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Putschversuch in der Türkei

  • Regierung: Angriffe auf Parlament und Präsidentenpalast flauen ab

    Die Regierung versucht den Eindruck zu vermitteln, dass der Putsch in  letzten Zügen liege: Nur noch eine kleine Gruppe leiste noch Widerstand. Die Putschisten hätten einige Hubschrauber unter ihrer Kontrolle, aber keine Kampfjets. Fünf Generäle seien ihrer Posten enthoben. Die Angriffe auf das Parlament und den Präsidentenpalast in Ankara hätten weitgehend aufgehört, heißt es.

  • E-Mail-Botschaft der Putschisten
     
    In der Nacht hatten sich noch einmal die Putschisten - sie nennen sich selbst "Bewegung für Frieden in der Heimat - zu Wort gemeldet, diesmal via E-Mail. Sie riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit nicht auf die Straße zu gehen. Räumen zu bleiben. Laut "Spiegel Online" wurde die Nachricht vom Pressebüro des Generalstabs abgeschickt.
  • Menschen in Ankara suchen Schutz vor einem Schusswechsel. (Bild: Reuters)
     
  • Generalstabschef an sicherem Ort
     
    Mittlerweile berichten mehrere türkische Medien, dass Sicherheitskräfte den von Putschisten festgehaltenen Armeechef Hulusi Akar befreit haben. Akar sei an einem sicheren Ort. Laut CNN Türk war er am Luftwaffenstützpunkt Akinci nordwestlich der Hauptstadt Ankara festgehalten worden.
  • Erdogan-Widersacher Gülen bestreitet, hinter Putsch zu stehen
     

    Der Prediger Fethullah Gülen weist die Anschuldigungen von Präsident Erdogan zurück, hinter dem Putschversuch zu stecken. Er habe selbst mehrere Militärputsche miterleben müssen, daher sei die Behauptung, er sei in den Staatsstreich verwickelt, "besonders beleidigend", erklärte Geistliche, der seit vielen Jahren in den USA lebt und vom Mitstreiter zum erbitterten Widersacher Erdogans wurde.

  • Anhänger von Präsident Erdogan jubeln, nachdem die Putschisten auf der Bosporus-Brücke in Istanbul aufgegeben haben. (Bild: Reuters)
     
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    Das Bild Zeigt die Schäden am Parlamentsgebäude in Ankara. Sie sind eine Folge der Luftangriffe seitens der Putschisten. Erbaut wurde es übrigens vom österreichischen Architekten Clemens Holzmeister.
  • Griechenland unterstützt türkische Regierung
     
    Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat der türkischen Regierung die Unterstützung seines Landes zugesichert. "Die Regierung und das griechische Volk verfolgen die Entwicklung in der Türkei und stehen an der Seite von Demokratie und Verfassungsordnung", erklärte Tsipras.
  • +++ Zahl der verhafteten Militärangehörigen laut Regierung bereits bei 1563 +++
  • Derzeit rund 10.0000 Österreicher in der Türkei

    Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) rief die bis zu 10.000 Österreicher in der Türkei dazu auf, "Häuser, Hotels oder sichere Orte nicht zu verlassen, bis sich die Situation entschärft hat". Der Außenminister berichtete, dass das Team in der Botschaft "aufgrund der zahlreichen Anrufe massiv aufgestockt" worden sei.

    Außenamts-Sprecher Thomas Schnöll sagte, es gebe keine Hinweise, dass unter den Todesopfern in der Türkei auch Österreicher seien. Das Außenministerium hat eine Beratungshotline (0043-1-90115-4411) eingerichtet.

    Kurz forderte eine "Rückkehr zur rechtsstaatlichen Ordnung" in der Türkei: "Es sind alle Kräfte in der Türkei gefordert, Menschenleben zu schützen und Rechtsstaat und Demokratie zu achten".

  • Ein Zivilist schlägt auf der Bosporus-Brücke in Istanbul einen Mann, bei dem es sich um einen verhafteten Putschisten handeln soll. (Foto: Reuters)
     
  • +++ Bereits mindestens 90 Todesopfer bei Putsch in der Türkei +++
  • Weitere Bilder aus dem Inneren des attackierten Parlaments. Die Schäden sind gewaltig.
  • Pro-kurdische HDP wendet sich gegen Putschisten
     
    Via Twitter hat die pro-kurische Partei HDP, ansonsten eine erbitterte Gegnerin von Präsident Erdogan, klargestellt, dass sie den Putsch keinesfalls unterstützt. Man sei gegen jede Art von Putsch.
  • Anrainerin in Wien: "Wir haben geglaubt, es ist Krieg"
     
    Die Demonstration türkischer Regierungsanhänger vor der türkischen Botschaft im vierten Wiener Bezirk hat bei Anrainern zu schwerer Verunsicherung geführt: "Wir haben so etwas noch nicht erlebt, wir haben gedacht, es ist Krieg, das war wie Schlachtengeschrei"', schildert eine Frau der "Presse" ihre Eindrücke: "Wir haben gedacht, wir werden überrannt". Man habe sich gar nicht mehr vor die Tür getraut", berichtet die Frau. Der Polizei wirft sie vor, die Angelegenheit herunterzuspielen.
  • +++ Amtierender Stabschef: 104 Putschisten wurden getötet +++
  • Der amtierende Generalstabschef Ümit Dündar meldet sich zu Wort:
     
    Der Putschversuch sei hauptsächlich von Truppen der Air Force und Gendarmiere durchgeführt worden, sagte Dündar Samstagvormittag. Er bekräftigte, dass die obersten Ränge des Militärs den Putschversuch von Beginn an verurteilt hätten. Angehörige der "Parallelstrukturen" innerhalb des Militärs würden aus den Rängen getilgt werden.
     
  • Der Putsch in Zahlen, laut dem amtierenden Generalstabschef Ümit Dündar
     
    • 90 Todesopfer, darunter 47 Zivilisten. Diese Zahl bezieht sich aber offenbar ausschließlich auf Zivilisten und loyale Kräfte.
    • Zudem seien laut Dündar nämlich 104 Putschisten getötet worden.
    • 1563 Militärangehörige wurden bisher in Zusammenhang mit dem Umsturzversuch verhaftet
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    Ein ikonisches Bild aus der Putschnacht: Ein Mann stellt sich beim Atatürk-Flughafen einem Leopard-Panzer entgegen. (Bild: Reuters) 
  • 135 AUA-Fluggäste sitzen in Türkei fest, Flüge gestrichen
     
    Die AUA hat einen Charterflug von Wien nach Dalaman gestrichen. In Dalaman sollten 135 Fluggäste an Bord genommen werden, die nun an dem Urlauberflughafen an der Mittelmeerküste festsitzen. Ob die für morgen geplanten zwei Flüge nach Antalya stattfinden, ist noch unklar. Auch Lufthansa und Swiss haben alle ihre heutigen Türkeiflüge gestrichen.
  • Wer steckt hinter dem Putsch?
     
    Der amtierende Generalstabschef Ümit Dündar beschuldigte vor allem die Gendarmerie (die in der Türkei Teil der Streitkräfte ist) und die Luftwaffe. Die Luftwaffe, mit mehr als 600 Flugzeugen aller Art eine der größten innerhalb der NATO, ist laut unserem Militär-Experten Wolfgang Greber bekannt als Hort des Widerstands gegen islamistische Tendenzen und damit in Gegnerschaft zur islamisch-konservativen AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.
  • Übersicht über abgesagte Flüge zwischen der Türkei und Wien

    Heute fallen 12 von 39 Flügen zwischen Wien und der Türkei aus. Ausfälle gibt es bei Verbindungen von bzw. nach Istanbul, Ankara, Antalya, Dalaman und Kayseri. Nicht betroffen sind vier weitere Ziele - Izimir, Trabzon, Bodrum und Istanbul-Sabiha Gökcen auf der asiatischen Seite der Metropole.

    Reisenden empfiehlt der Flughafensprecher, sich bei ihrer Fluglinie über den Status ihrer gebuchten Flüge zu erkundigen. Auch auf der Homepage des Flughafens Wien finden sich aktuelle Fluginformationen.

    Konkret fallen von unterschiedlichen Airlines heute zwei Flüge nach Istanbul-Atatürk und ein von dort kommender aus, ein Ankara Hin- und Rückflug, ein Antalya Hinflug und drei Rückflüge (vier Rückflüge von dort finden aber statt), je ein Hin- und Rückflug von bzw. nach Dalaman sowie ein Rückflug aus Kayseri.

  • Urlauber können Türkei-Reisen umbuchen oder gratis stornieren

    Bei den allermeisten Reiseveranstalter kann man Türkeireisen, die heute oder morgen starten, kostenfrei umbuchen oder gratis stornieren, heißt es seitens des Verkehrsbüros.  Ob das auch noch am Montag gilt, ist vorerst unklar. Rewe Austria Touristik befristete das kostenlose Umbuchungs- oder Storno-Angebot ebenfalls vorerst mit Abflugdatum 17. Juli und hat eine Hotline unter der Nummer   +43 1 58099  580 eingerichtet. 

  • Türkische Regierung: Lage "vollständig unter Kontrolle"

    Die türkische Regierung will die Lage nach dem Putschversuch nach eigenen Angaben wieder vollständig unter Kontrolle haben. Das sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Samstagmittag in Ankara.

  • Premier bringt Wiedereinführung der Todesstrafe ins Spiel
     
    Der türkische Premier Binali Yildirim erklärte am Samstag, die Todesstrafe sei zwar in der türkischen Verfassung nicht vorgesehen. Man erwäge aber Gesetzesänderungen. Es müsse sichergestellt werden, dass sich so etwas wie der Putschversuch der vergangenen Nacht nicht wiederhole.
  • Opferzahlen erneut stark gestiegen
     
    Die Regierung hat neue Zahlen vorgelegt: Demnach kamen mindestens 265 Menschen im Zuge des Umsturzversuchs ums Leben, 161 davon Zivilisten oder regierungstreue Sicherheitskräfte, 104 Putschisten.
     
    Auch die Zahl der Verhaftungen in den Reihen des Militärs steigt sprunghaft an: Es seien bereits 3000 Armeeangehörige verhaftet.
  • Der türkische Premier Binali Yildirim erklärt den Putschversuch für gescheitert. (Foto: Reuters)
     
  • Türkische Militärs suchen in Griechenland um Asyl an

    In Nordgriechenland sind die acht Insassen eines dort gelandeten türkischen Militär-Hubschraubers festgenommen worden, wie die griechische Polizeibehörde mitteilte. Sie haben laut den Behörden um politisches Asyl angesucht. Es dürfte sich also um Putschisten handeln. Die türkische Regierung verlangte bereits ihre Auslieferung.

  • +++ Putschisten kaperten offenbar Kriegsschiff +++
     

    Nach Angaben griechischer Militärs haben regierungsfeindliche Kräfte im türkischen Marinestützpunkt Gölcük eine Fregatte gekapert. Der türkische Flottenchef sei als Geisel genommen worden.

  • Turkish Airlines hat angekündigt, ab 14 Uhr alle Flüge wieder aufnehmen zu können. Der Vorstandsvorsitzende der Fluglinie, Ilker Ayci, meinte in einem Telefonat auf CNN Turk: Es werde rund 24 Stunden dauern, bis wieder vollkommene Normalität eingekehrt sei, "ab 14 Uhr sind wir jedenfalls in der Lage, in vollem Ausmaß zu fliegen."
     
    Alle anderen Fluglinien riefen die Reisenden auf nach Möglichkeit nur Handgepäck mitzunehmen, damit die Sicherheitskontrollen nicht zu lange dauern.
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    Admiral Bülent Bostanoglu, Chef der türkischen Marine, wurde angeblich von Putschisten festgesetzt. (Foto: Turkish Navy)  
  • Der Bosporus wurde wieder für Tanker geöffnet, berichtet die Agentur Reuters und bezieht sich auf den Betreiber GAC: "Der Verkehr für Verkehrsschiffe funktioniert wieder wie gehabt... auch für ungefährliche Frachtschiffe", schrieb der in einer E-Mail.
  • Saudi-Arabien begrüße das Ende des Putschversuches, hieß es in der staatlichen Nachrichtenagentur des Landes, SPA: Das Land befürworte, dass wieder Normalität eingekehrt sei, "angeführt von Seiner Exzellenz Präsident Tayyip Edogan und seiner gewählten Regierung, legitimiert durch die Verfassung und den Willen des türkischen Volkes".
    Es war die erste offizielle Stellungnahme des Landes zu den Vorgängen in der Türkei.
  • Erdogan sieht Putschversuch als "Segen Gottes"
     
    "Im Sinne von 'alles hat auch etwas Gutes' ist dieser Aufstand, diese Bewegung letztendlich ein Segen Gottes. Warum ein Segen Gottes? Diese Bewegung ist eine, die als Anlass dazu dienen wird, dass unsere Streitkräfte, die vollkommen rein sein müssen, gesäubert werden", sagte der Staatspräsident am Istanbuler Atatürk-Flughafen. 
  • In Istanbul wird die Lage wieder ruhiger. Auf den Brücken über den Bosporus hält langsam wieder Normalität Einzug. Der Verkehr wird immer flüssiger. Die Straßen werden gereinigt.
  • Die türkischen Sender zeigen Aufnahmen von den Stellen, an denen Bomben eingeschlagen sind. Es gibt viele Schaulustige, die Reinungsarbeiten sind im Gange. Die ausgebrannten Autos werden abtransportiert.
  • Sämtliche türkischen Kommentatoren und politischen Anführer üben sich in Zweckoptimismus: Man werde bald wieder zur Normalität zurückkehren, lautet der O-Ton. Die Türken seien es wie kein ein anderes Volk gewöhnt, nach Krisen schnell wieder den Alltag aufzunehmen. In ein paar Tagen werde alles beim Alten sein.
  • Hinter dem Putschversuch könnte Akın Öztürk stehen, spekulieren mehrere russische Nachrichtenagenturen. Özturk ist ein ehemaliger türkischer General. Er war 2013 bis 2015 Chef der Luftwaffe. Türkische Medien schreiben von einer Verbindung zwischen Özturk und Erdogans Erzrivalen Fethullah Gülen.
    (Foto: Wikimedia/Dontbesogullible/CC BY-SA 4.0)
     
  • Das türkische Parlament in Ankara ähnelt heute einer Baustelle: Insgesamt sieben Bombeneinschäge haben deutliche Spuren hinterlassen. Wände sind eingestürzt. Überall liegt Glas herum. Das Zimmer des Ministerpräsidenten ist komplett zerstört. Auch einige Grundpfeiler wurden beschädigt.
    (Foto: imago/Depo Photos)
     
    Rund 100 Abgeordnete hatten sich gestern Nacht im Parlament eingefunden und sich trotz Bombeneinschäge geweigert, es zu verlassen. Sie gaben Live-Interviews vom Parlament, während im Hintergrund die Bomben zu hören waren und Rauch in den Raum eingedrungen ist.
     
    (Foto: imago/Depo Photos)
     
  • Kadir Topbas, Oberbürgermeister von Istanbul, nennt den Putschversuch Terrorismus und bedankt sich bei der Bevölkerung für ihren Einsatz, um den Putsch abzuwehren. Er vermutet, dass dieser Putschversuch noch viele Verschwörungen ans Tageslicht bringen wird. Er geht von einer "Verschwörung in ungeheurem Ausmaß" aus. Sonst wäre eine derartige Planung und Logistik nicht möglich. Das alles sagt er in einem Live-Interview mit CNN Turk.
    Auf die Frage, ob er selbst an eine Verschwörung aus dem Ausland (Anm. d. Red.: von Fethullah Gülen) glaube, sagt Topbas, dass die detaillierte Planung darauf hindeute.
  • +++ Statement: Gülen leugnet Beteiligung +++
     
    In einem Statement, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, meldet sich Fethullah Gülen selbst zu Wort. Der Kleriker, der in den USA lebt, wird von vielen als Drahtzieher des Putschversuches gesehen.
     
    Er verurteile den Putschversuch aufs Schärfste, sagt Gülen gegenüber Reuters: "Die Landesführung sollte durch freie und faire Wahlen, nicht durch Gewalt, erreicht werden." Die Anschuldigungen ihm gegenüber - dass er also eine Rolle bei dem Putschversuch gespielt habe - lehne er kategorisch ab: "Als jemand, der selbst unter mehreren Militärcoups gelitten hat, finde ich es besonders verletzend, mit solch einem Putschversuch in Verbindung gebracht zu werden."
  • +++ Fast 3000 türkische Richter des Amtes enthoben +++
     
    Der Fernsehsender NTV berichtet davon, dass 2745 Richter des Amtes enthoben worden seien. Die Entscheidung habe der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte getroffen; fünf seiner Mitglieder wurden ebenfalls suspendiert, gegen sie liefen Ermittlungen, hieß es zur Begründung.
  • Auch der Oberbefehlshaber der türkischen Luftwaffe, General  Abidin Unal, dürfte von Putschisten entführt worden sein, das berichten bulgarische Medien. Unal (63) wurde demnach zusammen mit weiterehn Offizieren in der Nacht auf Samstag in Istanbul entführt, wo er Gast bei einer Hochzeit war. Eine Kommandoeinheit soll ihn und die anderen gefangen und mit Hubschraubern weggeflogen haben. Der Verbleib der Männer ist unklar.
     
    (Foto: Turkish Air Force)
     
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