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  • Empfehlung: Die innigen Töne der Krassimira S.
    Die Stoyanova berührt in einer liebevoll besetzten Repertoire-Aufführung von Zeffirellis alter "Boheme"-Inszenierung.
    410. Aufführung von Franco Zeffirellis Puccini-Regiearbeit an der Staatsoper. Lebensfroh die Szenen der Studenten und Künstler in der Mansarde. Ein junges Ensemble mit Adam Plachetkas virilem Schaunard und Jongmin Parks Colline (Sonderapplaus dann im tragischen Finale für die Mantelarie).
    Alessio Arduini und Valentina Narfonita dazu als charmantes "leichtes" Pärchen - und Krassimira Stoyanova mit Dmytro Popov als Mimi und Rodolfo. Der Hausdebütant aus der Ukraine schlägt sich mit hellem, durchaus zu großer Entfaltung tauglichem Tenor sehr gut neben der Primadonna, deren Gesang heute von ziemlich konkurrenzloser Prägung ist: So innig kann man Puccinis lyrische Kantilenen mit Ausdruck erfüllen, ohne jede auch nur einen Ton lang den Schönklang der Stimme einem übertriebenen Espressivo opfern zu müssen!
    Dazu lassen dann auch die philharmomnischen Streicher ihre Phrasierungskünste in flexibelstem Rubato blühen. Einige der zahllosen illustrativen orchestralen Aperçus fallen unter Dan Ettingers Leitung allerdings unter die Notenpulte: Die lockersten Pointen serviert ja doch Alfred Sramek in seiner Doppelrolle als Hausmeister und geprellter Galan.
    (Termine: 31. Oktober, 4. und 7. November)
    von Wilhelm Sinkovicz bearbeitet von Manuel Reinartz 10/30/2014 12:36:04 PM
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  • Jordi Savall setzt ein Zeichen gegen die grassierende europäische Kulturlosigkeit
    Jordi Savall lehnt den mit 30'000 Euro dotierten spanischen Premio Nacional de Música 2014 ab. In einem offenen Brief greift er die kulturfeindliche Haltung des Ministerio de Educación, Cultura y Deportes an. In Spanien herrschten Desinteresse und Inkompetenz in Sachen Kultur, so Savall. Deshalb würde die Pflege des kulturellen Erbes in unverantwortlicher Weise vernachlässigt.
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  • Goernes Schumann-Triumph
    Einen phänomenalen Liederabend habe ich offenbar im Konzerthaus verpasst. Kollege Helmar Dumbs schwärmt über die Schumann-Interpretation Matthias Goernes. In der Online-"Presse" nachzulesen:
    diepresse.com
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  • Netrebkos Bäumchen-wechsle-dich in München
    Wegen Differenzen mit dem Regisseur Hans Neuenfels verzichtet Anna Netrebko darauf, an der Seite von Jonas Kaufmann die "Manon Lescaut" im Münchner Nationaltheater zu singen. Kristine Opolais, von der New Yorker MET freigegeben, übernimmt - und überlässt der Kollegin während der Münchner Opernfestspiele im Juli 2015 die Tatjana in "Eugen Onegin"
    Die "Bayerische Staatsoper sei, so verkündete Intendant Nikolaus Bacher, "dafür bekannt, erstklassige musikalische Qualität mit spannenden, mutigen Regieansätzen zu verbinden… Dass in Einzelfällen künstlerische Konstellationen nicht funktionieren, kommt in unserem Metier vor."
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  • Lust auf mehrere "Unvollendete"?
    Elisabeth Attl dirigiert am 18. November im MuTh, dem Saal der Wiener Sängerknaben (1020, Augartenspitz), eine Aufführung von Schuberts "Unvollendeter". Und stellt davor gleich noch eine zweite "Unvollendete" desselben Komponisten vor. Die Ausarbeitung einer Symphonie in E-Dur brach Schubert nach 110 Takten ab. Das Fragment steht nun der berühmten zweisätzigen Symphonie in h-Moll gegenüber. Ein paar Takte Schubert, die man nicht kennt, da lohnt sich eine Fahrt in die Leopoldstadt. Felix Weingartner hat aus den Skizzen einst eine ganze Symphonie konstruiert - Attl spielt, was Schubert wirklich geschrieben hat. Außerdem gibt's zwischendrin ein Puppenspiel zum Thema "Nicht-fertig-werden". Das betrifft uns ja irgendwie alle . . .
    Info: www.muth.at, Tel. 01/ 347 80 80
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  • Carinthische Zukunfts-Träume
    Versteht man's richtig, was die Klagenfurter Politik uns mit der Meldung sagen will, dann hat man soeben eine für drei Jahre gleichbleibende Förderung des "Carinthischen Sommers" in der Höhe von 424.000 Euro beschlossen. Das Festival kann, so der Kärntner Kultursprecher, "in eine ruhige Zukunft blicken". 
    Es hat nur keinen Intendanten mehr, denn Thomas Daniel Schlee, der in den vergangenen Jahren ein aufgeschlossenes, zwischen Populärem und Zeitgenössischem spannend vermittelndes Programm gemacht hat, geht mit Ende 2015. Er wird wissen, warum er mit der "ruhigen Zukunft" nichts am Hut haben will, die in Wahrheit so aussieht, dass sich das Festivalbüro sogar um die Künstlergarderoben im Ossiacher Stift herumstreiten muss und die Zuwendungen nicht annähernd ausreichen, um die feine Tradition der Kirchenoper aufrechtzuerhalten.
    Die war seit dem legendären "Verlorenen Sohn" Benjamin Brittens ein USP im österreichischen Festspiel-Sommer . . .
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  • So schön kann Zwölftöniges klingen!
    Das Belcea-Quartett eröffnete den Kammermusikzyklus im Mozartsaal des Konzerthauses mit einer atemberaubenden Aufführung der "lyrischen Suite" von Alban Berg.
    Es gibt, so konnte man da lernen, auch in der sogenannten "Atonalität" (Teile des Werks sind in Schönbergs "Zwölftonmethode" komponiert) so etwas wie eine harmonische Logik, ein nachvollziehbares Spannungsgefälle in der Welt der "Dissonanzen": Da sind dichtere und entspanntere Situationen möglich; freilich hat dieses harmonische Spiel kaum ein Komponist so perfekt beherrscht wie Alban Berg - und das Belcea Quartett realisiert nebst den Farb- und Geräusch-Abenteuern der Scherzo-Sätze die wirklich "lyrischen" Episoden dieser komponierten Liebesgeschichte Bergs mit Hanna Fuchs als ebenso ausdrucksvolle wie einfach "schöne" Musik.
    Weil, apropos, gerade "Wien modern" ist, dieses Konzert aber gar nicht formell zum Festival gehört: Das war die hohe Schule wienerischer Avantgarde der Zwischenkriegszeit!

    In der gedruckten "Presse":
    diepresse.com
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  • Elena Denisovas Husarenstück
    Elena Denisova gelang am Freitag Abend ein Husarenstück im Wiener Musikverein. Eigentlich sollte die Geigerin im Verein mit Alexej Kornienko die Violinsonate von Richard Strauss musizieren. Aber Kornienko hatte sich in den Finger geschnitten - und mit verletzter Fingerkuppe kann ein Pianist alles mögliche improvisieren; aber nicht die höllisch anspruchsvolle Strauss-Sonate. Also spielte Denisova kurzerhand Bachs "Chaconne" - und sie tat es mit solcher Bravour und solch untrüglichem formalen Balancegefühl, dass ihr lauter Sonderapplaus sicher war. Am Beginn des Abends hatte sie mit Freunden Franz Schmidts A-Dur-Streichquartett aufgespielt; leider eine Rarität im Wiener Kammermusikleben; und doch: ein spät- vielleicht "spätestromantisches", aber nicht "zu spätes" Meisterwerk. Schönheit kann nie zu spät kommen . . .
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  • Harnoncourts vollendete "Unvollendete"
    Es gab zahlreiche Versuche, Schuberts zweieinhalbsätzig hinterlassene h-Moll-Symponie zu vervollständigen. Einer davon basierte auf der Theorie, die lange h-Moll-Zwischenaktsmusik aus der Schauspielmusik zu "Rosamunde" sei ursprünglich das Symphonie-Finale gewesen. (Was im übrigen nicht völlig unlogisch klingt . . .)
    Wie auch immer. Nikolaus Harnoncourt bleibt dichter an Schuberts Buchstaben. Er hat eine Möglichkeit gesucht, mit der "Unvollendeten", wie wir sie kennen, sinnvoll ein Konzert beenden zu können. Das tut er nun am Sonntag-Vormittag im Musikverein.
    Er platziert die "Rosamunde"-Musik - mit der richtigen Ouvertüre (!) und Texten, die uns die Handlung, die Schuberts Musik illustrieren will, nachvollziehbar machen sollen - am Beginn der Matinee. Also hört man, was stimmungsmäßig so gut zu den Klängen der "Unvollendeten" passt, vorab. Und bekommt sicher im Programmheft noch einmal Schuberts bewegende "Traum"-Erzählung zu lesen, von der Nikolaus Harnoncourt meint, sie passe so gut als "Programm" zu den beiden vollendeten Sätzen der Symphonie . . .
    Für alle, die nicht live dabei sein können: In Ö1 wird die Aufzeichnungen dieses "Philharmonischen" am 7. Dezember, am Tag nach Harnoncourts Geburtstag, gesendet.
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  • Sparmaßnahmen drohen "La Monnaie" umzubringen
    Alarmstimmung in Brüssel: Für Jänner 2015 hat der belgische Staat für das Brüsseler Opernhaus eine Kürzung von knapp 3 Millionen Euro angekündigt; bis 2019 droht insgesamt eine Kürzung von fas sieben Millionen Euro; innerhalb von fünf Jahren soll das "Monnaie"-Budget um 30 Prozent gekürzt sein. Das drohe, warnt nun der Vorsitzende der deutschen Opern-Konferenz, Bernd Loebe (Intendant in Frankfurt), eines der renommiertesten europäischen Opernhäuser in den Ruin zu reiben. Der amtierende Intendant in Brüssel, Peter de Caluwe, hätte, so Loebe, klargestellt, dass so vorsichtig wie möglich gewirtschaftet würde. Werden die Sparmaßnahmen durchgezogen, sei das Haus "zum Sterben verurteilt".

    Angst und bang kann einem werden, wenn man den europäischen Kultur-Politikern beim Arbeiten zuschaut. In Rom versucht man gerade zu retten, was zu retten ist - vielleicht werden dort die Kündigungen zurückgenommen, wenn die Gewerkschaft auf Vertrags-Änderungen eingeht und vor allem auf die ins Kraut geschossenen Boni verzichtet. Jedenfalls ist der italienische Opern-Betrieb arg im Trudeln. Und offenbar bald auch der in der EU-Hauptstadt; bezeichnend . . .
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  • Otto Schenks "Füchslein" wird zum Kassenmagneten
    Eben ging die Wiederaufnahme der Vorjahres-Produktion von Janaceks "schlauem Füchslein" zu Ende. Die Vorstellung, wieder umjubelt, war restlos ausverkauft - dass die Staatsoper da eine wirklich zauberhafte Inszenierung zu bieten hat, dürfte sich herumgesprochen haben. In beinah unveränderter Besetzung lief das Spiel von der ewig sich erneuernden Natur wieder bunt bewegt und bewegend ab.
    Die Janacek-Offensive verdanken wir dem ehemaligen Generalmusikdirektor Welser-Möst, der sich diese Aufführungsserie gewünscht hat - jetzt aber solchen Erfolgen zum Trotz leider die Lust verloren hat, am Haus zu dirigieren. Die schwierige Aufgabe, das von Chen Reiss und Gerald Finley angeführte, durchwegs exzellente Ensemble und das Orchester durch eine so heikle Partitur zu führen, hat nun (nach seinem Debüt mit "Rusalka" Anfang der Saison) Tomas Netopil übernommen. Der junge Tscheche ist ein offenkundig hochbegabter Kapellmeister; und spricht, abgesehen davon, Janaceks Sprache. Den daraus entwickelten eigenwilligen - und vom Komponisten auch zu höchst komplexen Gebilden geschichteten Rhythmus dieser Musik bringt Netopil mit klaren Gebärden aufs natürlichste zum Klingen. Und in den lyrischen Momenten - etwa in der Traumsequenz im ersten Akt, blüht der philharmonische Klang herrlich auf.
    So bleibt das "Füchslein" auch musikalisch ein kleines Juwel im Repertoire.
    Vorstellungen am 12., 14. u. 17. November.
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  • Nikolaus Harnoncourt und der Dramatiker Schubert
    Ein außerordentliches Konzert der Philharmoniker mit dem Schönberg-Chor brachte uns nebst der "Unvollendeten" auch „Rosamunde“ nah, die rätselhafte Schauspielmusik mit ihren Kontrasten zwischen Hirtenpoesie und sinistrer Klangmagie. Nikolaus Harnoncourt, der Dramaturg, löst die Rätsel, erläutert den jeweiligen Stimmungsgehalt der Klänge durch Inhaltsangaben, denen Mitglieder des famosen, auswendig singenden Arnold-Schönberg-Chors noch Stichworte aus dem Text hinzufügen.
    Man bewundert auch den Animator Harnoncourt, der Mittelstimmen belebt und ins Orchester hineinlauscht, um aufzunehmen, was die Philharmonikern ihm solistisch bieten: Die Schönheit und Innigkeit einiger der Holzbläserduette wird man lange nicht vergessen.
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  • Netrebko am 1. Juli im Konzerthaus
    Anna Netrebko gibt am 1. Juli im Wiener Konzerthaus einen Arien- und Liederabend.
    Ab 12. November gibt es Karten. Informationen unter www.konzerthaus.at
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  • Thielemanns Strauss-Finale
    Wenige Wochen nach seiner triumphalen Rückkehr an die Wiener Staatsoper, wo er mit "Ariadne auf Naxos" erstmals eine Oper von Richard Strauss dirigiert hat, setzt Christian Thielemann seine Aktivitäten zum Ausklang des Strauss-Gedenkjahrs in "seinem" Haus, der Dresdner Semper-Oper fort. Der Dirigent ist ja Herr über jenes Haus, in dem die meisten Musiktheater-Werke seines Lieblingskomponisten uraufgeführt wurden - zunächst unter Ernst von Schuchs musikalischer Leitung, dann unter Fritz Busch, der auch "Arabella" aus der Taufe heben sollte, es dann aber vorzog, nach der Machdtübernahme durch die Nationalsozialisten Deutschland zu verlassen. Clemens Krauss war danach des Komponisten liebster Interpret; Karl Böhm, bald Dresdner Chef, folgte auf dem Fuß und wurde zum Widmungsträger der "Daphne". Dei beiden Dirigenten teilten sich die Strauss-Premieren dann bis hin zur posthumen Salzburger "Danae" unter Krauss.

    Kollege Josef Schmitt berichtet in der heutigen "Presse" über die dank Nobel-Einspringerin Anja Harteros musikalisch besonders geglückte Übernahme der Osterfestspiel-Produktion von "Arabella".
    Hier der Link:

    Strauss de luxe: Anja Harteros strahlte als Arabella in Dresden

    DiePresse.comDie Osterfestspiel-Produktion von 2014 wurde auch in der Dresdner Semperoper ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis.
    /home/kultur/index.do
    Demnächst folgt in der Semper-Oper "Capriccio" unter Thielemann - mit Renée Fleming als Gräfin. Die Fleming sollte auch, wie schon bei der Premiere der Produktion im Salzburger Festspielhaus, die Titelpartie in "Arabella" singen, musste aber absagen.
    Die Salzburger "Arabella" liegt übrigens schon auf DVD vor (Universal/major 717208)
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  • Sebastian Holeceks Solo
    In der Volksoper absolviert Sebastian Holecek heute, Mittwoch, ab 19.30 Uhr einen Solo-Abend. Wer diesen Sänger-Darsteller kennt, weiß, dass das kein gewöhnliches Lied- oder Arien-Programm wird, sondern eine spannende Musiktheater-Reise. "Figaro trifft Fidelio" ist das Motto; und zwischen sehr bekannten und kaum je gesungenen Vokalkompositionen von Mozart und Beethoven (am Klavier: Emanuel Schulz) streut Holecek noch Brief-Zitate und Theater-Geschichten ein. Kurzweil und die eine oder andere Entdeckung garantiert . . .
    www.volksoper.at
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  • Vor der Staatsopern-Premiere
    Semyon Bychkov plauderte im Institut für Theaterwissenschaft an der Wiener Universität vor der bevorstehenden Premiere von Mussorgskys "Chowanschtschina" über die Besonderheiten dieses ungewöhnlichen Musikdramas, dessen Musik, so Bychkov, mehr noch als die des "Boris Godunow" aus der russischen Volksmusik schöpft. "Aber Mussorgsky zitiert nicht", sagt Bychkov. Vielmehr handelt es sich um ein "Nachempfinden", das diesem Werk seine besondere Farbe verleiht.
    Gespielt wird die Fassung von Dmitri Schostakowitsch. Mussorgsky hat von seiner Oper ja nur einen Klavierauszug hinterlassen; und den ohne definitiven Schluss. Der kollektive Selbstmord der Altgläubigen im Finale des fünften Akts wird nicht, wie von Schostakowitsch vorgeschlagen, von einer Wiederholung der lyrischen Eingangs-Musik der Oper untermalt: "Das scheint mir völlig unpassend", meint der Dirigent.
    Zu Mussorgskys Tonsprache: "Er geht immer von der Sprache aus; allerdings müssen die Interpreten versuchen, vom Charakter und der Situation der jeweiligen Person auszugehen; sonst droht es eintönig zu werden: Wenn man die Zwischentöne hörbar macht, die Charaktere einfängt, dann ist es ungeheuer aufregend, und die Auseinandersetzung der drei Hauptfiguren im zweiten Akt ist eine Szene, mindestens so spannend wie die, die Verdi im Don Carlos für König Philipp und den Großinquisitor komponiert hat!"
    Bewegend sei, so Bychkov, dass es bei Mussorgsky keine schwarz-weiß-Zeichnung gibt: Selbst der Mörder Schaklowity singt eine Arie, in der man ihm "seine Liebe zu Russland, die ihn bewegt, glauben muss: Mussorgsky schenkt ihm so schönes Musik wie Wagner stellenweise der Ortrud im Lohengrin. Es ist nie alles schwarz oder alles weiß . . ." und die politischen Konnotationen der "Chowanschtschina" seien in Zeiten, in denen unausgesetzt von religiösem Fanatismus die Rede sei, "so aktuell wie nie!"
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  • 15 Millionen Dollar für einen Namen. Wo spielen New Yorks Philharmoniker?
    "Philharmonie" hieß die Halle, als Leonard Bernstein dort dirigierte. Dann wurde eine Renovierung fällig, für die ein Industrieller 10 Millionen Dollar spendierte: Das war viel Geld anno 1973. Also taufte man die New Yorker "Philharmonie" nach dem Spender. Seither musiziert New York Philharmonic in der Avery Fisher Hall. Demnächst wird das Geschichte sein. Der Saal ist nämlich schon wieder desolat. Die Fisher-Erben ließen sich den Namen nun abkaufen: 15 Millionen Dollar bekommt die Familie, damit sie zustimmt. Avery Fisher wird mit anderen Gönnern und Förderern der New Yorker Philharmoniker in einer "Hall of Fame" geehrt werden, die im Zuge der Neugestaltung des Konzert-Komplexes im Lincoln Center eingerichtet wird. Im Lincoln Center residieren nicht nur die Philharmoniker, sondern auch die Metropolitan Opera. Wie der Konzertsaal künftig heißen wird, steht noch nicht fest. Das Orchester hofft, einen potenten Mäzen zu finden. Seinen Namen wird der allerdings nicht, wie Avery Fisher einst hoffte, auf ewig in Stein gemeisselt finden. Sponsoren-Verträge mit solchen Zusagen haben mittlerweile ein Ablaufdatum. Das kann früher oder später erreicht sein. Alberto Vilar, der wegen unvorhergesehener Finanzprobleme der MET einst eine Rate schuldig blieb, durfte sich nur kurz über einen Alberto Vilar Tier, ein nach ihm benanntes Foyer im Opernhaus, freuen. Obwohl der später verurteilte, in aller Welt aktive Kultur-Sponsor in den Neunzigerjahren sehr viel Geld überwiesen hatte, wurden die Namnesschilder abmontiert. Auf Nummer sicher ging die Verwaltung des ebenfalls im Lincoln Center beheimateten einstigen State Theatre. Für dessen Renovierung hat David H. Koch 100 Millionen Dollar aufgebracht. Das war 2008. Seither heißt das Haus Koch-Theater. Und das wird laut Vertrag insgesamt 50 Jahre so bleiben.
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  • Triumphale "Chowanschtschina"-Premiere an der Staatsoper
    Zuletzt gab es nach minutenlangen Ovationen für Solisten, Chor und den Dirigenten etliche Buhrufe, als Regisseur Lev Dodin vor dem Vorhang erschien. Allein, der russische Theater-Meister hat ein in sich völlig schlüssiges Konzept entworfen, um Modest Mussorgskys Volksdrama "Chowanschtschina" in Szene zu setzen. Den musikalischen Bildern, die der Komponist, der sein eigener Textdichter war, unverbunden nebeneinander setzt, in denen Figuren, oft ganze Chormassen plötzlich auftauchen und ebenso plötzlich - und unter Umständen auf Nimmerwiedersehen - wieder verschwinden, entspricht die ebenso eigenwillige Folge von zum Teil sehr starken Tableaus, die entstehen, weil die Protagonisten auf Hebebühnen ins Rampenlicht gehoben werden; und dann wieder versinken.
    Die Statik, die dadurch entsteht, spiegelt Mussorgskys Musik, in der oft die Zeit still zu stehen scheint, adäquat wieder. Das muss man nicht mögen. Doch ist die Konsequenz, mit der Dodin die Sache realisiert, zu respektieren. Vor allem, weil dort, wo Mussorgsky Bewegung ins Spiel bringt, diese Bewegung auch auf den Spielebenen des finsteren Handlungs-Gerüsts herrscht, das Alexander Borovskiy entworfen hat. Die zentrale politische Auseinandersetzung der drei Führerfiguren im zweiten Akt ist, wie übrigens etliche weitere Szenen auch, in sich reich bewegt und vollkommen schlüssig erzählt. Für treffliche Charakterisierung sorgen auch die Form- und Designvarianten der Kostüme. Das muss man schon übersehen wollen, um es nicht zu bemerken . . .
    Unangefochten blieb an dem Premierenabend die musikalische Leistung sämtlicher Beteiligter, der Chöre (nebst dem der Staatsoper auch die philharmonischen Kollegen aus Pressburg), der Solisten und des von Semyon Bychkov - vom zarten koloristischen Spiel der Sonnenstrahlen anlässlich der einleitenden "Morgendämmerung" bis zu markerschütternden Glocken-Klängen - zu unglaublicher Differenzierungskunst geführten Orchesters.
    Ferruccio Furlanettos vokal wie gestalterisch raumgreifender Fürst Chowansky fand einen gleich sonoren, gleich durchschlagskräftigen Bass-Gegenspieler in Ain Angers Dosifei, der die Altgläubigen anführt. Phänomenal auch die Marfa der Elena Maximova, die - auch das ein Fall von musikalischer wie szenischer Feinarbeit - die dunkel-prophetischen, aber auch die zynischen Zwischentöne dieser rätselhaften russischen Kundry hör- und sichtbar macht. Wie sie Lydia Rathkolbs Eiferin Susanna aus der Fassung bringt und auf die Palme treibt, sorgt für ein (von beiden Damen auch optisch ausgekostetes) sinnlich-lustvolles Intermezzo im dunklen Polit-Drama.
    Herbert Lippert darf als Golizyn zwischen westlicher Aufgeklärtheit und russischer Traditionsverbundenheit schwanken; und vor den Prophezeiungen der Marfa völlig in die Knie gehen; er realisiert Hochmut, Aufbegehren wie ängstliches Zaudern glaubhaft.
    Andrzej Dobber gibt den Intriganten Schaklowity rücksichtslos brutal; darf aber dann doch den Verfall von Mütterchen Russland herzzerreißend betrauern.
    Grandios, sogar dann, wenn er von den Volksmassen in die Luft geschleudert wird, der gewitzte und als Unheilsverkünder auch ungemein kraftvolle Schreiber von Norbert Ernst. Solid sämtliche kleineren Partien - und ein Fest vom flüsternden Pianissimo bis zum mächtigen Schlusschoral der Chor. Was Wiens meisterliches Opernorchester, von dem zurecht umjubelten Semyon Bychkov angespornt, an Farbenpracht und Ausdruckskunst, dynamisch reich schattiert hören lässt, findet diesmal ohne Abstriche seinen Widerhall auf der Bühne. Die Spannung im Saal war oft zum Greifen spürbar. Was für Purzelbäume wohl die Darsteller für jene Zeitgenossen schlagen müssten, die sich angesichts der hier so "hoch besungenen" Melange aus religiösem Fanatismus, politischem Machtstreben und brutaler Gewalt keinen aktuellen Reim machen können?
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  • Eloquenter „Figaro“ im Wiener Repertoire
    Am Tag nach der musikalisch so gewichtigen „Chowanschtschina“-Premiere konnte man in der Staatsoper Mozarts „Figaro“ erleben – von Sascha Goetzel, der erstmals Oper im Haus am Ring dirigierte – bei klugen, ruhigen Tempi fein differenziert gestaltet. Und mit einem famosen jungen Sänger-Ensemble: Nebst Olga Bzsemertna (als Gräfin mit hell-leuchtendem Sopran subtil gestaltend), Anita Hartig (wunderbar weich timbriert und gefühlvoll als Susanna), Adam Plachetka (ein Pfundskerl von einem Figaro) und Rachel Frenkel (ein melancholisch-wohltönender Cherubin) nur ein Gast: Luca Pisaroni, der als Graf Almaviva debütierte und gute Figur machte, weil er die Figur nicht eindimensional arrogant anlegt.
    Schön, dass Mozart hierzulande wieder eine Art „Heimspiel“ sein kann. Bei Betrachtung laufenden Wiener Staatsopern-Betriebs sollte man im übrigen nicht übersehen, dass auch die gigantischen Anforderungen von Mussorgksys „Chowanschtschina“ mit nur drei (!) Gast-Sängern auf Weltklasseniveau befriedigt werden können. Ganz abgesehen von den Leistungen der Gruppen, Chor und Orchester . . .
    Eine ausführlichere Figaro - Rezension ist in der Printausgabe erschienen:
    diepresse.com
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  • Was wollte Janacek?
    Bei wenigen Komponisten der jüngeren Vergangenheit ist die Ausgangslage für Interpreten schwieriger als bei Leos Janacek. Wenn eine Originalpartitur einer Oper existiert, heißt noch nicht, dass es sich dabei um das echte „Vermächtnis“ des Komponisten handelt. In der mährischen Heimatstadt des Meisters spielt man anlässlich des Janacek-Festivals 2014 ab 21. November „Die Sache Makropoulos“ – und zwar nach der eben erschienen kritischen Ausgabe, die sämtliche Quellen und auch die aufführungspraktischen Überlegungen des Janacek-Kenners Charles Mackerras berücksichtigt. Neugierige Musikfrende, die sich aufs Notenlesen verstehen, können zumindest den ersten Akt bei der Universal Edition online einsehen.
    www.universaledition.com
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  • Das Richard Strauss Festival im "ganz normalen" Opernleben
    Kirill Petrenko dirigiert den "Rosenkavalier" an der Wiener Staatsoper. Ein Höhepunkt in den Repertoire-Zelebrationen zum Richard-Strauss-Jubiläum im Haus am Ring. So aufregend, so differenziert hat man das Stück seit Carlos Kleiber nicht mehr gehört! Die Solisten-Riege, angeführt von Soile Isokoski und Peter Rose ist exzellent. Wer Strauss liebt, darf diese Aufführung nicht versäumen! (Reprisen am 23., 26. und 28. November)
    diepresse.com
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  • Riccardo Muti und die Zukunft
    In Rom hat die Verwaltung des Opernhauses die kollektiven Kündigungen nach dem Einlenken der Gewerkschaften zurückgenommen. Einige Kommentatoren sprechen von einer möglichen Rückkehr des im Zorn geschiedenen Dirigenten Riccardo Muti, doch der hat nun der Tageszeitung "Il Giornale" in einem Interview erklärt, künftig keine Leitungsfunktionen mehr übernehmen zu wollen, sondern nur noch junge Talente zu fördern - vor allem innerhalb der Aktivitäten seines Jugendorchesters "Luigi Cherubini"; und Konzerte mit den Wiener und Berliner Philharmonikern zu geben. Mit den Wienern ist eine Russland-Tournee bereits fix vereinbart. Ob er an die Mailänder Scala zurückkehren würde, von der er ebenfalls im Streit geschieden ist, ließ Muti offen, empfiehlt dem Scala-Intendanten aber grundsätzlich, sich der Werke von Komponisten wie Cherubini, Spontini und Bellini anzunehmen, die "viel zu wenig gespielt" würden.
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  • Oper ohne Regie-Wahnsinn
    In romanischen Ländern würde sich das Publikum den in unsern Breiten sakrosankten Regie-Irrsinn niemals gefallen lassen. Man behelligt es erst gar nicht damit. In Venedig kam gerade Verdis "Simon Boccanegra" neu heraus - und wird aufs realistischste erzählt.
    Dergleichen gilt in deutschsprachigen Landen als rettungslos altmodisch. Im Mutterland der Oper geht man damit um wie mit einer gut gemachten TV-Sendung im Hauptabendprogramm. Man erlebt das Stück und macht sich selbst seinen Reim drauf.

    Spannend für Wiener Zaungäste: Am Dirigentenpult steht mit Myung-Whun Chung jener Mann, der an der Staatsoper demnächst zwei Verdi-Dirigate vom freiwillig ausgeschiedenen Wiener Generalmusikdirektor übernimmt. Er tut es knapp, klar und mit Sinn für zündende Dramatik, was im "Fenice" für Begeisterungsstürme sorgt.

    Die ausführliche Rezension ist in der Print-Ausgabe erschienen:

    diepresse.com
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  • Der Gründer des Lockenhaus-Festivals, Josef Herowitsch, ist tot
    Kammermusik in Lockenhaus? An einen Erfolg hat zunächst kaum jemand geglaubt. Freilich, man kannte Josef Herowitsch, den Pfarrer von Lockenhaus, denn er war im Wiener Musikleben allgegenwärtig, vor allem, wenn Kammermusik gespielt wurde. Nach Klaviertrio und Streichquartett fuhr er jeweils nächtens wieder heim, um anderntags seiner seelsorgerischen Tätigkeit im Burgenland nachzukommen.
    Irgendwann beschloss er dann, sich die Klassik nach Hause zu holen. Seine Freundschaft mit dem Geiger Gidon Kremer macht es möglich. Man wollte ein intimes Festival, bei dem Kammermusik von der Klassik bis zur Avantgarde erarbeitet wurde. Das Publikum wusste bis zuletzt nie, was am Abend auf dem Programm stehen würde. Es war gleichgültig, denn Kremer brachte exquisite Kollegen – und spannende Musik von Bach bis Gubaidulina. Der „Geist von Lockenhaus“ war geboren und wurde zum internationalen Begriff. Ob Klassik, Romantik, Avantgarde - gute Musik musste es sein, an die die Interpreten glaubten, um ihr Publikum zu überzeugen.
    Josef Herowitsch starb im Alter von 78 Jahren.
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  • Robert Herzl, der geborene Prinzipal. Zum Tod eines Theater-Vollbluts.
    Er war eine der prägenden Gestalten der Wiener Musiktheater-Szene in den vergangenen Jahrzehnten: 1940 in Graz geboren, hatte er nicht nur am Reinhardt-Seminar das Theaterhandwerk von der Pike auf gelernt, sondern auch seine Stimme ausbilden lassen; nebenher hat er Welthandel studiert. Er war der Doktor Herzl. So nannte man ihn allseits gern.
    Da schwang Respekt mit vor der Kompetenz dieses Mannes. Man konnte ihm nichts erzählen, nichts vom „Metier“, aber auch nichts über die Buchführung. Robert Herzl war firm, wenn er auf dem Regisseurs-Stuhl saß, und er konnte auch die Bilanzen lesen, was, wie wir von Giuseppe Verdi wissen, nicht ganz unwesentlich für einen erfolgreichen Theater-Mann ist.
    Die Bühnenlaufbahn Robert Herzls begann im tiefen Register: Er sang den Don Alfonso in Mozarts „Così fan tutte“ im Redoutensaal der Wiener Hofburg. Dann ging er ins Engagement nach St. Gallen. Dort pflegte man in jenen Jahren noch einen rechtschaffenen Stadttheater-Betrieb. „Mehrsparten“ hieß der Terminus. Der umfassend vorbereitete Robert Herzl informierte sich dabei noch umfassender über die Dinge des Theaterlebens. Als Schauspieler, als Sänger und bald schon auch als Regisseur.
    In dieser Funktion kam er Anfang der Siebzigerjahre an die Wiener Volksoper, diente sich dort vom Regieassistenten zum Abend- und Oberspielleiter hoch, schließlich zum Vizedirektor.
    Die Volksoper war Herzls Haus. Seine künstlerische Bilanz ist enorm: Operette, Musical und Oper – von Johann Strauß bis Alexander Zemlinsky reichte sein inszenatorischer Horizont. Er hat es verstanden, auch schwierige Aufgaben wie Ur- und Erstaufführungen von Werken zeitgenössischer Komponisten zu lösen, und sie dem Publikum schmackhaft zu machen.
    Er wusste aber auch das Allerschwierigste zu bewältigen: Wie geht man denn heutzutage mit einem Stück wie dem „Fidelen Bauer“ um? Wie besteht man als Regisseur des ausgehenden 20. Jahrhunderts vor Revue und Klamauk im „Weißen Rössl“? Herzl wusste, wie. Seine Aufführungen hatten Schwung und Dynamik, scheuten auch vor Gefühlsausbrüchen nicht zurück, ohne je ins Rührselige abzugleiten.
    Das verschaffte der Volksoper exzellente, aber auch repertoiretaugliche Produktionen, 47 Stück über die Jahre; und man sollte jetzt vielleicht nur dezent daran erinnern, dass Publikum wie Volksopern-Ensemble sich darüber einig waren, dass Robert Herzl ein exzellenter Direktor geworden wäre. Es bleibt beim Konjunktiv. Nicht mehr zur Wiener Kulturpolitik . . .
    So kam das Stadttheater Baden noch in Genuss einer guten Herzl-Ära. Ein Haus, in dem wieder mehrere Sparten gepflegt wurden und nebst dankbar angenommenen Operetten-Premieren sogar noch Uraufführungen stattfinden konnten. Er hat's möglich gemacht.
    Gestern, Dienstag, ist Robert Herzl nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.
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  • Endlich wieder Schlagobers
    Man schrieb das Jahr 1924 und es war keine rauschend fröhliche Zeit in Wien. Viel eher hatten die Österreicher der frischgebackenen Republik wirtschaftlich harte Zeiten durchzustehen. An der Staatsoper präsentierte Richard Strauss freilich „Schlagobers“, ein Ballett, das in einer Konditorei spielt. So tanzten denn dem Wiener Publikum alle Dinge, die es sich nicht leisten konnte, vor der Nase herum. Der Erfolg war endenwollend. Nun versucht zum Ausklang des Strauss-Jahres immerhin das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz – in der Reitshalle – ein Remake dieser naturgemäß walzerlastigen Ballettmusik. Karl Alfred Schreiner choregraphiert „Schlagobers“ neu – und man darf gespannt sein, wie eine Generation, die vor Konditorei-Schaufenster eher an Kalorien-Gefahr denn an Hunger denkt, mit dem „Springtanz der Knallbonbons“ umzugehen weiß.
    Premiere ist am 11. Dezember, am 13. gibt’s eine Galavorstellung zugunsten der Aidshilfe.
    www.gaertnerplatztheater.de
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  • Philippe Jordan und die Symphoniker live aus Paris im Internet
    Erstmals waren die Wiener Symphoniker mit ihrem neuen Chefdirigenten, Philippe Jordan, auf Reisen. Das Konzert in Paris (28. November) wurde als Live-Stream auf den Web-Seiten von ARTE und der Wiener Symphoniker gesendet. Auf dem Programm: Schuberts "Unvollendete", dann mit der Solistin Khatia Buniatishvili Schostakowitschs Klavierkonzert Nr. 1 (mit dem Trompetensolo, das Rainer Küblböck, Solotrompeter des Orchesters, blasen wird) und Beethovens Siebente.

    www.wienersymphoniker.at
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  • Beethoven als Inspirationsquelle: ein Kompositionswettbewerb
    Wir sind in der Zielgerade: Das Richard-Strauss-Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Damit haben wir nach zwei Gustav-Mahler-Jahren und der Doppelzelebration der Operngiganten Verdi und Wagner endlich ein ruhigeres Jahr vor uns, denn 2015 ist vielleicht des 150. Geburtstags von Jean Sibelius zu gedenken, aber das wird unsere Veranstalter, die ja in aller Regel eher darauf aus sind, Populäres noch populärer zu machen, auch nicht dazu anstacheln, mehr von dem originellen finnischen Symphoniker aufs Programm zu setzen.
    Trotzdem kehrt keine Ruhe in der Zelebrations-Tätigkeit ein. Vielmehr bittet eine deutsche Pianistin bereits zur vorausschauenden Planung des Jubeljahres 2020 – da wird Beethoven 250. Aus diesem Grund schreibt Susanne Kessel einen Kompositionswettbewerb aus, der ab kommendem Jahr gleich einer Reihe von zeitgenössischen Musikschaffenden zu Aufführungen (und manchen sogar zu Rundfunk-Produktionen und Druckausgaben ihrer Stücke) verhelfen soll – vorausgesetzt, sie beziehen sich in den eingereichten Klavier-Kompositionen irgendwie auf Beethoven. Wenn’s sonst nichts ist . . . Gutes Gelingen!

    www.susanne-kessel.de
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  • Mayerling, die Habsburger-Tragödie als Ballett, exzellent getanzt wieder an der Staatsoper: das ist expressives Tanztheater auch für Menschen, die von dieser Kunst erst überzeugt werden müssen. Sehr zu empfehlen - nur wenige Aufführungen, am 7. Dezember auch als Live-Stream.
    Die ausführliche Rezension in der Print- Ausgabe unter diepresse.com
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  • Linz zeigt 2015 Max Brands "Maschinist Hopkins"
    Das war eines der meistdiskutierten Stücke jener Ära. Das grausige Faszinosum Maschine auf der Opernbühne. Max Brand, aus Lemberg gebürtig, galt in der Weimarer Republik als eine der Zukunftshoffnungen im musikalischen Fach, stilistisch in der Nähe der damals modischen "Neuen Sachlichkeit" angesiedelt, schuf er mit seinem Stück ein Schwesterwerk zu Tageserfolgen wie Krenes "Jonny spielt auf". Auch Brand war nur ein kurzes Aufführungs-Glück beschieden. 1933 musste er aus Deutschland, 1938 auch aus dem österreichischen Exil fliehen. In den USA wurde er zum Pionier der elektronischen Musik, konnte an frühere Erfolge aber nie mehr anknüpfen. Er starb 1980 in Langenzersdorf bei Wien. Ein paar Jahre später kam "Maschinist Hopkins" im Musikverein zumindest wieder zu einer konzertanten Aufführung. nach Versuchen der Neuen Oper Wien kann vielleicht Martin Siegharts Projekt "EntarteOpera" mit dem Israel Chamber Orchestra in Linz eine kleine Brand-Renaissance herbeiführen, wer weiß?
    www.entarteopera.com
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  • Wenn die Musik nur noch ihre "Tage" hat . . .
    „Erbe schützen – Vielfalt leben – Zukunft bauen“ – um griffig-sinnleere Motto-Konglomerate ist man in deutschsprachigen Landen nie verlegen. Aber die Meldung, dass der Deutsche Musikrat im Juni 2015 wieder zu einem landesweiten „Musiktag“ aufruft, an dem sich möglichst alle deutschen Musiker beteiligen mögen, stimmt mich eher traurig. So weit haben wir’s schon gebracht, dass man mittels eines „Musiktages“ daran erinnert, dass es so etwas wie Musik auch jenseits der notorischen Dauerbeschallung mit mehr oder weniger organisiertem Krawall durch Kopfhörer und öffentliche Lautsprecher gibt. Als Kunst. Als Teil unserer Kultur. Also als Lebensmittel! Das müsste sie sein, zumindest dann, wenn Europa sich in irgendeiner Form vom Rest der Welt unterscheiden möchte, um sich seines reichen Erbes als würdig zu erweisen.
    Das sollte vermittelt werden. Nicht an einem Tag im Jahr, sondern täglich und zwar schon im Musikunterricht, den Jugendliche in der EU so nötig hätten wie den in Mathematik, Englisch oder Biologie. Und in Sachen Kunst. Und im Fach Deutsch – und zwar jenseits der Frage des Binnen-Is und des Erstellens zeitgeistiger Texte; sondern zum Beispiel beim Verständnis einer Hölderlin-Ode und deren Einordnung in ein philosophisch-historisches Umfeld.
    Solang das nicht in die Politikerköpfe hineingeht, kann kein Musikrat, kein „Musiktag“ irgend ein „Erbe schützen“, oder „Vielfalt leben“. Und die „Zukunft“ . . .?
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  • Kirill Petrenko dirigiert nicht in Berlin
    Große Enttäuschung bei Musikfreunden in der deutschen Hauptstadt: Kirill Petrenko, der eben im Triumph mit dem "Rosenkavalier" an die Wiener Staatsoper zurückgekehrt ist, sagt krankheitshalber seine Konzerte mit den Berliner Philharmonikern ab. Er sollte am 4., 5. und 6. Dezember Mahlers Sechste Symphonie in der Philharmonie dirigieren. Daniel Harding übernimmt kurzfristig. In Berlin genießt Petrenko seit seiner Zeit als Chefdirigent der Komischen Oper sagenhaften Ruf. Seine Konzerte mit den Berliner Philharmonikern waren stets umjubelt - wobei er auch rares Repertoire wie etwa Orchestermusik des im Ersten Weltkrieg gefallenen Rudi Stephan zu Sensationserfolgen verhalf. Petrenko, Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, gilt als einer der wichtigsten Kandidaten für die Nachfolge Simon Rattles in Berlin . . .
    www.berliner-philharmoniker.de
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  • Angelika Möser übernimmt das Schönberg Center
    Vor fast zwei Jahrzehnten gelang es, den Nachlass des "Gründervaters der musikalischen Moderne" aus Los Angeles nach Wien zu bekommen. Seither gibt es am Schwarzenbergplatz das Schönberg Center, das bis dato von Christian Meyer geleitet wurde. Mit Juni 2015 übernimmt die bisherige - höchst erfolgreiche - Generalsekretärin der Jeunesse, Angelika Möser, diese Funktion. Als künstlerischer Leiter der Musikalischen Jugend folgt Alexander Moore, einer der besten Kenner der musikalischen Literatur und des Konzertbetriebs im Lande. Moore war zuletzt Dramaturg des Tonkünstler-Orchesters und des Grafenegg Festivals.
    Für die Position bei der Jeunesse hatten sich übrigens 30 Interessenten beworben.
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  • Berlins Staatsoper bis 2017 im Schillertheater
    Die zuständigen Kulturpolitiker Berlins haben sich bei einer Begehung der Baustelle davon überzeugt, dass die Renovierung des Opernhauses "unter den Linden" länger dauern wird als geplant - und vor allem viel mehr kosten wird: 389 Millionen Euro, so lautet der Letztstand. Der Bund hat seine Zuwendungen für die Instandsetzung des Hauses mit 200 Millionen begrenzt; den Rest trägt das Land Berlin. Berlin hat's nicht leicht mit seinen Bauten; der Flughafen bleibt in Tegel (gut fürs Publikum, denn es ist schneller in der Stadt) - die Staatsoper bleibt im Schillertheater (ein akustischer Problemfall für Chefdirigent Daniel Barenboim und Berlins Opernfreunde). Eröffnung "unter den Linden": laut jüngstem Voranschlag frühestens mit beginn der Saison 2016/17.
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  • Phillippe Jordan auf dem Feldherrnhügel
    Der neue Chefdirigent der Wiener Symphoniker brilliert gerade als Richard-Strauss-Interpret im Musikverein. Mit dem "Heldenleben" demonstriert er (wie zuletzt in Paris mit "Elektra"), was er als Klangorganisator kann. Das große Schlachten-Gemälde im Zentrum der Tondichtung beleuchtet er souverän von allen Seiten. Wie auf dem Feldherrnhügel überblickt der Hörer somit das Geschehen und kann die Details "überwachen". Ein bemerkenswertes Konzert, in dem außerdem der laufende Schubert-Zyklus mit der Vierten fortgesetzt wird. Den einleitenden Webern (op. 6 - in knapp zehn Minuten "erledigt") hustet das Publikum zu Tode. Vielleicht bessert sich das ja bei der Wiederholung am Freitag (5. Dezember, 19.30). www.musikverein.at

    diepresse.com
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  • Muti als Staatspräsident?
    Auf die kuriosen Medien-Spekulationen, Riccardo Muti könnte sich als Kandidat für das Amt des italienischen Staatspräsidenten zur Verfügung stellen, reagierte der Maestro rasch mit einem klaren Nein: "Ich werde mich bis an mein Lebensende nur mit Musik beschäftigen", ließ er verlauten. Sein Name war ins Spiel gebracht worden, nachdem der hochbetagte amtierende Präsident Napolitano bekannt gegeben hatte, mit Jahresende zurücktreten zu wollen. Indes nimmt das Opernhaus von Rom nach großen Problemen und der Einigung zwischen Verwaltung und Gewerkschaften seinen Spielbetrieb wieder auf. Muti war dort Chefdirigent und hat das Haus im Zuge der Budget-Auseinandersetzungen verlassen.
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  • Staatsopern-Repertoire: Eine "Traviata" als "Crescendo im Verlöschen"
    Es begann wie eine ganz gewöhnliche Repertoire-Aufführung. Doch gelang Ermonela Jaho im Verein mit dem unter Myung-Whun Chung höchst animiert und sensibel aufspielenden Staatsopern-Orchester der paradoxe Fall eines "Crescendos im Erlöschen". Der dritte Akt wurde zu einer psychologischen Studie in Pianissimo - wobei die philharmonischen Streicher die Nuancen, mit denen Jaho ihr "Addio del passato" auusstattete, seismographisch zu übernehmen schienen. Die große Stärke Chungs, der vom Wiener Ex-Generalmusikdirektor beide Verdi-Serien im Dezember übernommen hat, liegt in der Kunst des "Konzertierens", wie es im Mutterland von jedem Opern-Kapellmeister verlangt wird. Als "Maestro concertatore" und "Direttore d'orchestra" bringt er Solisten, Chor und Orchester dazu, aufmerksam aufeinander zu hören. Und er reduziert die Lautstärke auf das von Verdi angegebene Maß; also hört man für eine Repertoirevorstellung ungewöhnlich viele leise und sehr leise Töne, ohne dass deshalb die Spannung nachließe.
    Sensationell das Violinsolo kurz vor Schluss, das über tatsächlich in vierfachem Piano realisierten Akkorden wie aus einer andern Welt hereinzuschweben scheint. Atemlose Spannung im Auditorium, dann Ovationen für alle, auch den soliden Duettpartner der Violetta, Saimir Pirgu und den Hausdebütanten Vitaliy Bilyy, der als Vater Germont angesichts des Charmes der "Traviata" vom rüden Kraftmeier zum Freund mit wachsweichem Herzen mutiert - und mit langem Atem schier endlose Phrasen modelliert.
    (Am Feiertag als Nachmittagsvorstellung um 16 Uhr, am 16. Dezember als Livestreeam unter www.staatsoperlive.com)
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  • Barenboims Abschied von Mailand: "Fidelio" zur Saison-Eröffnung 2014.
    Wie das Publikum auf das Erscheinen des Regie-Teams reagiert hat, zeigte der TV-Sender Arte vorsorglich nicht. Wie gewohnt, lieferte man aber im übrigen die gesamte Eröffnungs-Premiere der neuen Saison der Mailänder Scala frei Haus. Das notorisch überbuchte Gesellschaftsereignis am 7. Dezember ist längst zum Medien-Spektakel geworden.
    Heuer gab man den "Fidelio" als Abschiedsvorstellung des Chefdirigenten Daniel Barenboim, der 2015 von Riccardo Chailly abgelöst wird. Etwas massig und in zum Teil ungewöhnlich ruhigen Tempi klang Beethovens Oper diesmal; zumindest in der Mischung, die die Arte-Technik in den Äther schickte. Für den schlanken Tenor Klaus-Florian Vogts erwies sich diese Gangart als nicht ganz ungefährlich. Er klang im Finale schon recht angestrengt, während die ungemein präzis artikulierende Leonore Anja Kampes nur in der höchsten Höhe geschärft, sonst aber in allen Lagen ausgewogen und satt tönte.
    Ein zynischer Bösewicht war mit Falk Struckmanns Pizarro zugegen, ein bärig-kräftiger Vater Rocco mit Kwangchul Youn. Töchterchen Marzelline schien mit Mojca Erdmann in jeder Hinsicht leichtgewichtig. Freilich: Dass dieser lebhafte Sproß der Twitter-Generation nicht viel früher erkennt, dass es sich bei Fidelio um eine Leonore handelt, ist nicht glaubhaft. Deborah Warners Inszenierung spielt bei sonst mehrheitlich ganz normalen "Fidelio"-Bewegungsabläufen heutzutag; und das schränkt die Glaubwürdigkeit der Handlung doch erheblich ein.
    Gewiss, das Hohelied der Freiheit ist allzeit gültig - doch das ändert wenig daran, dass die utopisch-symbolträchtigen Theater-Bilder, die Beethoven vertont hat, in einer andern Zeit als der unsern angesiedelt sind. Wer das nicht wahrhaben will, schafft keine "Aktualisierung", sondern schwächt lediglich die Glaubwürdigkeit; und damit auch die Wirkung des Ganzen ab.
    Wie auch immer: Mailand hat mit einem zuletzt rote Fahnen schwingenden Chor seine Inaugurazione 2014 absolviert. Die Welt hat zugeschaut. Die internationalen TV-Stationen bieten eine Menge weniger sinnvoller Abendbeschäftigungen . . .
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  • Arabella als Finale zum Strauss-Jahr
    Zu den schönsten Errungenschaften des wienerischen Opern-Systems gehört die Tatsache, dass man hier dank des breiten Repertoire-Systems noch Sängern beim Wachsen und Werden zuschauen - und zuhören darf. Dass Anne Schwanewilms weltweit eine der ersten Interpretinnen der Strauss'schen "Arabella" ist, weiß man. Dass die Staatsoper mit Ileana Tonca eine absolut ebenbürtige Zedenka in ihren Reihen hat, ist wunderbar: Die Sopranstimme ist mittlerweile rund und weich geworden, ohne an Lebendigkeit eingebüßt zu haben. Außerdem spielt Tonca den Burschen Zdenko wie die Verwandlung ins süße Mädel Zdenka zauberhaft. Überhaupt geriet der dritte Aufzug diesmal dank des komödiantischen und stimmlichen Einsatzes aller trotz der zeitlich völlig sinnwidrig positionierten Inszenierung Sven-Eric Bechtolfs theatralisch packend. Apropos Ensemble: Herbert Lipperts unerschrockene Stentorhöhen (Matteo), Wolfgang Bankls komödiantischer Waldner (von Gnaden der Regie jeder Zoll kein Graf, aber eine amüsante Figur); zuvor schon das Grafen-Trio mit Norbert Ernst, Gabriel Bermudez und Clemens Unterreiner; ganz zu schweigen von Daniela Fallys umwerfend jodelnder Fiakermilli - "Arabella" ist in Wien ein "Heimspiel". Dafür garantieren natürlich auch die Philharmoniker im Orchestergraben, die Ulf Schirmer mit sicherer Hand führt und (zuweilen recht deftig) ihrem Strauss-Klanggelüsten nachgehen lässt . . .
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  • Überraschung: Jonas Kaufmann statt Vogt an der Scala
    Klaus Florian Vogt, der, wie berichtet, in der diesjährigen Eröffnungs-Premiere der Mailänder Scala-Saison den Florestan in der von Daniel Barenboim dirigierten "Fidelio"-Aufführung sang, musste gestern, Mittwoch, krankheitshalber vor der ersten Reprise der Neuinszenierung absagen. Es stand prominenter Ersatz bereit: Der Einspringer hieß Jonas Kaufmann und wurde herzlich bedankt. Vogt denkt, bei der kommenden "Fidelio"-Aufführung am Samstag schon wieder fit zu sein.
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  • Der Wiener Musikwissenschaftler Erich Partsch starb 55-jährig
    Die heimische Musikwissenschaft verlor eine weitere prägende Gestalt: Erich Wolfgang Partsch ist unerwartet im 56. Lebensjahr gestorben. Nach Manfred Angerer und Gerhard Winkler wurde ein weiterer Forscher und Lehrer mitten aus der Arbeit gerissen. Partsch war einer von den Stillen, die sich nie in den Vordergrund drängen, doch unermüdlich am Werk sind. Vor allem in der Bruckner- und Mahler-Forschung war Partsch hoch aktiv, als Vizepräsident der Internationalen Gustav Mahler Gesellschaft verdient um die Neu-Herausgabe der Werke Mahlers und Bruckners, hielt er auch Vorlesungen am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien. Derlei liest sich trocken – schreibt sich aber nicht leicht, wenn man Erich, der später zum Studienkollegen wurde, schon als Teenager, als einen immer neugierigen, wachen, sensiblen Musikbegeisterten auf dem Galerie-Stehplatz kennen gelernt hat.
    Seinen Kommilitonen, die allesamt fassungslos vor der Todesnachricht stehen, bleibt nur die Hoffnung, dass ihn nun eine höhere Harmonie umfängt, die ihn über alle Versuche, hienieden die Harmonielehre begreifen zu wollen, lächeln lässt - sanft und ein bisschen maliziös, wie er das so gut konnte . . .
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  • Quiz: Von wem stammt „Bist du bei mir . . .“?
    Es war ein Schlager am Beginn des 18. Jahrhunderts; wiewohl ein geistliches Lied. Johann Sebastian Bach hat es als erbauliche Studie seiner Anna Magdalena ins „Notenbüchlein“ geschrieben. Seither schreiben es die Nachkommenschaften dem alten Meister zu. Doch stammt die verzehrend schön geschwungene Melodie, die einst Elisabeth Schwarzkopf so unvergleichlich gesungen hat, von Gottfried Heinrich Stölzel (1690 – 1749), dessen Erbe von einer eigenen Stölzel-Gesellschaft in Deutschland gepflegt wird. Deren Mitarbeiter fanden jüngst einige bis dato unbekannte Kantaten ihres Meisters, die zusammengenommen wiederum ein Weihnachtsoratorium ergeben – und dieses konnte man am dritten Adventsonntag unter der Leitung des jungen Oberösterreichers Matthias Wögerer in Linz hören.
    Bei unserm Quiz gab’s zwar nichts zu gewinnen. Aber vielleicht hat der eine oder andere neugierige Musikfreund die Anregung aufgenommen: einen talentierten jungen Dirigenten und ein altes, aber seit knapp 300 Jahren nicht mehr gesungenes Weihnachtsoratorium entdeckt man am selben Fleck ja nicht alle Tage. Nicht einmal im Advent . . .


    Die Schwarzkopf: www.youtube.com
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  • Konzert-Nachlese: Exzellentes Klavierspiel - Nareh Arghamanyan
    Eine beeindruckende Leistung bot die 25jährige Ameriniern Nareh Arghamanyan im insgesamt exquisiten RSO-Konzert unter Alain Altinoglu im großen Musikvereinssaal. Das mit Oktavparallelen und Akkord-Ketten nur so gespickte Klavierkonzert von Aram Katschaturian gelang der jungen Pianistin scheinbar mühelos. Vor allem aber schaffte sie's, in all dem programmierten Tastendonner subtile Zwischentöne hörbar zu machen. Das erwies die große Klasse dieser Künstlerin, die sich und dem Publikum in den Zugaben noch ein kleines "Extra-Recital im Konzert" gönnte: mit Grünfelds "Fledermaus"-Paraphrase und einem subtil hingetupften Arrangement von Glucks "Reigen seliger Geister": Da triumphierten die Pianissimo-Valeurs auf dem Bösendorfer.

    diepresse.com
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  • Die Doyenne der Porträt-Photographie. Zum Tod von Lillian Fayer
    Lillian Barylli-Fayer ist in der Nacht auf den 14. Dezember friedlich entschlafen. Die beliebte Phrase trifft in diesem Fall gottlob die Wahrheit. Lillian Fayer stand im 98. Lebensjahr und doch kam, wie die Familie versichert, der Tod völlig unerwartet. Bis zuletzt war sie hellwach und stets am Fortgang des heimischen Kulturlebens interessiert, jenes Kulturlebens, das sie über lange Jahre so aufmerksam und einfühlsam mit der Kamera verfolgt und dokumentiert hat.
    „Foto Fayer“, so lautete über lange Jahre das Synonym für hochwertige Künstler-Porträts aus dem Theater- und Opernbereich. Die "Fayerin", wie sie Opernlgenden vom Schlag einer Elisabeth Schwarzkopf gern nannten, war die Fotografin der Salzburger Festspiele und der Wiener Staatsoper, wo sie in der legendären Ära Karajan mit Erlaubnis des hoch kritischen Maestros aus und ein gehen durfte, wie es ihr gefiel. Denn Karajan wusste: Auf die Dezenz Lillian Fayers war ebenso Verlass wie auf die exzellente Qualität ihrer Bilder.
    Geboren am 8.Juli 1917 in New York, war sie als Mädchen über Ungarn nach Wien gekommen, um dort das (noch von Pionier Daguerre mitbegründete) bedeutende Photounternehmen ihres Vaters zu übernehmen
    In der Wiener Staatsoper absolvierte die Bild-Künstlerin denn auch ihren letzten großen öffentlichen Auftritt: Anlässlich Ihres 95. Geburtstages eröffnete Direktor Dominique Meyer eine Portrait-Ausstellung im Gustav Mahler Saal. Wie stets präsentierte sie sich auch bei dieser Gelegenheit als bescheidene, liebenswerte Zeitgenossin, die nicht viel Aufhebens von ihrem Können machte, sich aber über die Anerkennung der von ihr Porträtierten herzlich freuen konnte. Die waren ihr allesamt zu innigem Dank verpflichtet, denn sie hatte es verstanden, Schauspieler und Sänger als Menschen wie als ausdrucksstarke Bühnendarsteller gleichermaßen einzufangen - eine Quadratur der Porträt-Kunst, die nur wenige beherrschen.
    Entsprechend lang liest sich das Register der Auszeichnungen, derer Lillian Barylli-Fayer teilhaftig wurde: Sie war Trägerin des Goldenen Verdienstzeichens um die Republik Österreich, Trägerin des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien, der Goldenen Ehrennadel der Bundesinnung der Berufsphotographen, Ehrenmitglied der Gesellschaft für Musiktheater, Ehrenmitglied der Internationalen Placido Domingo Society, Ehrenmitglied des José Carreras Clubs, Ehrenmitglied des Jugendclubs der Freunde der Wiener Staatsoper sowie im Ehrenkomitee der Freunde der Wiener Staatsoper.
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  • Ein Notebook erklärt uns ab sofort "live" Musik
    In Zeiten, in denen es weltweit immer schwieriger wird, die sogenannte „klassische“ Musik an Mann und Frau zu bringen, vor allem, wenn diese jüngeren Datums sind, arbeiten Wissenschaftler daran, ein Computerprogramm zu entwickeln, das Musik erkennen kann und sogar Informationen darüber, die für Hörer nützlich sein sollen, an diese weitergeben kann. Die Dinge sind so weit gediehen, dass man nun in Amsterdam zur Tat schreiten will. Am 7. Februar 2015 feiert der Computer im Concertgebouw seinen Konzert-Einstieg: „Ein ganz normales Notebook von uns wird live zuhören und versuchen, in Echtzeit und punktgenau mitzuverfolgen, wo man sich im Stück gerade befindet, und dann in den richtigen Momenten Informationen per WLAN an iPads von Zuhörern im Publikum schicken“, verkündet der Leiter des Projekts und ist stolz: „Ich glaube nicht, dass das vor uns jemand geschafft hat.“ Das glaube ich auch nicht. Jetzt dürfen wir gespannt sein, was Notebook seinen Lesern, die ja gleichzeitig zuhören sollen, verkünden wird. Gespielt wird die „Alpensymphonie“ von Richard Strauss, in der eine Hundertschaft von Musikern die Vergnügungen und Gefahren einer Bergwanderung musikalisch illustriert. Das Stück strotz nur so von großen, kleinen und ganz kleinen klingenden Bildbeschreibungen. Das Notebook wird also allerhand zu tun haben.
    Wirklich perfekt ist die Sache - apropos Einstieg - ja erst, wenn bei Ziffer 54 die Lösung des tönenden Bilderrätsels erfolgt: Was spielen die Bratschen da gerade? Franz Welser-Möst hat anlässlich der Probenarbeit den Musikern des Gustav Mahler Jugendorchesters die Antwort gegeben: Das Glissando runter und wieder rauf schildert nichts G’schmackigeres als dass einer der Wanderer grad in einen Kuhfladen tritt . . .
    Vorausgesetzt bleibt natürlich, dass der Dirigent das im Getümmel der Orchesterstimmen irgendwie hörbar macht – und das Notebook schon entsprechende Erfahrungen in freier Natur gesammelt hat. Dergleichen darf man ja nicht einmal bei Konzertbesuchern sicher voraussetzen.
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