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  • Wiens neuer "Rigoletto" soll überraschenderweise kein Mann im Mond werden . . .
    Einem Interview, das Regisseur Pier Audi der Austria Presseagentur gegeben hat, entnimmt man, dass nicht damit zu rechnen sei, dass der neue „Rigoletto“ an der Staatsoper „auf dem Mond“ spielen wird. Oder sonstwo, wo er nicht hingehört. Audi sieht sich nicht als „Konzept-Regisseur“, sondern möchte es „dem Publikum möglichst einfach machen, der Geschichte zu folgen“. Heutzutage eine geradezu tollkühne Definition des Regie-Handwerks, die bei Feuilletonisten nicht gut ankommen wird, aber einen diesbezüglich vielfach geschädigten Musikfreund Hoffnung schöpfen lässt.
    Die Stunde der Wahrheit schlägt am 20. Dezember. Zur Abwechslung überträgt übrigens der ORF wieder einmal eine Staatsopern-Aufführung live, zeitversetzt. In Zusammenarbeit mit der Unitel soll die Produktion auch im Kino zu sehen sein. Erin Morley, Simon Keenlyside und Piotr Beczala singen, Myung-Whun Chung dirigiert.
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  • Livestream am 18. Dezember: Genia Kühmeier springt in ,,Arabella" ein
    Genia Kühmeier singt anstelle der erkrankten Ileana Tonca die Zdenka in der auch als Livestream zu erlebenden Vorstellung von Richard Strauss ' "Arabella" am 18. Dezember 2014 in der Staatsoper. Unter Ulf Schirmers Leitung singen außerdem Anne Schwanewilms, Tomasz Konieczny, Herbert Lippert und Daniela Fally.
    www.staatsoperlive.com
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  • Finanzielle Erleichterung für Italiens Opernhäuser
    ,,Kultur ist Italiens Erdöl." So lautet die Erkenntnis der neuen italienischen Staatslenker. Wäre doch auch hierzulande eine solch weise Sichtweise denkbar...
    Immerhin: Unsere südlichen Nachbarn haben ein Umdenken bitter nötig. Dort war das Kulturleben bereits am völligen Zusammenbruch. Den will man nun abwenden, indem man eine im Mai eingeführte Steuererleichterung aufs Musiktheater ausdehnt.
    Art Bonus heisst die Initiative, die Mäzenen, die sich um den Erhalt und die Renovierung von Denkmälern verdient machen, Steuererleichterungen gewährt. Nun sollen die Privaten durch eine entsprechende Ausweitung des Erlasses auch in die dringend nötige ,,Renovierung" des italienischen Opernbetriebs eingebunden werden. Nach dem Vorbild der USA, wo das Opernmäzenatentum seit Jahr und Tag mit Steuerprivilegien verbunden ist, also indirekt auch eine staatlichen Förderung darstellt.
    Italiens Kulturminister Dario Franceschini träumt sogar davon, dass auf diese Weise ,,neue Häuser errichtet und neue Produktionen gefördert" werden könnten. In Wahrheit wäre es schon ein Gewinn, wenn im Mutterland der Oper alle wichtigen Häuser ungestört spielen dürften.
    Apropos: Hierzulande fürchten Kulturbetriebe die Anpassung der Mehrwertsteuersätze, die große Institutionen wie den Musikverein oder die Bundestheater in (weitere) finanzielle Bedrängnis und manch kleinere Veranstalter in den Ruin treiben könnte. Massive Privilegien gewährt Österreich übrigens nur den Sportlern. (Zum Erdölstatement der Italiener steht das quer - jede Regierung findet halt anderswo ihre Bodenschätze...)
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  • Premiere aktuell: Neumeiers vertanztes "Weihnachtsoratorium" an der Wien
    Ein wenig langwierig ist die Sache schon. Und die Frage, welcher Regisseur einst die Szene mit den Koffer schleppenden Menschen auf die Bühne gebracht hat, stellt sich wieder einmal - der gehört rückwirkend von einem Musiktheatergericht zur ewigen Wanderschaft auf dem neuen Zentralbahnhof verurteilt.
    Aber John Neumeiers Choreographie zu Bachs sechs Kantaten, die man später Oratorium genannt hat, um sie an einem Abend aufzuführen, hat auch ihre Meriten. Aus der Geschichte vom Jesuskind, den Heiligen drei Königen und dem König Herodes blitzen zwar nur einzelne Aspekte auf. Und wo sie konkreter werden, etwa bei den drei Weisen aus dem Morgenland, wird es dann eher plakativ.
    Wo Neumeier jedoch allgemein menschliche Szenen modelliert, findet er zu berührenden Bildern unserer Zweifel, Ängste, Wunschträume. Das ist es wohl, was er im spirituellen Kontext erzählen möchte - und wozu ihm der Schönberg Chor, vier junge, gradlinig singende und deutlich artikulierende Gesangsolisten und das Kammerorchester unter Erwin Ortner zügig und kraftvoll die Musik beisteuern.
    Die Länge des Unterfangens verleitet Neumeier freilich zu einer gewissen Weitschweifigkeit, die sich vor allem darin äußert, dass die Bühne häufig übervölkert ist. Kaum eine der ausdrucksstarken Soli, Pas de deux oder Pas de trois darf unverbrämt zu Ende kommen - stets mischen sich zusätzliche Tänzer oder das ganze Corps de ballet ins Spiel, verdoppeln und vervielfachen die Bewegungsabläufe. Selbst der Stern von Bethlehem erscheint multipliziert am Himmelszelt.
    Maria und Josef sind, damit es nicht zu biblisch wird, zu "die Mutter" und "ihr Mann" stilisiert, ihr Kindlein wird nur durch ein Leinenhemd symbolisiert. Dafür wandert ein Unbekannter durch die Lande, der den ganzen langen Abend lang vergeblich versucht, in Ruhe einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Immer fegen die Zeitläufte über ihn und sein gutes symbolisches Werk hinweg. Zu Neujahr -- wenn die Musik das Fest der Beschneidung Christi zelebriert - kommen manche auf der Szene in Faschingsstimmung, aber die wirklich gute Laune stellt sich erst zuletzt ein, wenn offenbar wird, dass der Wanderer dem verfolgten Elternpaar Mantel und Jacke spendiert, sobald sich dieses auf den Weg macht, jahrlang ins Ungewisse hinab . . .
    Die "erlöste Schar" jubiliert derweilen. und der Wanderer jubiliert zuletzt mit ihr. Die eruptiven, fantastisch reich choreographierten "Freudenchöre" ziehen sich denn wie ein Rondo-Thema durch den Abend - statt Bachs Schlusschor erklingt der Eingangschor von Nr. 1 folgerichtig als Finale erneut.
    Am schönsten gelangen Neumeier die ätherischen Auftritte des Engels, der von überirdischer Zweifaltigkeit ist: Silvia Azzoni und Alexandr Trusch schweben wie Sylphiden aus einer besseren Ballett-Welt einher, in der man noch zu Chopin-Walzern tanzen durfte. Die Hauptdarsteller (Anna Laudere, Lloyd Riggins und Karsten Jung) müssen sich schwerfälliger durch irdische Mühsal quälen, tun das aber - wie die ganze Hamburger Compagnie - mit bewundernswerter Hingabe.

    Die nächste biblische Neumeier-Abenteuer folgt übrigens auf dem Fuß: Die Staatsoper nimmt Richard Strauss' "Josefslegende" wieder ins Repertoire - oder genauer, sie studiert die Hamburger Neufassung ein, die Anfang Februar Premiere haben wird. Schade, dass man auf die Ernst-Fuchs-Ausstattung verzichtet, die zu den großen Erinnerungen der Wiener Ballett-Geschichte gehört. Aber immerhin: Eine der erfolgreichsten Wiener Tanz-Kreationen erlebt ihre Wiedergeburt. Vorerst einmal gibt es aber das "Weihnachtsoratorium" im Theater an der Wien. Reprisen am 18., 19. und 20. Dezember.
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  • Die Philharmoniker spielen Beethoven ohne einen Dirigenten
    Also, die Philharmoniker waren’s ja nicht, aber die Wiener Virtuosen, an deren wesentlichen Positionen aktive oder ehemalige Mitglieder des Orchesters agieren. Im Musikverein ist diese Musikanten-Vereinigung regelmäßig zu erleben. Diesmal bat Organisator Ernst Ottensamer seine beiden Söhne zu Mendelssohn-Duetten, die sie in oft atemberaubend passgenauer Parallel-Aktion zu eloquenten Apercus formten. Außerdem gab Patricia Kopatschinskaya bei Mendelssohns frühem d-Moll-Konzert eine Lektion in Freistil-Geigen.
    Doch nach einer entbehrlich-elegischen „Romanze“ von Tigran Mansurian wagten sich die Virtuosen über Beethovens Achte. Die ist notorisch heikel – und doch: Man kann sie, wie da zu lernen war, unter Verzicht auf einen Dirigenten abwickeln.
    Das ist ja einer der Stehsätze des philharmonischen Abonnementpublikums: Die können das auch ohne. Können sie natürlich. Wenn auch all das „passiert“, was mangels kapellmeisterlicher Obsorge kommen muss, ein paar überlappende, ein paar auseinanderklaffende Takte; und vor allem im Allegretto, das ja eine berüchtigte Parodie auf Mälzels Metronom darstellt, genügt es nicht wirklich, wenn die Dinge so ungefähr geschehen, als wäre die Kopatschinskaya noch am Werk. Die kann solistische Schlampereien mit bühnenreifem Gebärdenspiel überspielen.
    Die Virtuosen bleiben mit Beethoven allein. Aber die halbe Stunde eines Drahtseilakts lehrte auch: Musikfreunde können all wohl etliche Dirigenten nennen, unter deren Stabführung diese Achte noch viel unpräziser daherkäme; und die zur geistigen Durchdringung, zur Lichtung des Stimmengefüges während der Proben noch weniger beitragen würden. So nahm man also die Habenseite des Unterfangens in Augenschein: Die ist beträchtlich. Vor allem wäre eine solche Wiedergabe ein Lehrstück für angehende Dirigenten, um hörend zu begreifen, was bei Erzmusikanten alles „von selber“ geht, wo sie aufeinander hören (da gelingen im freien Fluss der Dinge viele herzhafte Momente) - und halt auch: wo sie dann doch Hilfe benötigen würden. Das wäre die ideale „Virtuosen“-Schule: Den Mann am Pult dazu zu bringen, nur dort aktiv zu werden, wo es wirklich nötig ist . . .
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  • Ein Feuilleton zum Hören: Verdi-Tenöre und ihre Spitzentöne
    Die letzten Töne von "la donna e mobile" - gesungen von zwölf verschiedenen Tenören von Caruso bis Jonas Kaufmann. Wer hat das "schönste hohe H", und wer singt es gar nicht (wie es übrigens von Verdi vorgesehen ist)?
    Ein kleines Hörabenteuer inklusive einiger Rückblicke auf das Wiener Opernleben der näheren und ferneren Vergangenheit anlässlich der Staatsopern-Premiere von "Rigoletto".

    Hier geht es los:

    diepresse.com
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  • "Rigoletto" Keenlyside ging im zweiten Finale von der Bühne
    Schrecksekunde in der Staatsoper: Simon Keenlyside, der schon die Generalprobe krankheitshalber absagen musste, verließ im Finale des zweiten Akts der Premierenvorstellung von Verdis "Rigoletto" die Bühne. Er kehrte dann zwar zurück, um markierend den Akt zu Ende zu bringen, wurde aber im dritten Akt vom Sänger der Generalprobe, Paolo Rumetz, ersetzt.
    Geistesgegenwärtig dirigierte Myung-Whun Chung nach dem Abgang des Titelhelden weiter, Debütantin Erin Morley, die Gilda, sang ihren Duettpart über kurze Zeit allein weiter.
    Das Publikum war irritiert, denn Keenlyside hatte wenige Minuten vor dem Eklat Ovationen für seine sensible Gestaltung der großen Arie, "Cortigiani", geerntet. Umso peinlicher berührte der kräftige Buh-Ruf nach dem Fallen des Vorhangs - als ob ein bedeutender Sänger wie Keenlyside freiwillig von der Bühne abginge . . .
    Das Spiel wiederholte sich, als Staatsopern-Direktor Dominique Meyer vor Beginn des dritten Aktes erschien, um den Einspringer anzukündigen: Dem einsam Buh folgte freilich tosender Applaus für den Wiener Opernchef. Das Publikum weiß dessen Arbeit offenkundig zu schätzen.
    Tatsächlich hat das Haus am Ring an diesem Abend seine Leistungsfähigkeit erwiesen. Der Ersatz-Sänger musste diesmal - anders als vor einigen Jahren, als während der "Walküren"-Premiere der Sänger des Wotan die Stimme verlor - nicht einmal vom Würstelstand herbeitelefoniert werden.
    Paolo Rumetz, seit zwei Jahren Ensemblemitglied, nutzte seine Chance, und sang, wie schon zur Generalprobe, den Schluss-Akt ausdrucksvoll und erntete zuletzt kräftigen Applaus. Dominique Meyer zitierte denn auch seinen Vorgänger Holender, der bei jener Gelegenheit meinte: "Auch Sänger sind Menschen . . ."
    Im Übrigen ist von einer musikalisch exzellenten Verdi-Premiere zu berichten. Erin Morley singt die Gilda mit blühend schönem Sopran, der bis in die höchsten Koloratur-Höhen ausdrucksvoll und wohl gerundet klingt. Die Todesszene phrasiert sie berührend zart.
    Publikumsliebling Piotr Beczala dringt als Herzog mit seinem schlanken Tenor in Spinto-Regionen vor: Die Auftrittsarie wie die Canzonetta im dritten Akt modelliert mit Eloquenz und Esprit, im Mittelakt zeigt er dramatischere Farben und im Quartett vor der Gewitterszene findet er zu butterweicher, verführerisch timbrierter Kantilene. Bei dieser Gelegenheit punktet die bildschöne Maddalena von Elena Maximova auch mit wohltönendem Mezzo. Dem Sparafucile leiht Ryan Speedo Green einen auch in der tiefsten Tiefe sonoren Bass.
    Der Maestro am Pult sorgte wie schon in der Repertoire-"Traviata" dafür, dass die offenbar hochmotivierten Musiker aufmerksam auf die Stimmen achteten und sich dem Bühnengeschehen passgenau anschmiegten. Unter Chungs Leitung verliert das Orchester auch in den farblich fein abgemischten Pianissimo-Passagen, deren Verdi so viele verlangt (und diesmal auch alle geliefert bekomm!) nicht am nötigen Schwung. Wo dramatische Steigerungen möglich sind, greift Chung auch kräftig zu: Im Vorspiel und vor allem auf dem Höhepunkt des Gewittersturm kommt es zu beeindruckenden philharmonischen Entladungen; vor allem aber trägt und inspiriert das Orchester an diesem Abend die Stimmen.
    Keenlysides Missgeschick lehrte nur, wie fragil dieser eminent komplizierte Opernbetrieb eigentlich ist. Im heftigen Schlussapplaus wiederum schwang Dankbarkeit mit für die Tatsache, dass hierzulande die Opernkultur auch mit grenzwertigen Situationen umzugehen versteht.
    Und die Inszenierung? Pierre Audi, der das Stück in düsteren HInterhöfen, aber in Renaissance-Kostümen (Ausstattung: Christof Hetzer) als bittere Tragödie von Angst, Hass, Neid und Missgunst spielen lässt, bekam manchen Buhruf ab. Doch wird Victor Hugos Geschichte von Anfang bis zum Ende spannend erzählt - das wird dem deutschen Feuilleton wieder nicht gefallen, taugt aber gut fürs Repertoire, denn die Sänger werden sich auf der Drehbühne gut zurechtfinden.
    Und Simon Keenlyside wird, wenn er sich wieder erholt hat, eine ganze Vorstellung so subtil gestalten, wie ihm das diesmal für eineinhalb Akte gelungen ist. Die kann dann - wie die Premiere - verfilmt werden. Eine DVD-Produktion ist jedenfalls geplant. Das könnte sich durchaus lohnen . . .
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  • Genug von "Stille Nacht"? Wagen wir einen Bekehrungsversuch
    Klassik-Hörer haben es zu kirchlichen Feiertagen so wenig leicht wie bei Geburtstagsfesten. Sie verzweifeln spätestens, wenn die dritte Strophe von „Happy Birthday“ erklingt, vielleicht noch dazu in der dümmlichen deutschen „Übersetzung“, die zur Musik so wenig passt wie das schreckliche Gegröle in der Kirche, wenn auf eine verballhornte Spiritual-Melodie mit Müh und Not und Textwiederholung das „Vater unser“ malträtiert wird.
    Es ist nicht leicht, sich bei alledem die nötige gehobene Stimmung zu erhalten. Früher einmal waren „Festklänge“ das krönende Element geistlicher wie weltlicher Zelebrationen – und man überließ es tunlichst denen, die das wirklich können.
    Mittlerweile können ja alle alles und man hat dank der Dauerberieselung mit Musik und Geräuschen, die dafür gelten, jegliche Sensibilität für das Wesen der Harmonie verloren.
    Also haben es alle schwer, die sich auch unterm Weihnachtsbaum keine tönenden Zerrbilder ersehnen. Wenn das Spielwerk der Plastikkrippe zum siebenten Mal „Stille Nacht“ zu Ende geklingelt hat, hat man längst zu Ohropax gegriffen.
    Wer wollte auch eine Horde von selbsteingestanden einfach unmusikalischen und an den höheren Weihen von Dur und Moll desinteressierten Zeitgenossen „bekehren“? Wie schön wäre es, etwa einmal zumindest Ausschnitte aus Bachs „Weihnachtsoratorium“ zur passenden Stunde hören zu dürfen.
    Aber da scheitert man, wenn schon nicht bereits beim fünften Paukenton, dann allerspätestens beim Einsatz des „Evangelisten“: „Öd, schwere Musik...“
    Vielleicht möchte ein Anarcho-Bachianer dennoch einmal den Versuch wagen und zumindest mittels Listener's-Digest-Fassung den einen oder anderen aus der Ohrwaschel-Lethargie zu reißen. Via CD konnte man sich immer schon per Knopfdruck eigene Hör-Listen zusammenstellen.
    Und heutzutag, wo die Ära der sogenannten Streaming-Dienste angebrochen ist, darf man den selbstgebauten Querschnitt sogar via Mobiltelefon starten. Also?
    Beginnen wir unverdrossen mit Cut 1: „Jauchzet, frohlocket“ ist ein Chor voller Energie, hat, was man seit geraumer Zeit „Drive“ nennt, eine Eigenschaft, die Musik schon im Barock kannte. Die paar Menschen, die dem Bekehrungsversuch zu Beginn ein wenig Aufmerksamkeit spenden, kann man vielleicht mit der Bemerkung enger an sich binden, dass Bach hier auf recht eigenwillige Weise das „Jauchzen“ in Musik setzt: die Pauken und auch in der Folge die Singstimmen grundeln relativ farblos in tiefen Regionen; was daran liegt, dass der Komponist hier eine weltliche Kantate kurzerhand für den religiösen Zweck „aufgewertet“ hat: Ursprünglich sang der Chor: „Tönet ihr Pauken.“ Aha!
    Dass Bach auch unverfälscht jubilieren kann, hört man im (eigens für diesen Zweck komponierten) Einleitungs-Chor zur fünften Kantate, „Ehre sei Dir, Gott“, der an vorwärts treibender Kraft schwer zu überbieten ist. Er hat in Nummer 21 ein Schwesterstück, das nicht minder energetisch vorangeht: eine deutschsprachige Variante des „Gloria in excelsis“.
    Wenn es noch eine Solonummer sein darf, empfiehlt sich die Bass-Arie „Großer Herr“ (Nr. 8), die hat Pepp und keiner kann sich über eine „quietschende“ Sopranstimme beklagen . . .
    Dürfen wir uns zwischendrin an eine ruhigere Nummer wagen, wählen wir die einleitende Sinfonia der zweiten Kantate, denn auch dazu lässt sich eine schöne Gesichte erzählen, die jeder gutwillige Hörer lauschend nachvollziehen kann: Da musizieren die Engel, die Hirten hören zu und versuchen, den himmlischen Gesang auf ihren Blasinstrumenten zu imitieren.
    Das ist das Gegenstück zu unserm hilflos heiseren „Stille Nacht“? Was für musikalische Hirten es im Spätbarock noch gegeben haben muss . . .
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  • Das Jahr 2014 im Finale: Was wurde aus der Staatsoper ohne "General"?
    Zeit für Rückblick und Ausblick. Der Paukenschlag im Wiener Opernleben Anfang der laufenden Saison war der Rücktritt von Franz Welser-Möst, der Anfang September bekannt gab, nicht mehr Generalmusikdirektor sein zu wollen und sämtliche Dirigate für die eben begonnene Spielzeit zurückzulegen.
    Auf die erste Schrecksekunde - immerhin waren plötzlich 34 Abende frei geworden - folgte hektische Betriebsamkeit in de Direktionsetage. Man fand namhafte Ersatz-Maestri. Vor allem aber bewies das Haus am Ring in den vergangenen Monaten, dass es in seinem laufenden Spielbetrieb jeden Vergleich aushält. Wer die Star-Termine Revue passieren lässt, beginnend mit dem viel beachteten Debüt Bryn Terfels als "fliegender Holländer", bis hin zu den Gastspielen von Dirigenten wie Semyon Bychkov, der Mussorgskys "Chowanschtschina" einstudierte, oder Christian Thielemann und Kirill Petrenko, die das Richard-Strauss-Jahr krönten, darf sich fragen: Wo sonst begegnet der Musikfreund bei einem so reichhaltigen Werk-Angebot so vielen Spitzen-Künstlern? Wo sonst hat sich der traditionelle Ensemble-Gedanke so konsequent wieder beleben lassen?
    Auch wenn es natürlich schade ist, auf einen Dirigenten wie Welser-Möst verzichten zu müssen - und bei aller Liebe zum unabdingbaren wienerischen Genörgel . . .

    diepresse.com
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  • Wer ist der Schuldige, wenn ein Sänger die Stimme verliert?

    Simon Keenlyside musste leider sämtliche "Rigoletto"--Vorstellungen absagen. Eine Dolchstoß-Legende hat sich schon in der zweiten Pause der Premierenvorstellung gebildet. Einer muss ja schuld sein, wenn ein Bariton seine Stimme veriiiert; im Zweifelsfall der Dirigent . . .

    Auch Pausengespräche sind manchmal spannend zu verfolgen. Vor allem, wenn sich dann bestimmte Aussagen verselbständigen und als analytische Sentenzen ein Eigenleben zu führen beginnen. Erst recht, wenn es sich dabei um eine Art diagnostischen Befund einer ungewöhnlichen theatralischen Situation handelt.
    Es ist ja eines, wenn die Perücke einer Galina Wishnewskaja gegen Ende des zweiten „Tosca“-Aktes Feuer fängt und man beim Fallen des Vorhangs noch den Feuerwehrmann aus der Kulisse auf die Bühne stürzen sieht. Da weiß jeder bescheid, wie das zugegangen ist.
    Etwas ganz anderes ist die Befundung eines Abgangs wie jenes, zu dem sich der arme Simon Keenlyside im jüngsten Staatsopern-„Rigoletto“ gezwungen sah. Da muss ja jemand dran schuld sein, wenn so ein Sängerkaliber plötzlich die Stimme verliert.
    Ein Kenner im Foyer gab die parole aus: Der Dirigent habe den Hauptdarsteller in seiner großen Arie unmittelbar zuvor mit einer Lautstärke-Orgie so traktiert, dass es so kommen musste. Die Erkenntnis wurde flink weitergetragen und verbreitet.
    Das Zuhören kommt ja offenbar ab in der Oper. Eine Pause früher sprach mich ein Sänger-Agent noch auf die behutsame Gangart des Maestros an und meinte, es klänge geradezu „mozartisch“, was er für Verdi unpassend fand. Und dann das! Anhand des gewiss bereits allgemein herumgereichten Radio-Livemitschnitts der Premiere ließe sich nun zumindest die Lautstärken-Sängerkiller-These entkräften, was freilich gar nicht nötig wäre, wenn die klugen Analytiker des Notenlesens mächtig wären.
    Die fragliche „Cortigiani“-Arie wird nämlich in ihrem stürmischen Anfangsteil ausschließlich von den Streichern begleitet; selbst wenn der Kapellmeister das vorgeschriebene Mezzoforte in ein Fortissimo verwandelt hätte (was gar nicht der Fall war), ließe sich damit kein Bariton-Mord begehen. Auf die genau vier wirklich lauten Takte dieser Nummer, in denen auch die Bläser loslegen, folgt dann ein elegischer, durchwegs im Piano gehaltener Teil, in dem sich ein zartes Englischhorn- und ein Cellosolo zum Gesang gesellen. Zu den herausragenden Eigenschaften des Premieren-Dirigenten Myung–Whun Chung gehört übrigens sein Insistieren darauf, dass die Musiker den Sängern zuhören und, wie Verdi das übrigens auch in den „Cortigiani“ in die Partitur schreibt, „col canto“ musizieren.
    Und selbst wenn die philharmonischen Solisten sich daran nicht gehalten hätten: Zu laut können sie nicht gewesen sein. Das geht gar nicht.
    Das lässt sich eindeutig feststellen. Im Übrigen lässt sich ja in der Kunst-Diskussion allerhand behaupten, was dann willig geglaubt werden darf. Die Bewertung artistischer Produktionen ist und bleibt – und das hat ja auch sein Gutes – tatsächlich das, was man Geschmacksache nennt.
    Nur sollten "Kenner" bei ihren Pausen-Analysen davon ausgehen, dass es hie und da Menschen gibt, die das Stück kennen und/oder Noten lesen können . . .
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  • Piotr Beczala als Silvester-Überraschung
    Zu den schönen Errungenschaften der Internet-Zeit gehört die Chance, bei Staatsopernaufführungen, die rettungslos überbucht sind, zumindest via Live-Stream dabei sein zu können. Die Silvester-,,Fledermaus" ließ sich dank HD-Qualität (und guter Ensemble-Leistung) auch daheim genießen. Die Debüts von Adrian Eröd und Juliane Banse als Eisenstein-Pärchen erfreuten dank der notorischen Präzisionsarbeit, die beide Künstler bieten: Da sitzt nicht nur in den Liedern und Duetten, sondern auch im Dialog jede Pointe perfekt.
    Hinreißend im zweiten Akt: Piotr Beczala, der von der edel timbrierten Elisabeth Kulman (Orlofsky) als Stargast präsentiert wurde. Mit geschmeidiger Stimme sang der Publikumsliebling nebst Lehárs "Dein ist mein ganzes Herz" eine Arie aus Verdis "Maskenball" - die ihm auf den Leib geschneidert scheint; hoffentlich bald ein ganzer "Ballo" mit diesem Tenor, der das alte Jahr so wohltönend ausklingen ließ!
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  • Die Ära der CD scheint zu Ende zu gehen. Während nach Internet-Alternativen gesucht wird, feiert die Schallplatte ihr Comeback.
    Hellhörige Musikfreunde werden bei einem Satz des neuen Orchestervorstands der Wiener Philharmoniker, Andreas Großbauer, im jüngsten „Presse“-Interview aufgehorcht haben: Der Musiker und neuerdings Orchester-Manager verfolgt auch die Entwicklung der technischen Möglichkeiten der Musik-Reproduktion genau und fürchtet, dass die CD, wie viele Kenner schon behauptet haben, ein Auslauf-Modell sein könnte.
    Die jüngsten Nachrichten aus den USA, wo halt die Trends vorgegeben werden, untermauern diese These. Der Verkauf der Silberscheiben geht kontinuierlich zurück. Zwar ist sie derzeit nach wie vor das führende Trägermedium, doch läuft ihr die weltweite Internet-„Ladetätigkeit“ langsam den Rang ab.
    Längst gibt es Dienst, die des möglich machen, digitale Aufnahmen in weit höherer „Auflösung“ abzuspielen als die CD „tragen“ kann. Wenn Symphonieorchester heutzutage in der vorderen Reihe stehen wollen, müssen sie nolens volens auf die technische Qualität dessen Rücksicht nehmen, was sie „ins Netz“ stellen lassen. Das Stammhaus der Philharmoniker gibt ja diesbezüglich ein Beispiel: Die Staatsoper bietet Live-Streaming auch optisch in Spitzen-Qualität. „High Definition“ ist das Stichwort.
    Amüsant, dass sich im Hinblick auf die akustische Komponente ein scheinbarer Rückschritt – wie das manchmal so geht – als avantgardeträchtig erweist: Die Schallplatte feiert ihr Comeback. Auch diesen Trend bestätigen die amerikanischen Verkaufszahlen: Vinyl ist im Kommen.
    Unter Kammermusikern hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es in Wien (bei Preiser) noch ein völlig intaktes Analog-Studio gibt. Und eine Traditions-Firma wie die Deutsche Grammophon hat längst reagiert. Sie presst nicht nur ihre Neuaufnahmen, sondern auch Wiederauflagen auf CD und auf LP. Das hat seinen Grund: Viele Hörer empfinden die Klänge, die von der schwarzen Scheibe kommen als natürliche, farbenreicher – und sind bereit, aus diesem Grund wieder in Plattenspieler zu investieren.
    Im audiophilen High-End-Bereich hat die Liebe zum analogen Klang ja nie aufgehört. Dem tragen die jüngst durch LP-Wiederauflagen angereicherten Kataloge der Platten-Firmen. Auf Deutsche Grammophon kamen jüngst Aufnahme-Klassiker wie das Tschaikowsky-Konzert mit Swjatoslaw Richter und Herbert von Karajan (wohl die berühmteste Aufnahme der Wiener Symphoniker!), das prächtige Schubert-Quintett mit den „Emersons“ und Mstislav Rostropowitsch und Dvoráks Neunte mit den Berliner Philharmonikern unter Rafael Kubelik wieder in den Handel.
    Auf 180-Gramm-Vinylscheiben gepresst vermitteln diese zu Recht berühmten Interpretationen ein betörendes Klangbild – allein Pianissimo-Beginn und –Ende der Seite 1 der Dvorak-Platte werden dem Connaisseur als Testbeispiele genügen: Wie rund und satt solche, scheinbar aus dem Nichts geborenen Streicher-Akkorde tönen können . . .
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  • 2015: Ein Jahr für zwei Außenseiter: Sibelius und Skrjabin
    Der finnische Nationalkomponist Jean Sibelius kam 1865 zur Welt, der russische Exzentriker Alexander Skrjabin starb 1915 - Grund genug, sich mit diesen zwei außerordentlichen (und zu Zeiten auch von den Ästhetik-Vordenkern der Moderne ordentlich gezausten) Meistern näher auseinanderzusetzen - was an dieser Stelle mit einigen Hör-Anregungen im Laufe der Zeit geschehen wird. Zur ersten Beschäftigung ein Link: Alexander Skrjabin hat ein paar (leider nur wenige) seiner Klavierwerke für die Klavierrollen der Firma Welte-Mignon selbst eingespielt. Rare Dokumente eines Komponisten, der auch einer der bedeutendsten Pianisten seiner Zeit war (anlässlich der Schlussprüfungen am Konservatorium errang Skrjabin übrigens die "kleine" Goldmedaille, Kollege Rachmaninow bekam die "große" zuerkannt . . .)

    Hier geht's zu "Skrjabin spielt Skrjabin":

    m.youtube.com
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  • Hilfe, Haydn rutscht ab
    Interessant, jeweils im Jänner die Statistiken auf www.bachtrack.com abzurufen, einer Web-Seite, die sich als Führer durch das Konzertleben versteht und genau unter Beobachtung hat, welche Werke wie häufig gespielt werden und welche Künstler wie oft engagiert. Was die Dirigenten betrifft, landeten heuer übrigens Andris Nelsons auf Platz 1, Jaap van Zweden auf Platz 2 und Michael Tilson Thomas auf Platz 3.
    Wichtiger aber die Komponistenliste: Der Reihe nach gewinnen Beethoven, Mozart, Bach, Brahms, Schubert, R. Strauss, Tschaikowsky, Händel, Ravel, Dvorak. Dass also vier Meister unter den ersten zehn sind, die ihre wichtigsten Schaffensjahre in Wien verbracht haben, freut uns. Aber, bitte, wo ist denn nach Beeethoven und Mozart der dritte Wiener Klassiker geblieben? Bis dato war Joseph Haydn immer unter den ersten zehn. Jetzt ist er auf Platz 13 gelandet. Ausgerechnet.
    Irgendwie geht es dem „Vater der Symphonie“ wie dem großen Poeten Klopstock bei Lessing: „Wer wird nicht einen Klopstock loben/Doch wird ihn jeder lesen?“ Offenbar braucht es ein wenig Aufklärungsarbeit, damit Veranstalter und Publikum lernen, dass die Stücke, die dieser Meister hinterlassen hat, nicht zitabel nur zum Kulturkanon gehören, sondern auch zum Hören gedacht sind: sie wirken dabei vergnüglich und erbaulich, probiertermaßen. Wenigstens Platz 10 sollte 2015 wieder drin sein!
    Übrigens: Von Beethoven finden sich drei Symphonien unter den ersten zehn meistgespielten Werken. Was wiederum wie eine Paraphrase auf einen alten Witz anmutet: Wieviele Symphonien hat Beethoven geschrieben? Antwort: Drei, die Dritte, die Fünfte und die Siebente . . .
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  • Rolando Villazón sorgt für Opern-Turbulenzenim Dirndl-Look
    Die Melange ist perfekt. Nichts ist ganz so, wie es sein soll, daher könnte bei die kommenden Volksopern-Premiere alles goldrichtig gelingen. Gaetano Donizettis „Viva la Mamma“ handelt ja davon, dass es ein reines Wunder genannt werden muss, wenn auf dem Theater der Vorhang aufgeht und das Publikum das richtige Stück zu sehen bekommt.
    Dass der Opern-Betrieb eine Art unausgesetzter Chaos-Bewältigung darstellt, weiß die Menschheit seit der Erfindung der Kunstform, Anfang des 17. Jahrhunderts. Und recht bald danach hat man sich auch schon mit den Mitteln derselben über dieselbe lustig gemacht.
    „Viva la Mamma“ ist – nebst Juwelen wie Mozarts „Schauspieldirektor“ oder Richard Strauss' „Ariadne auf Naxos“ und „Capriccio“ – eines der liebenswertesten Beispiele für die tugendhafte Selbstironisierung des Genres.
    Unter dem umständlichen Titel „Le convenienze ed inconvenienze teatrale“ hatte die Buffonerie über Intrigen und Tollpatschigkeiten hinter den Kulissen einst Premiere. Wiederholt hat Donizetti Veränderungen angebracht – ein Arrangement, Mitte des 20. Jahrhunderts war es freilich, das unter dem Titel „Viva la Mamma“ den Musiktheater-Spaß wieder ins Bühnenleben zurück katapultiert hat.
    Österreichische Opernfreunde erinnern sich noch gern daran, dass dank des Erzkomödianten Oskar Czerwenka eine Grazer Produktion des Stücks (übrigens – apropos Theater-Anekdoten – das Dirigier-Debüt eines talentierten Korrepetitors namens Fabio Luisi!) sogar zu Fernseh-Ehren kam und höchste Quoten erreichte.
    „La Mamma“ ist nämlich eine Basspartie – in der Volksoper erscheint diesmal der Alberich der jüngsten Bayreuther „Ring“-Produktion im Dirndl samt Kunstbrüsten: Martin Winkler ist der Transvestit und amüsierte sich schon anlässlich der Vor-Präsentation königlich über seine Kostümierung.
    Zwar spielt das Original Donizettis in Neapel – doch hat der Wiener Regisseur andere Pläne: Auch er ein Erzkomödiant mit Hang zum Regie-Theater, wie er selbst bekennt. Rolando Villazón inszeniert und befand, „la Mamma“ könnte auch eine österreichisch Mama sein und statt Pizza Knödel kochen. Die Wirren und Eifersüchteleien im Schauspielervolk sind hierzulande ja keinen Deut weniger heftig als in Süd-Italien . . .
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  • Paris hat zwar andere Sorgen, aber ab morgen auch eine Philharmonie - in der sozialen Problemzone im Norden!
    Der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können. Doch war das Projekt von Anbeginn als sozialpolitische Kulturaufgabe punziert: Im Norden von Paris steht die Cité de la Musique, von den bürgerlichen Franzosen nicht eben geliebt, weil im sozial schwachen Gebiet angesiedelt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mühevoll erreichbar.
    Dennoch – oder besser: gerade deshalb hat die Pariser Politik beschlossen, just dort den neuen Konzertsaal für das Orchestre de Paris, die neue Philharmonie zu errichten.
    Das Gebäude, das Architekt Jean Nouvel in den Parc de la Villette im (dieser Tage aus traurigem Anlass in die Schlagzeilen gekommenen) 19. Arrondissement gepflanzt hat, bietet bei flexibler Einrichtung bis zu 2400 Hörern Platz. Es umfasst auch einen Vortragssaal mit 200 Plätzen, 15 Proberäume, ein voll ausgestattetes CD-Studio und ein Zentrum für Musikausbildung, dem 2000 Quadratmeter zur Verfügung stehen.
    Die Einweihung des neuen Saals findet heute, Mittwoch, unter Beteiligung der französischen Weltstars Hélène Grimaud und Renaud Capuçon und mit Lang Lang als „Special Guest“ statt. Die ersten Orchesterkonzerte folgen in den kommenden Tagen.
    Mit dem Orchestre de Paris soll auch das von Pierre Boulez gegründete Ensemble InterContemporain in der neuen Philharmonie seine Heimstätte finden.
    Im Zuge der Veränderungen wünscht sich die französische Kulturpolitik auch eine Einbindung von neuen Publikums-Schichten. Wobei die Bekleidungsvorschriften in Paris längst keine psychologische Barriere mehr darstellen. Krawattenträger gelten auch in der Opéra oder in der historisch so bedeutsamen Salle Pleyel bereits als eine Art außerirdischer Erscheinungen.
    Die privaten Eigentümer der Salle Pleyel in der fashionablen Rue Faubourg St. Honoré haben übrigens einen weitreichenden Beschluss gefasst: Ab sofort steht ihr Haus für klassische Musik nicht mehr zur Verfügung! Wer nicht in den Norden pilgern will, muss in Paris also mit den ebenfalls erst seit kurzem vorhandenen Sälen von Radio France ausweichen. Oder er macht es wie die Wiener Philharmoniker, die seit langem im einst von Wiens Opernchef Dominique Meyer geführten Theatre des Champs-Elysées gastieren – in der noblen Avenue Montaigne. Das nächste Mal übrigens Anfang kommender Woche unter Rafael Payare.
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  • Tipp: Heute Abend spielen die Wiener Symphoniker Bruckners Dritte in der Urfassung

    Das ist scheinbar etwas ganz Normales, doch krankt unser Umgang mit dem großen Symphoniker nach wie vor an der Tatsache, dass er sich selbst - unter dem Druck von Publikum (die Uraufführung der Dritten war ein Desaster) und seiner wohlmeinenden Freunde - nie entscheiden konnte. Die Dritte liegt in drei Spielfassungen (mit etlichen Varianten) vor. Wir sind gewohnt, entweder die zweite oder die dritte Version zu hören. Zur Unterscheidung: die mittlere Fassung ist die, in der das Scherzo noch eine überraschende Coda verpasst bekommen hat…

    Diese beiden Fassungen unterscheiden sich nicht wirklich fundamental voneinander, dafür aber hat sich der Komponist weit von dem entfernt, was er ursprünglich niedergeschrieben hat. Die Urfassung ist wesentlich länger, vor allem aber: Bruckner nimmt sich Zeit, seine großen Steigerungsbögen zu entwickeln; vieles ist logischer, weniger sprunghaft als in den bekannten Versionen. Im Gegenzug finden sich manches Wagner-Zitat (das Werk ist ja dem Bayreuther gewidmet) und andere dramaturgisch überraschende Einschübe und Einschnitte. Der langsame Satz mündet in ein breit ausgesungenes Echo des Brautzugs aus dem "Lohengrin". Und das, was die Zeitgenossen als schockierend und "verrückt" empfunden haben mochten - nicht zuletzt weite Partien mit jähen Stimmungswechseln im Finale - hat Bruckner schon bei der ersten Revision einfach eliminiert.
    Viele Gründe, sich also einmal das live anzuhören, was ursprünglich dem kühnen Plan des Meisters entsprochen hat. Auch wenn man sich einen Anwalt für Bruckner wünschen würde, der nicht, wie Jonathan Nott die Symphoniker einfach schön spielen lässt und - außer der einzig tauglichen Sitzordnung mit den zweiten Geigen rechts vom Dirigenten - nichts unternimmt, das Stimmengefüge transparent zu halten. Was an expressionistischen, aufregenden Potenzial in dieser Musik steckt, das uns heute noch mitreißen könnte, muss sich der Hörer dazu denken.

    Dafür bekommt er im Musikverein - wo einst sowohl die desaströse Uraufführung als auch 13 Jahre später die Ehrenrettung mit der Premiere der dritten Fassung stattfanden - den weiten Atem der Expansionen vom Pianissimo bis zum Fortissimo wirklich hautnah mit; das kann keine Stereo-Anlage der Welt. Für eine Erstbegegnung mit der "Wahrheit" - Bruckner hat ja nie erklärt, die Urfassung sei nicht gültig! - taugt das Konzert heute Abend also gut. Zuvor noch Wilde Frank mit Bartoks erstem Violinkonzert; auch ihr schlanker, mild leuchtender Stradivari-Ton droht im dicken Einheitsforte Notts manchmal unterzugehen; aber eine lohnende Begegnung mit der Liebeserklärung eines jungen Meisters an eine verehrte Geigerin (die ihn freilich verschmähte) ist auch das.

    Konzert der Wiener Symphoniker unter Jonathan Nott: heute Abend, 19.30 Uhr, Musikverein, Wien.
    www.musikverein.at
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  • Gurlitt, der doppelt übervorteilte Komponist
    Der Name Gurlitt ist in jüngster Zeit aus ganz anderen Gründen in die Schlagzeilen geraten. Doch gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch einen Komponisten dieses Namens. Manfred Gurlitt, 1890 in Berlin geboren, musste 1933 emigrieren und starb 1972 in Tokio – einer jener Musiktheater-Handwerker, die gute Karriere hätten machen können, aber von den Zeitläuften daran gehindert wurden.
    Im Falle Gurlitts kommt noch ein bitterer Zynismus der Geschichte hinzu. Nach einem Anfangs-Erfolg mit „Die Heilige“ (1920) arbeitete der Komponist zeitgleich mit Alban Berg an einer Opern-Version von Büchners „Wozzeck“.! Gegen den übermächtigen Konkurrenten hatte Gurlitts durchaus achtbarer Versuch von Anfang an keine Chance. Das Folge-Projekt schein vielversprechend: Gurlitt erkannte die Musiktheater-Tauglichkeit von Jacob Lenz’ sozialkritischen „Soldaten“ (von 1776) und schuf aus der Vorlage ein Libretto. Die Vertonung kam 1930 zur Uraufführung. Das Stück hätte Gurlitts Durchbruch bedeuten können. Mehrere Häuser spielten den Düsseldorfer Erfolg nach. Doch zog die Machtübernahme Hitlers 1933 einen Schlusstrich hinter Gurlitts deutsche Karriere.
    Nach 1945, historischer Zynismus – Kapitel II, verhinderte eine weitere „Verdoppelung“ die Wiederbeschäftigung mit dem Werk. Bernd Alois Zimmermann gelang mit seiner „Soldaten“-Version ind en Augen vieler Kommentatoren eines der besten Beispiele für die Adaptierung avantgardistischer musikalischer Formen ans Musiktheater. „Die Soldaten“ Zimmermanns wurden zu einer Art Vorzeigestück - zuletzt wählte der neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Kirill Petrenko, dieses Werk neben Richard Strauss’ „Frau ohne Schatten“ als repräsentatives Antritts-Stück in München.

    Drei Jahrzehnte nach der Uraufführung schien also das Schicksal von Gurlitts „Soldaten“ besiegelt. Und doch besann sich ein Dramaturg Ende der Neunzigerjahre des Titels und blies den Staub von der Partitur, die viele Jahre lang unbeachtet in den Regalen der Wiener Universal Edition lag. Nach der Wiederaufführung in Trier, 1998, wagt sich nun Osnabrück an Gurlitts „Soldaten“. Für „Raritätensammler“ unter den Opernfreunden ist das wohl ein Pflichttermin. Nach der Premiere am 17. Jänner folgen bis Ende Februar noch sieben Reprisen.
    Wer nicht so weit reisen möchte, kann zumindest akustisch nachkontrollieren, was Gurlitt aus dem Stück gemacht hat. Ein Mitschnitt der Premiere wird am 7. Februar (19 Uhr) in Deutschlandradio Kultur gesenendet.

    Live: www.theater-osnabrueck.de
    Rundfunkübertragung: www.deutschlandradiokultur.de
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  • Salome in der Staatsoper – diesmal als Mutter-Tochter-Konflikt
    Das Richard-Strauss-Jahr ist in Wien nicht zu Ende. Jedenfalls spielt die Staatsoper zum zweiten Mal in dieser Saison „Salome“ aufs spannendste. Diesmal gibt Catherine Nagelstad mit jugendlich-hellem Sopran die Titelheldin – während Elisabeth Kulman als ebenso jugendliche Mama angesichts der kapriziös mit allen Männern kokettierenden Tochter eindrucksvolle Wutanfälle bekommt (ohne denselben ihren bemerkenswerten Schöngesang zu opfern).
    Tomasz Konieczny verflucht das gottlose Gesindel mit mächtigen, scharf attackierenden Bariton-Tönen. Herwig Pecoraro liefert als Herodes einzelne Spitzentöne wie die Karikatur eines selbstsüchtigen Verdi-Tenors und bemüht sich zwischendurch um die präzise Artikulation von Oscar Wildes Text. Der Rest der Besetzung ist perfekt – Norbert Ernst gab erstmals den Narraboth, Ulrike Helzel schmachtet ihn mit lyrisch-schönen Mezzo-Tönen an. So begann der Abend bereits mit zwei schönen Stimmen erfreulich; und entwickelte sich dank Simone Youngs souveränem Dirigat in gewaltigen symphonischen Steigerungsbögen. Am ausdrucksvollsten „gesungen“ wird in Wien bei Strauss ja sehr oft im Orchestergraben . . .
    „Salome“ gibt’s im Haus am Ring noch am 19., 23. und 27. Jänner
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  • Architekt boykottiert Eröffnung der Pariser Philharmonie
    "Missbraucht“ fühlt sich Jean Nouvel. Der bedeutende Architekt hat wieder einmal einen Kultur-Bau realisiert, der – wie man das von ihm gewohnt ist – ganz besonders aussieht. Allein, mit der Eröffnugnszermonie hatte der Mann diesmal keine Freude. Er erschien zu den Feierlichkeiten erst gar nicht.
    Die neue Philharmonie in Paris wurde eröffnet, den Protesten des Altmeisters zum Trotz. Nouvel hatte befunden, seine Arbeit sei längst nicht fertig, der große Konzertsaal nur notdürftig für den Spielbedtrieb adaptiert worden, etliche wichtige Bauarbeiten im Haus seien nicht annnähernd fertiggestellt.
    Ein bisschen schwang in Nouvels Statement wohl auch die Unsicherheit mit, ob angesichts der schlimmen Vorfälle in Paris eine Feierstunde für die alte europäische Kultur zum rechten Zeitpunkt käme.
    Dennoch wird seit Ende der vorigen Wochen musiziert. Man muss dazu wissen, wo dieser Konzertsaal steht. Anders als in aller Welt üblich, erklingen die Symphonien Mozarts und Beethovens, die Ballettmusiken Strawinskys und Ravels nämlich nicht im Zentrum der Stadt, sondern an deren nordöstlichem Rand.
    Die Philharmonie steht als Fremdkörper in einer sozialen Problemzone. Die Chance, dass man die Bewohner dieses von den meisten Franzosen sls sinsiter empfundenen Bezirks dazu bewegen kann, sich demnächst einmal im originellen Nouvel-Ambiente die „Kleine Nachtmusik“ anzuhören, sind angesichts der nicht eben philharmonisch zu nennenden Sozialisierung der mehrheitlich aus Zuwanderern gebildeten Kommune ziemlich gering zu nennen.
    Vielleicht ist der Zeitpunkt der Eröffnung im Zusammenklang mit den grausamen Ereignissen zumindest als Mahnmal für die Kulturpolitik – nicht nur die französische – doch ganz passend: Mit Gewalt versucht man in Paris, die Restbestände der europäischen Hochkultur in Problemzonen des urbanen Lebens zu verpflanzen, die der abendländischen Zivilisation kaum mehr integriert scheinen.
    Es wird sich zeigen, ob jene Schicht, die gegen 20 Uhr bis dato noch gern live Mozart oder Brahms genießt, dazu freiwillig in die Vorstädte pilgert, wo es notorisch schwierig ist, gegen 22 Uhr noch ein Taxi zu bekommen, falls man sich um diese Uhrzeit nicht mehr in die Metro-Tunnel begeben möchte.
    Dass ein neues, junges Publikum sich ausgerechnet an diesem Ort für Klassik begeistern lässt, steht wohl nur auf dem wohlmeinenden Sozialentwicklungs-Papier, das auf dem ministeriellen Schreibtisch lag, als das Philharmonie-Projekt unterschriftsreif wurde. Aber wer weiß, vielleicht trägt man an der Seine bald T-Shirts mit der Aufschrift „Je suis Amadeus“ . . .
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  • Tipp: Tschaikowskys Psycho-Krimi "Pique Dame", live oder als Stream (28. Jänner)
    Was der Met ihre Kino-Übertragungen, sind der Staatsoper die Live-Streams. Demnächst steht Tschaikowskys „Pique Dame“ im Netz. Und diese Aufführung lohnt den technischen Aufwand wirklich. Zeigt sich doch wieder einmal, dass das Haus am Ring im laufenden Repertoire des öfteren ein Niveau erreicht, das anderswo bei Premieren rar ist.
    „Pique Dame“ wurde anlässlich der Wiederaufnahme in den Spielplan jedenfalls ein atemberaubendes Musiktheater-Ereignis. und das trotz der dümmlichen Details der Inszenierung Vera Nemirovas. Was die einzelnen Darsteller an Interaktion liefern, ist jedenfalls dem spannenden Psychokrimi, um den es hier geht, adäquat.
    Vor allem punktet Wien wieder mit einer kaum egalisierbaren musikalischen Qualität. Das Orchester und der ungewöhnlich engagierte Chor laufen unter der besonnenen, aber offenbar höchst animierenden Führung Marko Letonjas zur Höchstform auf. Tschaikowskys leidenschaftliche musikalische Umsetzung der Seelenqualen seiner Akteure wird durch kräftig pulsierende instrumentale Akzente vorangetrieben – in die völlige Ausweglosigkeit bitterbösen dramaturgischen Erzählung: Aleksandrs Antonenko macht die Besessenheit des Spielers Hermann mittels beeindruckender tenoraler Attacke deutlich.
    In den Duetten mit der stillen Dulderin Lisa nimmt er die Stimme in jene lyrischen Register zurück, in denen Barbara Havemans Sopran mit mild leuchtenden Kantilenen Lust und Leid jener Mädchenfigur hörbar macht, die geliebt werden will, doch an der Ignoranz ihres Gegenübers zerbricht.
    Dagegen ist die umjubelte Heimkehrerin Marjana Lipovšek als eiskalte Gräfin diesem Hermann der Fels, an dem er scheitern soll. Das sind große Interpretationen, in eine exzellente Ensemble-Leistung eingebunden. Bis hin zu den kleinsten Partien sind alle mit Eifer bei der Sache. Zwei Baritone von Format: Markus Eiches zu ausdrucksvollen melodischen Linien fähiger Jeletzki und Tomas Tomasson, der die Lieder des Grafen Tomski mit herbem Charme eindrucksvoll gestaltet.
    Hinreißend die Polina von Elena Maximova, die ihre traurige Romanze bis in die tiefste Lage balsamisch weich und klangschön strömen lässt. Das alles ist live von unwiderstehlichem Effekt – und wert, dokumentiert zu werden. Wer also keine Zeit findet, am 20., 24. oder 28. Jänner ins Haus zu kommen: Am 28. streamt www.staatsoperlive.com.
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  • Zum Tod von Waldemar Kmentt

    Als Mitglied des legendären Wiener Ensembles sang der 1929 geborene Wiener fast 1500 Mal in der Staatsoper: von bedeutenden Porträts wie Offenbachs Hoffmann bis zu Kleinstpartien. Er starb am Mittwoch.


    Seinen ersten großen Auftritt feierte der Wiener Tenor als 21jähriger. 1950 akzeptierte ihn Karl Böhm als Solist in einer Aufführung von Beethovens Neunter. Was das für die Reputation des gerade erst der Akademie entschlüpften Sängers bedeutet, kann heute kaum noch jemand ermessen.
    Böhm hasste es, mit jungen, unerfahrenen Künstlern zusammenzuarbeiten. Umso schwerer wog sein Urteil über diesen Wagemutigen: Ein halbes Jahr danach war Waldemar Kmentt in der Staatsoper engagiert. Es sollte eine der fruchtbarsten Beziehungen zwischen einem Künstler und dem Repertoirebetrieb werden. Vier Jahre später, als die Sänger wieder ins renovierte Haus am Ring überseidelten, war Kmentt schon ganz selbstverständlich der Jaquino, als Kurzzeit-Direktor Böhm den Auftakt zur Eröffnungs-Premiere des „Fidelio“ gab.
    Fast 1500 Mal stand der Name auf den Abendplakaten. Ein halbes Jahrhundert lang. Kmentt gehörte von Anbeginn zum Kern des sagenumwobenen Wiener „Mozart-Ensembles“. Sein heller, beweglicher Tenor taugte für den Belmonte („Entführung aus dem Serail“) wie für beide Arien des Don Ottavio („Don Giovanni“) und für alle drei, die Mozart dem Ferrando (in „Così fan tutte“) zugedacht hat; wobei diese Kür kaum je von Kmentt verlangt wurde.
    Jedenfalls waren die Wiener Intendanten begeistert über die Vielseitigkeit dieses Künstlers; und das Publikum liebte seine hintergründigen Gestaltungen vielschichtiger Partien. Nicht von ungefähr blieb seine Charakterisierungskunst aus Otto Schenks erinnerungswürdiger Inszenierung von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ besonders im Gedächtnis haften.

    Eminente Wandlungsfähigkeit

    Wer in den Annalen nachblättert, welche Rollen Kmentt in Wien verkörpert hat, wird über die Vielseitigkeit staunen. Die Papierform trügt nicht: Kmentt war tatsächlich wandlungsfähig genug, um so unterschiedliche Figuren wie den Hans ind er „Verkauften Braut“ (eine seiner Leib- und Magenpartien) oder den Fürsten Schujski in „Boris Godunow“ glaubwürdig zu gestalten.
    Epitheta wie „lyrisch“ oder „dramatisch“ wollten nicht genügen. Es war Kmentt, der da singend eine Persönlichkeit fasste, einen Text erzählte. Die jüngst erstmals „offiziell“ veröffentlichte Aufnahme von Mahlers „Lied von der Erde“ unter Carlos Kleiber beweist das aufs schönste: Dieser Tenor genügt den herkulischen Anforderungen des einleitenden „Trinklieds vom Jammer der Erde“ ebenso wie dem milden Pastellton der Erzählung vom kleinen Jade-Tempel, der sich im Teich widerspiegelt . . .
    Als treues Mitglied der Staatsoper war sich Kmentt nie zu schade, nebst Hauptrollen auch kleinste Aufgaben – und heikle Rollen auch in neuen Werken – zu übernehmen. Und man ist sich in der Erinnerung nicht ganz sicher, ob der Schluss von Friedrich Cerhas „Baal“ nicht auch deshalb so prägnant im Gedächtnis blieb, weil Kmentt als prononcierter Sprecher im Spiel war.
    Von 1978 bis 1995 gab der Sänger an die Studenten des Wiener Konservatoriums weiter, was er vom Opernbetrieb wusste; ein wunderbarer Impulsgeber auch als Lehrer.
    Am Mittwoch ist Waldemar Kmentt kurz vor seinem 86 Geburtstag in seiner Heimatstadt gestorben.
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  • Benedikt Kobel setzt Zeichen    
    Als treues Mitglied des Ensembles singt Benedikt Kobel nicht nur in vielen Aufführungsserien der Staatsoper, er verziert auch den neuen Blog des Hauses (staatsoperblog.atdurch Karikaturen. Mit der spitzen Feder geht der Tenor virtuos um. Das hat er auch in Buch-Publikationen bewiesen. Und er zeichnet nicht nur Musikalisches - wie "La Donna e mobile" anlässlich der "Rigoletto"-Premiere (siehe unten) - sondern er hat auch die Mediziner aufs Korn genommen. Heute, Donnerstag, hat eine Ausstellung über die "Götter in Weiß" Vernissage. 

    (19 Uhr, in der Ärztekammer, 1010 Wien, Weihburggasse 10-12). 

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  • Die positiven "Nachwehen" einer Opern-Gala
    Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Aki Nuredini aus Anlass des 30. Jahrestages der Eröffnung seines Restaurants "Sole" in der Annagasse die Staatsoper mietete, um dort mit den prominentesten seiner Gäste zu feiern. Als Überraschungs-Stars kamen sogar Juan-Diego Florez und Jonas Kaufmann, um dem Patron die Ehre zu erweisen, dessen Lokal im magischen Dreieck zwischen Musikverein, Konzerthaus und Oper zum Künstlertreff par excellence geworden ist.
    Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf spendete Nuredini zu 100 Prozent der Stiftung, die Ramon Vargas nach dem tragischen Tod seines Sohnes für notleidende mexikanische Kinder ins Leben gerufen hat. Was mit dem Geld passiert ist, erläuterten Nuredini und der Tenor selbst am Nachmittag des 29. Jänner im Gustav-Mahler-Saal der Staatsoper. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein kleiner Film über das Jugendprojekt gezeigt. Die prominenten Kollegen der abendlichen "Simon Boccanegra"-Vorstellung (Leo Nucci, Ferruccio Furlanetto und Barbara Frittoli) und Direktor Dominique Meyer gaben Vargas die Ehre. Illustre "Sole"-Stammgäste wie Michael Heltau waren dabei. Und im Rahmen eines kleinen Konzerts (mit Clemens Unterreiner, Shkelzen Doli und anderen) erklang, geblasen von Roland Horvath, sogar die Uraufführung eines kurzen Werks für Horn und Klavier aus der Feder von Meinhard Rüdenauer, "Im Winterwald" mit milden Echos alter Jagdsignale...
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  • Berliner Verwirrspiele
    Die Berliner Philharmoniker suchen einen neuen Chefdirigenten. Kommentatoren und Orchestermitglieder sind gleichermaßen uneins, ob man die von Claudio Abbado und Simon Rattle initiierte Linie einer "offenen Orchestergesellschaft" mit jugendlichem Image weiterführen soll oder doch eher wieder versuchen sollte, an die Spitze der internationalen Lordsiegelbewahrer romantischer symphonischer Tradition zu gelangen - eine Position, die man unter Furtwängler und Karajan unangefochten innehatte.
    Die "Fortschrittspartei" hat mit Gustavo Dudamel ihren Spitzenkandidaten. Die Traditionalisten favorisieren entweder Christian Thielemann (derzeit Dresden) oder Kirill Petrenko (den Münchner GMD). Peetrenko musste freilich kurz nach seiner sensationellen Wiener „Rosenkavalier“-Einstudierung ein „Philharmonisches“ in Berlin absagen.
    Nun, da das Nachfolge-Spiel in seine heiße Phase tritt, veranstaltete eine Berliner Zeitung um Petrenko ein Verwirrspiel. Drei verschiedene Versionen über den Grund der Absage waren nacheinander im Internet abrufbar: Zunächst hieß es, Petrenko hätte während der Proben den Mut verloren, dann korrigierte man auf: er sei gar nicht erst angereist; zuletzt ließ die Gazette jedoch verlauten, der Hotelportier hätte das Orchesterbüro angerufen, der Maestro sei vor Probenbeginn wieder abgereist.
    Nichts davon ist wahr. Die Absage wegen der (in der Branche notorischen) Rückenprobleme erfolgte korrekt durch die Agentur. Die journalistische Peinlichkeit übertüncht nur die Tatsache, dass sich in Berlin offenbar niemand vorzustellen wagt, ein Mann wie Petrenko könnte vielleicht gar kein Interesse daran haben, die Nachfolge Simon Rattles anzutreten. De facto hat der als fanatischer Gestalter bekannte Interpret ganz eindeutig beschlossen, sein Amt in München so ausführlich wie möglich zu erfüllen – weshalb er auch den Bayreuther Ring nach 2015 abgeben wird.
    Jenseits der bayrischen Metropole dirigiert er nur in handverlesenen Momenten. Zum Beispiel in Wien, wo man sich nach der sensationellen Staatsopern-Strauss-Serie auf ein Debüt im Rahmen der Philharmonischen Konzerte kommende Saison geeinigt hat. Da es bei den Wienern keinen Chef-Posten zu besetzten gilt, werden dann wohl auch keine Falschmeldungen verbreitet . . .
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  • Maria Callas - einmal nur hören

    Sie bleibt natürlich das größte Phänomen der jüngeren Operngeschichte. Alle Welt wusste, wer sie war. Kaum jemand hatte sie live gehört. Die Skandalgeschichten kannte freilich jedermann. So wusste man, dass die Diva in Rom eine „Norma“-Vorstellung, der viel Prominenz beiwohnte, mittendrin platzen ließ, weil sie sich unpässlich fühlte. Das „Comeback“ war ein Konzert in Paris, dessen Video-Mitschnitt allseits bekannt ist. Nun kam eine sorgfältig restaurierte Version der Tonspur in den Handel: Und das könnten Musikfreunde nutzen, um einmal ohne optische Ablenkung zu lauschen: Wie diese Frau Verdi, Bellini, Rossini und Puccini gesungen hat, das ist und bleibt dank unfassbarer vokaler Wandlungsfähigkeit tatsächlich einzigartig. Wer da meint, die Interaktion mit dem großen Tito Gobbi im zweiten „Tosca“-Akt sei lediglich großes Theater, der irrt: Das ist eben Musik-Theater. Betonung auf den ersten beiden Silben!

    CD Tipp:
    La grande nuit de l-Opera, 1958 INA
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  • Diana Damrau singt in München, aber nicht in Salzburg
    Die Optik ist ein wenig schief. Doch lässt sich alles erklären. Die Salzburger Mozartwoche schickte am Montag eine Meldung aus, derzufolge Diana Damrau krankheitshalber ihre Mitwirkung am Konzert der Wiener Philharmoniker kommenden Samstag absagen musste. Marina Rebeka springt in.
    Dass am Abend der Bekanntgabe der Absage Diana Damrau die „Lucia di Lammermoor“ im Münchner Nationaltheater sang, mag befremdlich scheinen. Doch waren manche nur mit spürbarer Mühe absolvierte Spitzentöne an dieser Donizetti-Premiere vielleicht der Erkrankung geschuldet: Wie man in München erfährt, hat die Sopranistin bei Haupt- und Generalproben nie „ausgesungen“.
    Am Premierenabend der Neuinszenierung sorgte Damraus Leistung insgesamt dennoch für Jubel. Die vokale Gestaltungskraft der Sängerin ist, auch wenn die Stimme runder, kräftiger und vielleicht nicht mehr ganz so beweglich wie früher ist, ungebrochen. Schon im ersten Akt fasziniert die Mixtur aus jugendlichem Backfisch-Überschwang und visionärer Obsession – die „Wahnsinnsarie“ kommt nicht unvorbereitet.
    Zumindest nicht musikalisch. Szenisch ist die Müncher Neuinszenierun ein Reinfall sondergleichen. Die Bühne stellt ein von Vandalen zerstörtes ehemaliges Büro dar, Sir Edgar fährt mit dem amerikanischen Cabio vor und fortwährend fuchtelt jemand mit einem Revolver herum. Personenführung, wie sie etwa die Damrau bitter nötig hätte, um ihre vokale Vielseitigkeit nicht mit neckischem Gehabe zu ruinieren, scheint für die Regisseuse Barbara Wysocka ein Fremdwort zu sein.
    Die völlig verschenkte Optik dieser sogenannten Inszenierung steht quer zur musikalischen Gestaltung durch den Münchner Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, der die Partitur Donizettis genauestens studiert hat und ebenso umsetzt. Was da an fein ausgehörten Klangmixturen – inklusive schwebender Glasharmonika-Töne – zu hören ist, wie Chor und Orchester virtuos und mit gleichbleibendem Elan dynamische Extreme auskosten, das ist in einer Belcanto-Aufführung nicht nur in deutschsprachigen Landen eine Rarität. In Wahrheit wird sich kaum ein Opernfreund daran erinnern, Donizetti je so differenziert und expressiv musiziert gehört zu haben.
    Da können die Sänger nur ansatzweise mit. Pavol Breslik als Edgardo vor allem, der mit heller, beweglicher Stimme auch die Pianissimo-Herausforderungen annimmt, die von Chor und Orchester kommen. Dalibor Jenis ist in jeder Hinsicht Bresliks Gegenspieler: Dieser Lord Henry kennt, scheint's, nur eine Stimmfarbe: steif, und eine Lautstärke: forte. Doch gelingt es dem Maestro, auch ihn im entscheidenden Moment zu bewegen, zumindest für drei Minuten leise zu singen: Der Beginn des berühmten Sextetts im Hochzeits-Akt gehört für mich zu den erinnernswerten Augenblicken der jüngeren Interpretationsgeschichte: Da beginnt in schier atemloser Spannung eine melodische Entwicklung, in der Donizetti wirklich alle Kräfte bruchlos zu einem gigantischen emotionalen Crescendo bündelt: Nicht einmal die berühmte Callas-Fermate wird hier imitiert – alle miteinander streben in unausweichlicher Sogwirkung dem Schluß-Akkord zu. So kann man es in Donizettis Partitur lesen – aber man hat es noch nie hören können.
    In München wird’s Ereignis. Am 8. Februar dürfen alle dabei sein: Die Bayerische Staatsoper streamt „Lucia di Lammermoor“ via www.staatsoper.de/tv
    Da kann man auch die soliden Leistungen des übrigen Ensembles (mit Georg Zeppenfelds orgelndem Raimondo und zwei sehr guten Tenören in den undankbaren Partien von Normanno – Dean Power – und Lord Arthur – Emmanuele D'Aguanno) bewundern – und in den dümmsten Momenten der Inszenierung einfach mit geschlossenen Augen den Ton aus der Stereoanlage genießen. Was den notorischen Regie-Notstand betrifft, ist auch in München die Eiszeit offenbar noch lange nicht zu Ende. Donizetti aber nimmt man musikalisch ernst. Das Werk erklingt ohne jede Kürzung, und durchgearbeitet bis ins kleinste Detail. Da kann man nicht einmal sagen: Wie in früheren Zeiten. Das ist eine Novität!

    Lucia di Lammermoor in München: Live am 29. Jänner, 1., 5., 8. und 11. Februar. Livestream am 8. Februar.
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  • Doktor Schiwago sorgt für Streit in Regensburg

    „Kitsch“, rufen deutsche Rezensenten, „Skandal“, schreit der russische Komponist der Oper.
    Eine Oper nach Pasternaks Roman „Doktor Schiwago“ hat der Intendant des Theaters Regensburg bei dem russischen Komponisten Anton Lubchenko in Auftrag gegeben. Der 1985 geborene Musiker ist nicht nur schöpferisch, sondern auch als Kulturmanager tätig. Das ist nützlich in Sachen Kulturaustausch. Die deutsch-russische Freundschaft war bei Auftragsvergabe noch nicht ins Wanken geraten. Und Lubchenko plante verständlicherweise eine Übernahme der Regensburger Produktion in das von ihm selbst geführte Opernhaus von Wladiwostok.
    Ein paar Wochen vor der Premiere hin allerdings der Haussegen schief. Diese Inszenierung, so verkündete der Komponist, würde er nie und nimmer in Russland zeigen. Regisseur Silviu Purcarete hätte ein völlig verzeichnetes, von Vorurteilen und Stereotypen geprägtes Russland-Bild auf die Bühne gebracht.
    Purcarete, der mit der Presse ohnehin nie spricht, nahm zu diesem Vorwurf gar nicht Stellung. Die Premiere ging am 24. Jänner über die Bühne. Danach kommentierten die Rezensenten und schoben den Schwarzen Plattitüden-Peter postwendend dem Komponisten zu. Lubchenko spiele, so hieß es, mit Assoziationen und Zitaten der romantischen russischen Operngeschichte. Von Mussorgsky bis Borodin und Tschaikowsky sei alles vertreten; ein Schuss Schostakowitsch garantiere den Anschluss ans vorige Jahrhundert.
    Deutschlandradio bescheinigt Lubchenko immerhin große handwerkliche Meisterschaft – und weist nach, dass der Komponist schon im Libretto gegen Russland-Klischees agitiert: Der Westen, so heißt es da, will „die ach so tragische Seele von Mütterchen Russland einfach nicht verstehen“. Ausdrücklich lehnt Lubchenko übrigens auch die berühmte Filmversion aus Hollywood als Verfremdung ab.
    Regensburg bietet bis Ende Mai noch zehn Vorstellungen von „Doktor Schiwago“. Anton Lubchenko gibt die musikalische Leitung aber am 29. Jänner an Tom Woods ab. Das Solistenensemble rekrutiert sich nicht nur aus Mitgliedern des Opernhauses von Wladiwostok, sondern auch jenen des St. Petersburger Marinskij-Theaters, dessen Leiter, Valery Gergiev, zu den großen Förderern Lubchenkos gehört.
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  • Jonathan Nott auf Ansermets Spuren
    Jonathan Nott, der eben eine Kurz-Tournee mit den Wiener Symphonikern absolviert hat, wird Nachfolger von Neeme Järvi als Chefdirigent des Orchestre de la Suisse romande. Damit übernimmt der Dirigent eine Position, die über lange Jahre einst von Ernest Ansermet bekleidet wurde, der mit diesem Ensemble (vor allem in den Sechdzigerjahren) eine Reihe historisch bedeutsamer Schallplatten-Einspielungen produziert hat. Nicht zuletzt die Aufnahmen damals zeitgenössischer Musik von Strawinsky über Arthur Honegger bis Frank Martin (im Exklusivvertrag mit Decca) können dank der Kompetenz Ansermets bis heute Referenz-Rang beanspruchen. Mittlerweile hat kaum noch ein Klangkörper die Möglichkeit, via Medien stilbildend zu wirken und damit internationale Beachtung zu finden, weshalb das Orchestre de la Suisse romande ein wenig aus dem Blickfeld gerückt ist. Nott gilt als Mann spannender Programm-Gestaltungen - in Wien konfrontierte er zuletzt Bartoks selten gespieltes Erstes Violinkonzert (mit Vilde Frang) mit der noch seltener zu hörenden Urfassung von Anton Bruckners Dritter Symphonie. Offenbar verspricht man sich in der Schweiz von ihm entsprechend anregende Initiativen...
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  • Leben auf Bäumen - im Konzerthaus
    Im Wiener Konzerthaus probiert man konsequent neue Präsentationsformen für Klassik. Jüngst hat man nach New Yorker Vorbild eine Reihe mit freitäglichen Kurz-Konzerten gestartet, denen dann für alle, die das möchten, noch kammermusikalische Nachspiele mit Open End folgen. Wer also nur die Stoßzeit musikalisch überbrücken möchte, hat die Chance, ein halbes Symphoniker-Programm mitzuerleben und dann gemütlich nach Hause zu fahren.
    Wer doch einen vollen Abend, spannend programmiert, genießen will, bleibt einfach da und erweitert seine Repertoire-Kenntnisse, oder erlebt bekannte Künstler von ungewohnter Seite (etwa Philippe Jordan als Pianist).
    Etabliert ist längst die Serie der Mittagskonzerte, die auch stets bunt programmiert ist und seit einiger Zeit Literatur und Musik verbindet. Der Schubertsaal droht aus allen Nähte zu platzen; der Andrang ist enorm.
    Jüngst las Martin Vischer aus Italo Calvinos subversiv-amüsantem Roman „Der Baron auf den Bäumen“, mit dem sich der Dichter in die Zeit der Aufklärung zurückträumt und einen renitenten Adels-Sprössling kurzerhand auf Bäume klettern und von dort aus Dialoge mit Voltaire und Napoleon führen lässt.
    Dazu steuerte Alexandra Silocea eloquent kurze Stücke aus Mozart-Sonaten, Pittoreskes von Couperin und Rameau sowie ein wenig Scarlatti bei – sogar Elisabeth Leonskaja, von der sich Silocea den letzten Schliff geholt hat, lauschte nicht nur ihrer Studentin sichtlich animiert von ihrem Stehplatz an der Saal-Rückwand.
    Auch in diesem Zyklus kann ein Musikfreund seinen Horizont kräftig erweitern. Das nächste Konzert der Reihe (18. Februar) gilt zum Beispiel Musik aus den ehemaligen Kronländern – mit manchem Werk, dessen Schöpfer zwischen 1938 und 1945 ermordet wurde. Paul Gulda, der schon für die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg in der Schallaburg eine spannende CD zusammengestellt hat, spielt Stücke von Jaromir Weinberger, Zdenek Fibich, Wladyslaw Szpilman, Erwin Schulhoff und Jozsef Koffler, sowie Musik von Hindemith, Berg und Schönberg.
    Michael Dangl liest dazu aus Reportagen von Joseph Roth, dem Romancier mit dem eminenten sozialen Gewissen und einem Faible für die Habsburger-Monarchie. Die Musik gibt uns eine Ahnung von den verborgenen, abgebrochenen, zerstörten Verbindungslinien, die von der Moderne im Wien um 1900 zur Avantgarde der Nachrkiegszeit führen (sollten).
    Jozsef Koffler war Schüler Schönbergs und hat sein Können an den später auch als Lehrer so fruchtbaren Roman Haubenstock-Ramati weitergegeben. Die Linien lassen sich also von der Wiener Schule bis zur Gegenwart eines Beat Furrer nachzeichnen, des jüngsten Staatspreisträgers.
    Roths Texte werden wohl unsere Sensibilität für die schrecklichen Verwerfungen schärfen, die in der Zwischenzeit passiert sind. Sage keiner, Mittagskonzerte seien eine biedermeierliche Angelegenheit . . .
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  • Staatsoper: Intendanz und Intriganz
    In der jüngsten "Stretta", der Zeitschrift der Staatsopern-Freunde, schreibt Heinz Irrgeher über mangelnde Sachkenntnis mancher Kommentatoren, schlechtes Benehmen mancher "Kenner" im Publikum und über infame Intrigenspiele - dem ist wenig hinzuzufügen.
    Ein Lese-Tipp (S. 16 im folgenden pdf-File)

    www.opernfreunde.at
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  • Tipp: Jetzt gleich Ö1 einschalten!
    Gottfried Cervenka, wie immer fantastisch profund, über Fernando de Lucia und Verdi-Gesangsstil! Wer immer sich für Belcanto interessiert und das, was daraus wurde, sollte jetzt gleich zuhören.


    … übrigens ein bemerkenswertes Beispiel, wie man innerhalb von knapp zwanzig Minuten gleich zwei berühmte Tenöre akustisch "hinrichten" kann - del Monaco und di Stefano . . .
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  • In Münchens Konzertleben ist einfach der Wurm drin
    Die bayrische Hauptstadt hat einige sehr gute Orchester, eines davon, jenes des Bayerischen Rundfunks, darf sogar wirklich Weltrang beanspruchen. Aber keines dieser Orchester hat einen adäquaten Konzertsaal. Zuletzt war nach viel Protest - auch von Rundfunk-Chefdirigent Mariss Jansons - zumindest eine Zeitlang die Rede davon, dass ein neuer Saal gebaut werden könnte, der den Ansprüchen an eine ideale Akustik genügt.
    Wieder nichts.
    Die Regierung hat die Pläne abgeschmettert. Der misslungene Saal am Gasteig wird renoviert. (Das hätte er sowieso müssen, ätzen jetzt Kenner - Fast: München spart und muss sich symphonisch weiter g'fretten . . .)
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  • 45 Jahre Gruberova an der Staatsoper
    Am Tag genau 45 nach ihrem Debüt, am 7. Februar, steht die Primadonna wieder auf der Bühne des Hauses am Ring und dokumentiert ihren singulären Status als weltweit gefeierte Belcanto-Königin. Das kommentiert sich selbst.

    Nur zur Erinnerung: Man kann "live" dabei sein, auch wenn man nicht in Wien ist: www.staatsoperlive.com.
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  • Die Ära Lissner beginnt in Paris: Jugend-Tickets zu 10 Euro!
    "Angesichts der Krise müssen wir offensiv sein und mehr produzieren", verkündete Stephane Lissner anlässlich der Präsentation seines ersten Saison-Programms für die Opéra in Paris. 18 neue Produktionen und 14 Wiederaufnahmen sind programmiert.
    Insgesamt plant Lissner für die Spielzeit 2015/16 428 Aufführungen, für die über 800.000 Karten in den Verkauf kommen. Davon sind 175 Opernaufführungen (137 in der Bastille + 38 im Palais Garnier), sowie 12 Aufführungen eines neuen Doppelabends, die Tschaikowskys einst auch an einem Abend uraufgeführte, letzte Bühnenwerke, "Jolanthe/Der Nussknacker" im Palais Garnier vereint. Weiters 164 Ballettaufführungen
    Einige „fortschrittliche“ Regiearbeiter sind avisiert, doch vorsichtshalber mit Werken der musikalischen Moderne beschäftigt: Romeo Castellucci inszeniert Schönbergs "Moses und Aaron". Rund um die Premiere arrangiert Paris einen Konzert-Zyklus mit Schönberg-Werken, der eine getanzte Hommage an den demnächst 90-jährigen Altmeister Pierre Boulez gegenübersteht. Krzysztof Warlikowski kombiniert Bartóks "Blaubart "mit Francis Poulencs "Voix Humaine" (mit Barbara Hannigan).
    Das traditionelle Repertoire beherrscht in Paris 2015/16 die Verdi-Trilogie „Rigoletto" (Regie: Claus Guth), „Troubadour“ (mit der Netrebko, Ludovic Tezier und Marcelo Alvarez - Premiere: 31. Jänner), und „La Traviata“ (als Wiederaufnahme der Marthaler-Inszenierung).
    Philippe Jordan bleibt Chefdirigent und übernimmt neben "Moses und Aron" auch die Übernahme von Stefan Herheims "Meistersinger"-Inszenierung aus Salzburg, Berlioz' "Fausts Verdammnis" in einer Inszenierung von Avis Hermanis und eine Wiederaufnahme von Herbert Wernickes ebenfalls aus Salzburg importiertem "Rosenkavalier".
    Neu: Jugendliche können Generalproben in der Opéra Bastille um 10 Euro besuchen.
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  • Triumphale Rückkehr von Neumeiers "Josephs Legende"
    Damit verbinden wohl viele Wiener Ballettomanen und auch Musikfreunde, die sich nur selten ins Tanztheater verirren, faszinierende Erinnerungen: Die Premiere von "Josephs Legende" in den Siebzigerjahren war ein Sensationserfolg. Denn John Neumeier war es gelungen, eine völlig neue dramaturgische Konzeption für Richard Strauss' üppig strömende Ballettmusik zu schaffen. Aus der statuarischen Frau Potiphar des originalen Szenariums (von Hugo von Hofmannsthal und Harry Graf Kessler) wurde eine leidenschaftliche Tanz-Partie; und die Solisten Judith Jamison und Kevin Haigen genossen in Wien sogleich Kult-Status; wie die Choreographie und die der Musik an Buntheit nicht nachstehende Dekoration von Ernst Fuchs.
    Leider hat Neumeier seine Neufassung - mit seiner Compagnie in Hamburg 2008 erarbeitet - in ein kargeres Bühnenbild gesetzt und die Handlung aus ferner orientalischer Zeit ins Art Deco Flair der Richard-Strauss-Ära. Das erotisch aufgeladene Beziehungsgeflecht der Handlung wird freilich auch in der neuen Version deutlich. Rebecca Horner als Frau Potphar und Denys Cherevychlo als Joseph finden ihren eigenen Weg, die Geschcihte vom keuschen Visionär und der Verführerin zu erzählen: Reflektierter, quasi aus der Perspekitve einer dekadenten Gesellschaft betrachtet, weniger animalisch-direkt, weniger naiv als einst, steigert sich der Pas de deux (zur aufgeputschten Klang-Orgie der Philharmoniker unter Mikko Franck) doch wieder zum packenden Herzstück der Aufführung, die lauten Jubel erntet.
    Im ersten Teil des Abends diesmal nicht wie einst Schönbergs "Pelleas und Melisande" als ätherisch-symbolistisches Gegengewicht (in der Choreographie des ewig unterschätzten Erich Walter), sondern die verspielt-subtilen Arrangements französischer Clavecinisten-Piecen, die der alte Richard Strauss zu "Couperin-Suiten" verdichtet hat: Erinnerungen an "Verklungene Feste", so der Titel, die Neumeier zu Deja-vu-Erlebnissen mischt, als wären's historische Ballett-Miniaturen, an denen die Jahre und Jahrzehnte erdschwere Spuren hinterlassen hat. Ensprechende Beziehungs-Geschichten darf sich der Zuschauer dazu ausmalen. Wie dichtete Heimito von Doderer einst? "Viel ist hingesunken, uns zur Trauer/und das Schöne zeigt die kleinste Dauer" . . .
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  • Mariss Jansons könnte bald Zeit für Berlin haben . . .
    Nachdem die Diskussionen über einen möglichen Neubau einer Münchner Philharmonie nun politisch beendet wurden - der Ministerpräsident entschied, die missliebige Philharmonie am Gasteig wird "entkernt" und völlig neu gebaut - könnte sich der prominente Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons, düpiert fühlen. Er hat sich vehement für einen neuen, akustisch adäquaten Konzertsaal in München stark gemacht und sieht sich nun vor der katastrophalen Situation, dass sein Orchester für die Dauer der Renovierungsarbeiten überhaupt keine gute Aufführungsstätte haben wird (denn der Herkulessaal in der Residenz ist für die große Symphonik zu klein dimensioniert). Nun hat Jansons sich jüngst für München und gegen Amsterdam entschieden - das ebenso prominente Concertgebouw Orchester hat er aufgegeben. Dass er sich ab sofort auf ein Orchester konzentrieren möchte, das in einer Stadt ohne Konzertsaal beheimatet ist, scheint fraglich. Weiß man, dass die Berliner Philharmoniker einen Nachfolger für Simon Rattle suchen und nicht sicher sind, ob sie den modischen "Öffnungs-" und "Verbreiterungs"-Kult weiterführen oder doch lieber wieder mit gediegener Traditionspflege die unangefochtene Nummer eins im deutschen "Klassik-Konzert" werden möchten, dann ist Feuer am Münchner Dach. Jansons ist an der Spree auch ziemlich populär und wäre wohl ein Garant dafür, dass die Rechnung der Traditionsbewahrer, die die Namen Furtwängler und Karajan noch nicht vergessen haben, aufgehen könnte . . .
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  • Münchens Klassik-Hörer machen mobil
    Die bayrischen Konzertbesucher wollen sich offenbar nicht damit abfinden, dass ihre Regierung nun nein zum Projekt Saal-Neubau gesagt hat. Kommenden Dienstag gibt es im Bayerischen Fernsehen eine Live-Diskussionssendung zum Thema, bei der sich auch engagierte Bürger zu Wort melden können. Dass es da nicht ganz friktionsfrei zugehen wird, steht fest. Man ist mobilisiert. Gestern abend hat eine Initiiative nach einem Konzert im Gasteig Unterschriften gesammelt udn konnte innerhalb kürzester Zeit über 1000 Unterstützer finden. Die Aktion wird heute fortgesetzt, die Unterschriften werden dem Ministerpräsidenten übermittelt. Musifreunde, die an der Sendung teilnehmen möchten, kommen am 10. Februar (18.30 Uhr) ins Münchner Funkhaus . . .

    www.br.de

    Bei der spontanen Ein-Klick-Umfrage auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks sind die Befürworter für einen Neubau im Moment (Freitag nachmittag) mit mehr als 83 Prozent in Führung.
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  • Thomas Quasthoff wird Dirigent: Debüt mit Bach in Verbier
    Thomas Quasthoff, der 2012 seine Gesangskarriere aufgeben musste, sattelt um. Beim sommerlichen Verbier-Festival in den Schweizer Alpen wird der Künstler, der zuletzt an der Seite von Kollegen als Rezitator um die Welt gereist ist, erstmals am Dirigentenpult stehen. Auf dem Programm – für die Sommerzeit ungewöhnlich, daher auch eine Premiere in Verbier – Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“. Unter Quasthoffs musikalischer Leitung singen unter anderem Mark Padmore, Christiane Karg, Bernarda Fink und Mauro Peter. Die Bass-Partien, einst Quasthoffs Domäne, singen Christopher Maltman bzw. Manuel Walser (Christus).

    Informationen: www.verbierfestival.com
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  • Heute: "Lucia" mit Diana Damrau aus München als Live-Stream
    Auch wenn es nur akustisch (und auch das nur teilweise) eine Wonne ist: Opernfreunde freuen sich, dass sie mittlerweile via Internet Vorstellungen miterleben dürfen. Die neue Münchner Produktion von Donizettis "Lucia di Lammermoor" ist vor allem wegen der fanatisch detailgenau erarbeiteten musikalischen Einstudierung durch den Münchner GMD Kirill Petrenko von sensationellem Zuschnitt. Die Sängerbesetzung ist jenseits von Diana Damrau und dem wunderbaren Edgardo Pavol Bresliks eher mittelmäßig; und die Inszenierung, die man im Live-Stream "mitnehmen" muss, ist von jener Art, die für die Verleihung des Titels "Opernhaus des Jahres" taugt; handwerklich wirkt sie recht unzulänglich (man beachte nur die Behandlung - oder vielmehr Nichtbehandlung - des Chors) und in den Dekors von modischem "Zeitversetzungs"-Geist geprägt. An eloquenter Personenführung, wie sie zuletzt etwa Altmeister Harry Kupfer im Salzburger Festspiel-"Rosenkavalier" noch einmal exemplarisch vorgeführt hat, mangelt es wie in einer ungeprobten Repertoire-Aufführung. (Die Qualität von Sängerbesetzungen ist den Juroren der "Jahreshäuser" ja offenbar ohnehin völlig egal).
    Aber vielleicht hält manch einer dergleichen für so zukunftsträchtig wie der Münchner Intendant in seinen vollmundigen Verlautbarungen. Deren Glaubwürdigkeit kann ja jeder Opernfreund heute Abend überprüfen . . .
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  • Bach entdecken? Nein: Wiederhören!
    Heute Abend geht Georg NIgls Bach-Zyklus im Konzerthaus in die 24. Runde. Und alle, die da meinen, sie hätten noch nie etwas von einer Kantate namens "Herz und Mund und Tat und leben" gehört, könnten eine freudige Überraschung erleben. Erinnern Sie sich an die wunderbare Choralbearbeitung von "Jesus bleibet meine Freude", die Dinu Lipatti einst so herzzerreißend schön gespielt hat? Das war eine Klavierbearbeitung (von der großen Myra Hess erstellt) eines Satzes aus oben erwähnter Kantate. Also doch! Abgesehen davon, dass jede Bach-Kantate die spannendsten Entdeckungen garantiert - auch zum "Wiederhören". Also: Dem Schneesturm getrotzt und auf ins Konzerthaus!
    www.konzerthaus.at
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  • Heute Abend im Konzerthaus: Pianist zu entdecken
    Aaron Pilsan gilt seit seinen Auftritten bei Veranstaltern wie dem Ruhr-Festival in den vergangenen beiden Jahren als Geheimtipp unter den jungen Pianisten. Geboren in Dornbirn, hat der 19jährige am Salzburger Mozarteum und in Hannover (bei Kämmerling) studiert. Für die laufende Spielzeit ist er die Wahl von Musikverein und Konzerthaus für den Zyklus Rising Stars, reist also mit seinem Solo-Programm um die halbe Welt. Nach Auftritten in der Hamburger Laeisz-Halle und der Pariser Cité de la Musique spielt er heute, Dienstag, im Schubertsaal: Bachs G-Dur-Partita, Schuberts "Wanderer-Fantasie" und Schumanns "Kreisleriana". Mittendrin auch ein paar der "Humoresken" des derzeit allseits gefeierten Komponisten-Klarinettisten Jörg Widman.
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  • Mailänder Scala: Nachtarbeit am 1. Mai - ein Konflikt
    Alexander Pereira hat es nicht leicht. Wo immer er auftaucht potenziert sich der Arbeitsaufwand für seine Mitarbeiter. Auch der Mailänder Scala hat der Einjahres-Intendant ein enormes Pensum an zusätzlichen Vorstellungen und Proben zugemutet. Eins aber will sich die Gewerkschaft nicht bieten lassen: Eine "Turandot"-Aufführung am 1. Mai kommt nicht in Frage. Das ist der Tag der Arbeit und an dem wird bekanntlich nicht gearbeitet. Noch dazu "Turandot", wo die Potentatin ihrem Volk im dritten Akt verordnet, kein Auge zuzutun, um eine Aufgabe zu lösen: "Keiner schlafe", heißt es da. Bis in die frühen Morgenstunden muss geforscht werden, wie der "unbekannte Prinz" denn heißt. Nachtarbeit, auch das noch . . .
    Selbst der italienische Staatspräsident hat sich schon eingeschaltet - er votiert für Puccini. Man darf gespant sein, wer sich durchsetzt.
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  • Heinz Zednik: 50 Jahre Staatsoper - im Theatermuseum
    Am Mittwoch wird im Theatermuseum im Palais Lobkowitz die Ausstellung „Der Meister Tön’ und Weisen“ eröffnet: Heinz Zednik zum 75. Geburtstag und 50. Staatsopern-Jubiläum. Als David in den „Meistersingern“ hat Zednik immer wieder über diese „Tön’ und Weisen“ gesungen. In Wagners Komödie hat er auch sein Staatsopern-Debüt absolviert: In Graz engagiert, kam der junge Tenor im November 1964 nach Wien, um den Augustin Moser zu singen. Ein Jahr später war er bereits Mitglied des Ensembles; und hat den Wiener Opernbetrieb dann ein halbes Jahrhundert lang um unvergessliche Charakter-Darstellungen bereichert. Spätestens als ihn Patrice Chéreau als Mime für den sogenannten „Jahrhundert-Ring“ in Bayreuth engagierte, wurde der Wiener „international“ – und wirklich weltweit als einzigartiger, tiefgründiger Gestalter im Charakterfach gefeiert. Dennoch ist Zednik Wiener – und Staatsopern-Mitglied – geblieben, von den kleinsten und kleineren Partien (zuletzt dem Hahn in Janaceks „schlauem Füchslein“) bis zum Herodes in der „Salome“, dem Mime, dem Loge, dem Hauptmann im „Wozzeck“ hat er alle Partien seines Fachs gesungen – und war ganz selbstverständlich nicht nur in der Oper, sondern auch im unterhaltenden Fach bis hin zum Wienerlied viel beschäftigt.
    In der Ausstellung vergisst man auch nicht, dass Heinz Zednik auch als Lieder-Sänger einfühlsame Interpretationen bot. Vor allem freilich dokumentiert man die enorme Bandbreite des Bühnen-Darstellers.
    Markus Vorzellner und Elisabeth Truxa haben die Erinnerungsstücke zusammengestellt und lassen das reiche Künstlerleben Revue passieren.
    Der Jubilar selbst ist mehrmals zu erleben, am 22. April in einem Liederabend, davor schon das eine oder andere Mal in Gesprächsrunden – estmals am Donnerstag, dem 26. Februar im „Kultur-Café“. (Informationen unter www.theatermuseum.at).
    Am 20. April gibt es einen „Presse“-Musiksalon „spezial“ mit Heinz Zednik im Eroicsaal des Palais Lobkowitz.
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  • Heinz Zednik: "Fidelio"-Probe mit Herbert von Karajan 


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