky und Elina Garanca mit Matthew Polenzani und Mariusz Kwiecien – ab 24. März).
    Placido Domingo, Joseph Calleja und Ferrucio Furlanetto kehren unter Levines Leitung mit „Simon Boccanegra“ zurück (ab 1. April), Nina Stemme präsentiert sich nach Wien auch in New York als „Elektra“ (unter Esa-Pekka Salonen mit Waltraud Meier und Adrianne Pieczonka ab 14. April).
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    Schostakowtischs „Lady Macbeth“, das war einst in der frühen Sowjetunion der Aufreger schlechthin. Das Stück, an dem sich die Widersprüche so sehr entzündeten, dass Väterchen Stalin höchstpersönlich einschritt: Hinfort sollte in seinem Reich nur noch die Volkskultur gepflegt werden. Avantgardistisches solch aggressiven Zuschnitts durfte keinen Platz mehr haben.
    Um welche künstlerische Schlagkraft der Diktator den kommunistischen Teil der Welt damals mit einem Federstrich gebracht hat, kann man bei heutigen Aufführungen kaum noch spüren. „Lady Macbeth“ ist in Zeiten wie diesen längst zu einem historischen Phänomen geworden. Das bleibt immerhin spannend: So konsequent hat die Techniken des späteren TV-Krimis niemand auf der Musiktheaterbühne vorweggenommen.
    Entsprechend „konsumiert“ das Publikum auch im Opern-„Hauptabendprogramm“ das einst so skandalträchtige Stück. Matthias Hartmann hat als wohlbestallter Burghteater-Direktor 2009 eine Staatsopern-Inszenierung erarbeitet und lang vor dem Hinauswurf zugesagt die Wiederaufnahme betreuen zu wollen.
    Das hat er nun getan. Die Erzählung in den praktikablen Bühnenbildern Volker Hintermeiers hält sich ziemlich penibel an die Vorgänge im Libretto,fügt jedenfalls nichts hinzu und verfälscht nichts. Das kann man ja beileibe nicht von allen Produktionen behaupten, die Wiens Opernchef Dominique Meyer von seinem Vorgänger geerbt hat.
    Diesmal steht für die Neueinstudierung nicht nur der Original-Regisseur zur Verfügung, sondern auch Dirigent Ingo Metzmacher wieder am Pult – und es darf behauptet werden, dass seine Interpretation der kühnen Partitur zwar nicht an rhythmischer Prägnanz, aber sehr an Ausdruckschärfe und dramaturgischer Intensität gewonnen hat.
    Diesmal verdichtet sich die Spannung dank der immensen Orchesterleistung oft enorm: nicht nur dort, wo mit Zusatz-Blasorchester extreme Lautstärkegrade erreicht werden, sondern gerade dort, wo Schostakowitsch die Dynamik in Pianissimobereiche zurücknimmt und die farbliche Registrierung ausdünnt: ein Violinsolo, ein paar Töne des Kontrafagotts genügen: Wie die Klänge in Beziehung zur Handlung stehen, ist auch für den Erstbesucher sofort zu entschlüsseln.
    Dass die zynisch-kabarettistischen, die zeitkritischen – gegen die kirchliche Obrigkeit ebenso wie gegen die Polizeigewalt gerichteten – Aspekte heute nicht mehr provokant wirken, sondern nur noch amüsant, ist wohl auch dem Zeitgeist zu verdanken. So kommt es immerhin zu entspannenden Momenten, während die mörderische Haupt-Handlung, die brutalen Gewalt- und ex-Szenen in einer völlig von jeglicher Humanität befreiten Welt ungemein packen.
    Die Premieren-Sänger sind wieder da: Angela Denoke in der Titelpartie, von der Fadesse der ersten Akte über die vergebliche Hoffnung angesichts des Ehebruchs bis zur hoffnungslosen elbstaufgabe auf dem Weg in die sibirische Verbannung zeichnet sie ein bewegendes Porträt einer Mörderin aus Verzweiflung.
    Kurt Rydl als rüder, menschenverachtender, altersgeiler Schwiegerpapa liefert eine studie in Widerlichkeit, die schwer zu überbieten sein dürfte. Marian Talaba ist der Schwächling, der dran glauben muss, Misha Didyk der virile Kraftlackel ohne jeglichen Anflug von Gewissen.
    Hinzu kommen neue, prägnante Figuren wie der Pope Ryan Speedo Green, der Polizeichef Sorin Colibans und die Sonjetka von Monika Bohinec, die allesamt stimmlich wie darstellerisch glänzend reüssieren. Nur Herwig Pecoraros Charaktertenor drohte am Sonntagabendim „schwarzen Scherzo“ des „Schäbigen“, der die Leiche des entsorgten Ehemanns entdeckt, des Öfteren vollständig unterzugehen.
    Das Publikum empfand den musikalisch starken Abend, durch keine Regie-Untaten gestört, offenbar als absolut stimmig und jubelte.
    Wiederholungen in dieser Woche: Mittwoch und amstag. www.staatsoper.at
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    SINKOTHEK - DA CAPO
    Anregungen zum Wiederhören.

    Karajans moderne Klassik

    Wirklich feinstes Streicher-Spiel hört man auf der 1969 in St. Moritz eingespielten Aufnahme von Igor Strawinskys „Apollon Musagète“, die demonstriert, auf welch einsamer Höhe die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajans Führung damals angekommen waren. Die Wiedergabe erreicht einen innigen Höhepunkt im Pas de deux Apollo/Terpsichore: ein Adagio von lyrischem Schmelz sondergleichen. Jede der einzelnen, fein verästelten Stimmen „singt“. Angesichts der legendären „Kühle“ von Strawinskys in diesem Fall ganz diatonisch empfundener Konstruktivität ein kleines Wunder. Wahrscheinlich hätte es dem Meister selbst auch gar nicht behagt, wie Karajans Aufnahme von „Sacre du printemps“, die er arg verunglimpfte. Gottlob hat der Dirigent seine Lust an Strawinskys Musik darüber nicht verloren.
    Bartóks „Musik“
    Der glasklare, edle „Apollo“ ist auf der Platte begleitet von Béla Bartóks „Musik für Saiteninstrumente“ – Karajans dritte (und letzte) Aufnahme dieses Werks, das er schon knapp nach der Uraufführung in sein Repertoire aufgenommen hatte.
    Diese Einspielung kann – wohl als einzige im Katalog – sogar halbwegs mit der unvergleichlichen Living-Stereo-Wiedergabe durch das Chicago Symphony Orchestra unter Fritz Reiner mithalten, ist vielleicht sogar noch einen Deut „durchhörbarer“, „sauberer“ musiziert, wenn auch nicht ganz vom gleichen Impetus. Aber wie herrlich aufgefächert ist der Klang im Dialog zwischen Streicher-Pizzicato und Harfe im zweiten Satz!
    Über die Präzision der Schlagwerker
    Ein Detail am Rande: Kenner sollten sich den Spaß machen, bei der eben angesprochenen Passage die Berliner und die Chicagoer Aufnahme direkt zu vergleichen. Es gibt da jeweils an den strategisch herausragenden Punkten der Kette von Klavierakkorden, jeweils „off-beat“ markante Einzeltöne des Xylophons (Takte 226-232). Was die rhythmische Sensibilität betrifft , schlägt der amerikanische Kollege den deutschen da ums jeweils Millisekunden-Alzerl souverän. (Dafür spielt der Berliner dann den einsamen Beginn des dritten Satzes wunderbar gefühlvoll aus; man kann nicht alles haben . . .)
    Und noch ein Detail: Das knappe Ritenuto vor dem Schlussakkord des Werks verstehen sowohl Karajan als auch Reiner wohl richtig und dehnen es nicht, wie die meisten andern Dirigenten unnötig aus, wodurch es zum Bremsklotz wird und die Schlagkraft des Schlusses beeinträchtigt. Beide Aufnahmen landen effektsicher im Ziel. (Karajan auf DG, Reiner auf RCA)
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    Lorenzo Viotti im Finale des Young Conductors Wettbewerb

    Der 25jährige Sohn des früh verstorbenen Dirigenten Marcello Viotti, Lorenzo Viotti, hat sich unter 65 Kandidaten fürs Finale des Young Conductors Wettbewerbs der Salzburger Festspiele qualifizieren können. Die Jury unter dem Vorsitz von Dennis Russell Davies kürte außerdem den 23jährigen Tschechen Jiri Rozen und mit Giedrė Šlekytė (25) auch eine junge Dame aus Litauen. Ihr gebührt höflicheweise der Vortritt bei den entscheidenden Runden während der Salzburger Festspiele. Slekytè dirigiert die Camera Salzburg in der Universitäts-Aula am Nachmittag des 8. August, Viotti folgt am 9. (jeweils 15 Uhr). Dem jüngsten Kandidaten steht der Vormittag des 10. August (11 Uhr) zur Verfügung. Das Pulikum ist gebeten, wieder mitzustimmen. Wer gewinnt, dirigiert bei den Festspiele 2016 ein Konzert des RSO Wien in der Felsenreitschule.


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    Die Kirchschlager zur Eröffnung der Loisiarte 2015

    Angelika Kirchschlager war der Star des ersten Abends von Christian Altenburgers feinem Festival im Loisium: Im pittoresken Ambiente der sogenannten „Kathedrale“ in einem ehemaligen Weinkeller von Langenlois sang sie „Il tramonto“ von Ottorino Respighi, eine Tondichtung nach einem todessüchtigen Gedicht von Shelley. Das Publikum schwelgte in den dunkel-schönen Herbstfarben, die der italienische Meister der Stimmungsmalerei beschwört.
    Dass die Kirchschlager zunächst die deutsche Übertragung des Poems vortrug, verdichtete die Spannung: eine Meisterleistung, denn Shelleys Verse können in der deutschen Übertragung noch verworrener wirken als im Original, würde man sie nicht so einfühlsam gliedern, wie es der Sängerin gelang. Zum Grundton der „Loisiarte“ passte das perfekt, denn hier wird traditionsgemäß (heuer ist Festival Nummer 10!) Musik mit Literatur subtil vermischt. Und es gibt immer Entdeckungen zu machen.
    Hausherr Christian Altenburger engagierte sich zur Eröffnung für das hochvirtuose Capriccio des Koreaners Jeajoon Ryu - und hat für seine illustren Kammermusikpartner fürs Wochenende noch Werke von Schumann, eine Uraufführung von Richard Dünser und zum Finale Schuberts Oktett vorgesehen.
    Lesungen gibt es noch von Joachim Bißmeier (Siegfried Lenz, Samstag, Abend) und Joseph Lorenz (Sonntag, 11 Uhr, Schnitzlers „Ich“). Den Löwenanteil des Musikprogramms am Samstagabend bestreitet der Arnold Schönberg Chor unter Erwin Ortner: Mendelssohn, Vasks und Brahms – unter anderem die erste Serie der „Liebesliederwalzer“

    www.loisiarte.at
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    Wien braucht keine Theater-Verwaltungen, sondern Intendanten, die miteinander reden.
    Plädoyer für eine "wienerische Opern-Dramaturgie"


    Es ist gefragt worden, ob man in Wien nicht das Theaterleben besser koordinieren könnte. Dabei wütet weiterhin die notorische Schere in den Köpfen: Hie Bundestheater, da städtische Bühnen. Brauchen Staatsoper, Volksoper und Burgtheater eine gemeinsame Holding? Die Finanzaufsicht hat ja im Falle des Burg-Skandals versagt; künstlerisch sollten sich Direktoren nicht dreinreden lassen. Wozu also der Überbau?
    Im Rathaus wiederum rufen Stimmen nach einem „Wunderwuzi“, der die städtischen Bühnen führen soll: Einen Opernbetrieb und mehrere Spielorte für das sinnloserweise (und wirklich nur in Wien) hochsubventionierte Kommerzmusical zu koordinieren: Wer sollte das können. Und vor allem: wozu?
    Das anspruchsvolle Musiktheater programmatisch zu harmonisieren, dazu bedarf's offenkundig keiner höheren Stelle. Wie das auf hohem Niveau funktionieren kann, demonstrieren Staatsoper und Theater an der Wien seit längerem ziemlich gut.
    Eben hat Roland Geyer den Spielplan für die kommende Saison an der Wien vorgelegt und bewiesen, dass sich der künstlerische Leiter des Stagione-Hauses sehr wohl seiner Verpflichtung gegenüber den Notwendigkeiten einer lebendigen Musiktheater-Arbeit in Wien bewusst ist.
    Es gibt, sieht man von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ und dem „Capriccio“ von Richard Strauss ab, kaum noch Verdoppelungen oder Verdreifachungen zwischen seinem Haus und den beiden Opernhäusern des Bundes.
    Stattdessen sorgt Geyer für eine Bereicherung des Angebots und verbreitert die Basis dessen, was einheimische Opernfreunde und die gehobene touristische Schicht von der Musikstadt par excellence rechtens erwarten: Nebst dem glänzend funktionierenden Repertoirebetrieb im Haus am Ring zeigt man an der Wien kurze Serien von Raritäten wie Marschners „Hans Heiling“ (den der Hausherr selbst inszenieren wird!), Monteverdis „Poppea“ (Claus Guth/Dirigent: Christophe Spinosi), die Urfassung des „fliegenden Holländers“ (Olivier Py/Marc Minkowski), Brittens „Peter Grimes“ (Christof Loy/Cornelius Meister), die „Dreigroschenoper“ (Keith Warner/Johannes Kalitzke), Rossinis „Otello“ (Damiano Michieletto/Antonello Manoacorda), Händels „Agrippina“ (Robert Carsen/Thomas Hengelbrock) und das schon erwähnte „Capriccio“ (Tatjana Gürbaca/Bertrand de Billy), reflektiert also die Operngeschichte von den Anfängen über Barock bis ins 20. Jahrhundert.
    Wobei das 19. Jahrhundert in selten beackerte Gebiete hinein ausgeleuchtet wird. In der Kammeroper und mittels konzertanter Aufführungen weitet man den Streifzug noch kräftig aus (www.theater-wien.at).
    Das darf man den heimischen Kulturpolitikern als vorbildliche Planungsarbeit ins Stammbuch schreiben: über alle städtisch-bündischen Grenzen hin wird hier offenbar eine Art wienerischer Dramaturgie mitgedacht. Apropos Stammbuch, apropos "Verwaltung", apropos "Dreinreden": Mit der Volksoper sollte ein drittes Haus an diesem Konzert mitwirken . . .
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    Bus mit Musikern der Tschechischen Philharmonie verunglückt
    Die tschechische Philharmonie setzt ihr Tournee in Polen fort. Das Gros Des Orchesters flog nach dem Auftritt im Wiener Musikverein nach Warschau
    Ein kleine Gruppe wurde aber mit dem Autobus abgeholt, um nach Prag zurückzufahren
    Im Bezirk Mistelbach kam der Bus von der Fahrbahn ab und landete im Straßengraben Einer der Musiker musste mit schweren Verletzungen vom Rettungshubschrauber ins AKH geflogen werden . Seine Kollegen kamen mit Prellungen und Rippenbrüchen davon.
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    Alain Altinoglu ersetzte spontan Mikko Franck in Zürich
    Ein Husarenritt gelang dem Dirigenten Alain Altinoglu am Pult des Zürcher Opernorchesters. Mikko Franck, der Gustav Mahlers Sechste Symphonie einstudiert hatte, fiel vor der Generalprobe kurzfristig wegen einer plötzlichen Erkrankung aus. Die Generalprobe leitete ein Schlagwerker des Orchesters, der über einige Dirigiererfahrung verfügt. Das Konzert übernahm dann Altinoglu, der gerade zu Probenarbeiten für eine Uraufführung am Opernhaus in Zürich weilt. Auf dem Programm stand Mahlers Sechste Symphonie - Altinoglu hat sie noch nie dirigiert! Staunende Bewunderung und eine Standing Ovation waren ihm sicher.
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    Wie wird die neue "Elektra"?

    Uwe-Erich Laufenberg stand der Austria Presse Agentur vor der kommenden Richard-Strauss-Premiere an der Staatsoper Rede und Antwort. Wie die Neuinszenierung, die das Rollendebüt Nina Stemmes in der Titelpartie bringt, aussehen wird, stand schon fest, als der Dirigent noch Franz Welser-Möst hieß. Nach dem Abgang des Wiener GMDs gab es aber einen Dirigentenwechsel. Am optischen Konzept ändert sich deshalb offenbar nichts.

    Zitat aus dem Interview:

    APA: Eigentlich hätte Franz Welser-Möst dirigieren sollen - hatten Sie mit ihm Vorgespräche geführt?
    Laufenberg: Ja, diese Gespräche waren auch sehr schön.
    APA: Wie läuft's jetzt mit dem Dirigenten Mikko Franck?
    Laufenberg: Das Regiekonzept stand ja und Mikko Franck ist damit umgegangen. Die Zusammenarbeit war sehr gut und harmonisch. Er hat mir heute ein großes Lob ausgesprochen, indem er gesagt hat, er findet meine Inszenierung musikalisch und das soll sie auch sein. Ich finde immer, die Regiesprache, die Aktionen müssen auf der Bühne mit der Musik Hand in Hand gehen.

    Laufenberg über "Elektra" und unsere blutige Gegenwart:

    Es gibt zwei Opern am Anfang des 20. Jahrhunderts, die diese Hassschübe und diese totale Vernichtung exzessiv nachgezeichnet haben. Das ist "Tosca" von Puccini und "Elektra" von Richard Strauss. Das Jahrhundert hat dann tatsächlich zwei unglaubliche Weltkriege erlebt. Danach kam auch wieder Licht. Das Faszinierende ist ja, dass Elektra vom Licht träumt, dass am Ende alle tanzen, dass alle sich zusammentun, dass es ein großes Freudenfest ist, wenn diese dunkle, furchtbare Zeit der - wie sie es empfindet - falschen Diktatur, der falschen Unterdrückung, der falschen Herrschaft endlich vorbei ist. Es ist immer die Frage, ob nach dieser dunklen Zeit eine helle kommt. Die IS-Leute und diese religiösen Kämpfer haben offenbar keine andere Identität, wenn sie sagen: "Bevor ich nichts bin, will ich lieber Hass sein. Wenn ich Hass bin, bin ich wenigstens etwas." Und damit sind wir ganz nahe an der Elektra-Figur.
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    Johan Botha ist Thielemanns "Otello" zu Ostern 2016
    Das Programm für die Salzburger Osterfestspiele 2016 ist offiziell verlautbart worden. Die Opernpremiere gilt Verdis "Otello" mit Johan Botha in der Titelpartie. Vincent Boussard inszeniert, Christian Thielemann dirigiert die Staatskapelle Dresden. Dmitri Hvorostovsky ist der Jago, Dorothea Röschmann die Desdemona.
    Die Konzertprogramme, die Thielemann erstmals mit dem neuen geschäftsführenden Intendanten des Festivals, Peter Ruzicka, erstellt hat, spüren passend zur Opernpremiere Shakespeares Geist im symphonischen Repertoire nach: Webers "Oberon"-Ouverture wird zu hören sein, "Sommernachtstraum"-Musik von Mendelssohn und Henze (8. Symphonie), "Romeo und Julia" von Tschaikowsky. Geistlichen Kontrapunkt bieten Beethovens "Missa solemnis" und die kurze Urfassung von Bachs Messe in H-Moll nebst einer Messe von Weber (gesungen vom Dresdner Kreuzchor).
    Solisten in den Konzerten: Anne-Sophie Mutter, Rudolf Buchbinder und Yefim Bronfman. Das Solistenquartett in der von Thielemann dirigierten "Missa solemnis" führt Krassimira Stoyanova an. Eines der Konzerte übernimmt 2016 Vladimir Jurowski.
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    Triumphales Elektra-Debüt Nina Stemmes an der Staatsoper
    Da muss man Staatsopern-Direktor Dominique Meyer recht geben: 2300 Menschen waren live dabei, viel mehr Opernfreunde werden in 20 Jahren behaupten, dabei gewesen zu sein. Nina Stemme, die Nummer eins unter den Hochdramatischen, sang ihre erste "Elektra". Dass das ein Ereignis sein würde, war vorherzusehen. Wie gut diese Künstlerin schon zum Einstand diese vielleicht anspruchsvollste aller Sopranpartien bewältigen würde, hat wohl niemand gedacht. Die Kraftreserven der Stemme sind, man weiß es von unzähligen Brünnhilden, endlos. Dass ihre Stimme auch bei den fulminantesten Ausbrüchen der Elektra ihre Strahlkraft nicht einbüßen würde, überraschte die Musikfreunde also vielleicht weniger als dass es ihr gelang, die vielen zarten Töne, die Richard Strauss verlangt, zu anschmiegsam weich modellierten Phrasen zu binden.
    Das macht der Stemme allerdings niemand nach. Das hat ihr auch kaum jemand vorgemacht. In der jüngeren Vergangenheit hat bestimmt keine Sopranistin diese Rolle dermaßen differenziert und wohlklingend zu singen vermocht. Ein paar Ausdrucks-Details, vor allem manch zynischer Unterton in den Dialogen mit der Schwester und der verhassten Mutter werden sich noch einstellen. Was am Premierenabend zu hören war, hebt die Stemme jedenfalls schon in den Olymp der Elektra-Darstellerinnen.
    Grandioses Damen-Trio
    Da kam die zuletzt von manchen arg gezauste Regie durchaus zu Hilfe, denn Uwe Eric Laufenberg hat vor allem die Beziehung zwischen Elektra und Klytämnestra fein schattiert. Anna Larsson, eine Debütantin auch sie, gibt der Mutterfigur faszinierend hoheitsvolle Züge, zeichnet eine Frau, deren Nerven zwar zerrüttet sind, die aber die Haltung nie verliert. Berührend, wie sie sich der ungeliebten, aber bewunderten Tochter zu nähern versucht, ja sogar den Körperkontakt sucht - bevor die Frage nach dem Bruder sie wieder zurückschrecken lässt.
    Hier verdichtet sich die Aufführung auch musikalisch enorm: Mikko Franck gibt dem Staatsopern-Orchester viel Zeit, alle Details der überreich illustrativen Partitur auszukosten, verliert aber den Spannungsbogen nicht aus den Augen. Viele Apercus, die "stammelnden" Fagott-Töne, wenn vom angeblich geistesschwachen Orest die Rede ist, die ungemein fragilen Pianissimi von Klarinette, Horn und Trompete während der "Erkennungsszene" hört man selten so liebevoll modelliert. Doch entfalten sich auch die gewaltigen Steigerungen, die jeder Straussianer sich von einer "Elektra"-Aufführung erhofft, mit ganzer Gewalt.
    Selbst die Fortissimi in der ekstastischen Schluss-Szene vermochten übrigens auch die Stimmen nicht zu schlucken. Die Stemme und ihre lebenshungrige Schwester Chrysothemis, Ricarda Merbeth, überstrahlten jede orchestrale Entladung scheinbar mühelos. wobei die Leistung der im letzten Moment eingesprungenen Ricarda Merbeth besonderen Applaus verdient: So leuchtkräftig wird nicht bald eine Kollegin dieser neuen Elektra Paroli bieten können.
    Alle drei Frauenstimmen an diesem Abend markieren jedenfalls Spitzenplätze in der Opern-Weltrangliste. Der Orest von Falk Struckmann steht dort schon lang an vorderster Front, Norbert Ernst als scharf charakterisierender Ägisth gehört an den nämlichen Platz unter den Tenören. Im übrigen Ensemble findet sich kein Schwachpunkt. Was die Wiener Staatsoper - nicht nur aber nicht zuletzt - bei Richard Strauss heute zu leisten imstande ist, sichert dem Haus eine singuläre Stellung.
    Was die Inszenierung betrifft, wird man sich an den Kohlenkeller samt Paternoster gewöhnen, den Rolf Glittenberg an Stelle des mykenischen Palastes auf dei Bühne gewuchtet hat. Von ein paar entbehrlichen Momenten (vor allem den nackten Mädchen, die von den Dienerinnen zu Beginn "geduscht" werden, und dem etwas abgehobenen - jedoch angeischts von Elektras Ruf "alle müssen herbei" nicht ganz sinnlosen - Schlussballett) abgesehen, stört keine Regie-Idee die Handlung. Solange dermaßen meisterlich gesungen wird wie bei dieser Premiere, findet "Elektra" wirklich statt, wie sie - dank der orchestralen Strauss-Kompetenz - wohl nur in Wien stattfinden kann.
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    In St. Margareten wird weiterhin gesungen
    Maren Hofmeister, ehemals im Betriebsbüro der Berliner Lindenoper unter Jürgen Flimm und Daniel Barenboim für die Sänger-Engagements verantwortlich, übernimmt ab sofort die Leitung der Opern-Festspiele im Steinbruch von St. Margarethen im Burgenland. Die Festspiele sind im Herbst 2014 nach einer Insolvenz unter der Federführung der Esterhazy-Privatstiftung neu gegründet worden. Hofmeister wird auch in der Stiftung für Musik und Kultur zuständig sein.
    In St. Margarethen gibt man heuer "Tosca", inszeniert von Robert Dornhelm. (Premiere: 8. Jul)
    Info: www.arenaraia.at
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    Die Netrebko "live am Platz"
    Die Staatsoper startet heuer bei garantiert hohem Publikumszuspruch in die Freiluft-Saison. Mit Frühlingsbeginn hebt auch die Zeit der Live-Übertragungen auf den Herbert von Karajan Platz an. Am 10., 13., 17. und 20. April steht Donizettis "Anna Bolena" auf dem Programm. Anna Netrebko singt die Titelpartie, Ekaterina Semenchuk ist diesmal ihre Widersacherin. Da dürfte bei entsprechender Gnade des Wettergotts ein voller Platz garantiert sein. Übrigens ist auch die Partie des Smeton, mit dem bei der umjubelten Premiere Elisabeth Kulmann "abräumen" konnte, wieder mit einer hoffnungsvollen jungen Sängerin besetzt: Margarita Gritskova.
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    Antonio Pappano bis 2019 in Rom
    Antonio Pappano, künstlerischer Leiter der Londoner Covent Garden Oper, bleibt auch in Rom, wo er Chefdirigent der Accademia di Santa Cecilia ist, aktiv: Sein Vertrag wurde soeben bis 2019 verlängert. Anlässlich der Wiener Festwochen gastiert die Accaemia unter Pappanos Leitung am 31. Mai und 1. Juni im Konzerthaus. www.konzerthaus.at
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    Nellie Melbas Juwelen in Australien versteigert
    Nach dem Tod des letzten Erben der Primadonna assoluta der Zeit um 1900, Nellie Melba, wurde der Nachlass der aus Melbourne gebürtigen Sängerin (sie starb 1931) versteigert. Die Auktion bei Sotheby's Australia erbrachte umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro. Uhren und Juwelen zählten zu den begehrtesten Stücken.
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    Igor Levit ersetzt Martha Argerich
    Martha Argerich hat die Grippe.Der Pianist Denis Kozhukhin, Meisterschüler Dimitri Bashkirovs und von der Ärgerlich bereits nach Lugano eingeladen übernahm gestern den Klavierpart im Duo-Abend mit Gidon Kremer in Berlin. Wie Kollege Walter Donner berichtet, entfiel aus diesem Grund die vorgesehene Aufführung von Mieczysklav Weinbergs Sonate Nr. 3. Kozhukin spielte die Brahms-Fantasien op. 116. (Dobners Rezension demnächst auf www.diepresse.com/kultur)
    Igor Levit, auch in Wien schon "legendärer" Jung-Pianist - er sprang nach seinem Wien-Debüt im "Presse"-Musiksalon zuletzt über Nacht für Maurizio Pollini ein und erntete im Musikverein Ovationen - übernimmt am kommenden Sonntag den Solopart in der Aufführung des Schumann-Klavierkonzerts durch die Berliner Philharmoniker im Rahmen des Ostervestivals von Baden-Baden. Riccardo Chailly steht am Dirigentenpult.
    In Wien wird Levit erst im Mai 2016 wieder zu hören sein; wenn er zuvor nicht vielleicht wieder für einen Kollegen einspringt. Offiziell ist er am 8. Mai 2016 mit Werken von Bach, Schubert, Beethoven und Prokofieff im Musikverein avisiert. Martha Argerich soll bereits am 20. September dieses Jahre mit Daniel Barenboim und der Berliner Staatskapelle die Musikvereins-Saison eröffnen: Auf dem Programm steht Beethovens Zweites Klavierkonzert.
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    Salzburgs Osterfestspiele erfolgreicher als in der Ära Rattle
    Die Salzburger Osterfestspiele bilanzieren heuer mit einem deutlichen Einnahmen-Plus: 3, 4 MIllionen Euro konnten aus dem Kartenverkauf erlöst werden. Damit liegt die Kostendeckung bei 88 Prozent. Die Opern-Vorstellungen und einige der Konzerte waren zu 100 Prozent ausgelastet. Insgesamt erreichte man eine Auslastung von annähernd 95 Prozent.
    Damit sind die Osterfestspiele nach der Übernahme der künstlerischen Agenden durch Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden so erfolgreich wie zuletzt 2002. Damals dirigierte Claudio Abbado den von Peter Stein inszenierten "Parsifal", Konzerte der Berliner Philharmoniker leiteten Abbado und Mariss Jansons.
    "Otello" in Salzburg, "Tristan" in Baden-Baden
    Kommende Spielzeit kommt im großen Salzburger Festspielhaus eine Neuinszenierung von Verdis "Otello" heraus - mit Johan Botha in der Titelpartie. Bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, die seit ihrem Abgang aus Salzburg von den Berliner Philharmoinikern unter Simon Rattle bestritten werden, gab man heuer den "Rosenkavalier". Nächste Saison gibt es eine Neuinszenierung von "Tristan und Isolde" als Koproduktion mit der New Yorker Met. Eva-Maria Westbroeck und Stuart Skelton singen die Titelpartien.
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    Beethovens Neunte unter Muti aus Chicago online
    Am Abend des 7. Mai schaltet Chicago Symphony den Livemitschnitt des Saison-Eröffnungskonzertes 2014/15 online. Frei zugänglich steht dann die Video-Dokumentation der Aufführung von Beethovens Neunter Symphonie unter Riccardo Mutis Leitung im Netz. Das Solistenquartett fürhte Camilla Nylund an.
    Der Service ist Frucht des amerikanischen Sponsoren-Wesens: Ein anonymer Mäzen kam für die Kosten der Aufzeichnung auf!

    Die Netz-Adresse:
    cso.org/Beethoven9
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    Genia Kühmeier sagt Salzburg ab
    Genia Kühmeier wird nicht die Gräfin in der Neuproduktion von Mozarts "Figaros Hochzeit" bei den Salzburger Festspielen singen. Aus persönlichen Gründen hat sie die Mitwirkung zurückgelegt. Annett Fritsch springt ein. Der Salzburger Da-Ponte-Zyklus steht unter keinem glücklichen Stern. Zuerst schmiss Franz Welser-Möst die musikalische Leitung für alle drei Premieren hin. Ersatz-Maestro Christoph Eschenbach gab nach zwei Premieren auf: Den "Figaro" 2015 dirigiert Dan Ettinger. Nur der Regisseur ist geblieben: Sven-Eric Bechtolf leitet mittlerweile interimsmäßig die gesamten Festspiele . . .
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    Ein Domingo-Ersatz und Mutis Training
    Buchstäblich in letzter Sekunde rettete der italienische Bariton Luca Salsi eine via Radio übertragene Nachmittagsvorstellung von Verdis "Ernani" an der New Yorker Metropolitan Opera. Placido Domingo musste wegen Unwohlseins absagen und Salsi, für eine Aufführungsserie von "Lucia di Lammermoor" in New York, sprang ein; die Partie des Don Carlo in "Ernani" hat er zuletzt vor zwei Jahren gesungen - aber unter der Leitung von Riccardo Muti in Italien: "Was Sie mit Muti einstudiert haben, merken Sie sich ein Leben lang", kommentierte der Sänger post festum. Die New Yorker Aufführung dirigierte James Levine . . .
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    "Anna als Anna": Die Netrebko wieder in Donizettis "Anna Bolena"
    Atemlose Spannung während des Finales, Begeisterungsstürme am Schluss: Die Erfolgsproduktion der ersten Spielzeit der Ära Dominique Meyers kehrte mit Anna Netrebko zurück in die Spielplan der Staatsoper. Man meint, die Stimme der Primadonna würde mit den Jahren immer noch runder, weicher, samtiger, ohne an Glanz und Höhensicherheit einzubüßen. Jedenfalls ist diese Königin in Liebessehnen und Verzweiflung, in Wut und weisem Verzicht gleichermaßen berührend, echt, glaubhaft.
    Ebenbürtige Widersacherin
    Und was das Schönste ist: Wie zur Premiere mit Elina Garanca stand erneut eine Gegenspielerin als Giovanna Seymour auf der Bühne, die imstande war, die vokale Herausforderung anzunehmen: Ekaterina Semenchuk vermochte nach etwas unstetem Beginn bereits im Dialog mit dem König Heinrich des kernig-virilen Luca Pisaroni ihre mächtige Stimme auch in Piano-Regionen zu zügeln und lief während der Auseinandersetzung mit Anna Bolena zur Hochform auf. Das Psychodrama erlebte man also in allen Schattierungen.
    Das ist Oper auf allerhöchstem Niveau; auch - das hören die notorischen "Fortschritts"-Prediger nicht gern, aber es ist wahr - weil die Inszenierung Eric Génovèses das Stück dort belässt, wo es hingehört: Man trägt die Gewänder der Zeit und spielt das Stück, wie es im Libretto steht. Wenn eine Netrebko singt, braucht kein Mensch noch KZ-Wärter ringsum auf der Szene, um die Brisanz der Handlung voll und ganz zu empfinden. Wer glaubt, große, echte Gefühle "aktualisieren" zu müssen, hält das Publikum für vollkommen fantasielos und verkauft es für dumm. Der frenetische Applaus straft die fortwährenden diesbezüglichen Nörgeleien einiger wildgewordener (Ex-)Intendanten und Rezensenten Lügen. Was für eine Opernstadt ist dieses Wien, was für ein Haus die Staatsoper, wo - jeweils in adäquatem Umfeld - innerhalb einer Woche Angela Denoke als Kundry, Nina Stemme als Elektra, Elina Garanca als Rosenkavalier und nun die Netrebko nebst Haus-Debütantin Semenchuk in "Anna Bolena" zu erleben sind!
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    Angelika Kirchschlager - Broadway-Songs
    Am Sonntag, dem 19. APRIL (16:00 Uhr!) wiederholen Angelika Kirchschlager und Sona MacDonald im Ehrbar Saal (Mühlgasse 30, 1040 Wien) ihr Programm mit Broadway-Songs, diesmal mit erweiterter Instrumental-Begleitung: Otmar BINDER Klavier, Geri SCHÜLER Keyboard, Alexander LACKIER Kontrabass und Andi STEIRER Schlagzeug

    Karten unter: konzerte@stadtinitiative.at bzw. 585 08 88
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    Mezzo gewinnt Hilde-Zadek-Wettbewerb
    Die Mezzosopranistin Raehann Bryce-Davis gewann den diesjährigen Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb und errang neben dem von Siemens-Stiftung gestifteten Preisgeld in der Höhe von 10.000 Euro noch zahlreiche Sonderpreise, darunter jene der Medienjury und des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Auf Platz 2 landete die Sopranistin Ruth Jenkins-Robertsson. Platz 3 teilen sich Tamara Ivanis, Sopran und Tobias Greenhalgh, Bariton. Ivanis wird auch von der Neuen Oper Wien engagiert.
    Die Juroren waren 2015 unter anderen Brigitte Fassbaender, Adrianne Pieczonka und Charles Spencer. Das Finale fand im Beisein von Hilde Zadek im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins statt.
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    Deutsche Romantik und der Müll der NS-Ideologie
    Johannes Wildner, Dirigent der „Undine“-Premiere im Kinderzelt auf dem Staatsopern-Dach, hat sich Gedanken über Lortzing gemacht, über die Aktualität der Oper und die Möglichkeit, Musiktheater für Kinder und Eltern gleichermaßen spannend zu gestalten. Ein Protokoll seiner Überlegungen.


    Johannes Wildner über "Undine"

    Lortzing? Undine? Vielleicht sollte man noch die dritte Frage stellen: Oper? Dann sind es leichte Fragen: Oper ist jene Kunstform, bei der die meisten verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen miteinander verknüpft werden, Musik und Gesang, Tanz, Architektur, Bühnenbild, Kostüme. Keine anderen Kunstform „bedient“ so viele Empfindungen des Menschen, lässt ihn eintauchen in ein großes Reich der Fantasie. Lortzing steht an den Anfängen der deutschen romantischen Oper. Ohne ihn ist Wagner nicht zu denken. Wenn uns seine Welt heute lieblich oder naiv erscheint, dann scheint mir das auf einen grundsätzlichen Defekt unserer Betrachtungsweise der deutschen Romantik zurückzuführen zu sein: Diese Epoche war weder lieblich noch naiv!
    Es liegt aber noch nicht so weit zurück, dass und der Nationalsozialismus einen bestimmten Blick auf diese Kunstepoche aufgezwungen und anerzogen hat. Darunter leidet unsere gesamte Sicht auf die deutsche Romantik, auf Schumann und Mendelssohn, auf E. T. A. Hoffmann und Eichendorff. Auch wenn das „Aufgezwungen“ vorbei ist, das „Anerzogen“ steckt noch für Generationen in uns. Wir müssen an der Wiederherstellung der wirklichen Gestalt der Kunst der nachnapoleonischen Zeit arbeiten.
    „Undine“ handelt von der der Unvereinbarkeit zweier Welten, zutiefst „romantisch“, aber auch hochaktuell. Unsere gegenwärtige Welt leidet permanent und überall an Unvereinbarkeiten verschiedener Welten. „Undine“ zeigt die Abgründe der menschlichen Seele, die sich auftun, wenn man versucht, so eine „Unvereinbarkeit“ zu missachten.
    Das Stück ist für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen geeignet. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass Kinder immer andere Kunstwerke brauchen als Erwachsene. Kinder brauchen eine spezielle Präsentationsform. Das ist wie mit der Nahrung. Kinder brauchen keine andere Nahrung als Erwachsene, aber eine andere Form der Darreichung. Richtig aufbereitet, wäre „Undine“ durchaus repertoiretauglich. Die Aufbereitung des Werks für Kinder, die wir jetzt im Zelt auf der Staatsoper zeigen soll Erwachsene ja keinesfalls ausschließen!
    Das Projekt von Chefdramaturg Rene Zisterer betrifft genau diese spezielle Zubereitung des seelischen Grundnahrungsmittels „Oper“ für junge Menschen. Das Stück ist auf etwa eine Stunde „eingedampft“. Aber wie das passiert ist, ist bemerkenswert. Wir haben nämlich nicht einfach gekürzt, sondern ein Komponist, Tristan Schulze, der viel Erfahrung mit der kindlichen Seele und ihren Bedürfnissen nach Kunst hat, hat die Geschichte neu erzählt, einfach, klar, man könnte sagen „schnörkellos“. Dazu hat er einerseits das thematische Material von Lortzing herangezogen, andrerseits auch eigene Ideen eingebracht: Es gibt es in unserer „Undine“ keine Dialoge sondern Man wird dabei der Handlung besser folgen können, denn der Handlungsstrang ist linear freigelegt und nicht vielfältig verworren und kompliziert – ein Problem mancher Oper, nicht nur aus dieser Epoche!
    Die Enge des Kinderzelts führt die Besucher ganz nah ans Geschehen. Regisseur Alexander Medem nützt diese Situation gekonnt aus. Er inszeniert Undine poetisch, ästhetisch, spannend, feinfühlig, sehr detailliert in der Personenführung und in jeder Phase enorm Kindergerecht. Bisweilen hat man den Eindruck, dass man selber ganz nass ist, wenn man mit Kühleborn, dem Fürst des Meeres, hinabtaucht in die Tiefe der Fluten .. . . (Premiere am 18. April)
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    Robert Meyer bleibt Volksopern-Prinzipal
    Wie erwartet, hat Kulturminister Ostermayer den Vertrag des amtierenden Volksopern-Direktors Robert Meyer verlängert. Der allseits beliebte Volksschauspieler bleibt damit bis 2022 Prinzipal des Hauses am Gürtel.
    Für die kommende Spielzeit hat er folgende Premieren geplant:
    Benatzkys „Im weißen Rössl“ (6. September), Leighs „Mann von La Mancha“ (12. Oktober), Mozarts „Don Giovanni“ (14. November), „Die Schneekönigin“ (nach Prokofieff, 8. Dezember), Heymanns „Der Kongress tanzt“ (20. Februar), Borodins „Fürst Igor“ (19. März) und Millöckers „Bettelstudent“ (30. April).
    Wiederaufgenommen werden die „Csárdásfürstin“, „Sound of Music“ und „Anatevka“ sowie „Marie Antoinette“.
    Im Mai 2016 absolviert die Volksoper wieder einmal eine Japan-Tournee.
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    Wunderbar: Elgars Cello-Konzert mit Harriet Krijgh
    Einfühlsam begleiteten die jungen Musiker des Wiener Jeunesse-Orchesters unter Herbert Böck im großen Konzerthaussaal die ebenso junge, aber international bereits höchst aktive Harriet Krijgh, die für Edward Elgars e-Moll-Konzert den nötigen Tiefgang mitbringt. Bei diesem Stück lässt sich nur im Scherzo mit raffinierten technischen Kunststücken punkten – die Krijgh mit Anmut und ganz ohne Showgeste bewältigt.
    Im übrigen aber bedarf es für Elgar eines herrlich blühenden, doch immer wieder melancholisch schattierten Tons. Dieser ist dem Spiel dieser Künstlerin durchaus eigen. Die Kantilenen erfüllt sie mit Poesie und einer stillen, introvertierten Leidenschaft. Den entsagenden Schluss bereitet sie mit sensibel modellierten Kadenzen vor: Da wächst eine bedeutende Interpretenpersönlichkeit heran!
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    Harriet Krijghs Zugabe: Sarabande aus Bachs Suite BWV 1007 (Foto: N. Horowitz)

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    Argentiniens Musikkritiker zeichnen österreichischen Jung-Pianisten aus
    Stefan Stroissnig musizierte im vergangenen Oktober mit dem Orchester der "Klangverwaltung" Beethovens Fünftes Klavierkonzert im Teatro Colon von Buenos Aires. Nun hat der Verband der Musikkritiker Argentiniens den jungen Österreicher zur "Entdeckung des Jahres" gekürt. Bei der Preisverleihung am 17. April kann Stroissnig nicht dabei sein. Er ist gerade auf dem Weg zu Konzerten in Japan. Der Veranstalter wird die Auszeichnung für den Künstler entgegennehmen.
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    Schlaglicht auf Wiens Theatermisere

    Im Zuge der Rechnungshof-Unterausschuss-Prüfung der Burgtheater-Finanzaffäre hat Elisabeth Hakel, die Kultursprecherin der SPÖ-Parlamentsfraktion, eine Stellungnahme zur Gesamt-Situation der österreichischen Bundestheater verfasst, die in einigen Punkten übersichtlich und knapp die an dieser Stelle schon des öfteren angeprangerte Situation zusammenfasst. Einige Zitate aus Hakels Bericht, die sich selbst kommentieren:

    Subventionsbedarf und „Burg“-Skandal
    Elisabeth Hakel: „Betrachtet man die finanzielle Situation der Bundestheater, so ist es von großer Bedeutung, zwei Themen zu trennen: Einerseits die Nicht-Valorisierung der Basisabgeltung, denn wäre diese seit der Ausgliederung laufend der Inflation angepasst worden, würde sie heute 176,3 Mio. Euro betragen, also rund 27 Mio. mehr. Andererseits existieren die Vorfälle im Burgtheater mit ihren finanziellen Auswirkungen. Hier muss eine präzise Trennung erfolgen. In einem Fall geht es um politische Verantwortung und im anderen Fall wird eine Klärung durch die Gerichte erfolgen. Selbstverständlich müssen aber alle nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um eine Wiederholung von ,Malversationen’ wie im Burgtheater in Zukunft zu verhindern. Zahlreiche Empfehlungen des Rechnungshofes konnten bereits umgesetzt werden, des Weiteren gilt es zu überprüfen, wo noch Änderungen nötig sind.“

    Die Zukunftsperspektive:
    Elisabeth Hakel: „Der Gesetzgeber muss in nächster Zeit eine wichtige kulturpolitische Entscheidung fällen. Die Bundestheater haben durch die Nicht-Valorisierung der Basisabgeltung seit der Ausgliederung ca. 229 Mio. Euro weniger Mittel der öffentlichen Hand im Vergleich zu einer Inflationsanpassung erhalten. Jetzt sind entweder die Adaptierung des kulturpolitischen Auftrages oder eine Erhöhung der Basisfinanzierung vonnöten. Gleiche Leistung und gleiche Qualität werden in Zukunft nicht ohne eine Erhöhung möglich sein. Sollten nicht mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, muss der kulturpolitische Auftrag eingeschränkt werden - das würde auch Schließtage, Schließung von Spielstätten, Entlassung von Personal etc. bedeuten. Die Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 können nur noch mit Verkaufserlösen aus dem Immobilienvermögen der Bundestheater finanziert werden. Ab der Saison 2016/17 können die Bundestheater bei gleichbleibender Basisabgeltung nur noch eingeschränkten Spielbetrieb aufrecht halten.“
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    Ketevan Papava Erste Solotänzerin 
    Die Georgierin Ketevan Papava feierte am Mittwoch in der Volksoper ihr Rollendebüt in der Titelpartie von Boris Eifmans "Giselle Rouge". Manuel Legris, Direktor des Wiener Staatsballetts, ernannte Papava im Anschluss an die Vorstellung zur Ersten Solotänzerin der Compagnie. Eine Wiederholung von "Giselle Rouge" gibt es am 3. Mai. Papava ist in der Zwischenzeit an der Staatsoper in den "Tanzperspektiven" zu erleben: 19. und 21. April.

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    Trendwende: Musik "online" bald lukrativ?
    Die Tantiemen, die Musiker durch die Abgaben von Streaming-Diensten kassieren, könnten bald in "vernünftige" Höhen klettern, meinte Edgar Berger, bei "Sony" für das weltweite Geschäft außerhalb der USA zuständig, in einem Interview für den "Spiegel". Er setzt auf Abonnement-Dienste: "Wird ein Song heruntergeladen, fließt nur einmal Geld. Beim Streaming gibt es bei jedem Abruf wieder Einkünfte. Nach ungefähr 18 Monaten stehen die Abo-Einnahmen in keiner Weise den Download-Einnahmen nach." Berger tritt damit der vielfach geäußerten Befürchtung von Musikern entgegen, mit dem Rückgang des CD-Verkaufs würden die Einnahmequellen langsam versiegen.
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    Staatsoper: Hvorostovsky statt Keenlyside
    Simon Keenlyside muss sich nach seinem unglücklichen Abgang während der Premiere von Verdis "Rigoletto" an der Staatsoper weiter schonen. Die Reprisen-Serie der Neuproduktion im Juni geht daher mit gänderter Besetzung über die Bühne: Am 17., 20., 23. und 30. Juni wird unter der musikalischen Leitung von Eveline Pidò Dmitri Hvorostovsky die Titelpartie verkörpern. Am 26. Juni wird noch einmal der Premieren-Einspringer Paolo Rumetz als Rigoletto zu erleben sein. Ekaterina Siurina singt in
    den ersten drei Vorstellungen die Gilda, die letzten beiden Vorstellungen singt Hila Fahima. Sein Rollenebüt als Herzog gibt, Margarita Gritskova singt die Maddalena, Ain Anger den
    Sparafucile. Simon Keenlysides Comeback an die Staatsoper ist für den 12. Jänner 2016 geplant: Er soll an der Seite von Ramon Vargas den Ankarström in Verdis "Maskenball" singen.
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    Opernprobleme – auch in London
    Die Frage der Finanzierung eines regelmäßigen Opernbetriebs stellt sich mittlerweile in allen großen Städten, die traditionsgemäß ein oder mehrere Opernhäuser erhalten. In London gibt es neben dem itnernational renommierten Royal Opera House Covent Garden die English National Opera (ENO), wo in der Landessprache ein breites Repertoire gepflegt wird. Oder gepflegt wurde, genau genommen. Englische Medien bemängeln den mittlerweile reduzierten Spielbetrieb: Wo man früher 20 verschiedene Stücke aufführte, präsentiert man in der kommenden Spielzeit nur noch zwölf. Mancher Kommentator stellt dem zweiten Londoner Opernhaus nun die Rute ins Fenster: Wer so wenig spielt, könnte Schwierigkeiten bekommen, zu argumentieren, warum man übers Jahr ein großes Orchester und einen Chor zu erhalten habe . . .
    "National"? Kein Problem!
    Nicht genug damit: In London hat man auch gar kein Problem damit, die Begriffe „English“ und „National“ beim Wort zu nehmen. Der Rezensent des „Daily Telegraph“ fordert die konsequente Beschäftigung von heimischen Künstlern. Dass jegliches Repertoire in englischer Sprache gesungen wird, versteht sich bei der ENO ohnehin von selbst. Die Sache scheint natürlich nicht frei von chauvinistischen Konnotationen. Apropos: Jüngst, nachdem man Daniel Barenboim für seine Interpretation von Edward Edgars Zweiter Symphonie mit der Berliner Staatskapelle mit der Elgar-Medaille ausgezeichnet hatte, warf ein Londoner Kritiker den Berliner Philharmonikern vor, sie fänden unter Simon Rattles Leitung zwar vielleicht den richtigen Ton für Bruckner, nicht aber für Sibelius, den man ja bekanntlich im anglophonen Raum für sich gepachtet hat . . . (Wir dürfen gespannt sein, was passiert, wenn die Wiener Philharmoniker unter Rattle kommenden September bei den Londoner "Proms" Elgars "Traum des Gerontius" aufführen.)
    Aber jedenfalls steht mit dem Landessprachen-Gebot die Sinnhaftigkeit des Erhalts zweier Opernhäuser außer Diskussion. Zumindest diese Lehre könnte auch Wien aus der Londoner Situation ziehen: Wer Repertoire „verdoppelt“, sollte zumindest in Sachen Aufführungssprache konsequent eine Wahlmöglichkeit bieten . . .
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    Shicoff total: auf der Bühne und im TV

    Neil Shicoff feiert am Sonntag, dem 3. Mai 2015 (Beginn um 18.30 Uhr) sein 40jähriges Bühnenjubiläum auf der Bühne der Staatsoper. Er wird dabei in vier seiner Paraderollen zu erleben sein: als Hoffmann, Hermann, Eléazar und Don José. Mit von der Partie sind Kollegen wie Agnes Baltsa, Krassimira Stoyanova, Anja Silja und Ferruccio Furlanetto.
    Drei Intendanten gratulieren
    Als Gratulanten stellen sich neben dem amtierenden Staatsopern-Direktor, Dominique Meyer, dessen Vorgänger Ioan Holender und der Berliner Opernchef Jürgen Flimm ein.
    Die Gala wird via staatsoperlive.com auch in HD-Qualität übertragen und ist auch auf dem Großbildschirm am Herbert von Karajan-Platz live zu sehen.
    Am 12. Mai plaudert Neil Shicoff dann mit Barbara Rett in deren Sendung "KulturWerk" auf ORF III (20.15 Uhr). Diese Sendung wird um 00.05 Uhr sowie am 17. Mai um 12.20 Uhr und am 14.,16., und 18. Mai jeweils um 6.15 Uhr wiederholt.
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    Oleg Bryjak posthum Ehrenmitglied der Deutschen Oper am Rhein
    Oleg Bryjak, Bassbariton, der bei dem tragischen Flugzeugunglück der Germanwings Maschine ums Leben gekommen ist, wurde von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg posthum zum Ehrenmitglied ernannt. Bryjak war seit 1996 Ensemble-Mitglied. An der Wiener Staatsoper hat Bryjak zwischen 1998 und 2003 insgesamt 27 Vorstellungen gesungen, vor allem den Alberich in Wagners "Ring des Nibelungen", aber auch den Telramund ("Lohengrin") und den Amonasro ("Aida").
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    Tipp eines begeisterten Kenners: heute Abend, Mozartsaal!
    Eben rät mir ein Freund, heute Abend doch die Reprise des Konzerts des Arcanto Quartetts zu besuchen. Antje Weithaas, Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras ernteten gestern Ovationen für ihre Darbietungen von Beethovens op. 95, eines Quartetts von György Kurtág und Schumanns a-Moll-Quartett. Ich bin zwar im Liederabend der Anna Prohaska im Musikverein, kann aber Freunden der Kammermusik nur zuraten, in den Mozartsaal zu pilgern. Meine "Quelle" ist absolut vertrauenswürdig!
    Und als Zugabe gibt's Smetana! Also nichts wie hin!
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    "Das wohltemperierte Klavier", neu ediert auf Vinyl und CD! Friedrich Guldas legendäre, Anfang der Siebzigerjahre entstandene Gesamtaufnahme von Johann Sebastian Bachs beiden Zyklen von Präludien und Fugen wird auf dem Label MPS (Edel) zur Feier des 85. Geburtstags des (im Jänner 2000 verstorbenen) Pianisten wieder aufgelegt: auf Vinyl (5 LPs) bzw. auf vier CDs. Erscheinungstermin: Guldas Geburtstag, der 16. Mai.

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    Trapp-Familie: Kostüme kommen für 800.000 Dollar unter den Hammer
    800.000 Dollar muss das Mindestgebot bei der Online-Versteigerung betragen: Versteigert werden sieben Kostüme, die von den Mitgliedern der Trapp-Familie im Film "Sound of Music" getragen wurden. Wer nicht so tief in die Tasche greifen will, kann bei Nate D. Sanders auch Originalplakate zum "Edelweiß"-Kinoschlager ersteigern. Die gibt es schon ab 300 Dollar! (www.natedsanders.com)
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